Heinroth, Johann Christian August (1818)

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Das Waisen- Zucht- und Versorgungshaus St. Georg in Leipzig. Aquarellierter Kupferstich 12 x 18 cm von Karl Benjamin Schwarz (1757 - 1813) um 1804.
Oktav (18,7 x 12 cm)


Heinroth, Dr. F. C. A.: Lehrbuch der Störungen des Seelenlebens oder der Seelenstörungen und ihrer Behandlung. Vom rationalen Standpunkt aus entworfen.
Leipzig: F. W. Vogel 1818, XXII S., 396 S., 1 gefaltete Tafel; VI S., 385 S.


Johann Christian August Heinroth (1773 – 1843) hatte ab 1811 in Leipzig den weltweit ersten Lehrstuhl für „psychische Therapie“ inne.

Er vertrat als erster Psychiker die Auffassung, dass die eigentlichen Seelenkrankheiten ihre Ursache in der Seele selbst haben[1] und zog die Biographie des Patienten in das Krankheitsbild ein:

Dass wir eben hier den Blick nicht auf Einzelheiten werfen, sondern auf dem gesamten Menschenleben in allen seinen Beziehungen fest halten müssen. Das Einzelne ist nichts ohne das Ganze, und dieses nichts ohne die bindende Idee. (Bd. I, S. 185)

Vom Gewissen sprach Heinroth als dem Ueber uns. In ihm sah er die Gegeninstanz zum Ichsbewusßtseyn, Freuds Über-Ich und Ich vorwegnehmend. (Bd. I, S.13)

Auch der Terminus Psychosomatik geht auf ihn zurück: „Gewöhnlich sind die Quellen der Schlaflosigkeit psychisch-somatisch.“ (Bd. II, S. 49)

Heinroth sah die Ursache von psychischer Krankheit in der Sünde. Psychische Krankheit war demnach selbstverschuldet. Dies bedeutete aber auch, dass seelische Gesundheit kalkulierbar und lernbar war. Ein zweifelsfreier religiöser Glaube, mehr noch eine moralische, vernunftgeleitete Lebensführung, bewahrten vor psychischer Krankheit. [2]

  1. Janzarik, W.: Themen und Tendenzen der deutschsprachigen Psychiatrie. Berlin Heidelberg New York: Springer 1974, S. 5
  2. Steinberg, H.: Johann Christian August Heinroth (1773 – 1843). In: Angermeyer, M. und H. Steinberg: 200 Jahre Psychiatrie an der Universität Leipzig. Heidelberg: Springer 2005, S. 49
J. C. A. Heinroth um 1811,
Rahmen 35 x 26 cm.



Siehe auch

 Wikisource: Heinroth, Johann Christian August – Quellen und Volltexte




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