Benutzer:Emina Mujagic/Arbeitsseite (WS 2016)

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Aufforderung an die Frau um den Kauf von Staatsanleihen

Der Erste Weltkrieg war der erste Film- und Medienkrieg der Geschichte. Feindbilder der Gegner spielten eine zentrale Rolle im Krieg, eigene Verluste wurden aber nur selten gezeigt. Ohne die Medienfront konnte dieser Krieg nicht geführt werden. [1]

In der Propaganda im Ersten Weltkrieg wird die Frau als verletzlich, aber gleichzeitig auch als widerstandsfähiger Faktor, für die Partizipation im Krieg porträtiert. Sie gilt als das Symbol, wofür die Männer kämpfen und die Anerkennung durch die Gesellschaft für die Soldaten.[2] Mit dem Kriegsbeginn 1914 stellte die Frau eine zentrale Rolle in der Propaganda dar, welche sich bereits mit modernen Formen der Massenmedien, wie Plakaten, Postkarten, Fotos und Film beschäftigte.[3]


Die Heimatfront[Bearbeiten]

Frau bei der Arbeit an der "Heimatfront".

Beginn des Krieges[Bearbeiten]

Der Ausbruch des Krieges sorgte für eine Schnittstelle in bestehende Traditionen. Besonders für die Rolle der Frau, deren gesellschaftliche Stellung, durch den Einsatz an der "Heimatfront", eine Aufwertung erfuhr. Zur selben Zeit sollte aber das tradierte Weiblichkeitsideal der Vorkriegszeit Stand gehalten werden. Doch als zentraler Teil der Kriegsgesellschaft wurden auch die Frauen von Anfang an ins Kriegsgeschehen eingebunden. Die Propaganda diktierte die idealtypischen Geschlechterrollen, die teilweise ganz im Dienste von Vaterland und nationaler Sache standen. Denn während der Mann im Sinne des Idealbildes der militärischen Männlichkeit als Soldat im Feld stand, musste die patriotisch agierende Frau freudig und klaglos, die Stellung an der Heimatfront halten. Durch die zwei separaten Fronten wurde sicher gestellt, dass der Status der Geschlechterrollen erhalten bleibt, ohne die Gesellschaftsordnung zu gefährden. [4]

Frau wird als das hilflose Opfer dargestellt.


Der Körper der Frau[Bearbeiten]

Die Zivilbevölkerung war selten das Ziel der Angriffe, dennoch gelang es der Propaganda aller Länder den Soldaten einzureden, ihr Einsatz wäre zum Schutz ihrer Frauen und Kinder. Sie sollten ihre Familien beschützen, aber gleichzeitig gelang es der politischen Führung nicht, diese während der Abwesenheit der Männer zu ernähren. [5]

Mit dem Versuch den Feind als potentiale Gefahr für die Frau darzustellen, wurde ihr Körper in der Propaganda sensationalisiert - das hilflose Opfer. Vor allem wenn es darum ging die Frau vor Vergewaltigung durch den Gegner zu bewahren. Dies war einer der primären Aspekte, welche in der Propaganda, gegen Brutalität an Frauen verwendet wurde. Dem Staat war es wichtig das Blut der Nation rein zu halten und gleichzeitig einen gehobenen Status für das weibliche Geschlecht herzustellen. [6]



Frauen im Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Aufforderung an die Frau für ihren Kriegseinsatz

Bereits bevor der Erste Weltkrieg ausbrach gab es Frauenrechtsbewegungen, welche nach einer allgemeiner gesellschaftlichen Gleichberechtigung und dem Wahlrecht strebten. Eine der wichtigsten österreichischen FrauenrechtlerInnen war Bertha von Suttner, auch weil sie eine der größten Kriegsgegnerinnen war. Ein Teil der Frauen sah aber den Krieg, als ihre große Chance, sich zu beweisen und eine bedeutendere Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Sie übernahmen den Platz in Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und öffentlichen Einrichtungen - zusätzlich zu Haushalt und Kindererziehung. Ohne ihren Einsatz wäre weder die Aufrechterhaltung der Zivilgesellschaft noch die Kriegsproduktion möglich gewesen. [7]


Auf zahlreichen Plakaten nahm die Frau ihre patriotische Pflicht ein, den Mann in den Krieg zu schicken. Auf der einen Seite sollten sie dafür sorgen dass, der Zustrom an Männer zur Armee nicht aufhört, anderseits wurden sie mit ihren Sorgen alleine gelassen, wenn der Mann gefallen war. [8]


Auch wenn sich die Frauen erhofft hatten, sich durch ihren Einsatz im Krieg eine gleichwertige Position wie die Männer in der Gesellschaft erarbeiten zu können, war die Realität zu Kriegsende anders. Sie mussten ihre Arbeitsplätze räumen für die heimgekehrten Männer, ihre Aufopferung für das Vaterland brachte ihnen schlussendlich nicht viel für die Gleichberechtigung.

Großbritannien und Frankreich[Bearbeiten]

Versuch die Männer vom Krieg zu begeistern.

Britische Propaganda[Bearbeiten]

Das Vereinigte Königreich benutzte Bilder der Frau um die Männer für den Krieg zu begeistern. Die essentielle Botschaft der Kriegspropaganda war, die Verteidigung des Vaterlandes und das Beschützen der Frauen und Kinder, gegen die brutalen Feinde. Der Parlamentarische Rekrutierungsausschuss ("Parliamentary Recruiting Committee") veröffentliche unter anderem Poster mit dem Titel Women of Britain Say Go!, What did you do in the Great War, Daddy? und Go! It's Your Duty!. Die Schwächeren in der Gesellschaft verweisen die starken Soldaten darauf, dass sie im Krieg kämpfen müssen, um Anerkennung in der Gesellschaft zu erringen. [9]

Der Angriff auf Scarborough[Bearbeiten]

Der Parlamentarische Rekrutierungsausschuss veröffentliche ein Plakat, welches die Brutalität der Deutschen zum Vorschein bringen sollte. Diese ermordeten am 16. Dezember 1916 unschuldige Frauen und Kinder in Scarborough, Yorkshire. Auf den Poster steht ein kleines Mädchen vor einem zertrümmerten Haus und mit großer Schrift steht darauf:"Men of Britain! Will You Stand This? 78 Women & Children Were Killed and 228 Women & Children Were Wounded by German Raiders". Damit soll verdeutlicht werden wie gefährdet die Frauen und Kinder waren und wie wichtig es war der Verpflichtung des Krieges nachzugehen. Auch wenn dieses Plakat illustrierte wie eng beieinander die Kriegszonen und Zonen (Das Zuhause), welche eigentlich als sicher gegolten haben, lagen. [10]

Französische Propaganda[Bearbeiten]

Vier Jahre Im Krieg. Die Frauen von Frankreich.

Die signifikante Bedeutung der Frau als Arbeiterin im Krieg aber auch als zentrales Organ der Reproduktion von Soldaten wurde auch in der französischen Propaganda, als Motivation für die Männer genutzt. Mit offiziellen und inoffiziellen Postern wurden diese Bilder der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Plakat von der französischen Armee mit dem Titel La Femme Française Pendant la Guerre zeigt im Hintergrund eine Frau in Rüstung, wahrscheinlich porträtiert sie den Sieg, im Vordergrund sieht man drei Frauen. Eine arbeitet in der Industrie, eine am Land, eine die gerade ihren Säugling stillt, während ihr zweites Kind einen Brief in der Hand hält. Diese Bild soll eine Gleichwertigkeit zwischen all diesen Tätigkeiten darstellen aber die Mutterschaft steht als zentralen Aspekt im Vordergrund. [11]

Die Mutterschaft[Bearbeiten]

Während des Krieges bekam die Rolle der Mutterschaft einen zentralen Stellenwert. Durch die gefallenen Soldaten, stieg der Druck an die Frau der Reproduktion der nächsten Genration und löste Debatten über ihr moralisches Benehmen, vor allem ihren Alkoholkonsum aus. An höchster Stelle stand dabei ihr Sexualleben, denn dieses führte auch zu unehelichen Kindern. Auf viele Arten stellte die Mutterschaft der Frau eine ähnliche Solidarität dar, wie die der Männer im Krieg. Eine gender spezifizierte Erfahrung, welche den Frauen eine Einheitlichkeit bot, in Zeiten der Aussichtslosigkeit.

Auf der einen Seite förderten die Regierungen die patriotische Beteiligung der Frau in der Kriegsarbeit, auf der anderen Seite versuchte man die Mutterschaft zu versichern, als die Geburtenrate zurückging und die Sterberate der Soldaten anstieg. [12]

Wirkung[Bearbeiten]

Noch nie zuvor waren die Menschen in Europa und der neuen Welt einer derartigen brutalen Medienpräsenz unterworfen. Es war der Anstieg zur weltbeherrschenden Kommunikationsform der Propaganda. Die Plakate wurden hergestellt damit Männer vom Krieg überzeugt wurden. Die Poster besaßen einen gefühlvollen und romantischen Appell, doch in Wirklichkeit waren die Ehefrauen der Männer schwer von dieser Situation betroffen und mussten ihre Familien alleine versorgen. [13]

Man bezeichnete aber diese Propaganda erst nach Kriegsende als "Lüge", als wäre alle aus einem bösem Traum aufgewacht, was bleibt waren Reue und Scham. Ohne viel zu kritisieren, wurden in allen Lagern, Meldungen verbreitet denen man Glauben geschenkt hatte. Je schlimmer die Taten der Feinde, um so besser war die eigene Stellung. Die Propaganda im Ersten Weltkrieg war ein klassischer Selbstläufer und ihre Lügen wurden von der Gesellschaft "geliebt". [14]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan R. Grayzel: Women's Identities at War: Gender, Motherhood, and Politics in Britain and France During the First World War. UNC Press Books: 1999. ISBN 978-0-8078-4810-4.
  • Susan R. Grayzel: Women and the First World War. Routledge: 2013. ISBN 978-1-3178-7577-2.
  • Klaus-Jürgen Bremm: Propaganda im Ersten Weltkrieg. Theiss-Verlag: Darmstadt 2013. ISBN 978-3-8062-2754-3.
  • Erik Eybl, Stephan Knott:Krieg an der Wand - Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Plakate. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten: Klagenfurt 2014. ISBN 978-3-85454-128-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Macht der Bilder. Günter Kaindlstorfer. 2014
  2. Women in World War One propaganda, www.bl.uk
  3. Frauen im Ersten Weltkrieg, www.stadt-salzburg.at.
  4. Aibe-Marlene Gerdes, Michael Fischer: Der Krieg und die Frauen: Geschlecht und populäre Literatur im Ersten Weltkrieg. Waxmann Verlag, 2016, S. 10–11.
  5. Erik Eybl, Stephan Knott: Krieg an der Wand - Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Plakate. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 2014. S. 239.
  6. Susan R. Grayzel: Women's Identities at War: Gender, Motherhood, and Politics in Britain and France during the First World War. UNC Press Books, 1999. S.87.
  7. Erik Eybl, Stephan Knott: Krieg an der Wand - Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Plakate. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 2014. S. 249.
  8. Erik Eybl, Stephan Knott: Krieg an der Wand - Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Plakate. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 2014. S. 255.
  9. Susan R. Grayzel: Women and the First World War. Routledge, 2013. S. 10–12.
  10. Susan R. Grayzel: Women's Identities at War: Gender, Motherhood, and Politics in Britain and France during the First World War. UNC Press Books, 1999, S.46.
  11. Susan R. Grayzel: Women's Identities at War: Gender, Motherhood, and Politics in Britain and France during the First World War. UNC Press Books, 1999, S.105-107.
  12. Susan R. Grayzel: Women's Identities at War: Gender, Motherhood, and Politics in Britain and France during the First World War. UNC Press Books, 1999, S.86-87.
  13. Hupfer, Maureen. "A Pluralistic Approach to Visual Communication: Reviewing Rhetoric and Representation in World War I Posters". University of Alberta. Advances in Consumer Research. (1997): 322–26.
  14. Klaus-Jürgen Bremm: Propaganda im Ersten Weltkrieg. Theiss-Verlag: Darmstadt 2013. S. 171

Weblinks[Bearbeiten]