Kurs:Gründung und Leitung eines Kreativunternehmens/GEMA nach Hause: Verloren zwischen Club und Youtube

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Januar 2013 | Alexander Wragge


Alle schimpfen über die GEMA: Internet-User, Club-Besitzer und die Musiker. Die Verwertungsgesellschaft stand 2012 im Kritik. Die umstrittene Tarifreform führte sogar zu Demonstrationen mit zehntausenden Teilnehmen.

Die Tarifreform Die Gema plant eine neue Tarifstruktur bei Musikveranstaltungen ab April 2013 in Kraft treten sollte. Statt den bisherigen elf soll es nur noch zwei Tarife geben: eine für Live-Musik, einen für Tonträgermusik. Damit soll es einfacher und gerechter zugehen. Der Tarifpreis ist abhängig von der Höhe des Eintrittpreises und der Fläche der Veranstaltung. Unabhängig davon die Anzahl der Gäste. Das führt dazu, dass Betreiber großer Clubs statt bishter 20.000 Euro jährlich 150.000 Euro an die GEMA zahlen müssen. Eine Steigerung von bis zu 2.600 Prozent. Politiker aller Lager stellen sich jedoch hinter den Clubs, um ein Clubsterben zu verhindern. Sollte sich die Gema mit den Clubbetreibern nicht einigen können, so muss die Schiedstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt entscheiden, ob das neue Tarifsystem angemessen ist oder nicht.

Der Streit mit Youtube Die GEMA sperrt in Deutschland Millionen von Musikvideos, da sich Youtube nicht auf das GEMA-Tarifmodell für Musikstreaming-Dienste einlässt. Das Argument: Man biete blß eine Plattform, auf der Nutzer Videos hochladen können, und sei selbst kein Anbieter von Inhalten. Youtube will die GEMA zwar am Werbeumsatz beteiligen, jedoch noch pro Klick zahlen. Solang der Konflikt nicht gelöst ist, sorgt die GEMA für viel Ärger bei Millionen von Youtube-Usern. Das juristische Tauziehen bleibt jedoch im Hintergrund.


Verkrustete Strukturen und Realitätsverweigerung Es gibt zahlreiche weitere Kritikpunkte gegen die GEMA. Eine davon ist die erstarrte Struktur: Kleine Musikurheber würden zugunsten von etablierten Künstlern finanziell benachteiligt und haben weniger Mitspracherecht. Entscheidungsstrukturen seien elitär und intransparent. Verwaltungskosten und Vorstandsgehälter seien zu hoch. Außerdem blockiere die GEMA die Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen.

Es scheint fast so, als hätte die GEMA ihre Grundidee aus den Augen verloren: Kommerzielle Nutzer müssen nicht jeden Komponisten und Textdichter einzeln fragen, wenn sie Musikstücke verwenden. Radiostationen, Clubs, Bars und Fernsehsender führen Gebühren an die GEMA ab, die sie an Musikverlage und Kreative weiterverteilt.

Da eine Besserung der GEMA noch nicht in Sichtweite ist, planen Akteure der Musikszene eine alternative Verwertungsgesellschaft: Die Cultural Commons Collecting Society (C3S), die vieles besser machen will.


http://irights.info/gema-nach-hause-verloren-zwischen-club-und-youtube/9763

(Zusammengefasst von Nico Deisenberger)