Kurs:Organisationslehre/Was ist Organisation?

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Was ist Organisation?[Bearbeiten]


Organisation ist...


Weber Maximilian Carl Emil


... eine Form der gesellschaftlichen Ordnung, welche durch Arbeitsteilung, Amtshierarchie, Regeln und Normen zur Aufgabenerfüllung und Aktenmäßigkeit der Verwaltung gekennzeichnet ist.

- (Weber M., deutscher Soziologe, 1864-1920)
Bürokratieansatz






Taylor Frederick Winslow


... ein Mittel zur Steigerung der Produktivität der Arbeiter sowie des Managements. Es enthält 5 Komponenten: Trennung von Hand- und Kopfarbeit, Zeitstudien über das menschliche Arbeitsverhalten, das Differential-Lohnsystem, Arbeitspensumsfestlegung, Einführung spezialisierter Abteilungen (Funktionsmeistersystem)

- (Taylor F.W. 1856-1915)
- Tayloransatz





Fayol Henri



... eine Möglichkeit zur Aufgaben- und Abteilungsbildung. Kernthema dabei sind die Probleme in der Verwaltung und der Unternehmensführung. Managementfunktionen werden dabei in Vorausplanung, Organisation, Auftragserteilung, Koordination und Kontrolle eingeteilt.
- Henri Fayol (1841-1925)
- Administrationsansatz







... der Versuch, die organisatorischen Gestaltungsprobleme durch mathematische Algorithmen oder durch verbale Entscheidungsmodelle zu beschreiben. Dabei werden jedoch nur wenige Variablen mit bestimmten Nebenbedingungen berücksichtigt und die Entscheidungsmodelle werden stark durch die Organisationsstruktur beeinflusst.


- Simon Herbert Alexander (1916-2001) - Sozialwissenschaftler (Nobelpreisträger),
- Kahle Egbert (1943-),
- Cyert Richard Michael (1921-1998),
- March James Gary (1928-)
- Entscheidungsorientierte Ansatz



Weick Karl E.


... ein sinngenerierendes System, welches sich selbst wahrnimmt und dieses Selbstbild rückblickend immer neu erzeugt. Ihre Mitglieder bestätigen dabei das Ergebnis mit ihrem dementsprechenden Verhalten und erzeugen so jeweils ihre persönliche Wahrheit und Richtigkeit.

- Karl E. Weick
- Interpretationsansatz
Varela Francisco





... ein Ansatz, welcher besagt, dass es zur Entstehung von ordnungsgenerierender Systeme keines Plans bzw. keiner Leitung bedarf, sie entstehen von selbst. Als Basis dafür wird die generelle Betrachtung der Entstehung von ordnungsschaffenden Systemen herangezogen.
- Varela Francisco (1946-2001) - chilenischer Philosoph, Biologe und Neurowissenschaftler
- Selbstorganisationsansatz






Begriff der Organisation[Bearbeiten]

Der Begriff der Organisation begleitet uns buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre. Von der Geburtsklinik über Kindergärten, Schulen, Arbeitsstätten, Vereine bis zum Alters- und Pflegeheim. Somit ist es quasi unmöglich ein Leben, ohne Teil einer Organisation gewesen zu sein, zu führen. Sei es als Mitglied, Mitarbeiter, Kunde oder Nutznießer. Der Begriff Organisation wird dabei in jedem Fall mit der Zunahme von Ordnung in Verbindung gebracht. Diese Ordnung reduziert die Komplexität, verringert die Auswahlmöglichkeiten und hilft uns somit, uns zu orientieren. Da Menschen jedoch nicht wie die Tiere instinktgesteuert handeln, sondern einen eigenen freien Willen besitzen, müssen die gewünschten Reaktionsregelmäßigkeiten von den Organisationsleitern selbst erzeugt werden. Die Menschen müssen dazu verleitet werden, so zu handeln wie es die Unternehmung will, um die vorgegebene Ziele und Zwecke zu erreichen. Eine Organisation stellt somit eine relativ dauerhafte, auf bestimmte Ziele und Zwecke ausgerichtete Institution (Zweckverbund) dar, da ein Einzelner das Angestrebte nicht so effizient realisieren könnte. Die Organisation hebt sich dabei durch folgende Punkte von den anderen Institutionen ab: (Überschneidung mit anderen Institutionen möglich)


  • Sie besteht aus einem Regelsystem inklusive Menschen, somit aus Spielregeln und Spielern
  • Identifikation von beteiligten Personen durch stabile Grenzen. Unterscheidung zwischen Organisation und Umwelt, sowie von Mitgliedern und Nichtmitgliedern.
  • Möglichkeit des Wechsels von Mitgliedern durch Ein- und Austritte
  • Mitglieder sind nur in ihrer Rolle ein Teil der Organisation, nicht als ganze Person. Mitgliedschaftsrolle setzt formalisierte, dienstliche Erwartungen voraus, um Mitglied zu bleiben.
  • Mitglieder der Organisation werden durch einen gemeinsamen Zweck verbunden, nämlich das Erreichen des Ziels. Damit ist aber nicht gesagt, dass eine Organisation nur einen Zweck verfolgt bzw. seine Mitglieder nicht auch eigenen Zwecken nachgehen. Die Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel ist mehr Organisationsaufgabe denn Organisationsmerkmal.
  • Organisationen werden vorsätzlich geschaffen, andere Institutionen sind mit der Zeit von selbst entstanden.



Historische Entwicklung des Begriffs Organisation[Bearbeiten]

Der Begriff Organisation hatte im Laufe der Geschichte viele verschiedene Definitionen und Bedeutungen. Schon beim Pyramidenbau der alten Ägypter war eine gewisse Form der Organisationsstruktur vorhanden. Der Begriff unterliegt einem ständigen Wandel, da die Menschen versuchen ihre angestrebten Ziele und Funktionen, unter Berücksichtigung der sich ändernden Umwelt, zu erreichen bzw. weiterzuentwickeln und zu optimieren. Organisation stellt dabei ein Werkzeug zur Bewältigung wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, sozialer und kultureller Herausforderungen dar. Auf Grund der unendlichen großen Vielfalt an Aufgaben und der verschiedenen Arten, diese zu erfüllen, ist es nicht verwunderlich, dass es eine Menge verschiedener theoretischer Ansätze dafür gibt. Diese Ansätze wurden und werden stark von den vorhanden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflusst. Auf Grund dieser vielen Einflussfaktoren war und ist es nicht möglich eine einheitliche Organisationstheorie zu formulieren. Die Organisationstheorie ist mehr ein Sammelsurium von vielen verschiedenen Theorien, aus welchen, der für die Unternehmung am meisten geeignete Gedanke, herausgepickt wird. In Abbildung 1 sind die verschiedensten Organisations - Theorieansätze zeitlich angeordnet und inhaltlich gruppiert dargestellt. Dabei bauen die Ansätze der modernen Organisationstheorie auf die Ansätze der klassischen und der neoklassischen Organisationstheorie auf.


Nicht nur die Ansätze an sich haben sich mit der Zeit verändert und weiterentwickelt, sondern auch die Rolle des Menschen in der Organisation, die Rahmenbedingungen und Entwicklungstendenzen der Gesellschaft. Folgender Entwicklungsprozess hat stattgefunden:


Abbildung 2: historische Entwicklung der Organisationtheorieansätze
Quelle: In Anlehnung an Bea F.X.(2010)
  • 1900: Durch die fortschreitende Industrialisierung wird die Mechanisierung und die Massenproduktion forciert. Der Mensch wird lediglich als Produktionsfaktor in der Organisation gesehen. Durch das niedrige Ausbildungsniveau war die Dominanz von Existenz und Sicherheitsbedürfnissen sehr hoch. (Taylorismus)


  • 1920: Die Gesellschaft hat zunehmend mit einem wachsenden Verwaltungsaufwand bei Unternehmen und dem Staat zu kämpfen. Durch das steigende Lohnniveau haben die Angestellten ein Prestige- und Aufstiegsdenken entwickelt. Die Rolle des Menschen ist nun die eines Aufgabenträgers. (Bürokratiemodell)


  • 1930: Steigende Komplexität im Unternehmen und im öffentlichen Dienst bewirkte, dass der Mensch zunehmend mit dem Lösen von Problemen konfrontiert war. Dies setzte ein steigendes Bildungsniveau voraus und führte außerdem zu steigendem Motivationsniveau. Der Mensch wurde zum Bedürfnisträger. (humantheoretischer Ansatz)


  • 1940/50: Mit der Erfindung des PCs war es möglich, komplexere Organisationsformen miteinander zu koordinieren. Die Unternehmen wuchsen rascher. Es entstand eine Wohlstandsgesellschaft mit höheren Motivationsschichten. (Selbstverwirklichung) Der Mensch wurde zum Entscheidungsträger (entscheidungsorientierter Ansatz)


  • 1960/70: Die Rahmenbedingungen waren nahezu identisch mit denen aus den Jahren 1940-1950, jedoch hat sich die Rolle des Menschen zum Komplexitätsbewältiger verändert. (systemorientierter Ansatz)


  • 2000: Wachsende Kritik am technischen Fortschritt und der Ruf nach Sozialverträglichkeit und Humanisierung der Technik führten zu einer neokonservativen Wende in der Wirtschaftspolitik welche die Lebensqualität (Gesundheit, Umwelt, Nachhaltigkeit) in den Vordergrund rückt. Die Rolle des Menschen teilt sich in die zwei Bereiche, den Sinnsucher und den Interessensträger, ein. (interaktionsorientierter Ansatz)


Quellen[Bearbeiten]

  • Bea F.X.(Hrsg.), Göbel E. (2010): Organisation - Theorie und Gestaltung. 4. Auflage. Stuttgart. Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH.
  • Hildebrandt. E, Mill U., Seltz R.(1986): Organisation als soziales System - Kontrolle und Kommunikationstechnologie in Arbeitsorganisationen, Hrsg.: Naschold Frieder. 1. Auflage. Berlin. Rainer Bohn Verlag.
  • Kaesler D. (Hrsg)(1999): Klassiker der Soziologie - Von Auguste Comte bis Norbert Elias. Originalausgabe. München. Beck'sche Verlagsbuchhandlung.
  • Lang N, Lang N. (2010): Organisationslehre - Repetitorium für Studium und Praxis. 1. Auflage. Zürich. Orell füssli Verlag AG.
  • Lang R. (Hrsg.), Weik E. (2001): Moderne Organisationstheorien - Eine sozialwissenschaftliche Einführung. 1. Auflage. Wiesbaden. Gabler Verlag.
  • Lang R. (Hrsg.), Weik E. (2003): Moderne Organisationstheorien 2 - Strukturorientierte Ansätze. 1. Auflage. Wiesbaden. Gabler Verlag.
  • Schulte-Zurhausen M. (2010): Organisation. 5. Auflage. München. Vahlen Verlag.
  • van Geldern M.(1997): Organisation - Ein anwendungsorientiertes Lehrbuch mit Fallbeispielen. 1. Auflage, Hrsg.: Schneck Ottmar. Frankfurt/Main Campus Verlag GmbH.
  • Wilms Falco E.P.(2010): Vorlesungsskriptum des Kurses Organisation an der FH Vorarlberg

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Organisationslehre Betriebswirtschaftliche Organisationslehre

Hauptartikel: Organisationslehre

Hauptartikel: Organisation_Wirtschaft

Hauptartikel: Organisation