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Esquirol, Jeanne Etienne Dominique (1838)

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Titelblatt des ersten Bandes. Oktav (21,5 x 13 cm).


Esquirol, E.: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Medizin und Staatsarzneikunde. Ins Deutsche übertragen von W. Bernhard. 2 Bde. in 1. Berlin: Voss’sche Buchhandlung 1838, VIII, 390 S.; VI, 387 S.

Jeanne Etienne Dominique Esquirol (1772 – 1840) war ursprünglich Student der Theologie. Nach der französischen Revolution studierte er Medizin in Toulouse und Montpellier. 1800 kam er nach Paris und schloss sich Philippe Pinel an. 1810 wurde er leitender Arzt unter Pinel am Hôpital Salpêtrière und ab 1826 Leiter der Anstalt Charenton.[1]

Das Lehrbuch gilt als sein Hauptwerk. Bereits im Jahr der französischen Erstausgabe wurde es ins Deutsche übersetzt, 1845 ins Englische. Der Abschnitt über die Symptome der Geisteskrankheiten beginnt mit dem programmatischen Satz (§ 1): „Die Geisteskrankheiten sind g e w ö h n l i c h eine chronische Gehirnaffection ohne Fieber, die sich durch Störungen der Sensibilität[2], Intellectuität und des Willens chrakterisirt.“ (Bd. I, S. 4)

Esquirol inauguriert hier die Begriffe Halluzination und Illusion. Die differentialdiagnostische Trennung hatte er bereits in seinem 1827 erschienen Lehrbuch vorgenommen, dort noch umschreibend.

Er trennte als erster zwischen angeborenem und erworbenen Schwachsinn und führte die Termini Idiotie und Imbezillität ein. Sie haben sich in der psychiatrischen Fachsprache etwa anderthalb Jahrhunderte gehalten. Im England des 18. Jahrhunderts war Idiotie ein juristischer Begriff, kein ärztlicher. Mit ihm wurden Personen belegt, die nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte waren und unfähig zu rationalem Denken.[3] Unterschieden wurde dabei nicht zwischen angeborenem Intelligenzmangel und psychischer Erkrankung. Erst Esquirol führte diese systemische Trennung ein.

In Frankreich hatte Pinel mit Idiotie noch den stärksten Grad der Verwirrtheit bezeichnet. (Bd. II, S. 157) Esquirol trennte auch Idiotie von Monomanie [4] und Verwirrtheit.[5]

  1. Ackerknecht, H. E. (Hrsg.): Esquirol: Von den Geisteskrankheiten. Bern und Stuttgart: H. Huber 1968, S.7
  2. Angesichts der vielen luetischen Anstaltspatienten vor der Entdeckung des Penicillins.
  3. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. Aufl. (1999).
  4. Entspricht etwa dem isolierten Wahn und der überwertigen Idee.
  5. Am ehesten mit Psychose gleichzusetzen.



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