Kurs:Mittelhochdeutsch/Hartmann von Aue: Gregorius

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Hartmann von Aue: Gregorius[Bearbeiten]

Verse 1 bis 65[Bearbeiten]

Mein Herz hat oftmals meine Zunge gefügig gemacht, dass sie viel von dem gesprochen hat,was den Beifall der Welt erhält (wörtlich: hat). Seine jugendliche Unerfahrenheit ließen ihn erst später erkennen: Wer, durch die Schelgen des Teufels verführt wird, und auf seine jungen Jahre setzt,und sündigt, weil von seinem jugendlichen Alter (Elan)angetrieben, wird sich daran erinnern: "Du bist noch ein junger Mann, all deinen Vergehen(wörtlich: Missetaten)wird noch reichlich abgeholfen": "Du wirst bestimmt im Alter Buße tun, denn im Alter wirst Du anders darüber denken".

Das kann ihm aber leicht zunichte gemacht werden; denn sein Plan wird durchkreuzt von höherer (wörtlich: unabwendbarer)Gewalt, wenn der bittere Tod den Vorsatz straft und mit einem plötzlichen Ende ihm das Leben zerbricht. Von der Gnade verlassen, hat er sich dann den schlimmeren Teil ausgesucht. Stamme er wie Abel von Adam ab und sollte ihm seine Seele ohne Sünde bleiben bis zum jüngsten Tag, so hätte er nicht sehr viel für das ewige Leben gegeben (freier: getan), dass keinen Anfang hat und auch nie zu Ende geht.

Dazu wäre ich gerne bereit, die Wahrheit zu sprechen, dass auch Gottes Wille ist (eigentlich wäre) und dass (auch) die große Last der Sündenlast um einen Teil verringern würde, die ich durch meine Untätigkeit auf mich mit Worten geladen habe.

Dennoch ziehe ich(dieses) nicht in Zweifel: Wie uns Gott an einem Mann gezeigt hat und es sich auch bewahrheitet hat, so ist keiner so großer Sünde als dass er ihrer nicht ledig würde, wenn er sie nur vom Herzen bereute (bereuen würde) und sie nicht wieder tut.

Von dem ich euch nun erzählen will, dessen Schuld war über die Maßen groß, die kaum zu ertragen ist, sich anzuhören,sie aus einer bestimmten Überlegung heraus, nicht verschwiegen werden darf: Damit alle sündigen Menschen, die der Teufel auf dem Weg zur Hölle verführt hat, darauf achten (könne), ob nicht einer (von ihnen) noch umkehren will, die Schar der Kinder Gottes zu mehren, zurück auf den Pfad der Seligkeit, sich loszusagen von dem Zweifel, der so viele versinken lässt.


Verse 66 bis 143[Bearbeiten]

Wer sich seiner schweren Vergehen besinnt, von denen er sehr schnell viele hat,so gibt er die Hoffnung auf, dass, wenn er Gnade suchte, Gott noch seiner gedächte: aber, wer nicht mehr darauf vertraut, wieder (von Gott) angenommen zu werden: der handelt gegen das Gebot: Auf diese Weise hat der Zweifel ihn um den Ertrag der Reue gebracht: Das ist echte Treue, die er zu Gott haben sollte (freier: echte Glaubenstreue zu Gott): Buße und danach die Beichte ablegen. Aber die sehr bittere Süße zwingt seine Füße auf den gemählicheren Weg zu gehen: Der ist nicht steinig, noch Gebirge und Wälder, ist nicht zu heiß noch zu kalt. Man geht ihn ohne Beschwerden, aber er führt ihn in den ewigen Tod. Anders ist der Pfad der Seligkeit, beide rauh und eng. Ihn muss muss man in der ganzen Länge (freier: in der ganzen Strecke) erwandern, erklimmen, durchwaten und schwimmen, bis er sich (endlich)in der Breite dehnt und aus dieser Verlassenheit (Fremde) an ein süßes Ende führt.

Denselben Weg entdeckte ein Mann, zur rechten Zeit, als er der Gewalt der Mörder entrann. Er war in ihre Hände gefallen, da hatten sie ihn niedergeschlagen, ihm rücksichtslos all seiner Besinnung beraubt und hatten ihm viele qualvolle Wunden zugefügt. Damals waren die Stunden seiner Seele armseelig sehr groß. So ließen sie ihn entblößt ohne Besinnung (wörtlich: halb tot) liegen.

Gott aber hatte ihm nicht sein gewohntes Erbarmen versagt und sandte ihm diese zwei Gewänder: die Hoffnung und die Furcht, die Gott selbst bewirkt hat, das sie ihm und allen Sündern ein Schutz sein sollten (wörtlich: wären): die Furcht vor dem Sterben (wörtlich: die Furcht, dass er sterben würde), die Hoffnung, nicht zugrunde zu gehen (wörtlich: dass er nicht zugrunde gehen würde).

Die Furcht ließ ihn nicht liegen bleiben, doch wäre er wieder zusammengebrochen, hätte ihn nicht die Hoffnung neu belebt, so dass, wenn auch schwankend, zum Sitzen kam (wörtlich: sich setzte):

Noch mehr aber stärkte ihn seine Ergebenheit im Glauben, mit der (schmerzlichen) Reue vermischt. Sie taten ihm viel Gutes und sie reinigten sein Blut (freier: sie wuschen ihn vom Blut rein). Sie gossen ihm in seine Wunden, beides, Öl und Wein. Diese Salbe ist lindernd und schmerzt (wörtlich: tut doch weh), das Öl ist die Gnade, der Wein das Gesetz, die der Sünder braucht (wörtlich: haben muss), um von dem Gebrechen (der Krankheit) befreit zu werden.

Also fand ihn die Gnade Gottes, nahm ihn bei der Hand, hob ihn auf ihre gütige Schulter und trug ihn barmherzig heim. Dort verband sie ihm seine tödlichen Wunden, dass er ohne Narben gesund wurde und seit dem ein tapferer Streiter war, an der Spitze der Christenheit (stand).

Verse 144 bis 170[Bearbeiten]

Noch habe ich euch nicht gesagt, welches die Wunden waren, von denen er sich kaum erholte, wie er die Wunden empfing, und wie es ihm danach erging ohne den ewigen Tod (zu erleiden). Dies zu hören und sich zu merken tut allen denen not, die da unter einem schweren Berg von Schuld geraten sind: Falls er zu Gottes Gnade doch noch zurückeilt, dann wird Gott ihn gerne wieder aufnehmen (wörtlich: empfangen). Denn seine Gnade ist so groß, dass er es nicht will und es durchaus verboten hat, dass man keiner Sünde wegen an ihm Zweifel (am Glauben zu ihm) aufkommen. Keine Sünde gibt es mehr, von der man nicht durch Reue befreit werden könnte, neu, rein und geläutert werden könnte - außer man hegt alleine Zweifel daran: Der Zweifel allein ist die tödliche Galle (die Mordgalle), die auf ewig zu Fall bringt; den vermag keiner zu süßen noch dafür Buße zu tun vor Gott.

Verse 171 bis 176[Bearbeiten]

Der von dieser Begebenheit erzählte und im Deutschen gedichtet hat, das war Hartmann von Aue. Dieses ist der Beginn der wundersamen Geschichte über den guten Sünder.

Verse 177 bis 272[Bearbeiten]

Es ist ein welsches Land, Äquitanien genannt, und ist nicht weit vom Meere gelegen. Dem Landesfürsten wurde von seiner Gemahlin zwei Kinder geschenkt, die nicht schöner hätten sein können, einen Sohn und ein Töchterlein. Die Kindsmutter starb,als sie den Kindern das Leben schenkte. Als die Kinder zehn Jahre alt waren, da ergriff der Tod auch den Vater. Als er sich ihm angekündigt hat und von der Krankheit gezeichnet, und das Sterben für den Vater näher rückte, da handelte der Vater wie ein Weiser: Sofort ließ er, die Besten des Landes zu sich rufen, denen er vertraute und seine Seele und auch der Kinder wollte er in die Hand von ihnen legen.

Als sie nun vor ihn gekommen waren, seine Verwandten und seine Gefolgs- und Lehensleute, da sah er seine Kinder an: Sie waren alle beide so wohlgeraten in lieblicher Schönheit, dass selbst ein hartes Weib sich zu freuen begonnen hätte, wenn sie sie angesehen hätte(freier: ... schon bei ihrem Anblick helle Freude gefunden hätte). Dem Herzog, aber, bereitete es große Schmerzen (wörtlich: war sein Herz mit sehr großen Schmerzen erfüllt); des Herzogs Jammer war so groß, dass ihm seine Tränen nur so aus den Augen strömten, auf das Bettzeug. Er sprach: 'Es kann nichts abhelfen (freier: Es hilft nun nichts), ich muss von Euch scheiden. Jetzt erst hätte ich mit Euch beiden in Freude gelebt, voller Wonne bis ins Alter. Die Hoffnung ist nun dahin: Mich hat der Tod eingefangen.'

Nun befahl er sie durch Handschlag, den Mächtigen seines Landes, die seinetwegen gekommen waren. Hier hörte man lautes Klagen, als sie weinend die Treue gelobten, der Schmerz nahm kein Ende. Alle waren zugegen,sie verhielten sich so wie es ein treues Gefolge tut, das um seinen geliebten Herrn trauert.

Als er die Kinder weinen sah, da sprach er zu seinem Sohn: Sohn, warum weinst Du? Dir fällt nun mein Land und hohes Ansehen zu. Ich bin aber sehr besorgt um deine schöne Schwester. Dessen gehört mein besonderer Kummer - doch diese Klage kommt nun zu spät -, dass ich mein Leben lang nicht besser für sie gesorgt habe: ich habe nicht väterlich gehandelt.

Er nahm sie beide an der Hand und sprach: 'Sohn, nun sei ermahnt, dass du dich fortan an diese Worte erinnerst: Sei aufrichtig, sei beständig, sei freigiebig und bescheiden, sei kühn doch voller Güte. Bewahre dir deiner guten Sitten. Sei stark vor dem Herrn und gut zu den Armen. Die Deinen sollst Du ehren, gewinne dir die Fremden, halte dich an erfahrene Leute und meide immer die Toren. Vor allem Dinge: die Liebe zu Gott,herrsche gerecht nach seinem Gebot. Mein Seelenheil befehle ich dir an diesem Kind, deine Schwester, sorge gut für sie und behandle sie ganz und gar brüderlich: So wird es euch beiden gut ergehen. Gott, der sich meiner erbarmen möge, nehme euch beide in Schutz (freier: nehme sich euer beider an)!' Damit verstummte seine Rede, er verabschiedete sich von der Gemeinschaft, es löste sich der Bund von Leib und Seele. Männer und Frauen beweinten ihn, er sollte ein Begräbnis bekommen wie es für den Herzog des Landes sich ziemte.

Verse 273 bis 302[Bearbeiten]

Als nun die beiden Kinder in jedem Fall verwaist waren, nahm der Junker sich sogleich seiner Schwester an und sorgte für sie nach besten Vermögen (Kräften), getreu seinem Gelübde. Er befriedigte ihr Herz mit seinem Leben und seiner Habe, nie betrübte er sie. Er sorgte für sie so, dass er ihr nichts abschlug, was sie sich an Kleidern oder Ausstattung wünschte. In allen Lagen fühlten sich die beiden eng miteinander verbunden, sie waren selten allein und waren beisammen immerfort gesellig Seite an Seite (das schickte sich gut für sie beide); sie waren bei Tisch und anderswo waren sie immer eins, unzertrennlich. Ihre Betten standen dicht beieinander, dass sie sich einander sehen konnten. Man kann nichts anders sagen, als dass er für sie sorgte, wie für seine liebe Schwester ein treuer Bruder sorgen würde; und noch größer war die Liebe, die sie für ihn empfand. Sie lebten glücklich miteinander.

Verse 303 bis 410[Bearbeiten]

Als dieses Glück und Wohlbehagen der Weltenfeind erspähte, der seines Hochmuts und Neids wegen in der Hölle verschlossen liegt,störte ihn ihrer beider Ehre (denn sie dünkte ihn viel zu groß) und er folgte seinem Brauch: Ist es ihm seit je her verhasst, wenn einem Menschen Gutes begegnet und darum lässt er es nicht zu, wo er es immer verhindern kann. Er strebte danach, ihnen Freude und Ehre zu rauben, um diese Freude in Schaden zu verwandeln: Indem der Junker über das Maß hinaus seine Schwester liebte, bewegte er den Junker dazu, seine Bruderliebe in schlimme Absicht zu verkehren. Das eine war die Liebe, die ihm die Sinne verführte, das zweite seiner Schwester Schönheit, das dritte der Hochmut des Teufels, das vierte aber sein jugendlicher Leichtsinn, der gegen ihn stritt auf des Teufels Seite, bis er ihn dazu brachte,dass er wirklich daran dachte, mit seiner Schwester zu schlafen. O weh, Herr, o weh, über die List des Höllenhundes,der uns so mit Heimtücke hintergeht. Warum nur lässt Gott das zu, das der Teufel so große Schande über sein Geschöpf bringt, das er nach seinem Bilde schuf? Als er durch des Teufels Ratschlag sich zu dieser großen Sünde zu rüsten begann, ging er mit ihr (seiner Schwester) Tag und Nacht sehr liebevoll um, anders als wie es sonst seine Art war. Aber das arglose Mädchen war für eine solch geartete Liebe blind und unerfahren wie sie war, wusste sie nicht, wovor sie sich hüten sollte.

Verse ... bis 4006[Bearbeiten]

Übersetzung fehlt noch...

Siehe auch[Bearbeiten]

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