Medien Wissen Lernen

Aus Wikiversity
Wechseln zu: Navigation, Suche

-> übergeordnete Seite: ittnerfa

Projekt:Masterthesis "Auswirkungen des Wandels im Verhältnis von Wissen und Medien auf das Lernen.

Projekt
Projekttitel Wissen, Medien & Lernen Auswirkungen des Wandels im Verhältnis von Wissen und Medien auf das Lernen.
Ansprechpartner ittnerfa,
Laufzeit 22.12.2011 - 29.05.2012
Kurzbeschreibung
Geisteswissenschaftliche Masterarbeit, die sich mit der Trias von Wissen, Medien und dem Lernen auseinander setzt.
Medien, Wissen Lernen.jpeg

Die Arbeit entsteht im Rahmen des Studiengangs E-Learning und Medienbildung ELMEB 21 an der PH Heidelberg.

These[Bearbeiten]

„Medien fungieren als Antreiber didaktischer Weiterentwicklungen, werden in ihrer Wirkung für den Lernerfolg jedoch überschätzt.“

Kontext und Rahmen der Arbeit[Bearbeiten]

Die Gesellschaft unterliegt einem stetigen Wandel und nur wenige Trends haben über Jahrhunderte Bestand. Deshalb müssen sich Menschen immer wieder an neue Anforderungen anpassen, sowohl im beruflichen wie im privaten Leben, wobei sich die „Halbwertszeit des Wissens“ (Bolz, 2007, S. 103.) stetig verkürzt. Norbert Bolz leitet daraus ab, dass man eben nicht mehr für das Leben lernen könne, sondern ein Leben lang lernen müsse (Bolz, 2007, S. 103 f.). Auch andere Autoren registrieren diesen Sachverhalt und nutzen den Begriff des „Lebenslangen Lernens“ (Dohmen, 1997, S. 29 ff., Breitner et al., 2010, S. 6 ff., Faulstich, 1997, 64 f.).

Zwei der wenigen dauerhaften Trends sind dagegen der Fortschritt der Erkenntnis in Form von Erfindungen bzw. Entdeckungen und die Technisierung der Gesellschaft. Beide tragen zu sprunghaften Veränderungen der Gesellschaft bei, auch Paradigmenwechsel genannt (Kuhn, 1967, S. 10; 42; 65 ff; 73.). Derzeit herrscht die Meinung in Denkkollektiven (Kuhn, 1967, S. 65 f.) vor, dass das bisherige Endergebnis dieser Entwicklung in Form der Medienkultur, der mediatisierten Welten (vgl. Hepp, 2011, S. 33 ff; 69 ff., Lundby, 2009, S. 63 ff; 139 ff.) bzw. der Wissensgesellschaft (Bell, 1975, S. 216, Drucker, 1993, S. 69.) Lernszenarios signifikant beeinflusst, ja sogar der entscheidende Faktor für Lernerfolg sei.

Entsprechend wird Medienkompetenz (Kron und Sofos, 2003, S. 70 ff., De Witt, 2007, S. 23 f, S. 120.) häufig als die ausschlaggebende Fähigkeit für den Lernerfolg genannt, insbesondere im Umfeld der Hochschule. Im Lichte der oben genannten Trends kommt der Hochschule eine zentrale Rolle in der Gesellschaft zu, da die Voraussetzung für eine entscheidende Erfindung spezielle Kenntnisse sind, die überwiegend in speziellen Bildungseinrichtungen erworben werden, z.B. in der Universität. Diese These wird auch durch die Statistiken der OECD bzw. des Statistischen Bundesamtes gestärkt, auf deren Basis eine deutliche Steigerung der Studentenquoten in Deutschland belegt werden kann. Eine Quote von 27% Akademikern, also Personen mit erfolgreichem Hochschulabschluss, im Jahr 2010 ist ein deutlicher Hinweis auf den hohen Stellenwert der Hochschule, aber auch des Wissens in der heutigen Zeit (OECD, 2011). Lernen von Akademikern kann deshalb als aussagekräftig für das Lernen in der heutigen Gesellschaft gesehen werden, die Hochschule eignet sich somit für die Verdeutlichung der aktuellen Herausforderungen des Lernens.

Mit Blick auf große Förderprogramme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (nachfolgend BMBF) wie „Lernkultur und Kompetenzentwicklung“ oder „Lernen im Lebenslauf“ muss diese These bezweifelt werden. Die Ergebnisse der entsprechenden Forschungen legen eher den Schluss nahe, dass Faktoren wie Lernkultur, Motivation, Disziplin und die „Fähigkeit sein Lernen passend zu organisieren“, den Lernerfolg bestimmen. Aus diesem Grund sollten Lehrende an Hochschulen über die nachfolgenden Fragen nachdenken:

  • Welche Kenntnisse bzw. Inhalte kann und soll eine Hochschule vermitteln?
  • Welche Settings der Wissensvermittlung sind passend und zeitgemäß (Vorlesung, Seminar, Onlinelerneinheit, Praktikum, Famulatur etc.)?
  • Welche Rolle nehmen die Lehrenden, nehmen die Lernenden ein?
  • Wie lange darf ein Studium dauern (Bachelor, Master, Promotion)?
  • Was ist das Ziel des Studiums (Abschluss vs. Kompetenzen vs. Bildung)?
  • Muss sich Lernen aufgrund bestimmter Entwicklungen heute grundlegend ändern?
  • Wie lernen Studierende nach dem Abschluss (ihr restliches Leben lang)?

Norbert Bolz gibt mit seinem Verweis auf das Turingzeitalter, auf das Leben in Benutzeroberflächen und Interfaces auch hier einen Hinweis (2007, S. 16, Mc Luhan und Fiore, 1967, S. 10). Lehre kann demnach entweder die Bedienung der Interfaces vermitteln, welche nachfolgende Generationen seiner Meinung nach sowieso spielerisch erlernen, oder sie versucht Fragen aufzuwerfen. Insbesondere die Frage nach Kontingenz, also danach wie es anders sein könnte, muss nach Zielinski (2002, S. 16 ff.) wieder in den Fokus gerückt werden. Versteht man Medien nun als Manifestationen von Überzeugungen bzw. von Ideen, bieten sie einen vielversprechenden Ausgangspunkt um die Einflussfaktoren auf den Wandel der Lehre zu untersuchen, oder ggf. die o.g. These zu widerlegen, dass Medien maßgeblich den Lernerfolg bestimmen.

Einführung und Problemstellung[Bearbeiten]

Technische Medien z.B. in Form der „Neuen Medien„ bzw. der „Quartärmedien“ (Faulstich, 2004, S. 14.) dringen in alle Lebensbereiche ein. Sie stellen (fast) ortsunabhängig den Zugang zu riesigen Datenmengen zur Verfügung, „das Büro ist nun überall, wo mein Modem ist“ (Bolz, 2007, S. 27.), und mit den neuen UMTS-Geräten ist das Modem überall. Dies hebt die Technisierung und Mediatisierung der Gesellschaft auf ein neues Niveau (vgl. Hepp, 2011, S. 34 ff.). Es entstehen dadurch neue Geschäftsmodelle und neue Anforderungen an die Menschen, deren sich kaum jemand erwehren kann, denn es herrscht Anschlusszwang (vgl. Bolz, 2007, S. 20, Anderson, 2006, S. 17 ff, Dück, 2011, S. 21.). Dieser Wandel wirkt sich auch auf das Lernen aus, woraus die nachfolgende Hypothese resultiert: „Medien fungieren als Antreiber didaktischer Weiterentwicklungen, werden in ihrer Wirkung für den Lernerfolg jedoch überschätzt.“

Denn i.d.R. geht es heute nicht mehr um das Auffinden knapper Informationen, sondern darum, sich in der Informations-, bzw. besser ausdrückt in der Datenflut, zu orientieren. Hinzu kommt das Phänomen, dass Quellen, die nicht als „Treffer“ über Suchmaschinen wie „Google“ unmittelbar gefunden und aufgerufen werden können, an Bedeutung verlieren. Das Buch wird von dem technisierten Äquivalent, der Datei, verdrängt (vgl. Grafton, 2008, S. 20 ff.). Die Ordnung der Regale in der Bibliothek weicht dem Datennetz des Internets. Die fehlende Ordnung bietet jedoch auch die Chance, stärker interdisziplinär zu arbeiten, da die Fächergrenzen verschwimmen. Dies ermöglicht wiederum eine Konsolidierung der fachspezifischen Begriffe zu fachübergreifenden Termini, damit einher geht die Verbesserung der interdisziplinären Diskussion.

Diese Überlegung stellt auch den Ausgangspunkt dieser Arbeit dar. Entsprechend wird zuerst fächerübergreifend der Frage nach der Bedeutung entscheidender Begriffe nachgegangen, um anschließend die Bedeutungsgeschichte dieser Begriffe näher zu betrachten. Herrscht Klarheit über den Betrachtungsgegenstand, sollen ausgewählt Wirkrichtungen wie in Abbildung 1 dargestellt näher betrachtet und die Grenzen der Einflussnahme skizziert werden. Dies stellt die Grundlage für eine abschließende Kritik an der jetzigen Situation und offene Fragestellungen dar, welche in nachfolgenden Arbeiten näher untersucht werden könnten.

Gliederung[Bearbeiten]

Gliederung MT Medien, Wissen, Lernen

Expose[Bearbeiten]

Auswirkungen des Wandels im Verhältnis von Wissen und Medien auf das Lernen.

Sowohl auf Konferenzen als auch in den Massenmedien wird über neue Formen des Lernens diskutiert. Häufig werden in diesen Diskussionen Buzzwords wie „Lebenslanges Lernen, Informelles Lernen, Selbstorganisiertes Lernen, E-Learning, Mobiles Lernen“ etc. als neue Trends angeführt, ohne näher darauf einzugehen, was daran aus pädagogischer Sicht neu ist. Die technischen Möglichkeiten hingegen werden umfassend angepriesen. Es wird der Eindruck vermittelt, dass sich die Art des Lernens ständig ändern müsse, da neue technische Werkzeuge geschaffen wurden. Warum dieser Wandel notwendig sei, wird nicht begründet.

Auf der anderen Seite weisen große Forschungsprogramme Bundesministerium für Lehre und Forschung (nachfolgend BMBF) darauf hin, dass eine Erhöhung des Lernerfolgs nicht ausschließlich von neuen Techniken bzw. Medien abhängt. Die Ergebnisse aus den beiden Programmen „Lernkultur und Kompetenzentwicklung“ sowie „Lernen im Lebenslauf“ legen jedoch nahe, dass der Einsatz von neuen Medien sehr hilfreich ist und dass die Medienkompetenz der Lehrenden und der Lernenden starken Einfluss auf das Lernergebnis hat. Unklar bleibt im Rahmen der Programme jedoch, wie sich der Kompetenzbegriff zum Wissensbegriff verhält, bzw. für welche Arten des Wissens diese starke Korrelation gilt.

Auf Basis der o.g. Situation drängt sich die Frage auf, in welchem Verhältnis das Lernen zu Medien und zum Wissensbegriff steht. Dabei sind die Positionen einzelner Theoretiker gegensätzlich, Mc Luhan spricht bspw. von „the medium is the message“, Heidegger von der Technik als „Ge-stell“, dem entgegen Raithel vom "Primat der Didaktik" und Kittler führt aus, dass es seit dem Computer kein Medium mehr gäbe. Auch der Wissensbegriff ist dispers, wobei hier weniger einzelne Theoretiker, als verschiedene Wissenschaftszweige um die Bedeutung ringen, stellvertretend seien die Philosophie, die Informatik, die Wissenschaftstheorie und die Soziologie genannt.

Die o.g. Masterarbeit fragt nach der Entwicklung und dem Wesen von Medien, Wissen und Lernen, um die Auswirkungen des Wandels von Medien und Wissen auf das Lernen beschreiben zu können. Der Einstieg erfolgt dabei über eine Darstellung der Istsituation, (synchrone Analyse). Im Anschluss daran soll die Entwicklung der Begriffe und ihr Wesen anhand einschlägiger Literatur näher beschrieben werden (historische Analyse). Diese Beschreibung greift einzelne Kritikpunkte an dieser Entwicklung auf, um am Ende der Arbeit einen kritischen Ausblick zu fundieren. Vor diesem letzten Kapitel sollen jedoch vermutete Ursache-Wirkungsbeziehungen dargelegt werden, um auf diesem Fundament die Wirkung des Wandels auf das Lernen zu skizzieren. Dabei sollen die Diskussionen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen versammelt werden, um möglichst viele Perspektiven auf den Forschungsgegenstand abzudecken. Eine Synthese ist angestrebt, ob diese gelingt, ist eine der offenen Fragen der Arbeit.

Das Ziel der Arbeit ist es somit, zu klären, ob Medien Einfluss auf das Lernen nehmen, und wenn ja, welche Veränderungen zu beobachten sind. Insbesondere dem Verhältnis von Werkzeug und Benutzer soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da von vielen Seiten der Primat der Didaktik angezweifelt wird. Als schlagendes Argument kann die Tatsache angeführt werden, dass wenige Lehrende eine freie Werkzeugwahl haben, vgl. hierzu bspw. die „Moodle-Pflicht“ an den Hochschulen in Baden Würtemberg.

Erkenntnisinteresse:[Bearbeiten]

Wie wirkt sich ein Wandel in Medien und im Wissensbegriff auf das Lernen aus?

Forschungsfragen:[Bearbeiten]

  • Wie wirken Medien auf das Lernen?
  • Wie wirkt sich die Auffassung von Wissen auf das Lernen aus?
  • Verändern neue Medien im Sinne neuer technischer Möglichkeiten den Wissensbegriff?
  • Sind Medien tatsächlich entscheidend für den Lernerfolg?

Kollaboration[Bearbeiten]

Etherpad vom Educamp Köln: https://piratenpad.de/p/ecco12_wml

Tags[Bearbeiten]

Pädagogik; Medien; Wissen; Lernen; Cultural Studies; Kommunikationswissenschaft; Systemtheorie;

Auszug der berücksichtigten Autoren[Bearbeiten]

  • Niklas Luhmann
  • Bernd Schmid
  • Theodor Adorno
  • Ludwig Fleck
  • Michel Foucoult
  • Bruno Latour
  • Martin Heidegger
  • Gunter Dueck
  • Christian Spannagel
  • Gabi Reinmann
  • Friedrich Kittler
  • ...

Kopie der geplanten Bibliographie (FAI)[Bearbeiten]