Wissensmanagement in der Schule

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Entwurf einer Kurzeinführung zum Thema beim clc069 am 5.3.2018 in Frankfurt

Ergänzungen und Korrekturen sind willkommen. Wenn man sich nicht ganz sicher ist, gern auch auf der Diskussionsseite. Walter Böhme --Cethegus (Diskussion) 10:27, 17. Feb. 2018 (CET) Noch einfacher kann man Kommentare zum Text hier eintragen.

Versuch einer Situationsbeschreibung[Bearbeiten]

Standardsituation[Bearbeiten]

Obwohl zahlreiche Lehrer (sieh: "digitale Pioniere"[1]) sich recht intensiv mit den Methoden digitaler Unterstützung des Lernens beschäftigen, arbeitet vermutlich die überwiegende Mehrzahl der Lehrer noch mit folgendem Wissensmanagement[2]:

eigenes Wissensmanagement der Lehrer[Bearbeiten]

  1. Erinnerung ans Studium
  2. Zeitungslektüre und gelegentliche Anschaffung von Fachliteratur
  3. Nachschlagen in der Wikipedia und Warnen der Schüler vor der Benutzung von Wikipedia, weil sie unwissenschaftlich sei
  4. Verwendung der an der jeweiligen Schule eingeführten Schulbücher und gelegentliche Prüfung neu herausgekommener Unterrichtsmaterialien, so weit sie nicht zu aufwändig zu beschaffen sind
  5. seltener Besuch von Fortbildungskursen, sofern sie nicht an der eigenen Schule stattfinden
  6. wenige bieten eigene Unterrichtsmaterialien ihren Kollegen an, eine Minderheit von Kollegen nutzen die, doch die wenigsten bieten daraufhin selbst an

Wissensmanagement für die Schüler[Bearbeiten]

  1. Schulbuch
  2. fragend entwickelndes Verfahren
  3. Gruppenarbeit mit anschließendem Referat aka Powerpointvortrag

Veränderung des Lernens durch das Internet[Bearbeiten]

Für den Betrachter, der vor der ständigen Verfügbarkeit des Internets sozialisiert wurde, kann leicht der Eindruck entstehen, als bedürfte es zur Problemlösung nur in des Zugriffs auf das Internet, um dort das notwendige Wissen abzurufen. Der mühsame Weg der Wissenskonstruktion, wo man in seinen Lehrjahren bei einem Meister lernte, in seinen Wanderjahren das Wissen anderer Meister kennenlernte und seinem Wissensschatz zufügte, scheint übersprungen zu sein, weil man auf das Wissen aller Meister gleichzeitig an einem Ort zugreifen kann.

Doch erfahrungsgemäß führt die Suchmaschine den einen sehr rasch auf hilfreiche Lösungsstrategien, während der andere seine Suche frustriert ergebnislos abbricht.

In Frageforen heißt dann die Formel: "Im Internet steht dazu nichts Brauchbares." Und die Antwort lautet nicht ganz selten: "Nie etwas von Google gehört?"

Zunächst scheint es an den Suchstrategien zu liegen. Man brauche also nur Suchstrategien zu lernen, um die richtigen Lösungen zu finden. Freilich kann dieselbe Internetseite, die den eigenen zur Lösung führt, für den anderen einen undurchdringlichen Verhau von Unverständlichkeiten darstellen. Ein Schüler brachte es einmal auf die anschauliche Kurzformel: "Von diesem Text verstehe ich nur "und" und "oder" .

Strategien von Kultusministerien und Schulverwaltung[Bearbeiten]

w:Lehrerfortbildung, w:Bildungsserver, seit gut einem Jahr Aufmerksamkeit für OER-Materialien.

Die Bedeutung von "digitaler Bildung" wird seit langem betont, die bisherigen Anstrengungen werden in sozialen Netzwerken im Bildungsbereich recht skeptisch betrachtet, selbst die etwas ambitionierteren seit 2015.

Strategien "digitaler Pioniere"[Bearbeiten]

Die w:Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) bietet seit 1997 öffentlich OER-Materialien an, die Plattform 4teachers besteht seit etwa 15 Jahren und bietet für ihre Mitglieder Materialien an. Seit 2005 besteht im Rahmen der ZUM das ZUM-Wiki, dem sich inzwischen eine ganze Wiki-Family angeschlossen hat.[3]

In Deutschland ist Lisa Rosa die engagierteste Vertreterin des Persönlichen Lernnetzwerks. (Mehr zum PLN)

EdchatDE, der Twitterchat für Lehrer(Innen), Bildungsmenschen und Interessierte mit 4155 Followern, wird voraussichtlich am 6.3.2018 sein 200. online-Treffen absolvieren.[4]

Lehrerfortbildung durch "digitale Pioniere"[Bearbeiten]

Eigene Erfahrungen im Bereich Wirtschaftskunde[Bearbeiten]

Im Wirtschaftskundeunterricht habe ich jahrelang mit kostenlosem Material vom Bank-Verlag gearbeitet, in dem viele verfälschende Graphiken (Säcke dargestellt, die 9-faches Volumen suggerierten, wo nur 3-fache Menge vorlag; Graphiken, die eine extreme Steigerung vorgaukelten, weil bei Bewegungen im Bereich von 600 und 610 die unteren 590 abgeschnitten waren). Im Textteil gab es Entsprechendes, aber wegen geringerer Anschaulichkeit habe ich die Techniken nicht mehr so genau im Kopf.

Für mich war das Anschauungsmaterial, an dem ich Verfälschung demonstrieren konnte. Aber da die korrekten Lehrbücher (aus Kostengründen) überaltert waren, habe ich damit auch Ideologie transportiert. Denn Anschauung (schnelles Denken) geht oft über Aufklärung (langsames Denken). Angesichts der Unterfinanzierung im Bildungsbereich (z.B. Grundschullehrermangel) werden zugelassene Lehrmaterialien weiterhin veraltet sein. Und sich stets aktuelle Materialien aus dem Internet zu holen verbietet sich für die meisten Lehrer nicht nur wegen der fehlenden Computer (alles auszudrucken kommt zu teuer), sondern auch wegen des Arbeitsaufwandes aufgrund unzureichenden Angebots in Bildungsservern. Wie sich einseitiges Unterrichtsmaterial flächendeckend auswirkt, kann man sich leicht ausmalen.

Insbesondere nachhaltiges Wirtschaften wird in der Wirtschaftsdidaktik völlig vernachlässigt. Begriffe wie w:Ressourceneffizienz ‎ und w:Kreislaufwirtschaft ‎sind noch nicht in Schulbücher aufgenommen bzw. völlig ohne Kontext.

In aktuellen Diskussionen sind sie ständig präsent: #Ressourceneffizienz, #Kreislaufwirtschaft und tagesaktuell #Dieselskandal (mehr dazu: bei LobbyControl). Dagegen ist #Wirtschaftskunde als Stichwort eher ein Langweiler, der nur von Lobbyisten in die Schulen getragen wird. (vgl. Ein Kniefall vor den Arbeitgebern ZEIT online 16.11.15) Das Planspiel Börse, ein Musterfall von Lobbyismus, beherrscht im Dezember 2017 die Tweets zu Wirtschaftskunde, bei denen zu 2018 finden sich bisher nur meine Tweets.

mein Blogartikel dazu


Was wäre anzustreben?[Bearbeiten]

  1. nicht-ideologisches Unterrichtsmaterial
  2. Berichte aus der Praxis zur Vor- und Nachbereitung von Betriebspraktika
  3. weniger Hochglanzbroschüren, mehr zumindest in Ansätzen didaktisch aufbereitetes Material, das Interessierten ein realistisches Bild von Arbeitswelt, betrieblicher Kalkulation und Marktstrategien von Unternehmen verschafft (dabei brauchten keine konkreten Zahlen eines konkreten Unternehmens genannt zu werden, aber beispielhafte Größenordnungen und keine Allgemeinplätze wie "Unternehmen machen 2% Gewinn", als die Deutsche Bank 25% Gewinn anpeilte).
  4. Die ZEIT nennt am 1.3.2018 10 Regeln, wie man Fake-News von Fakten unterscheiden könne.[5] Hier zur Diskussion
  5. ...

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. z.B. gibt es über 200 Lehrer- und Klassenblogs, auf denen über Unterrichtsmaterial und -erfahrungen berichtet und Unterrichtsmaterial für Lehrer und Schüler angeboten wird.
  2. Jedenfalls berichten mir das Kollegen, die ihrerseits intensiver in die Nutzung und Erstellung von OER-Materialien eingestiegen sind.
  3. Ein aktuelles Beispiel für die Experimentierfreude der Mitglieder der ZUM liefert deren gegenwärtige Vorsitzende mit ihrem Bericht "Twitterchat im Ethikunterricht".
  4. Eine Erläuterung, was EdchatDE ist, außerdem einiges zur Vorgeschichte sowie Tweetprotokolle der online-Treffen von 2018 finden sich hier.
  5. :Dabei geben sie ein utopisches Ideal vor: Welcher Lehrer hätte die "Dönermorde" des NSU als Fake erkennen können, wer findet zwei halbwegs glaubwürdige eindeutig voneinander unabhängige Quellen über die Hackerangriffe auf bundesdeutsche Ministerien? Und das sollen Lehrer und Schüler lernen können?