Kurs:HistoCat (SS 2016)/Kampf gegen die Aufklärung

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Dieses Thema wird bearbeitet von EmanuelaS

Inhaltsverzeichnis

Ist der christliche Glaube unvernünftig?[Bearbeiten]

Antwort[Bearbeiten]

Nein. Jesus Christus fordert uns sogar auf, Gott mit unserem ganzen Verstand zu lieben.[1]

Warum ist der christliche Glaube vernünftig?[Bearbeiten]

Antwort 1: Philosophische Herangehensweise[Bearbeiten]

Die griechischen Philosophen (Xenophanes, Platon, Aristoteles) argumentierten gegen den Mythos und gingen von dem Logos aus, von einer Vernunft, von dem Sein, das der Grund alles Seienden ist.[2] Platon spricht vom "Absoluten" oder von der "Idee der Ideen"[3], Aristoteles spricht vom "unbewegten Beweger"[4]. Blaise Pascal fasst diese Bezeichnungen im 17.Jh zusammen unter dem Begriff "Gott der Philosophen", auch bezeichnet als Philosophische Gotteslehre[5]. Die frühe Kirche entschied sich für den "Gott der Philosophen" und gegen den Vielgötterglaube der damaligen antiken Welt. Damit knüpft sie an das Alte Testament, an die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel.[6] Gott stellt sich Mose vor als der "Ich bin" (2.Mose 3,14). Umgeben von ausnahmslos polytheistischen Völkern gibt Gott dem Volk Israel die Weisung: "Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein." (5.Mose 6,4) und "Du sollst keine andern Götter haben neben mir." (2.Mose 20,3)


Antwort 1: Philosophische Herangehensweise (Jugendsprache)[Bearbeiten]

Die alten griechischen Philosophen (Xenophanes, Platon, Aristoteles) kamen zu der Einsicht, dass die Welt nicht von Göttern erschaffen sein kann, da diese sich, genau wie wir Menschen oft, so gar nicht vernünftig aufführen, also lügen, betrügen, die Ehe brechen usw. und dieses Verhalten so gar nicht zum Göttlichen passt. Sie waren der Meinung, es müsse einen Logos, eine Vernunft, ein Absolutes, ein Sein ausserhalb der Welt geben, das ewig ist und immer schon war und das die Welt lenkt. Dieser "Gott der Philosophen" hat erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit dem Gott der Christen. Christen glauben an einen immer schon da gewesenen, intelligenten Schöpfer-Gott, der die Welt und alles in ihr erschuf.[7]

Was bedeutet "logos"?[Bearbeiten]

Das griechische Wort Logos bedeutet einerseits Wort, Sprache, aber auch Vernunft, Sinn, Wahrheit.[8] [9] Der Evangelist Johannes schreibt, dass das Wort (logos) Gott war[10] und dass das Wort Fleisch geworden ist[11]. Wenn man "logos" mit "Verstand/Wahrheit" übersetzt, bekommen die Verse eine tiefere Bedeutung: "Der Verstand/die Wahrheit war Gott". "Der Verstand/die Wahrheit ist Fleisch geworden." Jesus Christus sagt selber über sich: "Ich bin die Wahrheit."[12]

Antwort 2: Vertrauen[Bearbeiten]

Ein jeder Mensch der "an etwas" glaubt, vertraut. Er setzt sein Vertrauen in Gegenstände, in Erkenntnisse (die meist Andere erwarben), in Personen. Jedes Vertrauen bezieht sich daher auf Wahrheit, stellt einen Wahrheitsanspruch an die vertraute Person/Erkenntnis, an den vertrauten Gegenstand. [13] Jeder Glaube, auch der christliche, beinhaltet jedoch ein Stück Zweifel, eine Ungewissheit. Beide, der an Jesus Christus Glaubende wie auch ein Andersgläubiger, stehen vor dem Dilemma des "Vielleicht ist es nicht wahr." bzw. des "Vielleicht ist es doch wahr."[14] Was schließlich bleibt, ist eine Entscheidung: eine Entscheidung für die Wahrheit, die sich in der Person Jesus Christus manifestiert und dem sich der Mensch anvertrauen kann.[15] Was bedeutet also Glaube? Glaube ist die Entscheidung zur Wahrheit.[16]

Antwort 2: Vertrauen (Jugendsprache)[Bearbeiten]

Jeder Mensch setzt jeden Tag sein Vertrauen in Gegenstände und in andere Personen. Wir vertrauen darauf, dass wir jedes Mal wenn wir das WLAN aufdrehen, Internetzugang haben, obwohl wir die Leitungen weder sehen, hören noch fühlen können. Also sobald der Angestellte von der Firma kommt und uns das WLAN installiert, haben wir keinerlei Zweifel, dass es nicht klappen könnte. Wir vertrauen unseren Freunden, glauben an die Ehrlichkeit ihrer Freundschaft und glauben, dass sie uns nicht nur ausnutzen wollen. In anderen Worten, wir vertrauen, obwohl wir im Grunde keine Ahnung davon haben, wie die Übertragung von WLAN funktioniert oder ob hinter einer Freundschaft nicht doch unehrliche und ausnutzerische Motive stecken.[17] Es geht aber auch andersrum: Stell dir vor, ein Mensch aus dem 19.Jahrhundert reist per Zeitmaschine in das Jahr 2016. Du erklärst ihm bis in die kleinsten technischen Details, wie WLAN funktioniert, aber er will es einfach nicht glauben. Hier nützt das ganze Wissen nichts: er muss sich selbst davon überzeugen, wie WLAN funktioniert. Da sieht man: Wissen allein ist noch keine Voraussetzung um zu glauben. Daher ist der Glaube eine Entscheidung, auch wenn vielleicht nicht alles sofort einleuchtend ist. Christlich glauben bedeutet, sich dem anzuvertrauen, der die Welt und mich trägt.[18]

Zitat[Bearbeiten]

"Frage die Schönheit der Erde, frage die Schönheit des Meeres, frage die Schönheit der Luft, die sich ausdehnt und sich verbreitet, frage die Schönheit des Himmels..., frage alle diese Dinge. Alle antworten dir: Schau, wie schön wir sind! Ihre Schönheit ist ein Bekenntnis. Wer hat diese der Veränderung unterliegenden Dinge gemacht, wenn nicht der Schöne, der der Veränderung nicht unterliegt?"[19] (Hl. Augustinus)

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968
  • Johannes Paul II., Enzyklika Fides et Ratio, 14.9.1998

Widersprechen sich Glaube und Wissenschaft?[Bearbeiten]

Antwort[Bearbeiten]

Nein. Die christliche Weltanschauung war sogar der Nährboden für die Entwicklung der modernen Wissenschaft. Der Glaube an einen logisch denkenden Gott, der hinter der Schöpfung steht, führte die Wissenschaftler zu der Annahme, dass die Welt nach festen und verständlichen Regeln ablaufen muss. Umgekehrt waren sie der Meinung, dass hinter den Regelmäßigkeiten der Naturgesetzte und der tiefe mathematische Logik und Systematik der physikalischen Welt nur ein hoch intelligent denkender Schöpfer sein kann und nicht der Zufall. [20] Der Glaube geht über die Naturwissenschaften hinaus. Die Naturwissenschaften erforschen die materielle Welt, das, was wir sehen, riechen, ertasten können und Dinge, die der Mensch geschaffen hat. Was ist jedoch mit abstrakten Begriffen wie Liebe, Sehnsucht, Geborgenheit, und schließlich auch Gott? Allesamt sind Begriffe, die wir mit unseren Sinnen nicht erfassen können, die also naturwissenschaftlich nicht beweisbar sind. Bedeutet das dann, dass sie nicht existieren, unwahr sind? Es bedeutet, dass es noch eine zweite Form von Zugang zur Wirklichkeit gibt, die wir Glauben nennen. [21] Glaube und Wissenschaft ergänzen sich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicky Gumbel, Heiße Eisen angepackt,Hamburg 2002 (5.Auflage).
  • Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968.

Welche wissenschaftlichen Methoden lehnt die Kirche ab?[Bearbeiten]

Ist Wissenschaftskritik gleich Wissenschaftsfeindlichkeit?[Bearbeiten]

Was ist ein Wunder?[Bearbeiten]

Antwort[Bearbeiten]

Ein Wunder ist das übernatürliche, den Naturgesetzten widersprechende Eingreifen Gottes. Wenn es Gott tatsächlich gibt, sind Wunder möglich. Denn wenn er Zeit, Raum, Materie, Vernunft, Naturgesetzte geschaffen hat, steht es im frei, jederzeit in deren Abläufe einzugreifen. [22] Damit wir Wunder überhaupt als Wunder wahrnehmen, müssen wir an die Naturgesetzte glauben, also anerkennen, dass es in der Natur Gesetzmäßigkeiten gibt (z.B. die Schwerkraft). Ansonsten würden uns Wunder, die vom "Normalen" abweichen, gar nicht erst auffallen. Darum kann man nicht behaupten, dass die Menschen früher nur an Wunder glaubten weil sie die Naturgesetzte nicht kannten. Die Jungfrauengeburt Marias war schon zu Jesu Zeiten ein Wunder, da die Menschen genug von Naturgesetzten verstanden um zu merken, dass sie hier unterbrochen wurden. [23]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicky Gumbel, Heiße Eisen angepackt, Hamburg 2002 (5.Auflage).
  • C.S.Lewis, Gott auf der Anklagebank, Basel 2009 (5.Auflage).

Welche Voraussetzungen hat die Etablierung von Menschenwürde, Freiheit und Toleranz?[Bearbeiten]

Wie hängen christliches Menschenbild und Menschenwürde zusammen?[Bearbeiten]

Wie hängen Menschenwürde und Menschenrechte zusammen?[Bearbeiten]

Kann es ein Menschenrecht auf Abtreibung geben?[Bearbeiten]

Warum ist die Kirche keine Demokratie?[Bearbeiten]

Welche Formen der Mitwirkung gibt es in der Katholischen Kirche?[Bearbeiten]

Hat die Kirche je gelehrt, die Erde sei eine Scheibe?[Bearbeiten]

Was bewirkte die „kopernikanische Wende“ im naturwissenschaftlichen Weltbild des Christentums?[Bearbeiten]

War Charles Darwin Atheist?[Bearbeiten]

Macht Darwin den Gedanken der Schöpfung überflüssig?[Bearbeiten]

Welche Rolle spielte die Kirche bei der Gründung der Universitäten in Europa?[Bearbeiten]

Welche bekannten Wissenschaftler waren gläubige Christen?[Bearbeiten]

Was ist die Aufklärung?[Bearbeiten]

Aufklärung bezeichnet die Epoche zwischen dem sogenannten Barock und dem 19. Jahrhundert (u.a. Romatik und Idealismus). Das "Zeitalter der Aufklärung" begann schon in den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts und gipfelt 1789 in die Französischen Revolution. [24] Das wichtigste Kennzeichen der Aufklärung ist das Streben nach Klarheit des Verstandes (auch "Erhellung des Verstandes"). Um dahin zu gelangen, muss sich der Mensch um klares, nüchternes Denken bemühen, das frei ist von Vorurteilen, Intoleranz, Aberglauben und Fanatismus. Auch betont die Aufklärung das "Selbstdenken", also eigenständiges, freies Denken, dass nicht durch die Meinung von Autoritäten oder durch eigene Faulheit und Feigheit beschränkt und diktiert wird. [25] In besagter Epoche entwickelt sich durch die vielen neuen wissenschaftlichen und technisches Errungenschaften ein enthusiastischer Fortschrittsglaube. Mathematik und Naturwissenschaft entwickeln sich zu unbezweifelbaren Wissenschaften [26], was zu einer allgemeinen Rationalisierung und Verwissenschaftlichung (im Sinne der Naturwissenschaften)und einem Beschränken auf das Erscheinende führt. Von all dem erhofften und erwarteten sich die sogenannten Aufklärer, also die führenden Intellektuellen, ein höheres Mass an Vernunft, Freiheit, Tugend, Glück und Nutzen.[27]

Zweite Definition[Bearbeiten]

Die Voraussetzung für die Aufklärung ist eigenständiges Denken, welches den Menschen aus der Unmündigkeit heraus führt. Dieses setzt für Kant Freiheit voraus.[28] Doch wie der Frühaufklärer Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) feststellt: "Der Mensch ist frei geboren und überall ist er in Ketten." [29] Deshalb verfolgte die Aufklärung den Zweck, einen tief greifenden Prozess der Befreiung des Menschen aus allen Zwängen einzuleiten. Zu deren Voraussetzungen zählten u.a. die Formierung einer kapitalistischen Marktordnung, der Aufstieg des Bürgertums, die Ausbildung der Naturwissenschaften, die Philosophie des Rationalismus und die rationale Politik der souveränen Staaten. Weiters zeichnet sich die Aufklärung durch ein Erstarken des allgemeinen Bürgertums aus. Dies zeigte sich z.B. durch das Entstehen von Öffentlichkeit (in Form von Vereinsbildung, Akademien, Entstehung von Zeitschriften u.s.w.) und der Vorderung von Pressefreiheit gegenüber Staat und Kirche. [30] Letztendlich zielt Aufklärung auf eine allgemeine Erneuerung.

Zitat[Bearbeiten]

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."[31]

Entstand Demokratie in der Aufklärung?[Bearbeiten]

In der Epoche der Aufklärung beginnt ein neuer Diskurs über das Herrschaftsverständnis und über das Regieren. Herrschaft wurde nicht mehr als Selbstzweck aufgefasst, sondern als Mittel zur Ermöglichung des individuellen und allgemeinen Wohls. [32] Grundlegend für die Veränderung war Jean-Jacques Rousseaus Werk „Vom Gesellschaftsvertrag“ 1762, am Vorabend der Aufklärung. Er definierte den sogenannten „Gesellschaftsvertrag“, der die Grundlage der Demokratie ist, wie folgt: „Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf.“[33] Dem Gesellschaftsvertrag geht die Überlegung voraus, dass „der Mensch frei geboren ist und überall in Ketten ist“ [34]. Daher muss man eine Gesellschaftsform finden, die den Menschen und sein Eigentum schützt und in der er möglichst frei bleibt und so weit es geht sich selbst gehorcht. Rousseau wie auch Charles de Montesquieu (1689-1755) vertraten die Ansicht, dass Legislative, Judikative und Exekutive getrennt, daher nicht von ein und derselben Peron bzw. einer Körperschaft ausgeübt werden sollen, weil ansonsten keine wahre Freiheit bestünde. Heute ist diese Trennung in demokratischen Staaten gang und gäbe. Rousseau glaubte allerdings, dass Demokratie als Staatsform nicht möglich sei, da sie von den Menschen ein zu hohes Maß an Tugend voraussetze[35]: "Wenn es ein Volk von Göttern gäbe, würde es sich demokratisch regieren. Den Menschen entspricht eine so vollkommene Regierung nicht." [36]

Warum stand die Aufklärung kritisch zur Religion?[Bearbeiten]

Eine Ursache, dass es überhaupt zur Aufklärung kam, war die Religionskritik.[37] Diese entsprang einer universalen Erschütterung des christlichen Weltbilds durch mehrere Ereignisse: die Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453), die Entdeckung der Neuen Welt (1492) und die Reformation (1517). Neue wissenschaftliche Entdeckungen, die den alleinigen und allumfassenden Wahrheitsanspruch der Bibel in Frage stellten, führten zu einer allgemeinen Verunsicherung. [38] Die "kopernikanische Wende" (Nikolaus Kopernikus 1473-1543: nicht die Sonne kreist um die Erde, sondern die Erde, wie auch die anderen Planeten, kreisen um die Sonne) und die Entdeckungen Galileo Galileins (1564-1642) veränderten nicht nur grundlegend das bisherige Weltbild, sondern führten eine neue Form der wissenschftlichen Methode ein, nämlich die der Empirie, also wissenschftliche Erkenntnis durch Erfahrung und Beobachtung.[39] Das traditionelle Wissenschaftsverständnis, dass nur Sätze gelten lässt, die der reinen Logik standhalten, da sich nach dem scholastischen Denken die menschlichen Sinne/die sinnliche Beobachtung und Erfahrung täuschen kann und subjektiv ist, wird nach und nach von der Empirie abgelöst.[40] Empirismus und Rationalismus, die beiden großen Bewegungen des 17. und 18. Jahrhunderts haben gemeinsam, dass sie ihre Methoden von Mathematik und Naturwissenschaften auf die Philosophie [41] und in Folge dessen auf die Theologie übertragen. Das Ziel ist der Vorrang der Vernunft auf allen Gebieten, ebenso das Programm, die mathematische Methode in allen Bereichen anzuwenden. [42] Da Glaube und Kirche in dieser Zeit des Umbruchs und Zweifel scheinbar keine Antworten mehr geben konnten, wandte man sich der sichtbaren Welt zu. Die neue Formel lautete: Als wahr erkennbar ist nur das, was der Mensch selbst gemacht hat. [43] Empirismus, Rationalismus, Fortschrittsglaube münden in den Deismus (siehe Frage 24). Die Deisten hielten die Offenbarung nicht für notwendig: Was der Mensch tun muss, um das Wohlgefallen Gottes zu finden, lehrt ihn nicht die Bibel oder die Kirche, sondern die Vernunft und das moralische Gefühl. [44]

Was bewirkte die Aufklärung?[Bearbeiten]

  1. Subjektivismus

Die Aufklärung bewirkte die Hinwendung zu Empirismus und Rationalismus sowie zu der rein materiellen Welt. Dies führte zu einer "Wende zum Subjekt", die maßgeblich das neuzeitige Denken bestimmt. Der Mensch mit seinen natürlichen Kräften und Fähigkeiten tritt in den Vordergrund. [45] "[…] Denn im philosophischen Raum verengt sich die Frage nach dem Menschen zur Frage nach dem Subjekt, nach dem reinen "Ich denke". Der Grund dafür liegt in der kritisch-methodologischen Reflexion, die auf das erkennende Subjekt zurückweist und in ihm den ersten, unmittelbar gesicherten Ausgangspunkt des Denkens vorfindet. Dies wird zum Ansatz des neuzeitlichen Subjektivismus, sei es in der Form einer Selbstbeschränkung der Erkenntnis auf die subjektive, daher relative Erscheinung, sei es in der Absolutsetzung des Subjekts, das idealistisch zum absoluten Ich oder absoluten Subjekt wird. In beiden Fällen tritt das reine, allein sich selbst gewisse Subjekt in den Mittelpunkt." [46] Die Etablierung dieser Philisophien hat Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Alles was nicht (natur)wissenschaftlich nachweisbar ist, fällt unter die Kategorie "relativ". Es gibt nicht mehr "die Wahrheit", Wahrheit ist subjektiv und pluralistisch geworden.[47]

  1. Deismus

Der Deismus ist eine religionsphilosophische Lehre (die jedoch nur selten von akademischen Philosophen, sondern meist von gebildeten Laien verteten wurde) die besagt, dass es eine natürliche Religion gibt und das diese für das Heil des Menschen ausreichend ist. Sie kam um 1560 in Frankreich auf und verbreitete sich im 17. Jh auch in England und in Deutschland. Bekannte Vertreter waren Voltaire und Rousseau in Frankreich und Hermann Samuel Reimarus, Lessing und Herder in Deutschland.[48] Deisten glauben, dass es ein höchstes Wesen, einen jenseitigen Gott gibt, der allerdings nicht in die Welt eingreift und sich nicht um Welt und Menschen kümmert. Hier ist der Mensch Herr seiner Welt. [49] Der Deismus unterscheidet sich sehr vom christlichen Glauben: er lehnt jedes übernatürliche Eingreifen Gottes in diese Welt ab: Offenbarung und Wunder, Menschwerdung und Erlösung werden geleugnet. Die Welt wird zu einer säkularisierten, gott-freien, die mit ihm nichts mehr zu tun haben will und ihn nicht braucht. [50] Der Deismus wir auch als "Vernunftreligion" bezeichnet. [51] Der Glaube an ein "höheres Wesen", das aber nicht in der Welt wirkt, ist heute gang und gäbe. Hier leitet sich auch die Vorstellung von Gott als einem alten Mann im Himmel ab, der in keiner Beziehung zum Leben des Menschen steht.


  1. Fortschrittsglaube

Im 17.Jahrhundert entwickelte sich ein ungemeiner Fortschrittsglaube, Vernunftsoptimismus und ein Glaube an die Beherrschbarkeit der Natur. [52] Durch den Gebrauch ihrer Vernunft lasse sich die Menschheit vervollkommen, so eine Grundüberzeugung der Aufklärung. Von einer auf Erfahrung gegründeten Wissenschaft erwartete man sich Zunahme und Fortschritt an Wissen.[53] Die Aufklärung propagiert den Fortschritt als Kampf gegen Aberglaube, Vorurteile und Unwissenheit durch Verbreitung von Kenntnissen auf allen Gebieten. Gleichzeitig entwickelt sich der Historismus als neues Geschichtsbewusstsein, und in der voranschreitenden Geschichte vom Zustand der Barbarei bis zu dem der Zivilisation wird ein immer zunehmender Fortschritt der Menschengattung wahrgenommen. Man erwartete sich Fortschritt nicht nur in der Wissenschaft und Technik sondern auch in der Zunahme an Moral und Tugend.[54] Mit Fortschrittsglaube vernüpft ist die wachsende Bedeutung der Einzelpersönlichkeit und ein heftiger Drang nach Freiheit, der sich u.a. in der Forderung nach Unabhängigkeit des menschlichen Denkens äussert und zur Prüfung alles Wahrnehmbaren durch die Vernunft des Einzelnen führt (Rationalismus). [55] Francis Bacon (1561-1626), einer der großen Vertreter des Rationalismus und Empirismus, sagte es deutlich: "Der Mensch, dieser Diener und Ausleger der Natur, wirkt und weiß so viel, als er von der Natur, durch Versuche und Beobachtung, bemerkt hat, weiter weiß und vermag er nichts." Diese einzig gültige Erkenntnisquelle war für ihn die Erfahrung, und demnach leitete er eine mechanistische Weltbetrachtung ein, die für die nachsten Jahrhunderte immer maßgebender werden sollte. Baco von Verulam (Bacon), ein Minister im elisabethanischen England und Gesellschafts,- und Staatstheoretiker, entwarf in seinem utopischen Roman "Nova Atlantis" das Bild einer kommenden Herrschaft des Menschen über die gesamte Natur. [56] Dieses Machbarkeitsdenken führte zu Liberalismus.

  1. Liberalismus

Auf ökonomischen Gebiet führte das Machbarkeitsdenken zum Wirtschaftsliberalismus, was bedeutet, dass der Unternehmer das wirtschaftliche Geschehen bestimmt, nicht aber soziale Rücksichten auf Rechte und Bedürfnisse der Arbeitnehmer. Dieser Liberalismus ist nicht auf das soziale Wohl bedacht, sondern entspringt dem individuellen Recht, was in der Frühzeit der industriellen Entwicklung zu brutaler Ausbeutung der Arbeiter führte und in Folge dessen den sozialrevolutionären Protest von Karl Marx hervorrufen wird. [57]

Wie tolerant war die Aufklärung?[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert standen Konflikte unter den Konfessionen an der Tagensordnung. In Deutschland bestimmte der jeweilige Fürst die Konfession, seine Untertanen mussten diese annehmen oder ihre Heimat verlassen und in ein anderes Fürstentum ziehen. [58] In Frankreich wurden bis in das ausklingende 18.Jh Protestanten verfolgt. Daher traten viele Aufklärer (Voltaire, Locke,…) für Toleranz in religiösen Belangen ein. In Folge dessen entstand beispielsweise in England der „Toleration Act“ (1689) oder das Toleranz-Patent Josephs II. von 1781, der verschiedene protestantische und calvinistische Gruppen als Glaubensgemeinschaften duldete. [59] Dieses neue Toleranz-Denken weitete sich aus auf die rechtliche Gleichstellung von Juden und die Anerkennung des Islams. [60] In der französischen Aufklärung, die sich ab 1792 zur Revolution entwickelte, wurde die „Gleichheit aller Menschen“ wichtiger als Freiheit und Toleranz. Die Sansculotten (kleinbürgerliche Advokaten und Journalisten, Lehrer und Zeitungsschreiber) attackierten alle „Feinde der Gleichheit und des Volkes“ unter dem Namen der „Tugend und Vernunft“ (Aristokraten, Royalisten, Monarchisten, Geistliche) mit brutaler Grausamkeit. [61]


M. Robespierre[Bearbeiten]

Der Terror des Maximilien Robespierre (1758-1794), Präsident des Klubs der Jakobiner und Anführer der Jakobinerherrschaft (1792-1794) [62], war ihm nicht Selbstzweck sondern entsprach Rousseaus Gedanken, dass ein Gemeinschaftswille verwirklicht werden könne. Er glaubte, die Nation durch eine kurze Zeit der blutigen Zwangsherrschaft zur dauernden Tugendhaftigkeit führen zu können. [63] "Die Revolution ist der Krieg der Freiheit gegen ihre Feinde;[…]" [64]

Wie rassistisch war die Aufklärung?[Bearbeiten]

Das Verhältnis der Aufklärung zu Sklavenhandel und Kolonialismus ist gespalten. Die Verfasser der "Encyclopédie" (1751) ließen in dem Artikel "Sklavenhandel" keinen Zweifel daran, dass die Sklaverei "gegen die Religion, die Moral, die Naturgesetze und alle Rechte der menschlichen Natur verstößt". Andererseits gründete sich die Kolonialisierung, besonders von Nord,- und Südamerika, auf eine wirtschaftliche, ideologische und militärische Überlegenheit der erobernden Mächte. Diese Überlegenheit, die als "Entwicklungsdifferenz" bezeichnet wurde und die als Voraussetzung der Kolonialisierung gilt, war eine Idee der europäischen Aufklärung. [65] Einige Aufklärer (z.B. Rosseau) stilisierten Indianer oder Südseebewohner zum "edlen Wilden" und es gab den Wunsch nach exakter, von Mythen befreiter Kenntnis der außereuropäischen Welt. Auf der anderen Seite stehen die "Klassifikation" fremder Rassen und ästhetisch-moralische Abwertung anderer Kulturen. [66]

Warum wandte sich die Aufklärung gegen Christentum und Kirche?[Bearbeiten]

"Ihrer (der Aufklärer) scharfen Kritik der Kirchen entspricht eine religiös-moralische Überhöhung des nationalen Staates zu einem Kulturstaat, der in umfassender Weise den Anspruch auf Daseinsfürsorge für die Bürger erhebt und sich als Agent des Gemeinwohls versteht." [67]

Mit welchen Argumenten griff die französische Aufklärung den Glauben an?[Bearbeiten]

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts wandte sich der Deismus gegen jede Überlieferung. Die These vom "Priesterbetrug" sah Mythen als das Werk machthungriger Priester. Die französische "Encyclopédie", ein Universallexikon mit 68 Bänden, erschienen zwischen 1731-1754, wurde mit der programmatischen Aufgabe geschrieben, die Denkart der Menschen zu verändern [68] und widmete einen Artikel der Pristerbetrug-These. Die These besagt, dass es die Priester waren, die - "um ihre Autorität zu befestigen" - den "Polytheismus, die Abgötterei und den Aberglauben" eingeführt haben. [69] Voltaire (1697-1778), einer der Hauptprotagonisten der französischen Aufklärung, bekämpft den christlichen Glauben unerbitterlich. Sein oft sarkastischer Angriff richtet sich gegen die Bibel, gegen Wunder und Offenbarung. All das sind für ihn Fabeln und Aberglaube. Das Wesen echter Religion sieht auch Voltaire in der Moral. [70]

Wieviele Opfer kostete die französische Radikalaufklärung unter den Jakobinern?[Bearbeiten]

35.000 bis 40.000 Menschen fielen dem "La grande Terreur" 1793/94 der Jakobiner zum Opfer.[71]

Was hat die Aufklärung dennoch an Gutem gebracht?[Bearbeiten]

  • Allgemeine Schulpflicht:

Bei aller Kritik an der Schreckensherrschaft Robespierres und der Jakobiner darf man nicht vergessen, dass selbige dem Erziehungswesen große Beachtung schenkten. Es wurde erstmals die allgemeine Volksschulpflicht - für Jungen wie für Mädchen - gefordert, die 1793 in Frankreich gesetzlich verankert wurde. Dem Zugrunde liegt der Gleichheitsgedanke. [72]


  • "Emanzipation der Persönlichkeit":

In der Epoche der Aufklärung nimmt die Bedeutung des menschlichen Individuums zu. Die Forderung und das neue Bewusstsein nach selbstständigen Denken und der neue Drang nach Freiheit führt zu einer wachsenden Bedeutung der Einzelpersönlichkeit. [73]


  • Bürgertum und Öffentlichkeit:

Durch Erschütterung der ständischen Ordnung, Aufstieg der monarchischen Gewalt in Europa und systematische Zurückdrängung des Adels bildete sich im 17. Jahrhundert immer stärker das Bürgertum heraus. Diese neue Schicht der bürgerlichen Gebildeten (Männer im Dienst der Monarchen, Juristen, Pfarrer, Beamte, Gelehrte) erlangten mehr Möglichkeiten der Einflussnahme und dadurch wuchs ihr Selbstbewusstsein. [74] Im Zuge dessen entstand Öffentlichkeit. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurden in Europa eine Vielzahl an Kaffeehäusern gegründet, in denen bei Kaffee und Kartenspiel über Kunst und Literatur, aber auch über politische Themen debattiert wurde. In weiterer Folge entstanden Klubs, Gesellschaften und Lesezirkel. [75]

Welche Spuren hinterließ die Aufklärung innerhalb des Christentums?[Bearbeiten]

Die Tendenz und Sympathie zu Deismus und Vernunftreligion (siehe Frage 24) der einflussreichen Denker der Aufklärung hinterließ Spuren im Christentum. In Wolfenbüttel, wo G.E.Lessing Hofbibliothekar war, fand jener die sogenannten "Fragmente eines Unbekannten", die er 1774-78 herausgab. In diesen anonymen Schriften wurden grundlegende Glaubenswahrheiten der Bibel wie Wundertätigkeit, die Auferstehung Jesu Christi und seine Gottessohnschaft angezweifelt. [76] Die Publikation dieser Schrift entwickelte sich zu dem bedeutendsten Konflikt um Glaubensfragen in der deutschen Aufklärung. Später wurde bekannt, dass sich der vom Deismus beeinflusste Orientalistikprofessor Hermann Samuel Reimarus (1694-1768) hinter der Autorenschaft des Fragments befand. [77] Jede nachfolgende und neuzeitige Anti-Christus-Schrift schöpft aus Reimarus. Die Konsequenz dieser Auseinandersetzung war eine sich langsam durchsetzende Veränderung in der Interpretation der Bibel. Gerade in der evangelischen Theologie kam immer mehr die historisch-kritische Bibelwissenschaft zur Anwendung, um die traditionelle theologische Textausdeutung aufzubrechen. [78] Der Empirist David Hume (1711-1776) deutet Religion psychologisch. Ihr Ursprung liegt nicht im Verstand, sondern allein in den Bedürfnissen der menschlichen Psyche: in Furcht vor Unglück, Angst vor dem Tod, in Sorge um Glück und Gesundheit. Das alles führt den Menschen dazu, göttliche Mächte in der Natur anzunehmen und abergläubisch zu verehren um sie zufrieden und wohlwollend zu stimmen. [79] Diese Kritik blieb nicht ohne Folgen für das Christentum. Viele Theologen traten für einen "theologischen Rationalismus" ein, welcher ein Bestreben ist, die religiösen Wahrheiten der Offenbarung auf natürlich eisichtige, rational beweisbare Wahrheiten zu reduzieren, den christlichen Glauben als rein natürliche Vernunftreligion zu verstehen, damit aber zentrale Glaubensinhalte ihres Offenbarungs- und Geheimsnischarakters zu ignorieren. [80] Besonders in den evangelisch geprägten Staaten betreiben die Aufklärer Traditionskritik um den rationalen Kern der religiösen Überlieferung freizulegen. [81]

Wie ist das Verhältnis von Aufklärung und Kirche zu bewerten?[Bearbeiten]

Welche individuellen Errungenschaften brachte die Säkularisierung mit sich?[Bearbeiten]

Ein Wort des George Orwell[Bearbeiten]

" […] Gibbon, Voltaire, Rousseau […] — in one way or another they are all of them destroyers, wreckers, saboteurs. For two hundred years we had sawed and sawed and sawed at the branch we were sitting on. And in the end, much more suddenly than anyone had foreseen, our efforts were rewarded, and down we came. But unfortunately there had been a little mistake. The thing at the bottom was not a bed of roses after all, it was a cesspool full of barbed wire. […] The gist of Mr Muggeridge's book is contained in two texts from Ecclesiastes: ‘Vanity of vanities, saith the preacher; all is vanity’ and ‘Fear God, and keep His comandments: for this is the whole duty of man’. It is a viewpoint that has gained a lot of ground lately, among people who would have laughed at it only a few years ago. We are living in a nightmare precisely because we have tried to set up an earthly paradise. We have believed in ‘progress’. Trusted to human leadership, rendered unto Caesar the things that are God's — that approximately is the line of thought. […] There is no wisdom except in the fear of God; but nobody fears God; there fore there is no wisdom. Man's history reduces itself to the rise and fall of material civilizations, one Tower of Babal after another. In that case we can be pretty certain what is ahead of us. Wars and yet more wars, revolutions and counter-revolutions, Hitlers and super-Hitlers […] " [82]

Was bedeutet „Wahrheit des Mythos“?[Bearbeiten]

Was versteht man unter "Mythos"?[Bearbeiten]

Mythos bedeutet zunächst Rede, Verkündigung, Kundgabe, das Bringen von Kunde. Im Zuge der griechischen Aufklärung (die "Geburtsstunde" der Philosophie und der Naturwissenschaften) hebt sich der Begriff "Mythos" als eine besondere Redeweise gegen "Logos", die erklärende, beweisende, argumentative Rede, ab: das Wort bezeichnet nun vor allem das, wovon man nur erzählen kann, Geschichten von Göttern und Göttersöhne. Der Mythos ist die Kunde, die verbreitet ist, ohne irgendeiner Herkunftsbestimmung und Beglaubigung zu bedürfen. [83] Wenn von "Mythos" im christlichen Zusammenhang die Rede ist, versteht man jedes Übernatürliche Eingreifen Gottes in der Bibel, Wunder, die Auferstehung Jesu Christi etc. darunter.

"Wahrheit des Mythos" bedeutet, dass dem Mythos eine eigene Rationalität und Logik zugrunde liegt und er einen Wahrheitsgehalt hat. K. Hübner spricht in seinem Buch "Die Wahrheit des Mythos" (1985) davon, dass der Mythos nichts Irrationales ist, sondern ein "Denk,- und Erfahrungssystem". Er spricht von einer "mythischen Ontologie" (Seinslehre), die der wissenschaftlichen Ontologie völlig gleichwertig an die Seite gestellt werden muss. [84] Hübner beschäftigt sich mit der Frage des Erfolges der abendländischen Wissenschaft und welche Faktoren zum Aufbau des wissenschaftlichen Weltbildes führten. Er kommt zu dem Schluss, dass man sich das wissenschaftliche Weltbild nicht anders erklären kann als mit mythischen und religiösen Formen der Erfahrung oder aber von Zufall sprechen muss. [85] Der 1986 verstorbene Religionshistoriker Mircea Eliade sagt zusammenfassend über seine Forschungen zum Wesen des Mythos: „Für mich ist das Heilige immer die Offenbarung des Realen, die Begegnung mit dem, was uns rettet, indem es unserem Dasein Sinn verleit“. Er sieht im Heiligen etwas „ganz Anderes“ als die profane Welt, das in diese einbricht und hier eine Erscheinungsform annimmt. Er versteht den Mythos als ewig rituelle Wiederholung eines Ur-Ereignisses und damit als Aufhebung der profanen Zeit. [86] Beide Aspekte spiegeln sich im Fest und im Ritual wider, in denen das Bedürfnis nach dem Mythos in unserer heutigen Kultur sichtbar wird [87] (z.B. wird es daran sichtbar, das Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, Weihnachten und Ostern feiern oder dass sich das Kindergarten,- und Volksschulprogramm nach den Jahreszeiten und „Festen im Jahreskreis“ richtet. Pädagogische Bücher wie „Kinder brauchen Rituale“ (Gertrud Kaufmann-Huber, Herder) zeigen von der Notwendigkeit nach Ritualen.


Zitat[Bearbeiten]

"Feuer. ´Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs´, nicht ´der Philosophen und Gelehrten´." (Text des "Mémorial", wie jener Zettel genannt wird, den der Philosoph Blaise Pascal eingenäht im Rockfutter seines Anzugs trug.)[88]

Warum ist die „Entmythologisierung“ heute überholt?[Bearbeiten]

Der evangelische Theologe Rudolf Bultman (1884-1976) prägte den Begriff der "Entmythologisierung". Für ihn war das im Neuen Testament vorherrschende Weltbild und die Darstellung des Offenbarungsgeschehens in Jesus Christus (Gottes Eintreten in die Welt durch Jesus Christus), sein Kommen in die Welt, seine Taten, seine Auferstehung und Erhöhung Mythos. Das Mythische hat heute jedoch aufgrund von Naturwissenschaften und Rationalismus als "überholt" zu gelten, alles Mythische kann als vorwissenschftliche Stufe heute nicht mehr übernommen werden. Das Weltbild der Gegenwart steht für Bultmann im Gegensatz zum mythischen Weltbild der Bibel. [89] Bultmanns These der Entmythologisierung wird dem Mythos als universalem, religiösen Phänomen nicht gerecht und gilt heute als überholt. Schon der Soziologe Max Weber (1864-1920) sieht den Rationalisierungsprozess ambivalent und für ihn führt der Prozess der Entmythologisierung zu nichtvernünftigen Ergebnissen. Für ihn ist der Gedanke entscheidend, dass Mythen und Religion im modernen Leben zwar eine zunehmend geringere Rolle spielen weil die Zewckrationalität der Wissenschaft beansprucht, alles zu berechnen und Herrschaft über Dinge und Menschen auzuüben, aber mit dieser "Entzauberung" das Bedürfnis nach Sinn, nach Religion wächst. [90]

Wie und wann entstanden die Menschenrechte?[Bearbeiten]

Welche Menschenrechte gelten heute?[Bearbeiten]

Wie werden die Menschenrechte aus der Bibel begründet?[Bearbeiten]

Welche Haltung nahm das Christentum zu den Menschenrechten ein?[Bearbeiten]

Ist die Theologie eine Wissenschaft?[Bearbeiten]

Fussnoten[Bearbeiten]

  1. Mt 22,37; Luk 10,27; Elberfelder Bibel
  2. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.103-104
  3. Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, Wien 1981, S.48
  4. Anzenbacher a.a.O., S.308
  5. Vgl. Anzenbacher a.a.O., S.314
  6. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.103-104
  7. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.103-104
  8. Vgl. www.duden.de/rechtschreibung/Logos, 2016.
  9. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.50.
  10. Joh 1,1
  11. Joh 1,14
  12. Joh 14,6
  13. Vgl. Johannes Paul II., Fides et Ratio, 14.9.1998, Nr.32.
  14. vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.22-23
  15. Vgl. Johannes Paul II., Fides et Ratio, 14.9.1998, Nr.33
  16. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum,München 1968,S.116.
  17. Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Fides et Ratio, 14.9.1998, 32.
  18. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum,München 1968, S.47.
  19. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr.32
  20. Vgl.Nicky Gumbel, Heiße Eisen angepackt, Hamburg 2002,S.97-101
  21. Vgl.Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.27
  22. Vgl. Nicky Gumbel, Heiße Eisen angepackt, Hamburg 2002, S.102.
  23. Vgl. C.S.Lewis, Gott auf der Anklagebank, Basel 2009 (5.Auflage),S.16-17.
  24. Vgl. Werner Schneiders, Das Zeitalter der Aufklärung, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995,S.16-17.
  25. Vgl. Werner Schneiders, Das Zeitalter der Aufklärung, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995,S.10.
  26. Vgl. Heribert Raab, Aufklärung, in: Karl Rahner (Hg.), Herders Theologisches Taschenlexikon Bd.1, Herder 1972, S.246
  27. vgl. Werner Schneiders, Das Zeitalter der Aufklärung, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.18.
  28. Vgl. Helmut Reinalter,Aufklärung,in: Peter Brenner;Helmut Reinalter (Hg.), Lexikon der Geisteswissenschaften : Sachbegriffe - Disziplinen - Personen,Wien 2011,S.22.
  29. Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts,in:Hans Brockard (Hg.),Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts,Reclam 2010 (2.Auflage),S.9
  30. Vgl. Helmut Reinalter,Aufklärung,in: Peter Brenner;Helmut Reinalter (Hg.), Lexikon der Geisteswissenschaften : Sachbegriffe - Disziplinen - Personen,Wien 2011,S.23.
  31. Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1784.
  32. Vgl. Helmut Reinalter, Aufklärung, in: Lexikon der Geisteswissenschaften:Sachbegriffe - Disziplinen - Personen, Peter Brenner, Helmut Reinalter (Hg.), Wien 2011,S.22
  33. Rousseau,Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, Buch I, Kap.6
  34. Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts,in:Hans Brockard (Hg.),Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts,Reclam 2010 (2.Auflage),S.9.
  35. Vgl. Hans Fenske, Demokratie, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.83
  36. Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts,in:Hans Brockard (Hg.),Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, Reclam 2010 (2.Auflage),S.151.
  37. Vgl. Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.12.
  38. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.12
  39. Vlg. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.22-23.
  40. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.32.
  41. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.34.
  42. Vgl. Günter Gawlick, Rationalismus, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.339.
  43. Vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.35.
  44. Vgl. Günter Gawlick, Deismus, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.81.
  45. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.55.
  46. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.56.
  47. Vgl. Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte, Basel 2014, S.505.
  48. Vgl. Günter Gawlick, Deismus, in: Werner Schneiders, Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.81.
  49. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.140.
  50. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.141.
  51. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.145.
  52. Vgl. Helmut Reinalter, Aufklärung ,in: Peter Brenner;Helmut Reinalter (Hg.), Lexikon der Geisteswissenschaften : Sachbegriffe - Disziplinen - Personen, Wien 2011, S.25.
  53. Vgl. Ulrich Dierse, Fortschritt, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.119.
  54. Vgl. Ulrich Dierse, Fortschritt, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.120.
  55. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heoischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S.59.
  56. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heoischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S.60.
  57. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.139.
  58. Vgl. Günter Gawlick, Toleranz, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S. 412.
  59. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.142.
  60. Vgl. Günter Gawlick, Toleranz, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S. 413.
  61. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heroischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S. 115-119.
  62. Vgl. Hans-Ulrich Thamer, Jakobiner, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.192
  63. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heroischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S. 141.
  64. Auszug aus der Rede Robespierre im Nationalkonvent am 25.Dezember 1793, in: Walter Grab (Hg.), Die Französische Revolution. Eine Dokumentation, München 1973, S.215
  65. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.82-83.
  66. Vgl. Horst Gründer, Kolonialismus, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.217.
  67. Friedrich W. Graf, Christentum, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.77.
  68. Vgl. Willi Goetschel, Enzyklopädie, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.102.
  69. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S.18.
  70. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.145.
  71. Vgl. Renate Riemeck, 1789.Heroischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S.140.
  72. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heroischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S.142.
  73. Vgl. Renate Riemeck, 1789. Heroischer Aufbruch und Herrschaft des Schreckens, Stuttgart 1988, S.59.
  74. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.56.
  75. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.112-113.
  76. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.145.
  77. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.146.
  78. Vgl. Annette Meyer, Die Epoche der Aufklärung, Berlin 2010, S.146.
  79. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.133.
  80. Vgl. Emerich Coreth, Einführung in die Philosophie der Neuzeit, Freiburg 1972, S.138.
  81. Vgl. Friedrich W. Graf, Christentum, in: Werner Schneiders (Hg.), Lexikon der Aufklärung, München 1995, S.75.
  82. George Orwell, Notes on the Way, 1940.
  83. Vgl. Hans-Georg Gadamer, Mythos und Wissenschaft, in: Franz Böckle, Franz-Xaver Kaufmann, Karl Rahner (Hg), Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft (Teilband 2), Freiburg 1981, S.9-11.
  84. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S.128.
  85. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S.130.
  86. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S.133-134.
  87. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S137.
  88. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.108-109.
  89. Vgl. Heinrich Fries, Mythos und Wissenschaft, in: Franz Böckle, Franz-Xaver Kaufmann, Karl Rahner (Hg.), Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft (Teilband 2), Freiburg 1981, S.30-31.
  90. Vgl. Christoph Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos. Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, S.144-145.