Pfeifer, Richard Arwed (1923)

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Pfeifer, R. A.: Der Geisteskranke und sein Werk. Eine Studie über schizophrene Kunst. Mit 45 Abbildungen. Leipzig: A. Kröner 1923, Erstdruck.


Richard Arwed Pfeifer (1877-1957), Psychiater und Hirnforscher in Leipzig, untersucht in diesem Werk die diagnostische Bedeutung von bildnerischen Produktionen Schizophrener (S. 35). Eine pathognomonische Wertigkeit verneint er und führt dafür zwei Argumenten an:

Er hatte eine zeichnerisch begabte, kunstsinnige und gesunde Versuchsperson gebeten, Bildelemente inkohärent zu komponieren und den Negativismus (Widerspruchsgeist) Schizophrener zu imitieren. Das gelang, in Einzelfällen sogar die schizophrenen Bildnereien an Verdichtung übertreffend (S. 105). Pfeifer folgert: Das, was wir in den Zeichnungen Geisteskranker an wirklich künstlerischem Gehalt noch finden, erscheint darnach als der letzte Rest von Gesundheit (S. 144).

Als zweites Argument verweist Pfeifer auf die formale Analogie zum Expressionismus (S. 145). Bereits eingangs hatte er angemerkt, dass der Expressionismus als Manier den meisten Kranken bekannt sei (S.16), sodass die schizophrenen Artefakte einen etablierten Kunststil imitieren würden.

Wie Prinzhorn spricht Pfeifer noch nicht von Surrealismus. Dieser Bergriff kam erst 1924 auf, nach dem Erscheinen von André Bretons «Manifeste du Surréalisme».


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