Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Wikipedia-Artikel als Rechtsprechungsbelege: Eine empirische Argumentationsstudie

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Projektbeschreibung[Bearbeiten]

Wikipedia-Artikel werden in der deutschen Rechtsprechung vielfach als Beleg angeführt. Es gibt dazu bei Wikipedia eine – allerdings unvollständige – Übersicht. Beispielsweise sind für das Jahr 2019 keinerlei Einträge vorhanden. Eine zur Vorbereitung der beabsichtigten Studie durchgeführte Datenbank-Recherche in juris hat ergeben, dass sich für das genannte Jahr 318 Gerichtsentscheidungen auf Wikipedia als Beleg beziehen. Es gilt diese in Wikipedia bereits vorhandene Übersicht anhand von Recherchen in Rechtsprechungsdatenbanken zu vervollständigen. Dabei ist herauszuarbeiten, was das jeweilige „Belegthema“ ist, für das Wikipedia herangezogen wird. Die Herausarbeitung dieses Bezugspunktes verlangt eine Argumentationsanalyse des jeweiligen Urteils. Darüber hinaus soll die der vorhandenen Wikipedia-Tabelle zugrunde liegende Struktur um einen wissenschaftssystematischen Eintrag ergänzt werden, der deutlich macht, welchem Wissenschaftsgebiet der betreffende Wikipedia-Artikel zuzuordnen ist. Über diese Zielsetzung hinaus ist beabsichtigt, in den zitierten Wikipedia-Artikeln zu vermerken, welches Urteil sich auf den betreffenden Artikel bezieht.

Die Untersuchungsmethode kann nur in einer intellektuellen Durchsicht der Entscheidungen bestehen, die bei einer Datenbank-Recherche mit Wikipedia-Bezug identifiziert werden. Die vorläufige Durchsicht hat nämlich ergeben, dass es zwei Typen von Wikipedia-Bezügen gibt. Der erste Typ ist dadurch charakterisiert, dass Wikipedia als Gegenstand von Rechtsfragen behandelt wird (in 2019: 24 Urteile/Beschlüsse). Diese Fundstellen sollen nicht Gegenstand der Untersuchung sein. Der zweite Typ ist dadurch charakterisiert, dass Wikipedia-Artikel als Beleg für eine begründungsrelevante Feststellung in einem Urteil herangezogen werden (in 2019: 318 Urteile/Beschlüsse). Diese Fälle sollen das Material für die beabsichtigte Studie bilden. Da sich die beiden Typen nicht automationsgestützt unterscheiden lassen, scheidet eine andere Methode als die intellektuelle Durchsicht aus.

Review 1[Bearbeiten]

Das Projekt kann zur Legitimation und Akzeptanz von Wikiquellen für die juristische Arbeit beitragen. Es bleibt unklar, was genau das/die Projektziel/e ist/sind: Geht es um die Vervollständigung der Urteilsliste auf Wikipedia oder um die argumentative Analyse der «relevanten Urteile»? Wie werden beide Ziele ggf. miteinander verknüpft? Nach welchen Kriterien werden relevante Urteil ausgewählt? Wie werden sie analysiert?

Review 2[Bearbeiten]

Für die einen ist das Internet Neuland, für die anderen ist es schlicht "nicht zitierbar". Zu letzteren gehören viele Rechtswissenschaftler*innen, die digitalen Medien skeptisch begegnen, sie für gewöhnlich ignorieren und stattdessen das bedruckte Papier vorziehen. Dabei hat die juristische Praxis sie längst überholt: Gerichte zitieren ganz ungeniert und routiniert Wikipedia. Das vorliegende Projekt wird diesen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis aufdecken, systematisch erschließen und damit die Frage nach der "Zitierbarkeit" digitaler Medien im Rechts- (und damit auch Gesellschafts-)diskurs ganz neu stellen.

Autor/in[Bearbeiten]

  • Name: Marie Herberger
  • Institution: Universität Passau
  • Kontakt: marie[at]marie-herberger.de