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Kurs:Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)/Definitionsliste

Aus Wikiversity


Definition:Primzahl

Eine natürliche Zahl  n2  heißt eine Primzahl, wenn die einzigen natürlichen Teiler von ihr 1 und n sind.



Definition:Mersennesche Primzahl

Eine Primzahl der Form 2n1 heißt Mersennesche Primzahl.



Definition:Primzahlzwilling

Ein Primzahlzwilling ist ein Paar bestehend aus p und p+2, wobei diese beiden Zahlen Primzahlen sind.



Definition:Wort über einem Alphabet

Es sei A eine Menge von Symbolen. Dann nennt man jede endliche Zeichenreihe, die man mit den Elementen aus A aufstellen kann, ein Wort über dem Alphabet A.



Definition:Sprache der Aussagenlogik

Es sei V eine Menge (deren Elemente wir als Aussagenvariable bezeichnen). Dann wird die zugehörige Sprache der Aussagenlogik LV (zu V) rekursiv durch folgende Regeln definiert.

  1. Jedes  pV  gehört zu LV.
  2. Wenn  αLV  ist, so ist auch  ¬(α)LV
  3. Wenn  α,βLV  sind, so sind auch  (α)(β),(α)(β),(α)(β),(α)(β)LV


Definition:Wahrheitsbelegung

Es sei V eine Menge von Variablen und LV die zugehörige aussagenlogische Sprache. Unter einer Wahrheitsbelegung versteht man eine Abbildung

λ:V{0,1}

(oder mit {f,w} als Wertebereich).



Definition:Interpretation (Aussagenlogik)

Es sei V eine Menge von Variablen, LV die zugehörige aussagenlogische Sprache und

λ:V{0,1}

eine Wahrheitsbelegung. Unter der zugehörigen Interpretation  I=Iλ  versteht man die über den rekursiven Aufbau der Sprache festgelegte Abbildung

I:LV{0,1}

mit

  1.  I(v)=λ(v)  für jede Aussagenvariable vV.
  2. Bei  α=¬(β)  ist
    I(α)={1, falls I(β)=0,0, falls I(β)=1.
  3. Bei  α=(β)(γ)  ist
    I(α)={1, falls I(β)=I(γ)=1,0 sonst.
  4. Bei  α=(β)(γ)  ist
    I(α)={1, falls I(β)=1 oder I(γ)=1,0, falls I(β)=I(γ)=0.
  5. Bei  α=(β)(γ)  ist
    I(α)={1, falls I(β)=0 oder I(γ)=1,0, falls I(β)=1 und I(γ)=0.
  6. Bei  α=(β)(γ)  ist
    I(α)={1, falls I(β)=I(γ),0, falls I(β)I(γ).


Definition:Aussagenlogische Grundtautologien

Für eine Aussagenvariablenmenge V und beliebige Ausdrücke α,β,γ legt man folgende (syntaktische) Tautologien axiomatisch fest.

  1. α(βα).
  2. (αβ)(βγ)(αγ).
  3. (αβ)(αγ)(αβγ).
  4. (αβγ)(α(βγ))

    und

    (α(βγ))(αβγ).
  5. ¬ααβ.
  6. (αβ)(¬αβ)β.


Definition:Ableitbar (Aussagenlogik)

Es sei  ΓLV  eine Ausdrucksmenge in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge V und sei  αLV.  Man sagt, dass α aus Γ ableitbar ist, geschrieben

Γα,

wenn es endlich viele Ausdrücke  α1,,αnΓ  derart gibt, dass

α1αnα

gilt.



Definition:Widersprüchliche Ausdrucksmenge (Aussagenlogik)

Eine Ausdrucksmenge  ΓLV  in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge V heißt widersprüchlich, wenn es einen Ausdruck  αLV  mit Γα und Γ¬α gibt. Eine nicht widersprüchliche Ausdrucksmenge heißt widerspruchsfrei.



Definition:Maximal widerspruchsfrei (Aussagenlogik)

Eine Teilmenge  ΓLV  zu einer Menge V an Aussagenvariablen heißt maximal widerspruchsfrei, wenn Γ widerspruchsfrei ist und jede echt größere Menge  ΓΓ  widersprüchlich ist.



Definition:Ordnungsrelation

Eine Relation auf einer Menge I heißt Ordnungsrelation oder Ordnung, wenn die drei folgenden Bedingungen erfüllt sind.

  1. Es ist  ii  für alle  iI
  2. Aus  ij  und  jk  folgt stets  ik
  3. Aus  ij  und  ji  folgt  i=j


Definition:Größtes Element

Es sei (I,) eine geordnete Menge. Ein Element  xI  heißt größtes Element von I, wenn  yx  für jedes  yI  gilt.



Definition:Maximales Element

Es sei (I,) eine geordnete Menge. Ein Element  xI  heißt maximal (in I) oder ein maximales Element (von I), wenn es kein Element yI, yx, mit  xy  gibt.



Definition:Obere Schranke

Es sei (I,) eine geordnete Menge und  JI  eine Teilmenge. Ein Element  sI  heißt obere Schranke für J, wenn  ys  für jedes  yJ  gilt.



Definition:Ideal

Eine Teilmenge 𝔞 eines kommutativen Ringes R heißt Ideal, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1.  0𝔞
  2. Für alle  a,b𝔞  ist auch  a+b𝔞
  3. Für alle  a𝔞  und  rR  ist auch  ra𝔞


Definition:Maximales Ideal

Ein Ideal 𝔪 in einem kommutativen Ring R heißt maximales Ideal, wenn  𝔪R  ist und wenn es zwischen 𝔪 und R kein weiteres Ideal gibt.



Definition:Induktiv geordnet

Eine geordnete Menge (I,) heißt induktiv geordnet, wenn jede total geordnete Teilmenge  JI  eine obere Schranke in I besitzt.



Definition:Topologischer Filter

Es sei X ein topologischer Raum. Ein System F aus offenen Teilmengen von X heißt Filter, wenn folgende Eigenschaften gelten (U,V seien offen).

  1.  XF
  2. Mit  UF  und  UV  ist auch  VF
  3. Mit  UF  und  VF  ist auch  UVF


Definition:Ultrafilter

Ein topologischer Filter F heißt Ultrafilter, wenn  F  und wenn F maximal mit dieser Eigenschaft ist.



Definition:Wohlordnung

Eine totale Ordnung auf einer Menge M heißt Wohlordnung, wenn jede nichtleere Teilmenge  TM  ein kleinstes Element besitzt.



Definition:Grundtermmenge

Eine Grundtermmenge besteht aus den folgenden (untereinander disjunkten) Mengen.

  1. eine Variablenmenge V,
  2. eine Konstantenmenge K,
  3. zu jedem  n+  eine Menge Fn von Funktionssymbolen.


Definition:Termmenge

Zu einer Grundtermmenge  G=(V,K,Fn)  ist die zugehörige Termmenge (oder die Menge der G-Terme) diejenige Teilmenge  T=T(G)  der Wörter A über dem Termalphabet  A=VKn+Fn,  die durch die folgenden rekursiven Vorschriften festgelegt wird.

  1. Jede Variable  vV  ist ein Term.
  2. Jede Konstante  cK  ist ein Term.
  3. Für jedes  fFn  und n Terme t1,t2,,tn ist auch ft1t2tn ein Term.


Definition:Alphabet einer Sprache erster Stufe

Ein Alphabet einer Sprache erster Stufe umfasst die folgenden Daten.

  1. Eine Grundtermmenge, also eine Menge aus Variablen, Konstanten und Funktionssymbolen.
  2. Zu jeder natürlichen Zahl  n+  eine Menge Rn von n-stelligen Relationssymbolen.
  3. Die aussagenlogischen Junktoren
    ¬,,,,.
  4. Das Gleichheitszeichen =.
  5. Die Quantoren und .
  6. Klammern, also ( und ).


Definition:Ausdruck in einer Sprache erster Stufe

Es sei ein Alphabet einer Sprache erster Stufe gegeben. Dann nennt man die folgenden rekursiv definierten Wörter über diesem Alphabet die Ausdrücke dieser Sprache.

  1. Wenn t1 und t2 Terme sind, so ist
    t1=t2

    ein Ausdruck.

  2. Wenn R ein n-stelliges Relationssymbol ist und t1,,tn Terme sind, so ist
    Rt1tn

    ein Ausdruck.

  3. Wenn α und β Ausdrücke sind, so sind auch
    ¬(α),(α)(β),(α)(β),(α)(β),(α)(β)

    Ausdrücke.

  4. Wenn α ein Ausdruck und x eine Variable ist, so sind auch
    x(α) und x(α)

    Ausdrücke.



Definition:Produktmenge

Es seien zwei Mengen L und M gegeben. Dann nennt man die Menge

L×M={(x,y)xL,yM}

die Produktmenge der beiden Mengen.



Definition:Relation auf einer Menge

Unter einer n-stelligen Relation R auf einer Menge M versteht man eine Teilmenge der n-fachen Produktmenge M××M.



Definition:Abbildung

Es seien L und M Mengen. Eine Abbildung F von L nach M ist dadurch gegeben, dass jedem Element der Menge L genau ein Element der Menge M zugeordnet wird. Das zu  xL  eindeutig bestimmte Element wird mit F(x) bezeichnet. Die Abbildung drückt man als Ganzes häufig durch

F:LM,xF(x),

aus.



Definition:n-stellige Abbildung

Es sei M eine Menge. Unter einer n-stelligen Abbildung auf M versteht man eine Abbildung

f:M××MM,(x1,,xn)f(x1,,xn),

vom n-fachen Produkt von M mit sich selbst nach M.



Definition:Interpretation

Es sei S das Symbolalphabet einer Sprache erster Stufe. Unter einer S-Struktur versteht man eine nichtleere Menge M mit den folgenden Festlegungen.

  1. Für jede Konstante  cK  ist ein Element  cMM  festgelegt.
  2. Zu jedem n-stelligen Funktionssymbol f (aus S) ist eine n-stellige Funktion
    fM:MnM

    festgelegt.

  3. Zu jedem n-stelligen Relationssymbol R (aus S) ist eine n-stellige Relation
    RMMn

    festgelegt.

Unter einer S-(Variablen)belegung in M versteht man eine Festlegung  xMM  für jede Variable  xV

Unter einer S-Interpretation versteht man eine S-Struktur zusammen mit einer S-Belegung.



Definition:Terminterpretation

Zu einem Symbolalphabet S erster Stufe und einer S-Interpretation in einer Menge M wird induktiv über den Aufbau der Terme für jeden S-Term t eine Interpretation I(t) in M definiert.

  1. Für jede Konstante c und jede Variable x ist die Terminterpretation durch die Interpretation bzw. die Belegung direkt gegeben, also  I(c)=cM  und  I(x)=xM
  2. Wenn t1,,tn Terme mit den Interpretationen I(t1),,I(tn) sind und wenn f ein n-stelliges Funktionssymbol ist, so wird der Term ft1tn als fM(I(t1),,I(tn)) interpretiert.


Definition:Uminterpretation

Es sei ein Symbolalphabet S erster Stufe und eine S-Interpretation I in einer Menge M gegeben. Es sei x eine Variable und  mM  ein Element der Grundmenge. Dann versteht man unter der Uminterpretation Imx diejenige Interpretation von S in M, die strukturgleich zu I ist und für deren Variablenbelegung

(Imx)(y)={I(y), falls yx,m, falls y=x,

gilt.



Definition:Gültigkeit unter einer Interpretation

Zu einem Symbolalphabet S erster Stufe und einer S-Interpretation I in einer Menge M werden die S-Ausdrücke folgendermaßen (induktiv über den Aufbau der Ausdrücke) interpretiert und als gültig (oder ungültig) charakterisiert (die Gültigkeit einer Aussage α unter der Interpretation wird dabei als Iα geschrieben). Es seien s,t,t1,,tn Terme, R ein n-stelliges Relationssymbol und α,β Ausdrücke.

  1. Is=t, wenn  I(s)=I(t)
  2. IRt1tn, wenn  (I(t1),,I(tn))RM
  3. I¬(α), wenn nicht Iα gilt.
  4. I(α)(β), wenn Iα und Iβ gilt.
  5. I(α)(β), wenn die Gültigkeit Iα die Gültigkeit Iβ impliziert.
  6. Ixα, wenn es ein  mM  mit Imxα gibt.
  7. Ixα, wenn für alle  mM  die Beziehung Imxα gilt.


Definition:Allgemeingültiger Ausdruck

Es sei S ein Symbolalphabet und α ein S-Ausdruck in der Prädikatenlogik erster Stufe. Man nennt α allgemeingültig (oder eine semantische Tautologie), wenn er in jeder S-Interpretation I gilt, also Iα wahr ist.



Definition:Gruppe

Eine Menge G mit einem ausgezeichneten Element  eG  und mit einer Verknüpfung

G×GG,(g,h)gh,

heißt Gruppe, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind.

  1. Die Verknüpfung ist assoziativ, d.h. für alle  f,g,hG  gilt
    (fg)h=f(gh).
  2. Das Element e ist ein neutrales Element, d.h. für alle  gG  gilt
    ge=g=eg.
  3. Zu jedem  gG  gibt es ein inverses Element, d.h. es gibt ein  hG  mit
    hg=gh=e.


Definition:Ordnungsrelation

Eine Relation auf einer Menge I heißt Ordnungsrelation oder Ordnung, wenn die drei folgenden Bedingungen erfüllt sind.

  1. Es ist  ii  für alle  iI
  2. Aus  ij  und  jk  folgt stets  ik
  3. Aus  ij  und  ji  folgt  i=j


Definition:Folgerung

Es sei S ein Symbolalphabet erster Stufe, Γ eine Menge von S-Ausdrücken und α ein S-Ausdruck. Man sagt, dass α aus Γ folgt, geschrieben Γα, wenn für jede S-Interpretation I mit IΓ auch Iα gilt.



Definition:Erfüllbarer Ausdruck

Es sei S ein Symbolalphabet und es sei α ein S-Ausdruck in der Prädikatenlogik erster Stufe. Man nennt α erfüllbar, wenn es eine S-Interpretation I mit Iα gibt.



Definition:Variablensubstitution für Terme

Es sei ein Symbolalphabet S einer Sprache erster Stufe gegeben. Es seien x1,,xk paarweise verschiedene Variablen und t1,,tk fixierte S-Terme. Dann definiert man rekursiv über den Aufbau der Terme die Substitution st1,,tkx1,,xk für jeden S-Term s.

  1. Für eine Variable x ist
    xt1,,tkx1,,xk:={x, falls xxi für alle i,ti, falls x=xi.
  2. Für eine Konstante c ist
    ct1,,tkx1,,xk:=c.
  3. Für ein n-stelliges Funktionssymbol f und n Terme s1,,sn ist
    fs1snt1,,tkx1,,xk:=fs1t1,,tkx1,,xksnt1,,tkx1,,xk.


Definition:Variablensubstitution für Ausdrücke

Es sei ein Symbolalphabet S einer Sprache erster Stufe gegeben. Es seien x1,,xk paarweise verschiedene Variablen und t1,,tk fixierte S-Terme. Dann definiert man rekursiv über den Aufbau der S-Ausdrücke die Substitution αt1,,tkx1,,xk für jeden S-Ausdruck α.

  1. Für Terme s1,s2 setzt man
    (s1=s2)t1,,tkx1,,xk:=s1t1,,tkx1,,xk=s2t1,,tkx1,,xk.
  2. Für ein n-stelliges Relationssymbol R und n Terme s1,,sn setzt man
    (Rs1sn)t1,,tkx1,,xk:=Rs1t1,,tkx1,,xksnt1,,tkx1,,xk.
  3. Für einen Ausdruck α setzt man
    (¬α)t1,,tkx1,,xk:=¬αt1,,tkx1,,xk.
  4. Für Ausdrücke α und β setzt man
    (αβ)t1,,tkx1,,xk:=αt1,,tkx1,,xkβt1,,tkx1,,xk

    und ebenso für die anderen zweistelligen Junktoren.

  5. Für einen Ausdruck α seien xi1,,xir diejenigen Variablen (unter den x1,,xk), die in xα frei vorkommen. Es sei  v=x,  falls x nicht in ti1,,tir vorkommt. Andernfalls sei v die erste Variable (in einer fixierten Variablenaufzählung, falls es abzählbar viele Variablen gibt, bzw. in einer fixierten Wohlordnung der Variablenmenge), die weder in α noch in ti1,,tir vorkommt. Dann setzt man
    (xα)t1,,tkx1,,xk:=vαti1,,tir,vxi1,,xir,x

    und ebenso für den Existenzquantor.



Definition:Ableitbar (Prädikatenlogik)

Ein Ausdruck  αLS  heißt ableitbar im Prädikatenkalkül (oder eine syntaktische Tautologie), wenn er sich aus den Grundtautologien, also

    • den aussagenlogischen syntaktischen Tautologien,
    • den Gleichheitsaxiomen,
    • der Existenzeinführung im Sukzedens,

durch sukzessive Anwendung der Ableitungsregeln Modus ponens und der Existenzeinführung im Antezedens erhalten lässt. Die Ableitbarkeit wird durch

α

ausgedrückt.



Definition:Ableitbar aus Ausdrucksmenge (Prädikatenlogik)

Es sei S ein Symbolalphabet, Γ eine Menge an S-Ausdrücken

und α ein weiterer S-Ausdruck. Man sagt, dass α aus Γ ableitbar ist, geschrieben
Γα,
wenn es endlich viele Ausdrücke

 α1,,αnΓ  derart gibt, dass

α1αnα

gilt.



Definition:Addition mit n

Es sei (,0,) ein Dedekind-Peano-Modell der natürlichen Zahlen und  n.  Dann definieren wir die Addition mit n als diejenige aufgrund von Satz 12.2 eindeutig bestimmte Abbildung

αn:,kαn(k),

für die

αn(0)=n und αn(k)=(αn(k)) für alle k

gilt.



Definition:Multiplikation mit n

Es sei (,0,) ein Dedekind-Peano-Modell der natürlichen Zahlen und  n.  Dann definieren wir die Multiplikation mit n als diejenige aufgrund von Satz 12.2 eindeutig bestimmte Abbildung

μn:,kμn(k),

für die

μn(0)=0 und μn(k)=μn(k)+n für alle k

gilt.



Definition:Maximal widerspruchsfrei

Eine Menge Γ an S-Ausdrücken (über einem Symbolalphabet S) heißt maximal widerspruchsfrei, wenn sie widerspruchsfrei ist und wenn jede Hinzunahme eines jeden Ausdrucks  αΓ  die Menge widersprüchlich macht.



Definition:Ausdrucksmenge enthält Beispiele

Man sagt, dass eine Menge Γ an S-Ausdrücken (über einem Symbolalphabet S) Beispiele enthält, wenn es für jeden Ausdruck der Form xα einen S-Term t derart gibt, dass

xααtx

zu Γ gehört.



Definition:Atomarer Ausdruck

Unter einem atomaren Ausdruck versteht man Ausdrücke der Form  s=t,  wobei s und t Terme sind, und der Form Rt1tn, wobei R ein n-stelliges Relationssymbol ist und t1,,tn Terme sind.



Definition:Rang (Ausdruck)

Es sei ein Alphabet einer Sprache erster Stufe gegeben. Dann definiert man für Ausdrücke  αLS  den Rang ρ von α durch

  1.  ρ(α)=0,  falls α atomar ist.
  2.  ρ(α)=ρ(β)+1,  falls  α=¬(β)  ist.
  3.  ρ(α)=ρ(β)+ρ(γ)+1,  falls  α=(β)(γ)  mit  =,,,  ist.
  4.  ρ(α)=ρ(β)+1,  falls  α=xβ  oder  α=xβ  ist.


Definition:Elementar äquivalent

Zwei S-Strukturen M und N über einem erststufigen Symbolalphabet S heißen elementar äquivalent, wenn jeder S-Satz, der in M gilt, auch in N gilt.



Definition:Homomorphismus

Es sei S ein erststufiges Symbolalphabet und M und N seien S-Strukturen. Eine Abbildung

φ:MN

heißt S-Homomorphismus, wenn folgende Eigenschaften gelten.

  1. Für jede Konstante  cS  ist
    φ(cM)=cN.
  2. Für jedes n-stellige Funktionssymbol  fS  ist
    φ(fM(m1,,mn))=fN(φ(m1),,φ(mn))

    für alle  m1,,mnM

  3. Für jedes n-stellige Relationsymbol  RS  impliziert die Gültigkeit von
    RM(m1,,mn)

    die Gültigkeit von

    RN(φ(m1),,φ(mn)).


Definition:Isomorphismus

Es sei S ein erststufiges Symbolalphabet und M und N seien S-Strukturen. Eine bijektive Abbildung

φ:MN

heißt S-Isomorphismus, wenn sowohl φ als auch die Umkehrabbildung φ1 ein S-Homomorphismus ist.



Definition:Elementare Äquivalenz für Elemente

Es sei S ein erststufiges Symbolalphabet und M eine S-Struktur. Wir nennen zwei Elemente  m,nM  elementar äquivalent, wenn für jeden Ausdruck  αL1S  in der einen freien Variablen x und jede Variablenbelegung λ auf M die Beziehung

Imxα genau dann, wenn Inxα

gilt.



Definition:Funktional-abgeschlossene Teilmenge

Es sei S ein erststufiges Symbolalphabet und M eine S-Struktur. Eine Teilmenge  TM  heißt funktional abgeschlossen (oder eine S-Unterstruktur), wenn für jede Konstante  cS  das Element cM zu T gehört und für jedes k-stellige Funktionssymbol f und beliebige Elemente  m1,,mkT  auch fM(m1,,mk) zu T gehört.



Definition:Nichtstandardmodell

Es sei M eine fixierte S-Struktur (das Standardmodell) über einem Symbolalphabet S. Dann nennt man eine weitere S-Struktur M, die zu M elementar äquivalent, aber nicht zu M S-isomorph ist, ein Nichtstandardmodell von M.



Definition:Reell-abgeschlossener Körper

Ein angeordneter Körper K heißt reell-abgeschlossen, wenn folgende Eigenschaften gelten.

  1. Jedes nichtnegative Element aus K besitzt eine Quadratwurzel in K.
  2. Jedes Polynom  PK[X]  mit ungeradem Grad besitzt in K eine Nullstelle.


Definition:Registermaschine

Unter einer Registermaschine versteht man eine endliche Folge von Registern R1,R2,,Rm (oder Speichern), deren Inhalt jeweils eine natürliche Zahl ist, die durch eine endliche (eventuell leere) Folge von Strichen repräsentiert wird.

Ein Programm für eine Registermaschine ist eine endliche durchnummerierte Folge von Befehlen B1,B2,,Bh, wobei es für die einzelnen Befehle Bj die folgenden Möglichkeiten gibt.

  1. i+ (erhöhe den Inhalt des Registers Ri um 1, d.h. um einen Strich).
  2. i (reduziere den Inhalt des Registers Ri um 1, d.h. ziehe einen Strich ab; wenn der Inhalt leer ist, so lasse ihn leer).
  3. C(ij) (wenn das i-te Register leer ist, so gehe zum Befehl Bj, andernfalls zum nächsten Befehl).
  4. Drucke (drucke den Inhalt des ersten Registers).
  5. Halte an.

Dabei muss  im  für alle in einer Programmzeile adressierten Register und  jh  für alle adressierten Befehlszeilen gelten. Die letzte Befehlszeile Bh ist ein Haltebefehl und sonst gibt es keinen Haltebefehl.



Definition:Register-berechenbar

Eine k-stellige Funktion

F:k

heißt R-berechenbar (oder Register-berechenbar), wenn es ein Programm P für eine Registermaschine gibt, die bei jeder Eingabe (r1,,rk) (in den ersten k Registern) anhält und F(r1,,rk) als (einzige) Ausgabe besitzt.



Definition:Register-entscheidbar

Es sei  T  eine Teilmenge der natürlichen Zahlen. Man sagt, dass diese Menge R-entscheidbar (oder Register-entscheidbar) ist, wenn es ein Programm P für eine Registermaschine gibt, die bei jeder Eingabe anhält und für die die Äquivalenz

nT genau dann, wenn P(n) die Ausgabe 0 besitzt

gilt.



Definition:Register-aufzählbar

Es sei  T  eine Teilmenge der natürlichen Zahlen. Man sagt, dass diese Menge R-aufzählbar (oder Register-aufzählbar) ist, wenn es ein Programm P für eine Registermaschine gibt, die bei Eingabe von 0 nach und nach genau die Zahlen aus T ausdruckt (dabei dürfen Zahlen aus T auch mehrfach ausgedruckt werden).



Definition:Arithmetisch repräsentierbare Abbildung

Eine Abbildung

F:rs

heißt arithmetisch repräsentierbar , wenn es einen LAr-Ausdruck ψ in r+s freien Variablen derart gibt, dass für alle (r+s)-Tupel  (n1,,nr+s)r+s  die Äquivalenz  F(n1,,nr)=(nr+1,,nr+s)  genau dann, wenn ψ(n1,,nr+s) gilt.



Definition:Arithmetisch repräsentierbare Relation

Eine Relation  Rr  heißt arithmetisch repräsentierbar , wenn es einen LAr-Ausdruck ψ in r freien Variablen derart gibt, dass für alle r-Tupel  (n1,,nr)r  die Äquivalenz  (n1,,nr)R  genau dann, wenn ψ(n1,,nr) gilt.



Definition:Arithmetische Ausdrücke für Befehle

Den Programmzeilen B1,,Bh eines Registerprogramms mit m Registern werden die folgenden arithmetischen Ausdrücke A1,,Ah in den freien Variablen z,r1,,rm,z,r'1,,r'm zugeordnet.

  1. Bei  B=i+  setzt man
    A:=(z=)(z=z+1)(r1=r1)(ri1=ri1)(ri=ri+1)(ri+1=ri+1)(rm=rm).
  2. Bei  B=i  setzt man
    A:=(z=)(z=z+1)(r1=r1)(ri1=ri1)((ri=0)(r'i=ri))(¬(ri=0)(ri+1=ri))(ri+1=ri+1)(rm=rm).
  3. Bei  B=C(ij)  setzt man
    A:=(z=)((ri=0)(z=j))(¬(ri=0)(z=z+1))(r1=r1)(rm=rm).
  4. Bei  B=Bh=H  setzt man
    Ah:=(z=h)(z=z)(r1=r1)(rm=rm).


Definition:β-Funktion

Unter der β-Funktion versteht man die Abbildung

3,(p,n,i)β(p,n,i),

die folgendermaßen festgelegt ist. β(p,n,i) ist die kleinste Zahl  a,  die die Bedingung erfüllt, dass es natürliche Zahlen b0,b1,b2 gibt, die die folgenden Eigenschaften erfüllen:

  1.  n=b0+b1((i+1)+ap+b2p2)
  2.  a<p
  3.  b0<b1
  4. b1 ist eine Quadratzahl.
  5. Alle Teiler  d1  von b1 sind ein Vielfaches von p.

Wenn kein solches a existiert, so ist  β(p,n,i)=0



Definition:Theorie (Sprache erster Stufe)

Es sei S ein Symbolalphabet und LS die zugehörige Sprache erster Stufe. Eine Teilmenge  TL0S  heißt Theorie, wenn T abgeschlossen unter der Ableitungsbeziehung ist, d.h. wenn aus Tα für  αL0S  bereits  αT  folgt.



Definition:Widersprüchliche Theorie

Es sei S ein Symbolalphabet und LS die zugehörige Sprache erster Stufe. Eine Theorie  TL0S  heißt widersprüchlich, wenn es einen Satz  αL0S  mit  αT  und  ¬αT  gibt.



Definition:Vollständige Theorie

Es sei S ein Symbolalphabet und LS die zugehörige Sprache erster Stufe. Eine Theorie T heißt vollständig, wenn für jeden Satz  αL0S  gilt  αT  oder  ¬αT



Definition:Endlich axiomatisierbar

Es sei S ein Symbolalphabet und LS die zugehörige Sprache erster Stufe. Eine Theorie  TL0S  heißt endlich axiomatisierbar, wenn es endlich viele Sätze  α1,,αnL0S  mit  T={α1,,αn}  gibt.



Definition:Aufzählbar axiomatisierbar

Es sei S ein Symbolalphabet und LS die zugehörige Sprache erster Stufe. Eine Theorie  TL0S  heißt aufzählbar axiomatisierbar, wenn es eine R-aufzählbare Satzmenge  ΓL0S  mit  T=Γ  gibt.



Definition:Repräsentierbare Relation (in Ausdrucksmenge)

Es sei Γ eine Menge von arithmetischen Ausdrücken. Eine Relation  Tr  heißt repräsentierbar in Γ, wenn es einen LAr-Ausdruck ψ in r freien Variablen derart gibt, dass für alle r-Tupel  (n1,,nr)r  die beiden Eigenschaften

  1. Wenn  (n1,,nr)T,  so ist Γψ(n1,,nr),
  2. Wenn  (n1,,nr)T,  so ist Γ¬ψ(n1,,nr),

gelten.



Definition:Repräsentierbare Funktion (in Ausdrucksmenge)

Es sei Γ eine Menge von arithmetischen Ausdrücken. Eine Funktion

F:rs

heißt repräsentierbar in Γ, wenn es einen LAr-Ausdruck ψ in r+s freien Variablen derart gibt, dass für alle (r+s)-Tupel  (n1,,nr+s)r+s  die folgenden Eigenschaften

  1. Wenn  F(n1,,nr)=(nr+1,,nr+s),  so ist Γψ(n1,,nr+s),
  2. Wenn  F(n1,,nr)(nr+1,,nr+s),  so ist Γ¬ψ(n1,,nr+s),
  3. Γ!xr+1!xr+sψ(n1,,nr,xr+1,,xr+s),

gelten.



Definition:Erlaubt Repräsentierungen

Es sei Γ eine Menge von arithmetischen Ausdrücken. Man sagt, dass Γ Repräsentierungen erlaubt, wenn Γ jede R-berechenbare Relation und jede R-berechenbare Funktion repräsentiert.



Definition:(Einstelliges) Ableitungsprädikat

Es sei Γ eine korrekte aufzählbare arithmetische Ausdrucksmenge, die Repräsentierungen erlaube. Es sei δΓ(x,y) der LAr-Ausdruck, der in Γ die zweistellige Ableitungsrelation  A2  repräsentiert. Dann setzt man

α(y)=x(δΓ(x,y))

und nennt dies das (einstellige) Ableitungsprädikat.



Definition:Sprache der Modallogik

Zu einer Menge von Aussagenvariablen V besteht die modallogische Sprache aus diesen Aussagenvariablen, aus allen rekursiv-konstruierbaren aussagenlogischen Verknüpfungen und aus allen rekursiv-konstruierbaren Ausdrücken der Form (α).



Definition:(Formale) Modallogik

Eine unter aussagenlogischen Ableitungen abgeschlossene Teilmenge der modallogischen Sprache heißt (formale) Modallogik.



Definition:K-Modallogik

Eine Modallogik heißt eine K-Modallogik, wenn das Axiomenschema

(αβ)(αβ)

für beliebige Ausdrücke α,β und die Ableitungsregel Nezessisierungsregel

aus α folgt α

für alle α gilt.



Definition:Ableitbar (Modallogik)

Man sagt, dass ein modallogischer Ausdruck α aus dem K-System ableitbar ist, wenn sich α aus aussagenlogischen Tautologien und aus Instanzen des K-Axioms mit Hilfe des Modus ponens oder der Nezessisierungsregel ergibt. Dafür schreibt man

α.


Definition:Möglichkeitsaxiom

Das modallogische Axiomenschema

αα

nennt man Möglichkeitsaxiom.



Definition:Reflexivitätsaxiom

Das modallogische Axiomenschema

αα

nennt man Reflexivitätsaxiom.



Definition:Symmetrieaxiom

Das modallogische Axiomenschema

αα

nennt man Symmetrieaxiom.



Definition:Transitivitätsaxiom

Das modallogische Axiomenschema

αα

nennt man Transitivitätsaxiom.



Definition:Euklidisches Axiom

Das modallogische Axiomenschema

αα

nennt man euklidisches Axiom (oder Axiom 5).



Definition:Löb-Axiom

Das modallogische Axiomenschema

(αα)α

nennt man Löb-Axiom.



Definition:Gerichteter Graph

Ein gerichteter Graph ist eine Menge M versehen mit einer fixierten Relation  RM×M



Definition:Vorgängermenge

Es sei (M,R) ein gerichteter Graph. Zu einer Teilmenge  TM  nennt man

Vorg(T)={xM es gibt yT mit xRy}

die Vorgängermenge zu T.



Definition:Nachfolgermenge

Es sei (M,R) ein gerichteter Graph. Zu einer Teilmenge  TM  nennt man

Nachf(T)={zM es gibt yT mit yRz}

die Nachfolgermenge zu T.



Definition:Euklidische Relation

Eine Relation auf einer Menge M heißt euklidisch, wenn zu  x,y,zM  mit xRy und xRz stets yRz gilt.



Definition:Modallogisches Modell

Unter einem modallogischen Modell versteht man einen gerichteten Graphen (M,R) zusammen mit einer Wahrheitsbelegung μ für die Aussagenvariablen für jeden Knotenpunkt  wM



Definition:Semantik der Modallogik

In einem modallogischen Modell (M,R,μ) (mit einer punktweisen Wahrheitsbelegung μ) definiert man die Gültigkeit von modallogischen Ausdrücken induktiv wie folgt: Es sei der modallogische Ausdruck α schon für jeden Weltpunkt definiert. Dann setzt man für einen jeden Weltpunkt  wM 

wα

genau dann, wenn in jeder von w aus erreichbaren Welt v die Beziehung

vα

gilt.



Definition:Gültigkeit eines Ausdruck (Modallogik)

Man sagt, dass ein modallogischer Ausdruck α in einem modallogischen Modell (M,R,μ) gilt, geschrieben

(M,R,μ)α,

wenn

wα

für alle  wM  gilt.



Definition:Gültigkeit einer Ausdrucksmenge (Modallogik)

Man sagt, dass eine Menge Γ von modallogischen Ausdrücken in einem modallogischen Modell (M,R,μ) gilt, geschrieben

(M,R,μ)Γ,

wenn

(M,R,μ)α

für alle  αΓ  gilt.



Definition:Gültigkeit eines Ausdrucks (Modallogischer Rahmen)

Man sagt, dass ein modallogischer Ausdruck α in einem gerichteten Graphen (M,R) gilt, geschrieben

(M,R)α,

wenn für jede Wahrheitsbelegung μ

(M,R,μ)α

gilt.



Definition:Folgerung (Modallogik)

Es sei Γ eine Menge von modallogischen Ausdrücken und α ein modallogischer Ausdruck. Man sagt, dass α aus Γ folgt, geschrieben Γα, wenn für jedes modallogische Modell (M,R,μ) mit

(M,R,μ)Γ

auch

(M,R,μ)α

gilt.



Definition:Universelles modallogisches Modell zu einem System

Es sei pi, iI, eine Menge von Aussagenvariablen und L die zugehörige modallogische Sprache. Es sei  ΓL  eine K-modallogische Ausdrucksmenge. Es sei UΓ die Menge aller Γ umfassenden, (aussagenlogisch) maximal widerspruchsfreien Teilmengen

WL.

Auf UΓ definieren wir eine Erreichbarkeitsrelation R durch

WRV genau dann, wenn für jedes αL mit αV die Beziehung αW gilt.

Wir nennen UΓ versehen mit dieser Relation und der durch Wp, wenn  pW,  festgelegten Belegung ν das Γ-universelle modallogische Modell .