Benutzer:Tobi Scherbaum

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Tobi Scherbaum[Bearbeiten]

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  • Student der Universtät Augsburg


  • Studienfächer:
    • Lehramt Hauptschule mit Unterrichtsfach Deutsch und den Drittelfächern Englisch, Geschichte, katholische Religion
    • Bachelor DaF/DaZ mit Nebenfach Germanistik

IPK im Wintersemester 2009/10[Bearbeiten]

Im Wintersemester 2009/10 wurde an der Universität Augsburg das Seminar: "Kulturelle Identität, interkulturelle Prozesse und Kulturvergleiche im Rahmen eines Projektseminars (IPK)" angeboten. Dozentin des Seminars war Eva Sondershaus M. A. Innerhalb des oben genannten Seminars ist diese Wikiversity Seite entstanden.


Thema der Projektarbeit[Bearbeiten]

Während meines bisherigen Studiums hatte ich bereits die Gelegenheit, ein Praktikum bei "Tür an Tür", einem in Augsburg ansässigen Vereins, der sich für Rechte und Chancen von Zuwanderern, ganz besonders von Flüchtlingen in Deutschland, einsetzt zu machen. Das IPK Projektseminar möchte ich nun dazu nutzen, mich weiter in diese Problematik einzuarbeiten.


Fragestellung[Bearbeiten]

Die dem Projekt zu Grunde liegende Fragestellung lautet:


"Verständigungsprobleme zwischen der Ausländerbehörde Augsburg und Flüchtlingen aus Somalia."


Einschränkung der Fragestellung[Bearbeiten]

Der erste Schritt der Projektarbeit lag in der Formulierung einer aussagekräftigen Fragestellung. Nach Einarbeitung in das Thema stellte sich heraus, dass diese immer weiter eingegrenzt werden musste. Die Fragestellung sollte den Rahmen klar abstecken, um so eine gezielte Untersuchung zu ermöglichen. Einschränkungen wurden dabei hinsichtlich zweier Bereiche durchgeführt:


Eingrenzung auf die Ausländerbehörde Augsburg[Bearbeiten]

Wie sich im Verlaufe der Einarbeitungsphase herausstellte, gelten in den verschiedenen Behörden, mit denen die Flüchtlinge in Kontakt treten, unterschiedliche Richtlinien im Umgang mit den Asylsuchenden. So werden bspw. in der Ausländerbehörde München oft Dolmetscher eingesetzt. Im Sozialamt Augsburg ist Deutsch als Amtssprache vorgeschrieben, wobei nur in Ausnahmefällen auf Englisch ausgewichen wird. Von Seiten der Behörde werden im Sozialamt i. d. R. keine Dolmetscher zur Verfügung gestellt. Aufgrund dieser unterschiedlichen Richtlinien, Strukturen und Voraussetzungen innerhalb der Ämter erschien es sinnvoll sich auf eine Behörde zu konzentrieren. Die Auswahl viel dabei auf die Ausländerbehörde Augsburg. Zunächst weil die Flüchtlinge in regem Kontakt mit dieser Behörde stehen. Des Weiteren weil diese Arbeit in Augsburg entstand und es so von Vorteil war, einen regionalen Bezug herzustellen.

Beschränkung auf Flüchtlinge aus Somalia[Bearbeiten]

Personen aus vielen Teilen Welt finden ihren Weg nach Deutschland um hier Schutz und Asyl zu suchen. Alle diese Menschen werden mit einer neuen Sprache und Kultur konfrontiert. Wie gut sie sich in der neuen Kultur zu Recht finden hängt dabei sicherlich auch von den Voraussetzungen ab, die sie aus ihrer alten Kultur "mitbringen" (siehe Enkulturation). Aus diesem Grunde sollten deshalb im Rahmen dieser Projektarbeit "Flüchtlinge" nicht als eine homogene Gruppe betrachtet werden. Eine genauere Differenzierung war notwendig. Mit diesem Hintergrund soll sich die Untersuchung auf die Verständigungsprobleme, die zwischen Flüchtlingen aus Somalia und der Ausländerbehörde Augsburg bestehen begrenzen. Die Gruppe der Flüchtlinge aus Somalia wurde dabei aus mehreren Gründen ausgewählt: Neben dem persönlichen Interesse des Autors an den Lebensbedingungen in Somalia stand eine große Auswahl an Interviepartnern zur Verfügung. In der Flakkaserne in Augsburg leben viele Asylbewerber aus Somalia. Zwei von Ihnen stellten sich bereitwillig für die Interviews zur Verfügung.

Einschränkend bleibt dennoch zu sagen, dass auch die Gruppe der "Flüchtlinge aus Somalia" keinesfalls als homogen betrachtet werden kann. Jeder einzelne von ihnen bringt unterschiedliche Voraussetzungen (bzw. eine unterschiedliche Enkulturation) mit sich. Daraus resultieren sicherlich auch andersartige Schwierigkeiten im Umgang mit den Behörden. Dennoch soll versucht werden, anhand der Leitfadeninterviews zumindest eine Tendenz zu erkennen, worin für Flüchtlinge aus Somalia die Hauptprobleme in der Verständigung mit der Ausländerbehörde bestehen könnten.


Mögliche Ursachen für Verständigungsprobleme[Bearbeiten]

Verständigungsschwierigekeiten zwischen der Ausländerbehörde Augsburg und Flüchtlingen aus Somalia könnten dabei vermutlich auf zwei verschiedene Hauptursachen zurück zu führen sein:


Verständigungsschwierigkeiten mit sprachlichen Ursachen[Bearbeiten]

Dabei geht es v. a. um die Schwierigkeiten, die im Bereich der mündlichen und schriftlichen Kommunikation zwischen den beteiligten Gesprächspartnern auftreten können. In welcher Sprache läuft die Kommunikation ab? Sind beide Seiten in der Lage, sich ihrem Gegenüber ausreichend verständlich zu machen oder gibt es im sprachlichen Bereich größere Probleme?


Verständigungsschwierigkeiten resultierend aus Enkulturation[Bearbeiten]

Neben möglichen sprachlichen Kommunikationsstörungen könnte es auch noch zu Verständnisschwierigkeiten kommen, die auf eine verschiedene Enkulturation innerhalb der deutschen und somalischen Gesellschaft zurück zu führen sind.


Das Konzept der Enkulturation[Bearbeiten]

Unter Enkulturation versteht man den Teil des Sozialisationsprozesses, der das unmerkliche Hereinwachsen in die jeweilige eigene Kultur vom zunächst neutralen und kulturfreien Neugeborenen bis hin zum kulturell integrierten Erwachsenen bewirkt.

Enkulturation beinhaltet die automatische, nicht durch intentionale Erziehung gesteuerte Verinnerlichung einer Kultur und das bewusste geplante Hineinwachsen in Form der Erziehung als Enkulturationshilfe und grenzt sich somit von der Akkulturation ab.

Mit Blick auf die der Seminararbeit zu Grunde liegende Fragestellung galt es dabei folgendes herauszuarbeiten:

  • Wie erfolgte die Enkulturation der Flüchtlinge aus Somalia in Bezug auf Ämter bzw. Ämtergänge? D. h. wie viel Kontakt mit Behörden hatten die Asylsuchenden in ihrer Heimat und wie ist dieser Kontakt abgelaufen?
  • Könnten diese unterschiedlichen Ämterstrukturen, mit denen die Flüchtlinge in Somalia aufgewachsen sind (Enkulturation in Bezug auf Ämter) hier in Deutschland zu Verständigungsproblemen führen?


Hintergrundinformationen Somalia[Bearbeiten]

Somalia - Civil war 2006


Somalia ist ein Staat im äußersten Osten Afrikas, am Horn von Afrika. Es grenzt an den Indischen Ozean im Osten, dessen Golf von Aden im Norden, Dschibuti und Äthiopien im Westen und Kenia im Süden. Der Landesname ist vom Volk der Somali abgeleitet, das die große Bevölkerungsmehrheit stellt und auch in den Nachbarländern ansässig ist.

Somalia entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 gemeinsam unabhängig wurden. Seit dem Sturz der autoritären Regierung unter Siad Barre 1991 befindet sich das Land im Bürgerkrieg und hatte bis zur Bildung einer Übergangsregierung im Jahr 2000 keine international anerkannte Regierung. Die Übergangsregierung kontrolliert jedoch nur einen Teil des Landes. Der Norden Somalias ist als Somaliland seit 1991 faktisch unabhängig, wird aber von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt. In weiten Teilen des restlichen Staatsgebietes herrschen lokale Clans, Kriegsherren und andere Akteure. Mehrere dieser Gebiete – wie Puntland, Galmudug und Maakhir – streben auch offiziell nach Autonomie oder Unabhängigkeit. Auf Grund dieser Gesamtsituation wird das Land seit 1991 und bis auf Weiteres zu den so genannten zerfallenen Staaten gezählt.

Methodisches Vorgehen[Bearbeiten]

Um die oben genannte Fragestellung genauer zu untersuchen wurden Leitfadeninterviews durchgeführt und ausgewertet. In diesem Sinne wurden zwei Flüchtlinge aus Somalia zu ihren Verständigungsproblemen mit der Ausländerbehörde befragt. Ergänzend dazu sollten zunächst zwei Mitarbeiter der Ausländerbehörde Augsburg befragt werden. Leider stellte sich kein Beamter für einen Gesprächstermin zur Verfügung. Aus diesem Grunde wurden zwei Flüchtlingssozialarbeiter interviewt, die ausführlich zum Thema Stellung nahmen.


Fragen für Leitfadeninterviews[Bearbeiten]

Als grober Rahmen für die Leitfadeninterviews dienten dabei folgende Fragen:


1) In welchen Situationen besteht Kontakt zwischen Ausländerbehörde und Flüchtlingen?

  • a) Mündlicher Kontakt (Face to Face)?
  • b) Schriftlicher Kontakt (Anträge, Briefe...)?


2) Verständigungsschwierigkeiten mit sprachlichen Ursachen:

  • Worin bestehen die Hauptursachen für auftretende sprachliche Verständigungsschwierigkeiten?
    • a) Mündlich
      • In welcher Sprache wird kommuniziert?
      • Wie läuft Kommunikation ab?
      • Bestehen im mündlichen Kontakt sprachliche Verständigungsschwierigkeiten?
    • b) Schriftlich
      • In welcher Sprache wird schriftlich kommuniziert?
      • Wie läuft schriftliche Kommunikation ab?
      • Bestehen im schriftlichen Kontakt sprachliche Verständigungsschwierigkeiten?


3) Verständigungsschwierigkeiten mit kulturellen Ursachen:

  • a) Fragen an die Flüchtlingssozialarbeiter:
    • Haben die Flüchtlinge (v. a. aus Somalia) Probleme, die Ämterstruktur in Deutschland zu verstehen?
    • Werden die Termine auf den Behörden von den Flüchtlingen pünktlich wahrgenommen?
    • Verstehen die Flüchtlinge, warum sie die Ämtertermine wahren sollen und wozu diese dienen?
    • Wie werden diese ggf. neuen Strukturen von den Flüchtlingen empfunden bzw. aufgenommen?
  • b) Fragen an die Flüchtlinge aus Somalia:
    • Gibt es in der Herkunftskultur viel Kontakt mit Behörden?
    • Wie läuft der Kontakt mit Behörden in Somalia ab?
    • Worin bestehen die größten Unterschiede zwischen Behördengängen in Somalia und der Kommunikation mit der Ausländerbehörde in Deutschland?
    • Wie wird die Ämterstruktur bzw. der Kontakt zu den Behörden (v. a. Ausländeramt) subjektiv empfunden?


Transkription der Leitfadeninterviews[Bearbeiten]

Im Rahmen des Projektseminars wurde sowohl den Flüchtlingen als auch den Flüchtlingssozialarbeitern Anonymität zugesichert. Im Folgenden werden deshalb nur Rahmendaten zu den befragten Personen angegeben.


"Flüchtling 1"[Bearbeiten]

  • Rahmendaten: Geschlecht: männlich, Alter: 30 Jahre, Herkunft: Somalia, Sprachkenntnisse: Somali, Englisch, Arabisch, in Deutschland seit ca. 3 Monaten
  • Transkription des Leitfadeninterviews: "Flüchtling 1"

"Flüchtling 2"[Bearbeiten]

  • Rahmendaten: Geschlecht: männlich, Alter: 25 Jahre, Herkunft: Somalia, Sprachkenntnisse: Somali, Englisch, Arabisch, in Deutschland seit ca. 4 Monaten
  • Transkription des Leitfadeninterviews: "Flüchtling 2"

"Flüchtlingssozialarbeiter Caritas"[Bearbeiten]

  • Rahmendaten: Geschlecht: männlich, Sprachkenntnisse: Deutsch, Englisch, Hindi, Kisuaheli, Arabisch, Polnisch, in Einsatzstelle seit: Juni 2008
  • Transkription des Leitfadeninterviews: "Mitarbeiter Caritas"


"Flüchtlingssozialarbeiter Diakonie"[Bearbeiten]

  • Rahmendaten: Geschlecht: männlich, Sprachkenntnisse: Deutsch, Englisch, in Einsatzstelle seit: September 2008
  • Transkription des Leitfadeninterviews: "Mitarbeiter Diakonie"

Auswertung[Bearbeiten]

Analog zu den Fragen, die den Rahmen für die Leitfadeninterviews vorgaben soll an dieser Stelle die Auswertung der Interviews erfolgen. Die Schlüsse, die sich dabei aus den Gesprächen ziehen lassen werden jeweils durch Angabe der Stellen belegt, an denen diese in den Interviews zu finden sind. Dabei gilt:


  • F1001: Interview mit "Flüchtling 1"
  • F2001: Interview mit "Flüchtling 2"
  • MC001: Interview mit "Mitarbeiter der Caritas"
  • MD001: Interview mit "Mitarbeiter der Diakonie"


Verständigungsprobleme in der sprachlichen Kommunikation[Bearbeiten]

Aus allen vier Interviews zeichntete sich klar ab, dass die Hauptverständigungsschwierigkeiten sprachlicher Natur sind. Sowohl die Flüchtlinge aus Somalia als auch die Flüchtlingssozialarbeiter sahen hier größere Probleme als bei den durch Enkulturation bedingten Verständigungsschwierigkeiten.


Mündlich[Bearbeiten]

Eigenwahrnehmung Flüchtlinge[Bearbeiten]

Die mündliche Kommunikation direkt in der Ausländerbehörde Augsburg wurde von beiden Flüchtlingen aus Somalia eindeutig als die schwierigste Situation angegeben.


F1042: "... this (face to face communication) is I think the main issue for our difficulties,... between us and to the "Ausländerbehörde"...

"..., the biggest problem is for the language problem...,"

F2016: "... when we go there (Ausländerbehörde), we meet big problem about understanding...,"

F2027: "you have to speak german... deutsch, that's the problem..."


Grund hierfür ist v. a. dass nach Aussage der Flüchtlinge in der Ausländerbehörde Augsburg nur Deutsch als Amtssprache akzeptiert wird (Vgl. F1022, F1024 und F2016). Wenn die Flüchtlinge nicht in der Lage sind, sich auf Deutsch zu Verständigen werden sie nach Aussage der Befragten aufgefordert, selbst einen Dolmetscher zu organisieren (Vgl. F1022, F1024 und F2016). Dies bereitet den Flüchtlingen großteils Probleme. Oft sind sie erst wenige Tage oder Wochen in Augsburg und kennen noch keine Personen, die sie zur Ausländerbehörde begleiten und für sie übersetzen könnten. Auch ist es schwierig Übersetzer zu finden, die regelmäßig zu den Terminen begleiten können.


F1046: "And we can't hire a translator..."

F1056: "Yee..., english - german or somali - german, what they ask you is for a translator who can speak deutsch."

F2016: "...when I go there it is morning, I had no translator, she said to me, do you speak deutsch, I said, I don't speak deutsch language,... why, I stay here one month and fifteen days, how is it possible to speak deutsch,... she said to me, you have to call someone who speaks deutsch..."

F2016: ".. I said I don't know anyone who speaks deutsch in Deutschland, or in this town, because I am a stranger, I am new in here,..."


Fremdwahrnehmung durch Flüchtlingssozialarbeiter[Bearbeiten]

Auch beide Flüchtlingssozialarbeiter teilen den Eindruck, dass die Hauptverständigungsschwierigkeiten in der mündlichen Kommunikation liegen. Der Mitarbeiter der Caritas teilt die Ansicht der Flüchtlinge:


MC010: "...das ist eine große Problematik..."


Der Flüchtlingssozialarbeiter der Diakonie räumt ebenfalls Schwierigkeiten in der mündlichen Kommunikation mit den Behörden ein. In Bezug auf die Ausländerbehörde werden diese von ihm allerdings als weniger schwerwiegend beurteilt. Die Sachbearbeiter in dem Amt haben Einsicht in die Akten der Flüchtlinge. Oft sind die Gründe, wegen denen die Flüchtlinge die Behörde aufsuchen bereits im Vorfeld bekannt (z. B. Verlängerung der Duldung). Die Beamten können dann die Anliegen der Flüchtlinge bearbeiten, ohne dass eine mündliche Kommunikation notwendig ist. In Notfällen sind die Sachbearbeiter in der Ausländerbehörde nach Erfahrung des Flüchtlingssozialarbeiters durchaus bereit auf Englisch auszuweichen.


MD010: "... Also die Erfahrung, die ich gemacht habe, dass die Ausländerbehörde da also relativ großzügig damit umgeht, weil die haben ja da die ganzen Akten, die wissen im Prinzip um was es geht und äh können das dann quasi äh also nonverbal also äh, lösen..."

MD012: "Also sofern die Englisch verstehen, dann weichen die schon auf Englisch aus, aber da ist es was anderes, weil die Ausländerbehörde ja eigentlich alle Informationen hat..."


Probleme sieht der Mitarbeiter der Diakonie eher im Kontakt der Flüchtlinge mit dem Sozialamt. Da es hier oft um Themen wie die finanziellen Rücklagen oder Einkünfte der Flüchtlinge geht, bestehen die Bearbeiter in den meisten Fällen auf die Amtssprache Deutsch, um Missverständnisse auszuschließen. Deshalb wird von den Beamten im Sozialamt auf die Anwesenheit eines Dolmetschers bestanden. Verantwortlich für dessen Organisation sind die Flüchtlinge, was wie oben beschrieben für diese schwierig sein kann.


Schriftsprachverkehr[Bearbeiten]

Eigenwahrnehmung Flüchtlinge[Bearbeiten]

Im Schriftsprachverkehr sehen die beiden Befragten nur sehr geringe Probleme. Dies ist wohl auf die Unterstützung der Flüchtlingssozialarbeiter, auf die die Flüchtlinge in der Flakkaserne zurückgreifen können, zurückzuführen. Da diese den Asylsuchenden bei der Übersetzung der zugesandten Briefe und Formulare helfen, gibt es hier aus Sicht der Flüchtlinge keine Verständigungsprobleme:


F1066: "...there is little problem, but not as much as I explained it the former issue, ..., letters, they send us directly to post here,..., and then, when we get the letters, we go to the Caritas,... so Caritas helped us to translate for us,... so in that side, or the post side, or the postal communication, we don't have much problems.."

F2031: "Ok, that, that ... we can solve that problem, because there is the Caritas, .... it is possible and we take and we will request the Caritas to read it, ... and it is simple, there is no difficulty..."


Fremdwahrnehmung durch Flüchtlingssozialarbeiter[Bearbeiten]

Auch wenn die Problematik des Schriftsprachverkehrs von den Asylsuchenden selbst als weniger belastend empfunden wird, so stellt er aus Sicht der Flüchtlingssozialarbeiter doch eine Hürde für viele Flüchtlinge dar. Allerdings bestätigt sowohl der Mitarbeiter der Caritas als auch sein Kollege von der Diakonie, dass die Asylyuchenden mit Hilfe der Flüchtlingssozialarbeiter in der Lage sind, diese Probleme zu lösen und den Inhalt der Schreiben zu verstehen:


MC014: "Ja..., ob das Briefe sind, oder irgendwelche Formulare, die die ausfüllen müssen, die haben erhebliche Schwierigkeiten, auch wenn das Formular also in fünf Minuten zu erledigen ist, aber die kommen hier immer wieder her, und wir füllen das aus,..."

MD018: "Ja, das ist ja auch ein Teil unserer Arbeit hier in der Beratungsstelle, dass die Leute mit ihrer Post kommen, die natürlich nicht in Arabisch abgefasst ist, sondern in Deutsch, dass ist klar, sei es von der Polizei, sei es vom Sozialamt, Ausländeramt usw., Rechtsanwalt spielt eine große Rolle oder das Bundesamt, und das ist dann natürlich in Deutsch und da wollen die Leute wissen, was ist der Inhalt dieser, dieser Schreiben..."

MD020: "...wir machen das ja hier als äh, das ist unsere Leistung hier vom diakonischen Werk oder eben auch von der Caritas, also, das wir die Leute dann darauf hinweisen, das und das muss gemacht werden, es sind Ratenzahlungen zu tätigen, wann sind die Ratenzahlungen zu tätigen, in welcher Höhe und äh, es ist tatsächlich so, dass also ein Großteil der Araber und Afrikaner eben auch nicht schreiben kann, dass die Analphabeten sind und da geht dieser Schriftverkehr dann über uns..."


Verständigungsprobleme, die auf Enkulturation beruhen[Bearbeiten]

Weitgehende Übereinstimmung zwischen allen vier Befragten ist hinsichtlich der durch Enkulturation bedingten Verständigungsproblemen festzustellen. Solche Schwierigkeiten existieren (zumindest in Hinblick auf die Verständigung mit der Ausländerbehörde) nach Ansicht aller interviewten Personen so gut wie gar nicht. Die Asylsuchenden aus Somalia schätzen ihre Adaptionsfähigkeit an die neuen Lebensumstände als sehr hoch ein (zumindest in Bezug auf die Ämterstruktur). Dieser Eindruck wird durch die Wahrnehmung der beiden Flüchtlingssozialarbeiter absolut bestätigt.


Eigenwahrnehmung Flüchtlinge[Bearbeiten]

Beide Flüchtlinge räumen ein, dass die Verhältnisse bzw. der Umgang mit den Behörden in Somalia anders abläuft als in Deutschland. Dies deutet sicherlich auf eine Enkulturation hin, die von der deutschen Gesellschaft abweicht. Interessant auch, dass die Asylsuchenden dabei unterschiedliche Erfahungen in Bezug auf Ämter gemacht haben.

"Flüchtling 1" hatte in seiner Heimat zwar Kontakt mit Ämtern. Dieser wurde nach seinen Angaben aber aber zumeist innerhalb weniger Stunden durch Korruption geregelt:


F1072: "...maybe in Africa, not only in Somalia, even I can say in the Third World mostly they are corrupted eh, eh, eh, nations,...eehm..., when you are in your home, you can even get many things that you want,..., by phone, you can feel by phone, everything,...ähm,... and you can, you can, ähm, ähm..., it was easier at that time, when you were there, and, as you know, äh..., even when you are going in offices, maybe one ... agency or I can say one ehn, ehn, ehn... one agency or one eh, äh,... appartement, that you can cover all your needs at that day, maybe you wanted to follow like this process, to the interior ministery or, or foreign affairs ministery or something like that, ah,... eh, in one day, you can cover all your needs..."


"Flüchtling 2" hatte nach eigenen Angaben in der Heimat praktisch nie Kontakt zu Behörden:


F2049: "...when you stay in Somalia, there is no offices, because there is no administation, where there is no peace, there is no life, there is no order and ... law, you know, there is no law and order, ... but you can go some places or some buisiness places, but governmental offices or the foreign offices or there is no embassies in Somalia,... for the last twenty years,..."


Trotz dieser stark von deutschen Verhältnissen abweichenden Enkulturation sind die Flüchtlinge aus Somalia nach eigener Wahrnehmung willig und fähig, sich den deutschen Verhältnissen anzupassen:


F1076: "...but we have to accept,... we have to accept, and we have to learn something from this way, because, even me, I believe, that it is..., this system is better than the way we use it to have in Africa..."

F1078: "... something that we can learn, something that we can adapt in our countries, something that will be clear for everyone... for us, for the authorities, for those who related our issues..."

F2039: "...we will try to understand the people, ähm,... because we from our country, we will try to mix with the people..."

F2061: "... we will try and I believe in my feasibility and personality... I don't think so, there is another problem, a cultural problem..."


Obwohl der Kontakt mit den Behörden dabei teilweise als belastend und schwierig empfunden wird stehen beide Flüchtlinge den neuen Strukturen eher positiv gegenüber, wie v. a. folgender Aussage des "Flüchtling 1" entnommen werden kann:


F1076: "...this system is better than the way we use it to have in Africa. Because, you see,... this must be clear, and must be legal... and you have to follow this legal procedure and you have to accept..."


Fremdwahrnehmung durch Flüchtlingssozialarbeiter[Bearbeiten]

Auch beide Flüchtlingssozialarbeiter schätzen die Flüchtlinge aus Somalia als äußerst anpassungsfähig ein. Besonders positiv äusserte sich der Angestellte der Caritas:


MC018: "...aber meine Erfahrung allgemein mit den Somalier ähm, was die von den Vorraussetzungen bringen hier, also anzupassen, das ist sagenhaft und ich bin auch überrascht..."


Aber auch der Kollege von der Diakonie teilt diese Einschätzung:


MD022: "... also dass sie sich da an solche Vorgaben (Ämterstrukturen) nicht halten können oder auch nicht wollen, also das kann man nicht bestätigen...,"


Das die Ämterstruktur den asylyuchenden Somaliern so wenig Probleme bereitet, führt der Mitarbeiter der Caritas auf deren Bildungsniveau zurück:


MC018: "...oder die sind gebildet und weil die gebildet sind und ein bisschen Englisch kann, oder Deutsche Sprache von allein ist ganz ähnlich, so, dann haben die also ganz leicht da Einstieg, äh, zum Beispiel als wie Leute, die aus Irak kommen, die nichtvmal erste Klasse, oder gar nicht Schule besucht haben oder zum Beipiel Afghanistan, das noch schlimmer..."


Obwohl die Ämtertermine von den Asylsuchenden oft als belastend empfunden werden, so bestätigen auch die Sozialarbeiter, dass die Flüchtlinge den neuen Strukturen durchaus auch positive Seiten abgewinnen können.


MD026: "Die übernehmen das und ich habe so das Gefühl, also dass das äh, von den Leuten auch ganz positiv aufgenommen wird, also weil natürlich viele vergebliche Wartezeiten oder umsonst hinlaufen dann auch wegfällt, also das ist,... diese Struktur funktioniert ja auch bei uns..."


Fazit[Bearbeiten]

Worin bestehen nun die größten Verständigungsprobleme zwischen der Ausländerbehörde Augsburg und den Flüchtlingen aus Somalia?


Wie aus der Auswertung der Interviews hervorgeht, liegen diese eindeutig in der mündlichen Kommunikation. Oft sind die Flüchtlinge noch nicht so weit, sich auf Deutsch zu verständigen und müssen sich selbst einen Dolmetscher organisieren. Dies wird von den Flüchtlingen als sehr belastend empfunden. Auch der Mitarbeiter der Caritas sieht hier die Hauptproblematik.

Einschränkend soll jedoch auf den Flüchtlingssozialarbeiter der Diakonie verwiesen werden. Aus dessen Sicht können viele Anliegen der Asylsuchenden in der Ausländerbehörde auch nonverbal geregelt werden, da den Bearbeitern die Sachlage i. d. R. bekannt ist. Größere Schwierigkeiten, v. a. in Bezug auf die Organisation eines Dolmetscher sieht er eher im Kontakt der Flüchtlinge mit dem Sozialamt.


Wesentlich weniger schwierig schätzen die Asylsuchenden die Verständigungsprobleme im Schriftsprachverkehr ein. Wie in der Auswertung zu sehen ist, lässt sich dies v. a. auf die Einsatzstellen der Caritas und Diakonie zurückführen. Dort haben die Flüchtlinge die Möglichkeit, sich ihre Briefe, Formulare und Anträge übersetzen und erklären zu lassen.


Kaum eine Rolle im Kontakt mit der Ausländerbehörde spielen nach Aussage aller Beteiligter Verständigungsprobleme, die auf eine unterschiedliche Enkulturation der Asylsuchenden aus Somalia zurückzuführen sein könnten. Zwar räumen beide Flüchtlinge in Bezug auf Ämter eine von Deutschland abweichende Enkulturation ein. Dennoch zeigen sie sich nach eigenem Eindruck sehr bereit und fähig, sich den deutschen Strukturen anzupassen. Mit der Wahrnehmung der Termine und pünktlichem Erscheinen gibt es aus ihrer Sicht keine Probleme. Dieser Selbsteindruck wird von den Flüchtlingssozialarbeitern absolut bestätigt. Wie es scheint, werden die neuen Strukturen nicht nur aktzeptiert sondern sogar als positiv wahrgenommen.