Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Konzepte für die kollaborative Online-Kurs Entwicklung

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Was Open Education von Open Source lernen kann ...[Bearbeiten]

1. Ausgangspunkt[Bearbeiten]

Wissensvermittlung im Web erfolgt auf vielschichtigen Wegen. MOCs öffnen die akademische Ausbildung für tausende von Lernenden, Vorlesungsaufzeichnungen von Hochschulen ermöglichen wiederholende Rückgriffe auf Inhalte, Tutorials offerieren zum Beispiel Anwendererfahrungen von Programmiersprachen, die von Nutzern leicht nachvollziehbar aufbereitet sind. All diesen Formaten ist gemeinsam, dass sie auf dem gleichen Prinzip aufbauen - ein oder mehrere Lehrende bereiten die Inhalte für eine mehr oder minder große Gruppe von Lernenden auf. Sie schneiden Videos, liefern Texte oder entwickeln kleine Apps zur Veranschaulichung der Inhalte. Dieses „diktatorische Konzept“ steht aber in völligem Kontrast zu den Möglichkeiten und Potenzialen der Open-X-Bewegung. Mit dem verteilten kollaborativen Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel lassen sich Synergien bündeln und komplexeste Herausforderungen meistern. Warum lassen sich also die erfolgreichen Konzepte, wie sie in der Open Source Softwareentwicklung Anwendung finden, aber bisher nicht auf die Entwicklung von Lehrinhalten übertragen? Warum existiert keine Plattform für multimodale, polyglotte Unterrichtseinheiten, an denen alle mitarbeiten können?

Für diese Fragen lassen sich zwei zentrale Gründe identifizieren. Zum einen muss für die Vermittlung von Lerninhalten ein ganzes Set unterschiedlicher Formate (Text, Video, Ton, Animation, Codebeispiele, usw.) verknüpft werden. Damit besteht ein signifikanter Unterschied zu wissenschaftlichen Publikationen, die, wenn man die notwendige Forschung außer Acht lässt, im Prinzip sehr schnell und kostengünstig (Word/LaTeX/DocBook/Markdown/…) angefertigt werden können, da “nur” Texte und Bilddarstellungen gefragt sind.

Erkenntnis 1: Es fehlen bisher die Möglichkeiten, die vielfältigen Lehrformate in einem gemeinsamen Kontext zu beschreiben.

Des Weiteren richten sich die aktuellen Lernangebote an eine spezielle Zielgruppe mit dem notwendigen Kontext- und Vorwissen. Entsprechend sind die gesamten Inhalte klar zugeschnitten. So werden audiovisuelle Inhalte zumeist auf Englisch produziert, andere Formate werden mit den Möglichkeiten verschiedener Webtechnologien aufwendig programmiert. Entsprechend sind die Kurse statisch, nicht anpassbar oder erweiterbar und schwer übersetzbar. Zwar kann ein Fehler in der textuellen Darstellung leicht korrigiert werden, nicht aber eine falsche Aussage in der multimedialen Darstellung.

Erkenntnis 2: Die Inhalte der heutigen Lernplattformen sind insbesondere bei audiovisuellen Inhalten fix, Anpassungen sind nicht ohne erheblichen Aufwand möglich.

Die fehlende Flexibilität wird zudem gesteigert, dadurch dass es bei der Erstellung eines interaktiven Online-Kurses eine strikte Trennung zwischen Didakten/Pädagogen, Entwicklern und Lehrenden gibt. Die inhaltlichen und didaktischen Fachleute müssen sich den technisch versierten Personen bedienen, um die gewünschten Inhalte in eine Webseite zu übersetzen.

Erkenntnis 3: Die Komplexität der verschiedenen Formate und die Zahl der hierfür notwendigen Werkzeuge erschwert die Gestaltungsmöglichkeiten von Nicht-Informatikern.

2. Lösungsansatz[Bearbeiten]

GitHub/GitLab bieten Entwicklern die Möglichkeit, OpenSource-Projekte frei zugänglich für jeden zu veröffentlichen. Projekte können von anderen „geforked“ werden, Verbesserungen und Erweiterungen von fremden Entwicklern vorgenommen werden oder diese erweitern ein Projekt ihren Vorstellungen entsprechend und generieren somit wieder ein ganz neues Projekt. Wie wäre es, wenn es die Möglichkeit gäbe, Online-Kurse jeglicher Art ebenso zu entwickeln wie Open Source-Projekte?

Voraussetzung dafür ist die Integration der verschiedenen relevanten Formate in eine vereinfachte Beschreibungssprache, die Texte, Bilder, Animationen usw. integriert. Man programmiert somit die Inhalte nicht mehr fest sondern interpretiert zur Laufzeit eine Folge von Szenen, für die sowohl Darstellungsformate und Inhalte als auch Nutzerinteraktionen spezifiziert sind - “Wenn das Video XY startet, blende die Informationen YZ ein und warte auf die korrekte Lösung.”

Github und Co. bieten bereits eine Möglichkeit der Dokumentation von Projekten durch die vereinfachte Auszeichnungssprache Markdown, die auch schon in der Ausgangsform ohne weitere Konvertierung (in Formate wie PDF, HTML, ePub oder RTF) leicht lesbar ist. learnr hat bereits vorgemacht, wie Markdown adaptiert werden kann, um Kurse für die Statistik-Progammiersprache R zu erstellen. Mein Vorhaben bezieht sich jedoch mehr auf eine Erweiterung von Markdown um allgemeine audiovisuelle Darstellungsmöglichkeiten von Lerninhalten, wobei Inhalte durch eingebettete Videos, (3D) Animationen und gesprochene Sprache präsentiert werden sollen. Stellen Sie sich eine einfache textuelle Darstellung eines Kurses/Skriptes vor, die von jedermann einfach angepasst, bearbeitet, übersetzt und um weitere Inhalte ergänzt werden kann, in dem Videos beliebig eingeblendet werden können und Animationen und Übergänge mithilfe einer einfachen Notation implementiert werden. Ein Sprecher führt durch den Kurs und gibt Hinweise, wobei der Text nicht als Audiodatei aufgezeichnet werden muss, sondern ebenfalls nur als geschriebener Text vorliegt, der im Browser vorgelesen wird (TextToSpeach). Kommerzielle Dienste bieten schon Vorlesefunktionen in unterschiedlichen Sprachen an, die von menschlichen Sprechern kaum zu unterscheiden sind, selbst Kinderstimmen mit unterschiedlichen Betonungen. Ein Kurs könnte somit ebenfalls einfach in beliebige andere Sprachen übersetzt werden. Der neue Algorithmus von Google hat bereits gezeigt, in welcher Qualität Übersetzungen heute schon maschinell erstellt werden können.

Auf der Grundlage dieses Lösungsansatzes lassen sich Lehrinhalte mit einfachen Sprachkonstrukten beschreiben, anstatt zu programmieren, sind damit intuitiv bedienbar und leicht anzupassen. Wird der Ansatz in eine entsprechende Webumgebung eingebunden, kann sich hier eine lebhafte Community entwickeln, die gemeinsam an der offenen Wissensvermittlung von morgen arbeitet. In der Zukunft könnten diese Ansätze dann noch weiter ausgebaut werden. Ich arbeite gegenwärtig im „Industrial eLab“ Projekt der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Das Ziel dieses Projektes ist es, eine Plattform zu schaffen, die einen Online Zugriff auf die universitären Labor-Umgebungen ermöglichen soll. Damit können Studenten in die Lage versetzt werden, selbstbestimmt über ihre Lern- und Implementierungszeit zu entscheiden sowie über die Dauer, die sie zur Erfüllung einer Aufgabe benötige, ohne dass sie an feste Anwesenheitszeiten und begrenzte Plätze gebunden sind. Mit der Einbindung solcher Lernformate werden die Konzepte der bisher virtuellen Open Education plötzlich sehr real.


André Dietrich[Bearbeiten]

  • Name: André Dietrich
  • Institution: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Kontakt: dietrich@iks.cs.ovgu.de


Demo[Bearbeiten]

https://liascript.github.io/

First Course:

https://github.com/liaScript/liascript.github.com

Reviews[Bearbeiten]

Review 1[Bearbeiten]

Autor:

Gesamtbeurteilung: -1 (lehne eher ab)

Das Projekt ist gut beschrieben und interessant (typisches Entwicklungsprojekt): offene Entwicklung, Zielgruppe und Ergebnis klar erläuert. Obwohl durch die Erweiterung von Markdown für GitHub die Gestaltungsmöglickeiten von Nicht-Informatikern erhöht werden sollen, sehe ich keine ausgeprägten Bezüge zu Aspekten von Open Science (nur open source). Auch das Motivationsschreiben bezieht sich nur auf Open Source.

Review 2[Bearbeiten]

Autor:

Gesamtbeurteilung: -2 (lehne ab)

Die kollaborative Erstellung von Lehrmaterialien ist ein wichtiges Thema für Open Science. In der Praxis mangelt es jedoch weniger an Werkzeuge sondern an Zusammenarbeit. Der im Forschungsvorhaben angedachte Ansatz scheint daher zu technisch und zu wenig an der Praxis angebunden. Es fehlen sowohl Bezüge zu Open Educational Resources als auch Verweise auf vorhandene, ähnliche Lösungen (Pandoc Markdown, Jupyter Notebook, CommonMark...). Zusammengefast ist zu befürchten, dass selbst im Besten Fall ein weiterer Protyp einer Lehrplattform ohne Benutzerbasis ensteht. Grundsätzlich ist die Erweiterung von Markdown um audiovisuelle Elemente zu begrüßen, die Förderung im Rahmen des Fellowship-Programms ginge jedoch am Thema des Programs vorbei.