Wikiversity:Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Freies Wissen… für alle? Teilhabe und Diversity in Offener Wissenschaft/Transkript Nullfolge

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Transkript Nicht-Podcast Wissenschaft für alle[Bearbeiten]

Nullfolge: der Nicht-Podcast Wissenschaft für alle[Bearbeiten]

(Musik)

Herzlich Willkommen zum Nicht-Podcast „Wissenschaft für alle“! Mein Name ist Philipp Schrögel, und ich spreche mit Menschen, die Wissenschaft zugänglicher machen wollen -- und mit Menschen, die mit Barrieren in Wissenschaftskommunikation und Open Science konfrontiert sind.

(Musik)

In den vergangenen Jahren haben sich etliche offene Formen der Wissenschaft etabliert: von klassischen Wissenschaftsfestivals über Bürgerkonferenzen bis hin zu Reallaboren und Citizen-Science-Projekten. Wissensproduktion und -kommunikation wachsen zusammen und werden transdisziplinärer, ob unter dem Begriff Open Science oder Responsible Research and Innovation. Es entsteht ein neues Verständnis von öffentlicher Teilhabe bzw. Wissens-Co-Produktion. Dabei wird eine Frage bisher kaum adressiert: Inwieweit werden die Ansprüche an Offenheit tatsächlich eingelöst? Welche Bevölkerungsgruppen erreichen diese neuen Formate? Wer nimmt tatsächlich teil? Bisherige Arbeiten zeigen hier einen erheblichen Handlungs- und Forschungsbedarf.

Im Forschungsprojekt „Wissenschaft für alle“ -- das wir am Karlsruher Institut für Technologie zusammen mit Wissenschaft im Dialog und unterstützt von der Robert Bosch Stiftung durchgeführt haben -- konnten wir einen erster Überblick über nicht erreichte Bevölkerungsgruppen und Exklusionsfaktoren für Wissenschaftskommunikation erstellen. Es gibt vielfältige Gründe, die zu einer Diskriminierung oder einem Ausschluss führen können, ob beispielsweise Alter oder Gender, das Leben im Ländlichen Raum oder die Vertrautheit mit Wissenschaft, beispielsweise durch den beruflichen Hintergrund der Eltern oder den Freundes- und Bekanntenkreis.

Im Rahmen des Fellowships Freies Wissen von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der Volkswagen-Stiftung möchte ich diese Überlegungen für Wissenschaftskommunikation auf das breitere Feld Open Science übertragen.

Hier steht schon dem Namen nach Offenheit und Freiheit als Leitgedanke im Zentrum, aber es ist trotzdem noch eine Frage der Zugänglichkeit. Wenn Freies Wissen im Sinne einer negativen Freiheit verstanden wird (Freiheit von z. B. äußeren Beschränkungen), dann ist dies erreicht, wenn Daten und Forschungsprozesse technisch zugänglich sind. Dies ist zwar eine Voraussetzung für Offenheit, stellt aber alleine noch nicht sicher, ob, von wem und wie diese Freiheit auch genutzt wird oder genutzt werden kann.

Es gibt eine Vielzahl weiterer, teils impliziter Barrieren die einen freien Zugang verhindern: fehlende Vertrautheit im Umgang mit Wissenschaft, habitusbedingte Ausgrenzung durch Formulierungen, Verhaltensweisen oder implizite Hierarchien ebenso wie ein fehlendes Interesse durch keine Bezüge oder Anwendungsmöglichkeiten im sozialen Umfeld.

Um Offenheit in einem weiteren Sinne als Zugänglichkeit zu denken, gilt es, das Ganze mit einem positiven Freiheitsbegriff (Freiheit zu etwas) zu betrachten. Diese Perspektive fokussiert nicht, was zu einer Öffnung nötig ist, sondern was zu einer tatsächlichen Nutzung führen kann. Entsprechend können dann weiterführende technische Maßnahmen (z. B. Gestaltung von Plattformen, User*innen-zentrierte Tools) oder kommunikative Maßnahmen (z. B. Erläuterungen, Ankündigungen, Hilfestellungen) von Anfang an mit einbezogen werden.

In diesem Nicht-Podcast möchte ich einerseits mit Menschen sprechen, die Wissenschaft zugänglicher machen wollen. Das sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oder engagierte Menschen aus Vereinen und Initiativen, in deren Projekte aus der Wissenschaft oder Wissenschaftskommunikation Partizipation, Inklusion und Diversity eine wichtige Rolle spielen. Projekte, die auch neue Wege und Methoden probieren.

Andererseits möchte ich mit Menschen sprechen, die mit Barrieren in Wissenschaftskommunikation und Open Science konfrontiert sind. Ich möchte sie nach ihren eigenen Exklusions- oder Diskriminierungserfahrungen fragen, und fragen, was sich aus ihrer Sicht ändern muss, wie sie sich eine zugängliche, offene Wissenschaft vorstellen.

Ich hoffe, damit einige Anregungen für eine Reflektion und inklusivere Gestaltung von Offener Wissenschaft zusammentragen zu können.

Übrigens: Wer sich über den Namen Nicht-Podcast wundert: es ist zwar eine Sammlung von kurzen Gesprächen, aber ich sehe es weniger als eine Reihe mit einer festen Hörerinnen- und Hörerschaft. Stattdessen sehe ich es eher als eine Vielfalt von Eindrücken und Perspektiven.