Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Umkämpfte Elbvertiefung – Eine Mediendiskursanalyse

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Umkämpfte Elbvertiefung – Eine Mediendiskursanalyse

Eingriffe in Küstenökosysteme durch Infrastrukturmaßnahmen wie die Vertiefung der Elbe werden aufgrund ihrer komplexen sozial-ökologischen Wechselwirkungen politisch kontrovers diskutiert. Diese Diskussionen finden sich insbesondere in den regionalen Printmedien wieder. Medien gelten als einflussreiche und heterogene Akteure. Sie sind aktiv an der Diskursproduktion beteiligt und beeinflussen bereits bestehende Diskurse (Boykoff, 2008: 550) über die möglichen sozial-ökologischen Konsequenzen von Eingriffen in Küstenökosysteme. Sie spiegeln daher die spezifische kontext-abhängige politische Auseinandersetzung über das Thema wieder und beeinflussen diese auch aktiv.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll eine kritische Mediendiskursanalyse zum Thema Elbvertiefung und Umweltgerechtigkeit durchgeführt werden. Es werden regionale Printmedien und deren Onlineausgaben von Februar 2017 bis zum August 2018 untersucht. Im Februar 2017 verschärfte sich die politische und juristische Auseinandersetzung nach dem das Bundesverwaltungsgericht den bisherigen Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig erklärt hatte. Dabei stehen die folgenden Leitfragen im Vordergrund: Wie diskutieren regionale Printmedien die ökologischen und ökonomischen Implikationen der Elbvertiefung und einer möglichen Ablehnung des Vorhabens durch gerichtliche Entscheidungen. Welche Themen und welche Akteure bestimmen den Diskurs zur Elbvertiefung? Welche Themen und Akteure bleiben ausgeschlossen? Spielt Umweltgerechtigkeit in der Medienberichterstattung eine Rolle? Sämtliche Arbeitsschritte und Ergebnisse werden offengelegt und online zugänglich gemacht. Zunächst soll eine Zeitschriftenartikel-Datenbank, die als Textkorpus dienen soll, erstellt werden.

Nach Auswahl der geeigneten Medien soll der Textkorpus, der aus allen Zeitungsartikeln besteht, die den Begriff Elbvertiefung enthalten, lexikometrisch ausgewertet werden. Darauf aufbauend sollen relevante Textpassagen anhand eines qualitativ ausgerichteten Kodierverfahrens ausgewertet werden. Die verschiedenen Arbeitsschritte werden detailliert einsehbar sein, um den Forschungsprozess transparent zu gestalten. Somit kann das Vorhaben auch als methodischer Leitfaden für die Durchführung von Mediendiskursanalysen verwendet werden.

Das skizzierte Vorhaben soll dabei auf verschiedenste Weise einen Beitrag zur offenen Wissenschaft leisten. Zunächst soll die Wissensproduktion, das heißt sämtliche Arbeitsschritte der geplanten Mediendiskursanalyse, öffentlich zugänglich gestaltet werden. Insbesondere der Textkorpus der Diskursanalyse kann von interessierten Personen für eigene Analysen genutzt werden. Die methodische Vorgehensweise soll zudem in der WIkIversity als Methodik-Kurs verfügbar gemacht werden. Darüber hinaus sollen die Forschungsergebnisse zum einen in mindestens einen referierten open access Fachzeitschriftenartikel einfließen und zum anderen sollen Ergebnisse in relevante Wikipedia Einträge einfließen. Durch die gemeinsame Erstellung von Wikipedia-Artikeln mit Studierenden werden potentielle Autor_innen für die Wikipedia gewonnen und ausgebildet. Zudem sollen der transparente Forschungsprozess und die erzielten Ergebnisse auf Fachkonferenzen und innerhalb von Forschungsverbünden (z.B. Exzellenzcluster Future Ocean) diskutiert werden, um so die Ideen der Offenen Wissenschaft breiteren Kreisen bekannt zu machen.

Literatur: Boykoff, M. (2008) The cultural politics of climate change discourse in UK tabloids. Political Geography 27: 549–569.

Autor/in[Bearbeiten]

Jonas Hein, CAU Kiel, hein@geographie.uni-kiel.de