Kurs:Krieg und Propaganda: bis zum 1. Weltkrieg (WS 2015)/Kunst im Krieg: Frauen in der Kunstgruppe des Kriegspressequartiers

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Bis dato gibt es nur wenige biografische Daten zu den weiblichen Mitgliedern der Kunstgruppe der Österreichisch-ungarischen-Armee im Ersten Weltkrieg. Denn auch Frauen war es möglich, als Kriegsmalerin oder Bildhauerin Teil des Kriegspressequartiers zu werden, und somit einen entscheidenden Teil zur Propagandaarbeit des Ersten Weltkriegs beizutragen.

Die Frauen in der Kunstgruppe wurden mehr oder weniger geduldet. So erschienen zwar gleich drei Artikel über Lotte Berta Brechner, die erste Frau im KPQ,[1] [2] [3] in einem weiteren Artikel über Helene Scholz-Belezny wird dann jedoch nur noch von der wohligen Einrichtung ihres Heimes sowie über den Zeitvertreib, mit dem ihre Kunst gemeint ist, gesprochen. [4]

Die meisten Damen suchten sich ihre Aufträge ehe sie ins KPQ aufgenommen wurden. So konnten sie in ihrer Bewerbung bereits angeben für wen und, in welcher Tätigkeit sie in der Kunstgruppe eingesetzt werden wollten.

Lona Zamboni bat in mehreren Briefen darum, an einer Exkursion an die Isonzoschlacht teilnehmen zu können. Dem wurde nach mehreren Ablehnungen und weiteren Briefen einflussreicher Freunde von Zamboni zwar zugestimmt, jedoch geht aus den Briefen klar hervor das Zamboni zwar an die Front reisen durfte, jedoch dort soweit möglich von allem fernzuhalten war. Über die Damen, die später auch im Zweiten Weltkrieg aktiv waren, findet sich so gut wie nichts. Hier scheinen Unterlagen verschwunden bzw. vernichtet worden zu sein.

Andere Frauen, wie beispielsweise Johanna "Tanna" Kasimir-Hörnes, prägten eine ganze Kunstrichtung. Erwähnung fand das allerdings kaum eine, war doch auch ihr Mann Alois "Luigi" Kasimir Künstler und erntete den Ruhm beinahe alleine. [5]

Die folgenden Daten erheben keine Vollständigkeit, da die Registratur der Kunstgruppe bei Kriegsende verbrannt wurde und sie sich daher auf unvollständiges Material stützen.[6]

Kriegsmalerinnen[Bearbeiten]

Helene Arnau[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Helene Arnau (* 1870 in Wien; † 1958 ebenda)

Leben und Werk[Bearbeiten]

Arnau war von Februar bis Mai 1917 auf eigenen Wunsch an der Isonzofront als Malerin in der 93. Infanterie-Division der 10. Armee unter Generalmajor Greiner tätig.[7] 1918 gab es eine Kriegsbilderausstellung im Wiener Künstlerhaus, bei der auch Arnau mit einigen Werken teilnehmen wollte. Unter anderem sollte hier das von ihr angefertigte Porträt von Major Greiner ausgestellt werden. Aus Briefen Arnaus an Max Ritter von Hoen wird klar, wie wichtig ihr die Ausstellung war. Auch erwähnte sie mehrmals den Wunsch, Major Greiners, das von Arnau angefertigte Porträt bei der Ausstellung zu sehen. Dies wurde in einem am 23. Februar 1918 verfassten Schreiben jedoch abgelehnt. Aus diesem Schreiben geht weiters hervor, dass die Wiedereinteilung Arnaus in das Kriegspressequartier nach den jetzt bestehenden Vorschriften nicht mehr möglich gewesen wäre.[8]

Lotte Berta Brechner[Bearbeiten]

Erste Kriegsmalerin im Felde.[9]

Leben und Werk[Bearbeiten]

In Zeitungsartikeln sowie im KPQ wurde Brechner kaum erwähnt. Aus den Artikeln geht hervor, dass sie ihre Ausbildung in Berlin und München absolvierte und sich besonders durch „ihre Bildnisse“ hervortat.[10] Am 21. Jänner 1916 erschien im „Neuen Wiener Journal“, als auch im „Prager Tagblatt“ und im „Neuigkeits Welt Blatt“ ein identer Artikel über Brechner. Dort heißt es, Brechner ist „die erste Frau, die als Kriegsmalerin zugelassen wurde“, in dieser Funktion „reist sie nach Belgien“. [11]

Martha Elisabeth Fossel[Bearbeiten]

(* 16.05.1880 in Lienz; † 20.04.1965 in Graz)

Die Malerin und Illustratorin Martha Elisabeth Fossel war unter anderem als Kriegsmalerin in der Österreichisch-ungarischen-Armee im Ersten Weltkrieg tätig.[12]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Tochter des k.u.k. Bezirksarztes Dr. Viktor Fossel geboren, erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung in Malerei und Kupferstecherei. Darüber hinaus beherrschte sie mehrere Musikinstrumente. Anerkennung erhielt Fossel durch Illustrationen, in denen sie Bräuche, Tracht und Themen des steirischen Volkslebens darstellte.[13]

Hermine Ginzkey[Bearbeiten]

(* 1864; † 1933)[14]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ginzkey war während des Ersten Weltkriegs in erster Linie als Rotkreuz-Mitarbeiterin in Maffersdorf (Böhmen) tätig.[15] Während dieser Zeit warb sie mehr als 268 neue Rotkreuz-Mitglieder an. Außerdem führte sie eine 20 Heller-Steuer zur Unterstützung von Kriegswitwen und Waisen ein.[16]

Während ihrer Zeit als Kriegsmalerin fertigte sie unter anderem das Bild „Ein Großkampftag am Isonzo: Trommelfeuer vom Monte Santo Bis zum Meer“ an.[17]

Stephanie Hollenstein[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Stephanie Hollenstein (* 18. Juli 1886 in Lustenau, Vorarlberg; † 24. Mai 1944 in Wien)

Johanna Kasimir-Hoernes (Geborene Hoernes)[Bearbeiten]

(* 31. Januar 1887 in Graz, † 16. Juli 1972 in Wien)

Johanna Kasimir-Hoernes war eine Malerin, Grafikdesignerin sowie Kupferstecherin. Sie war die Gattin des Kriegsmalers Luigi Kasimir.[18]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs war sie als Kriegsmalerin in der Kunsttruppe des Kriegspressequartiers. Von 1905 bis 1908 genoss Kasimir ihre Ausbildung an der Kunstschule für Frauen und Mädchen unter der Anleitung von Ludwig Michalek in Wien.[19] Danach studierte sie mit Wilhelm Unger an der Universität für Kunst in Wien. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Luigi Kasimir kennen, sie heirateten 1911.[20] Sie entwickelten gemeinsam eine spezielle Technik der Farbradierung. Gemeinsam mit ihrem Mann reiste Kasimir um die Welt. Aus diesen Reisen gewann sie Inspiration für die vielen Werke, die vor allem wegen ihrem hohen Detailreichtum sowie der realistischen Darstellung, im speziellen von Landschaften, hoch geschätzt wurden.[21] Ihre Arbeiten gehören zu den letzten Bedeutenden im Stiel der Wiener Vedute.

Irma Katz[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Irma Katz (* 1888; † 1933) war eine österreichische Porträtmalerin.

Olga Mulacz[Bearbeiten]

(* 12. Mai 1888 in Wien; † 03. Mai 1957 in Alpstadt, Deutschland)

War eine Grafikerin, Malerin, Illustratorin, Bildhauerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Mulacz stammt aus einer Künstlerfamilie. Bereits ihr Großvater Jindřich Mulacz war in Wien als Kupferstecher tätig. Ihr Vater Josef Mulacz war Verwaltungsangestellter in einem Ministerium in Wien. Bereits seit frühester Jugend malte Mulacz, weshalb sie auch ein Studium an der Akademie der Frauen in Wien absolvierte. Dort arbeitete sie unter anderem unter Ludwig Michalek sowie Richard Kaufmann. Nach einem Studienaufenthalt in München beendete sie ihre Ausbildung unter Koloman Moser an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Von 1912 bis 1915 war sie als Malerin in Ateliers in London und Wales tätig. 1916 heiratete sie Rudolfa Konečného. Das Paar ließ sich in Prostějov nieder, wo Mulacz ihr eigenes Atelier hatte. [22]

Fritzi Ulreich[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Fritzi Ulreich (seltener Friederike Ulreich, * 1865 in Wien; † 1936 ebenda) war eine österreichische Landschafts-, Genre- und Kriegsmalerin.

Anica Zupanec[Bearbeiten]

(* 21. März 1892 in Ljubljana; † 20. Janura 1978 in Golnik)

Leben und Werk[Bearbeiten]

Zupanec absolvierte nach der Grundschule zwischen 1904 und 1907 die Bürgerschule der Ursulinen in Ljubljana. Danach besuchte sie das Lehrerseminar, welches sie 1911 mit Abitur abschloss. Von 1911 bis 1915 studierte sie in München, Prag und Florenz Malerei. Nach ihrer Rückkehr nach Ljubljana entwickelte sie ihren Stil. Zupanec widmete sich vor allem der Aquarell- sowie Ölmalerei. Sie erstellte zahlreiche Portraits und Stillleben.[23]

Bildhauerinnen[Bearbeiten]

Lona Zamboni später verh. Baronin Pelka[Bearbeiten]

(* 1886)

Zamboni war akadem. Bildhauerin und während des Ersten Weltkriegs Mitglied der Kunsttruppe des Kriegspressequartiers.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Zamboni lebte lange Zeit in Frankreich, wo sie vom Ersten Weltkrieg überrascht wurde. Sie war mehrere Monate Kriegsgefangene. Nach ihrer Rückkehr widmete sie sich als Pflegerin dem Roten Kreuz. In dieser Tätigkeit erhielt sie die silberne Medaille mit der Kriegsdekoration. Am 30. Mai 1916 suchte Zamboni um Aufnahme in die Kunsttruppe des KPQ an. In ihrer Bewerbung gibt sie an, bereits mehrmals an der italienischen Front gewesen zu sein. Während dieser Zeit fertigte sie eine Büste sowie, im Auftrag des Kriegsfürsorgeamtes, eine Plakette des Generaloberst Feldmarschalls von Boroevic an. Außerdem stellte sie eine Plakette des Erzherzogs Josef Franz her. Wie aus Briefen der Kommandantur hervorgeht, wurde Lona Zamboni im August 1917 vorerst von der Kunstgruppe ausgeschlossen. Durch den Wechsel des Kommandanten, von Maximilian Ritter von Hoen zu Wilhelm Eisner-Bubna, änderten sich auch die Aufnahmebestimmungen des Kriegspressequartiers. Durch ihre äußerst guten Beziehungen sowie ihre hohe Arbeitsleistung wurde Zambonie jedoch im Oktober 1917 wieder offiziell Mitglied der Kunsttruppe. [24]

Josefine Christen[Bearbeiten]

Josefine Christen war eine Opernsängerin, Fotografin und Bildhauerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges war sie als Bildhauerin in der Kunsttruppe des Kriegspressequartiers tätig. Ihre Ausbildung zur Opernsängerin genoss Christen am Prager Landeskonsratorium, welches sie mit Auszeichnung abschloss. Auf Wunsch ihres todkranken Vaters entsagte sie der Theaterlaufbahn und nahm einen Platz als Gesangslehrerin in einem Kloster in Prag an. Während ihrer Zeit im Kloster kam sie erstmals mit Ton in Berührung. Daraufhin begann Christen mit 34 Jahren ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Prag. Nach sieben Semestern schloss sie das Studium erfolgreich ab. Nach ihrem Studium hielt sich Christen zwei Jahre in Paris auf, wo sie dank einer Subvention erfolgreich arbeiten konnte. Danach kam Christen nach Wien, dort fand sie Arbeit als Bildhauerin. Aus dem Ansuchen um Aufnahme in das KPQ geht hervor, dass Christen eine lebensgroße Büste von Freimarschall Freiherr von Kövers sowie eine Büste von Generalstabschef General Ritter von Steinitz anfertigen sollte. Für die Arbeit musste sie allerdings an die Front reisen, was jedoch nur Mitgliedern des KPQ erlaubt war.[25] Dem Ansuchen um Aufnahme in die Kunsttruppe wurde mit 7. November 1917 entsprochen.[26] Sie diente dem Kriegspressequartier bis zum 5. November 1918. [27]


Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Krumpöck: Suffragetten oder Flintenweiber? Kriegsmalerinnen im Ersten Weltkrieg, in: Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): Viribus Unitis. Jahresbericht 1998 des Heeresgeschichtlichen Museums, Wien, 1999, S. 48,49.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Wiener Journal, 23.Jänner 1916, Nr. 7985, 24. Jahrgang http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19160123&zoom=33
  2. Neuigkeits Welt Blatt, 25. Jänner 1916, Nr. 19, 43. Jahrgang http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19160125&query=%22Neuigkeits%22+%22Welt%22+%22Blatt,%22+%2225.%22+%22J%C3%A4nner%22+%221916%22&provider=P02&ref=anno-search
  3. Prager Tagblatt, 21. Jänner 1916, Nr. 21, XLI. Jahrgang http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ptb&datum=19160121&query=%22Prager%22+%22Tagblatt%22+%2221.%22+%22J%C3%A4nner%22&provider=P02&ref=anno-search
  4. Neues Wiener Journal, 8.November 1918, Nr. 8986, 26.Jahrgang http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19181108&query=%22Neues%22+%22Wiener%22+%22Journal,%22+%228.November%22+%221918%22&provider=P02&ref=anno-search
  5. Neue Freie Presse, 30.März 1918, Nr. 19251 http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19180330&zoom=33
  6. Mayer, Klaus: Die Organisation des Kriegspressequartiers beim k. u. k. AOK im ersten Weltkrieg 1914-1918, Wien, 1963, S. 106.
  7. Ilse Krumpöck: Suffragetten oder Flintenweiber? Kriegsmalerinnen im Ersten Weltkrieg, in: Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): Viribus Unitis. Jahresbericht 1998 des Heeresgeschichtlichen Museums, Wien, 1999, S. 48,49.
  8. Schreiben Helene Arnau an Generalmajor Max Ritter von Hoen, Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, KPQ, Kart. 26
  9. Neues Wiener Journal, 01/2016, Nr.7985, S.12
  10. Neuigkeits-Welt-blatt, Nr. 19, 25.01.1916, Seite 11
  11. Prager Tagblatt Nr. 21, 21.01.1916, S. 6
  12. http://www.basis-wien.at/db/person/118300;jsessionid=FF56F25668B54A6B1AEF6DA51057D218
  13. Biografie Martha Elisabeth Fossel
  14. http://amare-habeo.tumblr.com/post/131239845884/hermine-ginzkey-german-1864-1933-the
  15. http://www.maffersdorf.de/chronik/band_04-2/maffersdorf_menschen-und-schicksale_04-2_04.htm
  16. http://www.maffersdorf.de/chronik/band_04-2/maffersdorf_menschen-und-schicksale_04-2_04.htm
  17. http://www.findartinfo.com/english/list-prices-by-artist/213383/hermine-ginzkey.html
  18. Personalunterlagen, Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, KPQ, Kart. 33
  19. http://brierhillgallery.com/tanna-kasimir-hoernes-/
  20. http://www.steutzger.info/1552/tanna-kasimir-hoernes-1887-graz-1972-wien-die-costilla
  21. http://brierhillgallery.com/tanna-kasimir-hoernes-/
  22. http://gupv.cz/umelci/olga-konecna-mulaczova/
  23. https://sl.wikipedia.org/wiki/Anica_Zupanec_Sodnik
  24. Personalunterlagen, Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, KPQ, Kart. 29
  25. Josefine Christens Ansuchen um Aufnahme, Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, KPQ, Kart. 29
  26. Präsenzbuch, Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, KPQ, 442
  27. Das Kriegspressequartier, Wladimir Aichelburg