Benutzer:Julia Wessely

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Universität Augsburg

WS 2013/14

Lehrstuhl für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache

Proseminar: Die kulturelle Identität im Zeitalter der Globalisierung


Eva Sondershaus, M.A.


von

Julia Wessely



Becoming Kiwi - Deutsche Au Pairs in Neuseeland[Bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten]

Im Rahmen des Seminars „Die kulturelle Identität im Zeitalter der Globalisierung“ habe ich mich in meiner Projektarbeit mit jungen deutschen Frauen auseinandergesetzt, die zwischen Schulabschluss und Weiterbildung als Au Pairs in Neuseeland waren. Aufgrund eigener Erfahrungen möchte ich im Folgenden herausfinden, wie junge Frauen mit einer andersartigen Lebensweise und einer fremden Kultur auf Zeit umgehen, und das bei gleichzeitigem, anhaltenden Kontakt mit anderen deutschen Au Pairs.


Hypothese[Bearbeiten]

Die Akkulturation deutscher Au Pairs an die neuseeländische Kultur wird durch das Treffen anderer, ebenfalls deutschsprachiger Au Pairs verhindert.


Leitfadeninterview[Bearbeiten]

Durch Leitfadeninterviews sollte die oben gestellte Hypothese bestätigt oder widerlegt werden. Die Fragen waren grob in die Kategorien „Unterschiede deutsche/neuseeländische Kultur“, „Kontrast Gastfamilie/Sprachinsel deutsche Au Pairs“, „Wechsel/Abbruch“ und „Rückkehr nach Deutschland“ gegliedert.

Das erste Interview wurde persönlich geführt, woraus sich für die folgenden, per Facebook-Chat geführten Interviews eine weitere Frage und somit ein modifizierter Leitfaden ergab. Frage 14 Wie war es für dich, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Hattest du Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen oder hast du einfach da weiter gemacht, wo du vor der Abreise aufgehört hattest? wurde nach dem eigentlichen Interview mit Probandin 1 im offenen Gespräch ausführlich besprochen und erschien für die Bestätigung der These relevant. Sämtliche Probanden sind weiblich und waren nach Beendigung ihrer Schulausbildung und vor Beginn einer weiterführenden Ausbildung als Au Pairs in Neuseeland; Probanden 1 - 4 in Auckland, Probandin 5 in New Plymouth.

Fragebogen[Bearbeiten]

1. Wie gut kamst du mit der Sprache klar?
2. Was ist für dich „typisch neuseeländisch“?
3. Was fandst du daran gut? Was schlecht?
4. Beobachtungen zu:
• Machtdistanz
• Unsicherheitsvermeidung
• Individualismus/Kollektivismus
• Maskulinität/Femininität
• Langzeitorientierung
5. Warum Neuseeland (und nicht z.B. Australien)? Was waren deine Erwartungen? Wurden sie erfüllt?
6. Wie lange warst du als Au Pair in Neuseeland?
7. Was hast du in deiner Freizeit gemacht? Hattest du mehr Kontakt zu „Kiwis“ oder anderen (deutschen) Au Pairs?
8. Wie war der Tagesablauf in der Gastfamilie? Unterschiede zum deutschen?
9. Hast du noch Kontakt zu deiner Gastfamilie?
10. Hast du die Gastfamilie gewechselt? Warum? Ging der Wechsel von dir aus oder von der Gastfamilie?
11. Wenn ja: wie war es für dich danach? Hattest du Schwierigkeiten, eine neue Familie zu finden? Dachtest du daran, das Jahr abzubrechen?
12. Was waren deine Zukunftspläne vor Neuseeland? Und hinterher?
13. Wie hat sich deine persönliche Meinung/Einstellung bezüglich anderer Kulturen, Umweltbewusstsein, etc. verändert?
14. Wie war es für dich, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Hattest du Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen oder hast du einfach da weiter gemacht, wo du vor der Abreise aufgehört hattest?

Gegenüberstellung[Bearbeiten]

Diese Gegenüberstellung beinhaltet zusammengefasst einen Überblick über die wichtigsten Aussagen der Probanden auf die einzelnen Fragen der Leitfadeninterviews. Die vollständigen Interviews werden darunter aufgeführt.

Probandin 1 Probandin 2 Probandin 3 Probandin 4 Probandin 5
Sprache Keine Probleme Keine Probleme Kaum Probleme (Redewendungen) Keine Probleme Keine Probleme
Typisch neuseeländisch International/ multikulturell,

entspannt, ausgeglichen, hilfsbereit

Lockerheit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Segeln, Rugby, Nationalstolz Weltoffenheit,

„Easy-going“

Freundlichkeit, Relaxtheit, Hilfsbereitschaft, „chillig“, Akzent Indirektheit, Schafe und Kühe, Ladenschluss um 5, Tea = Dinner
Positiv (+) /negativ (-) - Baked Beans + Wie zuhause, schnell Freundschaften

- Kiwis nicht direkt, gilt als unhöflich

+ kein „Ausländergefühl“

+ Hilfsbereitschaft

+ ehrliches Interesse

- Politik in Bezug auf Kinder zu „easy-going“, Kinder zu abhängig von Eltern/Staat

+ Gastfreundlichkeit

+ Fröhlichkeit

+ Relaxtheit

- Indirektheit
Machtdistanz Angenehmes Verhältnis, freundschaftlich,

Vorschläge, aber eigene Entscheidungen,konsequent

Gastmutter = Chef Ausgeglichen, auf Level der Eltern, freundschaftliches Verhältnis Gastfamilie – Au Pair positiv; Agentur – Au Pair eher negativ Scheinbar auf einer Ebene, aber deutliche Kluft Arbeitnehmer – Arbeitgeber
Unsicherheitsvermeidung Geben sich damit zufrieden, was sie haben Familien/ Karriere vorsichtig, sonst sehr spontan, flexibel, Bereitschaft zum Umdenken und neu planen Ausgeglichen, spontane Entscheidungen, aber mit Vorausblick Spontaner, entspannter Sehr spontan
Individualität/Kollektivismus Gemeinschaft, Familie Gemeinschaft, wenig Egoismus Ursprung Maorikultur: jedes Mitglied der Gemeinschaft wichtig Hilfsbereit/freundlich, einer für alle – alle für einen Blut dicker als Wasser
Langzeitorientierung Spontan NZ ist sich reichhaltiger Traditionen bewusst, denkt aber fortschrittlich Stolz auf Kultur, in der Politik zukunftsorientiert Tradition/alte Werte, aber gehen mit der Zeit/zukunftsorientiert Maori: kurzzeit

Weiße: langzeit

Warum Neuseeland? Am weitesten weg von Deutschland, seit 12 reines Bauchgefühl Auf jeden Fall englischsprachiges Ausland, Wunsch des Großvaters Schon immer Traum gewesen, abwechslungsreiche Landschaft, Auszeit nach Abi, keine Kriechtiere Möglichkeit Rugby zu spielem, Entfernung
Erwartungen? Keine + Englisch verbessern

+ andere Kultur kennenlernen

+ Spaß haben

+ mich selber kennenlernen

+ reisen

- Au Pair Leben

- Integration Familie

- zu wenig Zeit mit Kindern

Nicht wirklich

+ Umgebung (durch Herr der Ringe/ Chroniken von Narnia)

+ Vorwissen Maorikultur

keine - Zu wenig Integration in Familie
Aufenthaltsdauer 1 Jahr, ursprünglich geplant 9 Monate 10 Monate, davon 8 Au Pair, 2 reisen 11 Monate, ursprünglich geplant 6 Monate 5 Monate Au Pair, 3 Wochen reisen, ursprünglich geplant 9 Monate 1 Jahr, davon 8 Monate Au Pair
Freizeit/ Kontakt Kiwis - Au Pairs Sehr selten andere Au Pairs, hauptsächlich Kiwis durch Orchester und Sport, Aktive Meidung anderer Deutscher Freizeit: Kiwis und Deutsche gleichermaßen

Reisen: ausschließlich Kontakt zu "Internationals", Kontakt zu Deutschen aktiv vermieden

Wochenendausflüge mit europäischen Au Pairs, Großteil Freizeit mit Gastfamilie/deren Freunden, Besuch eines Zumba-Kurses mit größtenteils Neuseeländerinnen Reisen

„Leider“ mehr Kontakt zu deutschen Au Pairs als Kiwis

Gemischt, mehr Au Pairs
Tagesablauf Anders durch geregelte Essenszeiten, keine Ordnung im Kleiderschrank, geregelte Erziehung vielleicht nicht ganz typisch für NZ Anders als gewohnt, vor allem die Mahlzeiten, Kinder mit dem Auto zur Schule Keine großen Unterschiede Keine wirkliche Integration in neuseeländischen Tagesablauf, keine Beurteilung von Unterschieden möglich Keine Unterschiede
Anhaltender Kontakt zur Gastfamilie Ja Ja, gelegentlich Ja. Regelmäßig, geplantes Wiedersehen Gelegentlich Nein
Wechsel der Gastfamilie Nein Ja, ging von Gastfamilie aus Ja, ging vom Au Pair aus Nein, aber Überlegung Ja, ein Wechsel, dann Abbruch als Au Pair und Arbeit in Restaurant
Schwierigkeiten nach dem Wechsel / Nein, schnell neue Gastfamilie gefunden, keine Gedanken an Abbruch des Jahres Keine Schwierigkeiten beim Finden der neuen Familie, aber anhaltende Probleme mit der ersten, die beinahe zum erzwungenen Abbruch geführt hätten / Ja, in der zweiten Gastfamilie

Nein nach zweiter Familie

Zukunftspläne vor/nach NZ Davor: Neuseeland, Grundschullehramt/ Musik

Danach: Internationales Wirtschaftsingenieurwesen um nach NZ auswandern zu können

NZ als Puffer zwischen Schule und Studium, jetzt Studium als Mittel zum Zweck um nach NZ oder Australien auswandern zu können Lehramt Mathe/Englisch, schon vor NZ geplant, aber nach NZ mit Hinblick auf Rückkehr nach NZ Vorher Studium und Überlegung, länger in NZ zu leben, jedoch aufgegeben. Hinterher Studium und schnelle Rückkehr nach NZ Davor: Studium Politikwissenschaft

Danach: Ausbildung Lebensmittelbranche Rückkehr möglich

Persönliche Einstellung danach Freundlichkeit hat abgefärbt;

Mülltrennung fragwürdig, aber größere Sauberkeit allgemein; viele Parks und Städte sehr grün; gegenseitige Akzeptanz

Wichtigkeit von Umweltschutz;

Schon immer Interesse an anderen Kulturen; NZ hatWunsch zu reisen verstärkt aber nicht verändert

Weltoffenes Lebensgefühl verändert, als „Fremdling“ Vorurteile kennenlernen Schon immer offen für andere Kulturen, interessiert an Traditionen und Lebensweisen. Keine Veränderungen Handwerk wichtiger als „schwammige“ Wissenschaft,

schon immer offen für neues

Rückkehr nach Deutschland / Schwierig. Streit, Unverständnis, Heimweh nach NZ Große Probleme mit Deutsch, Jet Lag, wieder Neuanfang Anfangs schrecklich, deutsch, deutsche Unfreundlichkeit, stressige Lebensweise Keine Eingewöhnungsschwierigkeiten

Probandin 1[Bearbeiten]

F: Also, dann erzähl mir doch bitte als erstes Mal, wie’s du dir… wie’s kam, dass du überhaupt nach Neuseeland gegangen bist.

A: Okay, also ich wollte eigentlich schon als ich zwölf war ein Auslandssemester machen, also oder ein Auslandsjahr, das wollte ich schon, als ich zwölf war. Und dann hab ich nur noch darauf gewartet, dass ich mit der Schule fertig bin und wusste nicht ob Australien oder Neuseeland, und weil Neuseeland weiter weg ist, hab ich mich für Neuseeland entschieden.

F: Also, das was am weitesten weg war, kam am ehesten…

A: Ja.

F: In Frage. War’s bei dir so, dass irgendwie noch andere Faktoren mit reingespielt haben, dass du gesagt hast… zum Beispiel Herr der Ringe oder so was… oder Werbung?

A: Das war dann positiver Nebeneffekt mit Herr der Ringe. Ich steh voll auf Herr der Ringe, aber nein, ich wollte da eigentlich nur hin, weil’s am weitesten weg ist.

F: Und Au Pair war dann das erste, was dir in den Sinn kam.

A: Ja.

F: Und Work and Travel nicht so.

A: Nein, weil… weil so viele Work and Travel machen und da lernt man die Kultur einfach nicht so kennen, weil man nur Deutsche in Hostels trifft. Und das hat mir gar nicht gefallen. [nicht verständlich]

F: Du warst ein Jahr in Neuseeland – genau.

A: Also, geplant waren neun Monate, aber ich habe verlängert auf ein Jahr.

F: Warum?

A: Ja, weil’s mir so gut gefallen hat.

F: Nur Neuseeland an sich oder lag’s auch an der Gastfamilie?

A: Auch an der Gastfamilie. Also beides. Also ich wollte unbedingt in Neuseeland bleiben. Und dann hat mich meine Gastfamilie gefragt, ob ich länger bleiben will und dann… also, ich hab… ich bin mit meiner Familie super klar gekommen und hab mich da drüben auch einfach so wohl gefühlt.

F: Okay. Also erübrigt sich die Frage gleich: Du bist das ganze Jahr in der gleichen Gastfamilie gewesen?

A: Ja.

F: Okay. Perfekt. Ich hab bis jetzt nur Leute, die sagen, die haben die Gastfamilie gewechselt.

A: Echt?

F: Ja. Und auch in meinem Freundeskreis – alle haben gewechselt. Ich bin die einzige, die auch das ganze Jahr eben… in einer Gastfamilie war.

A: Ich hatte die allerbeste Gastfamilie der Welt. Da kann man gar nicht drüber nachdenken zu wechseln.

F: Ja, dann machen wir mit der Gastfamilie gleich weiter. In der Gastfamilie… da war das Verhältnis dann richtig gut zwischen euch. Wie viele Kinder hattest du?

A: Zwei.

F: Zwei. Hattest du in der Freizeit… warst du da mehr mit der Gastfamilie unterwegs oder mit den… mit anderen Au Pairs oder Freunden?

A: Also mit anderen Au Pairs habe ich gar nichts gemacht, eigentlich… nur mal so am Wochenende. Zum Beispiel mit dem Flo bin ich mal an Piha Beach gefahren, aber normalerweise hatte ich auch mit deutschen Au Pairs gar nix zu tun. Ähm… mit der Gastfamilie: so ab und zu mal. Also wir haben am Wochenende eigentlich nicht wirklich was zusammen gemacht, aber wenn mir langweilig war, bin ich zu meiner Familie gegangen, hab mit den Kindern ein bisschen gespielt oder wir haben zusammen gekocht. Und sonst habe ich halt eher mit neuseeländischen Freunden dann was gemacht.

F: Wie hast du die kennen gelernt?

A: Ich, äh… habe in einem Orchester mitgespielt, im Auckland Youth Symphony Orchestra und habe Thai-Boxen gemacht. Und da halt auch Leute kennen gelernt.

F: Okay. Also mit, ähm… dann warst du auch nicht wirklich bei so… Au Pair Treffen, wo du – oh, alles klar. Cool.

A: Ne, ich wollte mich davon fernhalten, ich wollte kein deutsch sprechen und ich wollte auch keine deutschen Leute kennen lernen in Neuseeland.

F: Also hast du dich komplett auf dieses neuseeländische eingelassen.

A: Ja.

F: Ja, dann, ähm… ja, wie war denn das… das Leben so in der Gastfamilie bei dir? Was ist dir da aufgefallen? Gab’s da Unterschiede im Tageslauf… zum Tagesablauf, zum Leben in der deutschen Familie, oder im Verhalten… wie so?

A: Also, weiß nicht… Also was anders war als bei mir daheim ist, ist, dass, das wir relativ regelmäßig gegessen haben, aber ich glaube, das liegt einfach daran, dass Kinder da waren. Dass man halt um eine bestimmte Uhrzeiten ungefähr gegessen hat. Sonst… ja… es ist halt… alles mehr so ungefähr… Zum Beispiel etwas, was mir sehr aufgefallen ist, wo ich ein bisschen kämpfen musste, ist, dass Klamotten im Kleiderschrank nie zusammengelegt sind. Ich bin kein Ordnungsmensch, schon mal das… fand ich schwierig und gewöhnungsbedürftig. Immer wenn ich Wäsche gewaschen habe und die… hab ich die Klamotten von meinen Kindern zusammen gelegt und wollte eigentlich hier T-Shirts und da Hosen und war alles nur reingebollt. Wenn mir langweilig war, hab ich alle Schränke aufgeräumt, zusammengelegt, einsortiert und zwei Tage später war’s wieder komplett durcheinander. Aber okay… kann man sich daran gewöhnen. Das…

F: Sonst so?

A: Sonst…

F: Ich weiß nicht, von der Erziehungweise vielleicht her?

A: Ne… da ist mir jetzt nix… Also, ich fand die Erziehung von meiner Gastmutter eigentlich wirklich faszinierend und also es war bestimmt, das war auch… jetzt nicht wirklich streng, aber es gab Regeln, die aber… also mein Baby war zu klein um Regeln zu verstehen, aber die für meinen Kleinen wirklich verständlich waren und der hat sich daran gehalten und die waren auch selbstverständlich für ihn. Also, wenn man vom Tisch aufsteht, ist die Mahlzeit vorbei, so ist es halt. Und das war aber kein Problem ihm das zu sagen und er hat das auch super aufgenommen. Das war auch für ihn auch selbstverständlich. Aber ich weiß jetzt nicht, ob das was neuseeländisches ist. Ich glaub eher, das das was deutsches ist.

F: War die Familie, war die… aber schon Neuseeländer, also nicht irgendwie eingewandert oder so?

A: Ne.

F: Sondern typisch neuseeländisch halt. Hm… Kontakt hast du immer noch zu deiner Gastfamilie?

A: Ja.

F: Oder hat’s… ist das abgebrochen nach Neuseeland?

A: Ne.

F: Hast du vor, irgendwann mal zurückzugehen?

A: Ja. Also ich will nächstes Jahr hoffentlich wahrscheinlich Urlaub machen, so kurz, so zwei Wochen oder so. Und meine Familie… und nach dem Studium will ich eigentlich wirklich für immer weg.

F: Sehr schön... Wenn ich noch mal da… zum Beispiel warum Neuseeland… was waren da deine Erwartungen, also nach… also vorher nach Neuseeland bist? Und sind die erfüllt worden, als du dann dort warst? Ich meine, wenn du seit, seit du zwölf bist, nach Neuseeland wolltest, hast du ja eine bestimmte Vorstellung davon, wie Neuseeland ist, wie die Leute so sind und…

A: Ja, eigentlich hatte ich gar keine Vorstellung. Ich hab mich null informiert. Wusste nicht, wie die Hauptstadt heißt, ich wusste gar nicht, dass Maoris existieren. Also, ich habe mich wirklich unfassbar schlecht vorbereitet. Ich wusste nicht mal, dass es da ne Nord- und ne Südinsel gibt. Deswegen hatte ich da eigentlich gar keine Erwartungen, weil ich vorher noch keine Vorurteile hatte. Und ich wollte eigentlich gar nichts erwarten, was dann nicht erfüllt wird. Ich bin einfach hingeflogen und habe mir gedacht: Ja, mal schauen, was jetzt so auf mich zukommt.

F: Kamst dann auch gut klar damit, dann?

A: Ja, wunderbar.

F: Dann… Was war denn dann für dich typisch neuseeländisch, als du dort warst? Jetzt, so im Nachhinein, wenn du dir überlegst: Was ist da anders? Was ist wirklich einzigartig für das Land und für die Kultur?

A: Ja, das es erstmal unglaublich viele Nationen gibt, die da leben. Also, da sind ja überall Asiaten, Inder, Maoris… dann Weiße und keine Ahnung, alles gibt’s. Dass… alle Leute wirken irgendwie glücklicher auf mich. Die wirken viel entspannter und ausgeglichener und viel hilfsbereiter. Das ist mir aufgefallen, weil ich manchmal wirklich dran stand und nicht mehr wusste, wohin und alle haben immer geholfen. Das war schon im Supermarkt, als ich das erste Mal in diesem Pak’n’Save war und alles war so riesig und ich habe mich nicht ausgekannt und hatte zwei Kinder dabei. Dann stand ich dran und hab das Zeug nicht gefunden und dann kam sofort jemand her und hat gefragt, ob er mir helfen kann und hat mir dann die Liste aus der Hand genommen und mir die Sachen eingesammelt. Sowas würde dir in Deutschland auch nicht passieren. Also das war das, was mich am meisten überraschte, wie nett und hilfsbereit die Leute da drüben sind.

F: Also, und das war dann auch das Gute für dich da dran.

A: Ja.

F: Gab’s irgendwas negatives, wo du sagtest, da konntest dich gar nicht damit anfreunden während der Zeit da?

A: Baked Beans. Das finde ich widerlich. Aber… nein, sonst ist mir eigentlich wirklich nichts passiert, was mir nicht gefallen hat.

F: War’s bei dir so, dass du irgendwann mit dem Englisch Probleme hattest? Warst du gut vorher in Englisch? Dass du dann gesagt hast, ich komm hin, kann mich verständigen, ich versteh alles?

A: Ja, also schriftlich war ich immer schlecht in der Schule, aber mündlich war ich… also so mündliche Klausuren war ich, hab ich immer gute Noten gehabt. Da habe ich eigentlich gar keine Angst davor gehabt, weil ich mir da so ein bisschen sagen, was ich will, kann ich und verstehen tu ich’s auch, den Rest werde ich schon lernen. So mit Englisch habe ich eigentlich nie Probleme gehabt.

F: Es ist ja jetzt auch noch so, dass du gesagt hast, du bist jetzt noch voll in diesem Englisch drin.

A: Ja, schon noch ein bisschen, ja.

F: War’s bei dir so, dass du irgendwann angefangen hast, diesen neuseeländischen Akzent mit zu übernehmen?

A: Also, ich selber weiß es nicht, aber ich wurde auf dem Flughafen für eine Neuseeländerin gehalten, also anscheinend schon, ja. Und ich habe jetzt auch einen Australier getroffen, der mich gefragt hat, ob ich aus Neuseeland bin, also anscheinend…

F: Anscheinend.

A: Anscheinend schon, ja.

F: Genau, dann… wollte ich dich einfach noch fragen, was dir so aufgefallen ist zu… dem Verhältnis vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer und auch von Eltern Kindern, also wie das ist, diese Machtdominanz, wer die hat. Ob dir da was aufgefallen ist?

A: Also, das war bei mir in der Gastfamilie sehr angenehm, aber ich glaube nicht der Normalfall. Ich weiß es nicht. Also, ich habe mich sehr gut mit meiner Gastmutter verstanden. Sie war alleinerziehend und wir haben eigentlich oft einfach am Abend, Donnerstagabend haben wir immer zusammen Project Runway angeschaut und das war weniger Chef und Angestellter sondern halt eher so befreundet. Und die hat mich auch nie irgendwie kontrolliert, ob ich etwas richtig gemacht habe, sie hat mir auch nie etwas vorgeschrieben. Es hieß auch nicht: Ja, dann musst du das und das machen, sonder es war halt einfach… ja, in der Zeit hast du die Kinder. Hat dann manchmal Vorschläge gemacht: Ja, da ist das und das los, da könnt ihr ja hingehen, wenn ihr wollt. Aber es war jetzt nie so, dass es hieß, ich muss irgendwas mit den Kindern machen. Sondern ich habe eigentlich immer selber entschieden, was ich mit den Kindern machen will. Kochen dasselbe. Ich hätte nie kochen müssen, aber ich habe halt immer gekocht, wenn ich dazu gekommen bin, weil man dann… also weil ich dafür bezahlt werde, mein eigenes Abendessen zu kochen, dann koch ich’s gern. Und… klar kamen manchmal Vorschläge von ihr, was man kochen könnte, aber… ich wusste es auch immer. Wenn ich irgendwie schon einen anderen Plan hatte, dann habe ich das gekocht. Also, es war sehr, sehr ausgeglichen, auch mit den anderen Verwandten… war’s dann… ja, zum Beispiel, wenn ich zu irgendetwas nein gesagt habe zu den Kindern, nein, das gibt’s jetzt nicht und dann haben sie jemand anderes gefragt, dann hat der immer die gleiche Antwort gegeben und umgekehrt auch. Das hat super funktioniert.

F: Ich habe bloß Angst, dass das die ganze Aufnahme kaputt macht, aber… das müsste schon gehen. Wie war’s denn mit… was stand da höher, so der einzelne oder mehr die Gemeinschaft? Wie war’s in der Familie? Waren das eher kleine Familien oder zum Beispiel das ganz viele Familienmitglieder zusammenkommen bei Festen? Ist das eher so, dass der einzelne höher steht, oder denkt man eher in der Gemeinschaft, dass die Gemeinschaft wichtiger ist als der Einzelne?

A: Die haben an die Gemeinschaft gedacht, definitiv. Meine Gastmutter hat acht Geschwister. Die teilweise in Amerika und Australien leben, aber die sind ab und zu doch mal alle zusammen gekommen und… ja, das war eine super Gemeinschaft. Also, ich war jedes Mal fasziniert, wenn ich die Familie zusammen gesehen habe, weil die so gut funktioniert haben. Also… ja, die haben eigentlich alles füreinander gemacht.

F: Glaubst du, dass eher, die, die Männer die dominierende Rolle allgemein im Leben haben, oder die Frauen? Oder ist das eher ausgeglichen?

A: Also, meine Gastmutter war alleinerziehend, da ist es schwierig zu sagen. Die hat sich künstlich befruchten lassen, also, da gab’s auch keinen Mann im Umfeld, die war extra alleine.

F: Wie war’s in deinem Freundeskreis dann?

A: Also, ich fand’s eigentlich ausgeglichen, glaube ich. Jetzt auch im Orchester – okay, da gibt’s natürlich mehr Frauen als Männer – aber, ne, ich fand’s ziemlich. Ah, okay, im Thai-Boxen gab’s außer mir eigentlich nur Typen. Die haben mich nicht behandelt wie ein Mädchen.

F: Okay, aber ich glaube, das würde ich beim Thai-Boxen jetzt auch nicht so…

A: Eben. Weil man geht ja nicht zum Thai-Boxen, um sich wie ein Mädchen behandeln zu lassen. Aber… nein, ich fand’s ziemlich ausgeglichen.


F: Dann… ich hab hier was auf dem Plan, das nennt sich Langzeitorientierung, das ist… Glaubst du, die Neuseeländer, die… sind eher daran orientiert, die Zukunft sicher zu gestalten oder beharren die eher auf Traditionen?

A: Also, ich habe eher das Gefühl, dass die so vor sich hinleben und gar nicht groß darüber nachdenken, sondern einfach so quasi… ja… die machen grad das, was sie machen wollen und dann ist das halt so. Meine Gastmutter war zwar sehr geplant, aber… nein, ich glaube, die leben eher so in den Tag rein und schauen, wie’s so läuft.

F: Also würdest du auch sagen, dass die jetzt eher so sind, dass… die jetzt halt einen Job annehmen, der ihnen passt, aber denn auch gleich künden, kündigen, wenn sie was besseres finden? Oder ist es eher so, dass sie eben diese Sicherheit brauchen, dass so lange sie einen Job haben oder lieber auf der sicheren Seite sind?

A: Das kann ich jetzt nicht wirklich einschätzen. Aber ich habe eher so das Gefühl gehabt, dass wenn die einen Job haben, der ganz gut läuft, dann sind sie mit dem zufrieden und machen den einfach und schauen dann nicht weiter, ob es was besseres auch noch gäbe. So habe ich eher das Gefühl gehabt.

F: Bist du dann direkt nach der Schule nach Neuseeland gegangen?

A: Ich habe noch ein bisschen gearbeitet davor um halt den Flug zu zahlen.

F: Was war denn, als du aus der Schule, als du aus der Schule dann raus bist… hattest du da irgendwelche Pläne für nach Neuseeland was du machen willst? Oder gab’s wirklich in dem Moment nur Neuseeland?

A: Also, ich wollte unbedingt nach Neuseeland. Also ich habe mir dann gedacht, danach vielleicht Grundschullehramt mit Hauptfach Musik, aber… das war mir erstmal alles egal. Auch das Abi war mir total egal, weil ich wollte einfach weg. Unbedingt, also eben schon seit sechs Jahren dann… und da war mir alles andere erstmal egal.

F: Also würdest du auch nicht sagen, dass… aber deine Zukunftspläne – du hast mir erzählt du studierst jetzt internationales Wirtschaftsmanagement –

A: - ingeneurwesen.

F: Also hat sich das aber schon verändert? Ich meine, vorher Grundschullehramt… gab’s da einen bestimmten Grund dafür?

A: Ja, der Hauptgrund ist eigentlich, dass mein Gastonkel grade mit dem Grundschullehramtsstudium fertig geworden ist in Neuseeland und die Jobchancen in Neuseeland da grad so unfassbar gering sind. Und ich halt wirklich den Plan habe auszuwandern, dass ich sag, Grundschullehramt schonmal geknickt. Weil wenn die Neuseeländer da keinen Job kriegen, krieg ich den Job ganz sicher auch nicht. Außerdem ist es mit dem Lehramt im Ausland dann ja eh nicht so leicht. Deswegen bin ich da ganz schnell davon weggegangen, gesagt, okay, ich brauch jetzt irgendwas anderes, das mich vielleicht interessiert, mit dem man aber aus Deutschland raus kann für länger oder immer. Und da bietet sich halt ein Ingenieur ganz gut an.

F: Ja. Und wie war’s mit deiner… deinem sagen wir Weltbild? Hat sich das irgendwie verändert? Die Weltanschauung? Was hältst du jetzt von deiner eigenen Meinung, deiner eigenen Identität? Hat sich das verändert?

A: Ich glaube schon ein bisschen. Also… einfach wie freundlich die Menschen waren. Dass, wenn man die Straße entlangläuft, dass dich fremde Menschen angrinsen und Hallo sagen. Das hat man in Deutschland quasi nie. Und mir ist es jetzt aufgefallen, seitdem ich wieder hier bin mache ich das auch. Ich grinse irgendwelche fremden Leute auf der Straße an. Ganz, ganz selten kommt ein Grinsen zurück und meistens schauen sie einfach nur blöd und denken sich: Hä, was will die eigentlich von mir? Und… das ist auch mit ein Grund, warum ich eigentlich wirklich aus Deutschland raus will, weil hier alles ziemlich kalt ist, die Leute sind auf sich bezogen und denen ist es eigentlich wurscht, was mit den anderen passiert. Und in Neuseeland, die Leute sind so offen und ja… das vermisse ich einfach.

F: Jetzt hab ich mir noch einen Punkt aufgeschrieben hier: Umweltbewusstsein in Neuseeland? Was ist da… ist dir etwas da aufgefallen?

A: Mülltrennung.

F: Ja?

A: Ja, das funktioniert ja… also logisch finde ich die Mülltrennung da nicht. Okay, einen Papiermüll haben sie, das ist ja schonmal lobenswert, aber… das sind leere Dosen mit Glas zusammen…

F: … ja, und Plastik..

A: … und Plastik. Also, das ist von der Mülltrennung, finde ich, ganz, ganz komisch, wobei ich fand, dass die Straßen sauberer sind. Auch was so Zigarettenstummel angeht und sowas. Da raucht ja eh fast keiner, aber da liegen auch nirgendwo Zigarettenstummel rum irgendwie und ich, ja… es schaut natürlich alles viel grüner aus. Vor allem jetzt in Wellington. Also für eine Hauptstadt ist es schon verdammt grün da. Eigentlich alles. Es ist… außer Hamilton ist eigentlich nichts grau.

F: Ja, in Hamilton ist es sehr neblig immer.

A: Hamilton ist einfach keine schöne Stadt, aber… ja, es stehen einfach viel mehr Bäume rum, in der Innenstadt lauter Parks und… ja… das ist schön.

F: Wie war’s mit den anderen Kulturen? Du hast ja auch gesagt, das sind sehr viele. Asiaten, Maori, Weiße, Ausländer, Touristen – wie passt das alles zusammen? Ist das, ist das… unangenehm oder ist das… macht das das einfach aus?

A: Nein, die, die akzeptieren das gegenseitig irgendwie voll. Also ich habe dann auch mit dem Orchester… da gibt’s ja auch alles mögliche. Da waren auch Maoris und Weiße und ganz viele Asiaten. Und da ist es dann nicht so… ich habe ehrlich gesagt erwartet, dass es dann so Grüppchen sind eben, weil, mei, die haben ja irgendwie ein Zusammengehörigkeitsgefühl – ist ja klar, die kommen ja aus derselben Gegend – aber es war gar nicht so. Da sind dann, klar auch Grüppchen, aber halt Freundesgrüppchen, die wo dann zwei Asiaten, ein Maori und drei Weiße drin sind. Also alles bunt durchgemischt und… das fand ich faszinierend, weil ich dachte eigentlich schon, dass das mehr getrennt ist und dass man sich da nicht so verständigen kann, aber… auch andere Freundeskreise, die ich hatte, das war alles wild durcheinander gemixt. Und keiner hat sich irgendwie stören lassen durch…

F: Und als Abschluss würde ich dich jetzt gerne noch fragen… wenn du jetzt von dir selber – wie denkst du von dir? Bist du jetzt mehr Deutsche? Hast du den eindeutigen, neuseeländischen Einschlag? Ich meine, du willst auswandern – bist du schon auf dem besten Weg, zu einem Kiwi zu werden?

A: Also ich glaube leider, dass ich nie ein Kiwi werde. Also ein bisschen deutsch finde ich leider schon. Zum Beispiel das mit der Pünktlichkeit oder so, also das werde ich nie wegkriegen. Neuseeländer sind halt einfach nicht pünktlich und ich halt einfach schon. Das, das wird bei mir nie weggehen. Ich bin auch sehr geizig. Aber… wobei ich lieber bei mir spare, als dann zu sagen: Ne, du kriegst jetzt nichts oder sowas. Und das ist auch, das ist auch etwas sehr deutsches, glaube ich einfach. So sehr aufs Geld zu achten. Das werde ich nie wegkriegen, da bin ich mir sicher. Leider. Aber ja, ich hoffe, dass ich schon ein bisschen was… zum Beispiel diese Offenheit, dass man einfach so nett ist Fremden gegenüber, dass ich das ein bisschen übernehmen kann. Oder vielleicht schon habe ein bisschen. Aber ganz, ganz Kiwi werde ich nie.

F: Leider. Alles klar. Okay. Ich habe dann, glaube ich, doch alles abgearbeitet. Das ging ja richtig schnell dann doch. Dankeschön.

A: Kein Problem.


Probandin 2[Bearbeiten]

F: Gut. Also, ich brauche dieses Interview für ein Projekt über deutsche Au Pairs in Neuseeland. Mehr kann ich dir noch nicht verraten, deine Antworten sollen ja möglichst authentisch bleiben. Du bleibst völlig anonym und ich kann dir später sowohl das Interview aushändigen als auch das fertige Projekt zeigen. Erste Frage: Wie gut war/ist dein englisch? Wie gut kamst du mit der Sprache klar? Konntest du dich gut verständigen?

A: ich hatte keine probleme mich zu verständigen, obwohl mein schulenglisch nicht besonders gut war. In Neuseeland hat sich mein Englisch sehr verbessert. brauchst du's ausführlicher?

F: Nein, das passt. Du antwortest einfach das, was dir als erstes in den Sinn kommt, wenn ich mehr brauche, hake ich nach. Das ist nur der Einstieg Was ist für dich „typisch neuseeländisch“? (z.B. Spontaneität, „Relaxtheit“, Kiwiana, Akzent/Sprache, Linksverkehr, Freundlichkeit/Offenheit, Widerspruch Umweltbewusstsein/ Umweltverschmutzung, Sticheleien gegen Australien)

A: Lockerheit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Segeln, Rugby, Nationalstolz

F: Was fandst du daran gut? Was schlecht?

A: Gut war das man sich gleich wie zu hause fühlt und man schnell und einfach Freunde findet. Schlecht war das die Kiwis nicht besonders direkt sind, ich denke das liegt daran dass sie das für unhöflich halten

F: Warum Neuseeland (und nicht z.B. Australien)?

A: reines Bauchgefühl, aber ich bereue es keine Sekunde

F: Was waren deine Erwartungen? Wurden sie erfüllt?

A: ich habe erwartet mein Englisch zu verbessern, eine andere Kultur kennen zu lernen, Spaß zu haben, mich selber kennen zu lernen, zu reisen. Das hat sich alles erfüllt. Die Erwartungen an das Aupair Leben nicht unbedingt, ich hatte gehofft mehr in die Familie integriert zu werden (was in meiner ersten gastfamilie auch so war) und htte mir vorgestellt mehr zeit mit den kindern als dem bügeleisen zu verbringen

F: Wie lange warst du als Au Pair in Neuseeland?

A: 8 Monate habe ich als Aupair gearbeitet, dann bin ich 2 Monate gereist

F: Was hast du in deiner Freizeit gemacht? Hattest du mehr Kontakt zu „Kiwis“ oder anderen (deutschen) Au Pairs? In der Freizeit und dann auch beim Reisen später.

A: Ich war in meiner Freizeit segeln (mit Kiwis), habe die Nordinsel erkundet (mit deutschen Aupairs), habe mit meiner gastmutter gebacken (Kiwi), war mit freunden feiern, shoppen, am strand im kino (deutsche aupairs)- später beim reisen habe ich ausschließlich mit "internationals" zu tun gehabt und habe den kontakt zu deutschen aktiv vermieden. Wir sind fallschirm gesprungen, waren feiern, wandern, haben karten gespielt (überwiegend shit head), waren am strand, schwimmen haben zusammen gekocht und frisbee oder touch rugby gespielt

F: Warum hast du den Kontakt zu anderen Deutschen vermieden?

A: Weil Deutsche die schreckliche Angewohnheit haben sofort deutsch zu sprechen wenn sie andere deutsche treffen (auch wenn in der gruppe leute sind die kein deutsch sprechen) und so anhänglich sind wenn sie wissen das man auch aus deutschland kommt.

F: Nochmal zurück zur Gastfamilie: Wie war der Tagesablauf in der Gastfamilie? Unterschiede zum deutschen?

A: Ja tagesablauf war anders als ich es gewohnt war. Frühstück, morning tea, lunch (anders als bei uns kein richtiges Mittagessen), afternoon tea und dann dinner (vergleichbar mit dem deutschen mittagessen). Auch das die Kinder jeden Tag zur schule gefahren werden anstatt mit dem schulbus zu fahren ist anders.

F: Hast du noch Kontakt zu deiner Gastfamilie?

A: Ja gelegentlich schreibe ich mit meiner gastfamilie, manchmal skypen wir auch - hayley (meine gastmutter) schickt mir ab und zu bilder von den mädchen

F: Hast du die Gastfamilie gewechselt? Warum? Ging der Wechsel von dir aus oder von der Gastfamilie?

A: ja ich habe die Gastfamilie gewechselt, der Wechsel ging von der Gastfamilie aus weil Kath an Wochenbettdepressionen litt und die Oma der Familie gerade gestorben war.

F: Wie war es für dich danach? Hattest du Schwierigkeiten, eine neue Familie zu finden? Dachtest du daran, das Jahr abzubrechen?

A: Ich hab nicht daran gedacht das Jahr abzubrechen, dafür hat es mir viel zu gut gefallen- Ich hatte keine Schwierigkeiten, schon 2 Tage nach demdem ich angefangen hab zu suchen hab ich mich mit verschieden Eltern getroffen

F: Was waren deine Zukunftspläne vor Neuseeland? Und hinterher?

A: Vorher war das jahr als Puffer zwischen Schule und Uni gedacht um mir klar zu werden was ich studieren möchte, jetzt ist das studium mittel zum zweck um möglichst nach neuseeland oder australien auswandern zu können

F: Wie hat sich deine persönliche Meinung/Einstellung bezüglich anderer Kulturen, Umweltbewusstsein, etc. verändert?

A: Ich bin mir der Wichtigkeit von Umweltschutz bewusst geworden, ich trenne jetzt meinen Müll und ich verzichte auch mal auf das aufdrehen der heizung und zieh stattdessen einen pulli an. Andere Länder und KUlturen haben mich schon immer interessiert, Neuseeland hat den Wunsch zu reisen und neues kennen zu lernen nur verstärkt aber nicht grundsätzlich verändert

F: Nach dem Jahr in Neuseeland - wie siehst du dich selber? Eher deutsch oder kiwi?

A: Als eine gesunde Mischung aus beidem, ich sage jetzt danke wenn ich aus dem Bus steige und ertrage es das mich die leute dafür komisch angucken aber ich bin immer noch in der Lage Leuten meine Meinung direkt zu sagen ohne den Umweg über 5 andere zu gehen

F: Wie war es für dich, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Hattest du Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen oder hast du einfach da weiter gemacht, wo du vor der Abreise aufgehört hattest?

A: Es war sehr schwierig und ich hatte am Anfang viel Streit mit meiner familie. Das Auto fahren viel mir in den ersten Tagen schwer(was ich umgekehrt in Neuseeland gar nicht hatte) und mir sind die deutschen Begriffe nicht immer direkt eingefallen. ich hatte furchtbares Heimweh nach Neuseeland und bin bei meiner familie damit auf Unverständis gestoßen

F: Okay, fast geschafft Was waren deine Beobachtungen zu den "Machtverhältnissen" in Neuseeland, also die Beziehungen zB zwischen Gasteltern und Au Pair, Eltern und Kinder, oder falls du das mitbekommen hast Arbeitgeber - Arbeitnehmer?

A: In meiner Familie galt das ungeschrieben Gesetzt meiner gastmutter: "My house - my rules!"... Damit wusste jedes Aupair wo sie dran war und ich auch. ich war die ausführende Kraft, hatte aber weniig Entscheidungsspielraum. Mit den Kindern konnte ich ganz gut Kompromisse finden, bei den Gasteltern nicht. Das war in der ersten gastfamilie anders, wir saßen abends zusammen und haben den Plan für den nächsten Tag besprochen, sowohl Ella (das Kind) als auch ich hatten Mitspracherechte.

F: Glaubst du die Kiwis sind eher auf Sicherheit in Bezug auf ihre Zukunft bedacht, oder entscheiden sie auch mal spontan etwas, ohne groß über ihre Zukunft nachzudenken?

A: Schwierig, ich glaube das die Kiwis beide Seiten in sich haben... Wenn es um Familien & Karriere planung geht dann sind sie sehr vorsichtig (zumindest war es in meinen Gastfamilien so). Wenn es aber darum geht wo zu abend gegessen wird oder wo es am Wochenende hingeht können die kiwis auch ziemlich spontan sein. Ich würde schon sagen das Kiwis flexibler sind was Entscheidungen und Pläne angeht. Wenn etwas nicht funktioniert dann sind sie eher bereit umzudenken und von vorne anzufangen als die Deutschen

F: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft und zwischen Männern und Frauen?

A: Ich hatte immer den Eindruck das Kiwis sehr auf die Gemeinschaft bedacht sind, das zeigt sich ja auch in ihrer Wesensart. Kiwis sind ja (meiner Meinung nach) im Grunde keine egoistischen Menschen, sie sind sehr aufeinander bedacht. Ich hatte immer den Eindruck das Männer und Frauen in Neuseeland eher gleich berechtigt sind als in Deutschland, aber das kann ich nicht genau beantworten. Wichtig ist jedoch das man erkennt, dass obwohl die Maori sehr viel besser dastehen als "Ureingeborene" anderswo (zB. Australien), sie immer noch zu den Ärmsten in der Bevölkerung gehören und den größten Teil der Arbeitslosen ausmachen. Das fand ich in einem Land das so offen und so bemüht um die kulturelle Gleichberechtigung ist sehr schade

F: Letzte Frage: Sind die Kiwis eher Langzeit-/zukunftsorientiert oder hängen sie Traditionen nach (kurzzeitorientiert)?

A: Ich glaube das die Kiwis das miteinander verbinden. Sie sind sich ihrer reichhaltigen Kultur bewusst und denken trotzdem sehr fortschrittlich

F: Alles klar. Dann danke ich dir für deine Zeit Hast mir sehr geholfen


Probandin 3[Bearbeiten]

F: Super Gut. Also, ich brauche dieses Interview für ein Projekt über deutsche Au Pairs in Neuseeland. Mehr kann ich dir noch nicht verraten, deine Antworten sollen ja möglichst authentisch bleiben. Du antwortest einach das, was dir als erstes in den Sinn kommt. Du bleibst völlig anonym und ich kann dir später sowohl das Interview aushändigen als auch das fertige Projekt zeigen. Erste Frage: Wie gut war/ist dein englisch? Wie gut kamst du mit der Sprache klar? Konntest du dich gut verständigen?

A: Ich hatte in der Schule keinen Englisch LK, aber ich war eigentlich schon immer recht flüssig, da wir Verwandte in den Staaten haben. Als ich aber am ersten Tag ankam und schon nur "Good Morning" gesagt habe, wusste man sofort, dass ich Deutsch war, was mich ziemlich schockiert hat. An sich kam ich aber gut mit der Sprache zurecht und nach ein paar Monaten hat man meinen deutschen Akzent kaum noch gehört. Ich muss allerdings sagen, dass mit anfangs die Redewendungen nicht so geläufig waren (zB SHe'll be alright oder dergleichen). Das hat sich aber, je länger ich da war, echt verbessert.

F: Was ist für dich „typisch neuseeländisch“? (z.B. Spontaneität, „Relaxtheit“, Kiwiana, Akzent/Sprache, Linksverkehr, Freundlichkeit/Offenheit, Widerspruch Umweltbewusstsein/ Umweltverschmutzung, Sticheleien gegen Australien)

A: Uff, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube das charakteristischste ich für mich, dass die Kiwis wirklich weltoffen sind und ich (meistens jedenfalls) mit offenen Armen empfangen. Außerdem sind die Neuseeländern so easy- going, da bin ich manchmal (grade jetzt in der Klausurphase) echt neidisch drauf...

F: Ja, das ist auch eine, die mich sehr stark beschäftigt, weil man auf einmal beurteilen soll, was man ein Jahr lang als ganz selbstverständlich erlebt hat Was fandst du daran gut? Was schlecht?

A: Gut fand ich, dass man sich nicht wirklich wie ein "Ausländer" gefühlt man. Überall, wo man hinkam wurde man gefragt,wie es einem geht, ob man Hilfe braucht, ob man sich gut zurecht findet un im Gegensatz zu den Floskeln, die einem hier oft entgegengebracht werden, war das Interesse dahinter in den allermeisten Fällen wirklcih ernst gemeint, das fand ich sehr beeindruckend. Schlecht.... fand ich eigentlich nichts an den Punkten, die ich jetzt gesagt habe (das klingt jetzt total bescheuert, ich weiß). Darf ich da auch was Allgemeines sagen, was vielleicht nicht unbedingt typisch ist?

F: Ja, sicher

A: ALso ich hatte ja ein bisschen Pech in meiner ersten Familie und ich finde, dass die Politik wenn es um Kinder geht vielleicht etwas zu easy- going ist. Es ging da ja auch um Gewalt gegen die Kinder und meine damalige Gasttochter meinte zu mir, dass sich bevor sie 14 (???) ist, sich nicht selbstständig an eine Art Jugendamt wenden kann. Ihre Eltern lebten getrennt und ihr Vater wusste was zu Hause los ist, aber niemand hat wirklich etwas dagegen gemacht. Das fand ich persönlich sehr erschreckend. Aber gut, das war jetzt auch ein extrem Beispiel...

F: Ich hatte doch eher immer den Eindruck, dass die Kinder in NZ sehr hoch stehen. Aber gut, das kommt wohl auf die einzelnen Familien an... Ich komm gleich nochmal auf die Familie zurück. Warum Neuseeland (und nicht z.B. Australien)? Was waren deine Erwartungen? Wurden sie erfüllt?

A: Das ist bei mir mehr ne familiäre Sache. Englischsprachiges Ausland wollte ich auf jeden Fall, da schon kalr war, dass ich Englisch auf Lehramt studieren werde. Groß Britannien war mir schlicht und ergreifend zu nah, da komme ich ja auch so noch hin. In Amerika haben wir ja Verwandte, also kann ich auch da eher noch hin. In Australien waren mir dann zu viele Kriechtiere und dann blieb quasi nur noch Neuseeland. Außerdem war es immer der größte Wunsch von meinem Opa nach Neuseeland zu kommen und nach seinem Tod habe ich seinen Reiseführer bekommen, weil der Meinung war, dass ich von allen Enkeln "verrückt" genug bin, das zu machen. Und im Endeffekt hätte ich keine bessere Entscheidung treffen können!

F: Hattest du eine bestimmte Vorstellung vom Land, den Leuten und/oder der Kultur, die sich dann bestätigt hat?

A: Nicht wirklich. Was man natürlich kannte, war die tolle Umgebung (schon alleine aus den Herr der Ringe Filmen und den Chroniken von Narnia) und das hat sich total bestätigt. Außerdem hatte ich ein kleines bisschen Vorwissen über die Kultur der Maori, das sich dann noch ausgebaut hat.

F: Wie lange warst du als Au Pair in Neuseeland?

A: Ich wollte ursprünglich nur ein halbes Jahr bleiben, bin dann aber, weil ich so begeistert war 11 Monate geblieben.

F: Was hast du in deiner Freizeit gemacht? Hattest du mehr Kontakt zu „Kiwis“ oder anderen (deutschen) Au Pairs?

A: Ich hatte eine kleine Gruppe an europäischen Au Pairs, mit denen wir Wochenendausflüge gemacht haben, aber den größten Teil meiner Freizeit habe ich entweder mit der Gastfamilie oder deren Freunden verbracht oder aber mit den Mädels aus einem Zumba-Kurs, den ich dort besucht habe. Das waren das größtenteils Neuseeländer.

F: Wie war der Tagesablauf in der Gastfamilie? Unterschiede zum deutschen?

A: Wir haben gemeinsam gefrührückt und dann habe ich die Kinder für die Schule oder den Kindergarten fertig gemacht und dort hingebracht. Wenn alle drei weg waren habe ich den Haushalt gemacht, meistens habe ich aber die Kleinste (3 Jahre) da gehabt. Da habe ich mich dann oft mit anderen Au Pairs zum Playdate verabredet oder bon mit ihr in den Zoo gefahren, zum Schwimmen und was sich alles so angeboten hat. Nach dem Lunch wars oft Zeit die beiden Großen (4 und 7) abzuholen und nachmittags haben wir viel zusammen gemacht: Sei es Basteln, zum Strand gehen oder solche Kleinigkeiten. Abends gab es dann essen und damit war mein Tag meistens dann auch schon zu Ende. Große Unterschiede zu einem deutschen Tagesablauf gab es da aber nicht..

F: Hast du noch Kontakt zu deiner Gastfamilie?

A: Ja regelmäßig! Wir verstehen uns wirklich super und ich habe mich in der Familie wie ein Familienmitglied gefühlt und den Eindruck habe ich jetz auch noch. Wir senden uns regelmäßig Kleinigkeiten per Post und alles neue wird üebr WhatsApp geteilt. Mit etwas Glück besteht sogar die Möglichkeit, sie im Mai wiederzusehen, das wäre toll!

F: Also planst du eine Rückkehr nach Neuseeland?

A: Das auf längere Sicht auch, aber meine Gastfamilie besucht im Mai einen Teil ihrer Familie in England und entweder wir treffen uns dort oder sie machen einen Zwischenstop in Deutschland.

F: Hast du die Gastfamilie gewechselt? Warum? Ging der Wechsel von dir aus oder von der Gastfamilie?

A: Ja, ich musste leider wechseln. Ich hatte das ja vorhin schonmal angerissen. Also meine erste Gastmutter war eine geschiedene Mutter von zwei Kindern. Die Kinder waren bei ihr und sie hat "fragwürdige" Erziehungsmethoden gehabt und ihre Kinder unter anderem auch geschlagen. Prinzipiell muss ja jeder selbst wissen, wie er seine Kinder erzieht und als Au Pair sollte man sich dem ja immer anpassen, aber irgendwo sehe ich da eine klare Grenze. Sie hat halt auch von mir erwartet, mit den Kindern genauso grob umzugehen und das konnte ich mit mir absolut nicht vereinbaren. Dazu kam, dass ich mich in der Familie absolut nicht willkommen gefühlt habe. Ich musste alles machen, inklusive dem kompletten Haushalt und meine Gastmutter hat einfach nichts gemacht, und das obwohl sie keine Arbeit hat. Zusammengefasst kam ich mir halt irgendwie vor, wie eine günstige Putzkraft mit 24/7 Arbeitszeit. Irgendwann ist sie mir gegenüber mal total ausgerastet, dass ich mich nachts eingeschlossen habe, weil ich echt Angst hatte vor ihr und da hab ich mir dann gesagt, dass irgendwo mal Schluss. Ich war aber auch nicht das einzige Au Pair, dem es so ging, ich bin im August gekommen und vor mir haben schon, ich glaube 6 oder 7 andere Au Pairs das Handtuch geworfen...

F: wie war es für dich danach? Hattest du Schwierigkeiten, eine neue Familie zu finden? Dachtest du daran, das Jahr abzubrechen?

A: Ich habe meine zweite Gastfamilie kennengelernt und sie haben sich sofort für mich entschieden, weil es einfach gepasst hat (das sieht man ja auch heute noch). Leider hat meine erste Gastmutter dann eine ziemliche Schlammschlacht angefangen und erzählt, dass ich die Kinder alleine gelassen hätte und geschlagen und dergleichen, sodass ich fast aus dem Programm rausgeflogen wäre, was dann aber durch Pukeko mit Marinas Hilfe zum Glück nicht passiert ist. Nach zwei Wochen war dann alles über die Bühne und ich habe meine alte Gastfamilie danach nie wieder gesehen und meine Zeit einfach genossen. Abbrechen kam für mich aber, dank der Unterstützung vor Ort nicht in Frage.

F: Was waren deine Zukunftspläne vor Neuseeland? Und hinterher?

A: Ich wollte nach dem Aufenthalt Mathe und Englisch auf Lehramt studieren, was auch Gott sei Dank alles geklappt hat. Was allerdings dazu kam, ist das Interesse irgendwann eine Anstellung in Neuseeland zu finden und quasi "for good" zurückzugehen.

F: Wie hat sich deine persönliche Meinung/Einstellung bezüglich anderer Kulturen, Umweltbewusstsein, etc. verändert?

A: Da muss ich erstmal nach denken jetzt... Ich glaube dieses weltoffene Lebensgefühl hat mich im Bezug darauf schon verändert. Oft kennt man ja die üblichen Vorurteile, die herumgehen über bestimmte Kulturen und mal selbst als "Fremdling" in eine neue Kultur zu kommen und so warm empfangen zu werden, das prägt einen schon und das möchte man acuh gerne weiter geben.

A: *auch

F: Was waren deine Beobachtungen zu den "Machtverhältnissen" in Neuseeland, also die Beziehungen zB zwischen Gasteltern und Au Pair, Eltern und Kinder, oder falls du das mitbekommen hast Arbeitgeber - Arbeitnehmer?

A: Also zwischen Eltern und Au Pair in meiner zweiten Familie war es sehr ausgeglichen. Klar, ich hatte meine Aufgaben zu erfüllen, aber ich habe mich, was die Kindererziehung angeht auf einem Level mit den Eltern gefühlt. Wenn ich zB ne halbe Stunde off Bed- Time gegeben habe, dann wurde das auch ohne zu Hinterfragen in die Tat umgesetzt. Dadurch wussten natürlich auch die Kinder, dass ich schon was zu sagen habe und nicht nur die Blöde bin, deren "Drohungen" ja eh nie wahr gemacht werden. Zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann ich leider nicht so viel sagen. Ich habe nur ein recht freundschaftliches Verhältnis wahrgenommen

F: Glaubst du die Kiwis sind eher auf Sicherheit in Bezug auf ihre Zukunft bedacht, oder entscheiden sie auch mal spontan etwas, ohne groß über ihre Zukunft nachzudenken?

A: Ich finde es ausgeglichen. Sie entscheiden spontan, so hat meine Gastmutter zum Beispiel als ich gegangen bin, ihren Job gekündigt, weil sie kein anderes Au Pair mehr wollte. Andererseits hätte sie das aber nicht gemacht, wenn der Job meines Gastvaters nicht ausgereicht hätte, die Familie durch zu bringen

F: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft und zwischen Männern und Frauen?

A: Man sieht ganz deutlich den Ursprung der Maori- Kultur: Jedes Mitglied einer Gemeinschaft wird wertgeschätzt und bekommt auch das Gefühl eine wichtige Position zu haben. Wer sich querstellt, bekommt natürlich kurzzeitige "Strafen", aber die Kiwis sind nicht nachtragend, finde ich. Wenn du dich ehrlich entschuldigst bist du wieder dabei. Zwischen Männern und Frauen kann ich das jetzt gar nicht so genau sagen, da habe ich fast nichts mitbekommen...

F: Letzte Frage: Sind die Kiwis eher Langzeit-/zukunftsorientiert oder hängen sie Traditionen nach (kurzzeitorientiert)?

A: Da kann ich jetzt ehrllich gesagt nicht so viel mit anfangen. Ich finde, dass sie zum einen sehr stolz auf ihre Kultur sind (als bekanntest Beispiel hat man ja den Haka) und dass sie auch sehr vertraut sind mit dieser, egal ob sie Maoris sind oder nicht. Aber andererseits, vom politischen her schaut man glaube ich schon eher auf das, was die Zukunft bringen mag. Das kann ich aber leider echt nicht so genau einschätzen...

F: Macht nichts, du hast mir so schon sehr geholfen. Vielen, vielen Dank für deine Zeit und die Beantwortung der Fragen!


Probandin 4[Bearbeiten]

F: Gut, also, ich brauche dieses Interview für ein Projekt über deutsche Au Pairs in Neuseeland. Mehr kann ich dir noch nicht verraten, deine Antworten sollen ja möglichst authentisch bleiben. Du bleibst völlig anonym und ich kann dir später sowohl das Interview aushändigen als auch das fertige Projekt zeigen. Du schreibst mit einfach, was dir als erstes in den Sinn kommt und sollte ich mehr brauchen, hake ich nach. Danke auch schonmal, dass du mitmachst Erste Frage: Wie gut war/ist dein englisch? Wie gut kamst du mit der Sprache klar? Konntest du dich gut verständigen?

(...)

A: bevor ich nach neuseeland gekommen bin, hatte ich eig eher den eindruck dass mein englisch nicht so gut ist, wobei meine gastmama dann meinte, dass mein eenglisch sehr gut ist und dass ich wahnsinnig viel verstehe und dass sie sich eigentlich garnicht verstellen muss wenn sie mit mir spricht, also iwie langsamer sprechen muss oder so

A: ich hatte garkeine probleme mich zu verständingen, weil das neuseeländische englisch eine sehr reine aussprache besitzt ich wurde auch oft gefragt ob ich aus kanada komme, aufgrund meiner aussprache

F: Was ist für dich „typisch neuseeländisch“? (z.B. Spontaneität, „Relaxtheit“, Kiwiana, Akzent/Sprache, Linksverkehr, Freundlichkeit/Offenheit, Widerspruch Umweltbewusstsein/ Umweltverschmutzung, Sticheleien gegen Australien)

A: die absolute freundlichkeit und relaxtheit. ich habe es in neuseeland so genossen, dass nicht immer alles so schnell gehen muss und sie sind auch unheimlich hilfsbereit. wenn man iwie etwas verzweifelt auf der straße etwas geuscht hat, hat es keine 2 sekunden gedauert, dann wurde man schon angesprochen, ob man hilfe braucht außerdem liebe ich das chillige der neuseeländer, einfach ständig ohne schuhe rumlaufen,...

A: den akzent liebe ich, es ist eine wahnsinnig schöne aussprache

F: Was fandst du daran gut? Was schlecht?

A: an neuseeland?

F: Ja, und an diesen typischen Dingen

A: also ich fande die gastfreundschaft, die fröhlichkeit und die relaxtheit absolut spitze. ich glaube es gibt selten ein land, in dem alle menschen so freundlich sind wie in neuseeland direkt etwas schlechtes kann ich garnicht finden, es gibts nichts was mir an den gewohnheiten nicht gefallen hätte

F: Warum Neuseeland (und nicht z.B. Australien)? Was waren deine Erwartungen? Wurden sie erfüllt?

A: meine traum war es immer schon, einmal nach neuseeland zu fliegen, woher dieser traum kommt weiß ich allerdings garnicht so genau. ich glaube mich hat es vorallem fasziniert, dass das land so viel zu bieten hat, berge, meer, eine wunderschöne landschaft und dann wollte ich mir nach dem abi unbedingt eine auszeit nehmen und somit hat sich neuseeland angeboten.kurzzeitig habe ich dann mal an australien gedacht, aber mir war neuseeland vom klime, der landschaft und den leuten lieber und vorallem hasse ich spinnen und schlangen, somit ist australien der horror für mich

F: Wie lange warst du als Au Pair in Neuseeland?

A: ich war 5 monate au pair und bin dann noch 3 wochen um die südinsel greist

F: Was hast du in deiner Freizeit gemacht? Hattest du mehr Kontakt zu „Kiwis“ oder anderen (deutschen) Au Pairs?

A: ich war in meiner freizeit viel reisen. ich habe während meiner au pair zeit viel auf der nordinsel unternommen und danach eben auf der südinsel. ich muss leider zugeben, dass ich mehr kontakt zu deutschen au pairs hatte, ales zu kiwis, da ich einige au pairs schon vor neuseeland kannte

F: Wieso "leider"?

A: ich hätte gerne mehr kontakt zu kiwis gehabt, aber das hat iwie nicht so geklappt. meine anfangszeit in neusseland war nicht einfach, da ich anfangs ziemliche probleme mit meiner gastmama hatte und dann war es angenehmer, mit deutschen mädels über die probleme zu reden und somit war der kontakt zu den kiwis iwie nicht so da

F: Wie war der Tagesablauf in der Gastfamilie? Unterschiede zum deutschen?

A: ich habe morgens das frühstück für den kleiner hergerichtet und habe ihn dann für den kindy fertig gemacht und hab ihn dann auch dort hin gebracht. tagsüber hatte ich dann mehr oder weniger frei bzw musste die hausarbeit erledigen und nachmittags den kleinen wieder abholen und ihn beschäftigen bis die gastmama wieder da war. ich kann nicht wirklich beurteilen, wie sich der tagesablauf der kiwis zu dem der deutschen unterscheidet, da ich nicht wirklich ins familieleben integriert war. ich war au pair bei einer alleinerziehenden mama, die den ganze tag in der arbeit war und als sie dann zu hause war wollte sie anfangs alleine sein und hat mich mehr oder weniger in mein zimmer "geschickt".

F: Aber du warst die fünf Monate über in derselben Familie? Hat sich das später geändert, oder war euer Verhältnis eher immer so distanziert?

A: jap, ich war die ganze zeit in der gleichen familie. ich habe anfangs überlegt zu wechseln, weil ich einfach nicht glücklich in der familie war, da ich mir eig erhofft hatte dort ein zweites zu hause zu finden und stattdessen hatte ich eine gastmama, die nicht wirklich was mit mir zu tun haben wollte. jedoch ist mir der kleine so ans herz gewachsen, dass ich die familie nicht gewechselt habe, sondern von ursprünglichen 9 moanten als au pair auf 5 monate au pair verkürzt habe. das verhältnis zu meiner gastmama hat sich jedoch sehr gebessert und am schluss war das verhältnis sogar sehr gut. es war einfach das problem, dass sie unheimliche probleme damit hatte, sich auf neue menschen einzulassen und denen zu vertrauen und mein vörganger au pair wollte ebenfalls keine kontakt zur gastmama und somit war sie es auch nicht gewohnt, dass ich das plötzlich schon möchte.

A: zum schluss haben wir uns dann jedoch sehr gut verstanden und es war eine schöne zeit dort

F: Hast du noch Kontakt?

A: gelegentlich, da meine gastmama eine wahnsinnige buisness woman ist und für nichts und niemanden zeit hat. das war in neuseeland schon immer so, dass sie wahnsinig beschäftigt ist und immer vergisst sich zu melden

F: Was waren deine Zukunftspläne vor Neuseeland? Und hinterher?

A: meine zukunftspläne vor neuseeland waren ein studium zu beginnen, jedoch wusste ich nicht welches. ich konnte mir auch durchaus vorstellen für längere zeit in nz zu leben, aber da mein start so misslungen war, habe ich diesen plan auf eis gelegt. meine pläne hinter waren ebenfalls ein studium zu beginnen und so schnell wie möglich wieder zurück nach neuseeland zu kommen

F: Wie hat sich deine persönliche Meinung/Einstellung bezüglich anderer Kulturen, Umweltbewusstsein, etc. verändert?

A: ich bin immer schon sehr offen für andere kulturen, da ich wahnsinnig an anderen traditionen und lebensweisen interessiert bin meine einstellung bezüglich des umbeltbewusstseins hat sich durch neusseland nicht wirklich geändert

F: Wie war es für dich, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Hattest du Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen oder hast du einfach da weiter gemacht, wo du vor der Abreise aufgehört hattest?

A: ich fand es anfnags schrecklich. alle haben wieder deutsch geredet, die typische deutsche unfreundlichkeit, die stressige lebensweise und es ging der "ernst des lebens"los, da ich ein studium beginnen wollte und das viel mir nach einem jahr pause und völligem leben genießen ziemlich schwer

A: ich habe schon ein bisschen gebraucht mich wieder einzuleben

F: Was waren deine Beobachtungen zu den "Machtverhältnissen" in Neuseeland, also die Beziehungen zB zwischen Gasteltern und Au Pair, Eltern und Kinder, oder falls du das mitbekommen hast Arbeitgeber - Arbeitnehmer?

A: also zwischen au pair und gasteltern konnte ich fast nur positives mitnehmen. klar gab es einige familie, die ihr au pairs schlecht behandelt haben, aber ich denke die gibt es überall. ich habe jedoch schlechte erfahrungen zwischen au pair agentur und au pair mitbekommen für die agenturen war die au pairs minderwärtig und die familie standen im fokus. als au pair bekam man keinerlei unterstützung von den organisatione, sonden man war immer der dumme und die gastfamilien waren die besten

A: verstehst du was ich meine das machtverhältnis zwischen arbeitnehmen und arbeitsgeben habe ich leider nicht mitbekommen (…)

A: bei eltern kinder war es oft so, dass die kinder ziemlich viel durften. es hieß zwar oft nein, aber wenn die kinder dann noch ein zwei mal bitte gesagt haben, hieß es doch irgendwann ja

F: Ja, verstehe ich. Dnake (…)

F: Glaubst du die Kiwis sind eher auf Sicherheit in Bezug auf ihre Zukunft bedacht, oder entscheiden sie auch mal spontan etwas, ohne groß über ihre Zukunft nachzudenken?

A: ich denke kiwis entscheiden viel spontan, eben auch wegen ihrer gelassenheit und der wahnsinnigen lebensfreude. ich denke dass sie viel entspannter leben als die deutschen zb

F: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft und zwischen Männern und Frauen?

A: das verhätnis ziwschen einzelnem und gemeinschaft ist sehr hilfsbereit und freundlich. ich habe nur positive erfahrungen gemacht und bin wahnsinnig begeistert vom zwischenmenschlichen verhalten die menschen nehmen dich auf als würden sie dich schon immer kennen und stehen immer mit rat und tat zur seite das verhältnis zwischen mann und frau ist identisch zu dem in deutschland es herrscht gleichberechtigung

F: Würdest du sagen, dass der Einzelne höher geschätzt wird oder die Gemeinschaft?

A: schwierige frage, ich denke dass dort grundsätzlich gilt, einer für alle und alle für einen. ich denke nicht dass es unterschiede gibt, wer höher geschätzt wird

F: So, jetzt aber letzte Frage Sind die Kiwis eher Langzeit-/zukunftsorientiert oder hängen sie Traditionen nach (kurzzeitorientiert)?

A: ich denke von beidem ein bisschen. die kiwis legen viel wert auf tradition und schätzen alte werte, jedoch gehen sie auch mit der zeit und sind zukunftsorientiert

F: Alles klar. Dann sag ich vielen, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten!!!


Probandin 5[Bearbeiten]

F: Gut. Also, ich brauche dieses Interview für ein Projekt über deutsche Au Pairs in Neuseeland. Mehr kann ich dir noch nicht verraten, deine Antworten sollen ja möglichst authentisch bleiben. Du bleibst völlig anonym und ich kann dir später sowohl das Interview aushändigen als auch das fertige Projekt zeigen. Danke schon mal fürs mitmachen Du antwortest einfach das, was dir als erstes in den Sinn kommt, wenn ich mehr brauche, hake ich nach. Erste Frage: Wie gut war/ist dein englisch? Wie gut kamst du mit der Sprache klar? Konntest du dich gut verständigen?

A: Sehr gut ich spreche fließend und kann mich auch auf schwierigem Terrain verständigen

F: Was ist für dich „typisch neuseeländisch“? (z.B. Spontaneität, „Relaxtheit“, Kiwiana, Akzent/Sprache, Linksverkehr, Freundlichkeit/Offenheit, Widerspruch Umweltbewusstsein/ Umweltverschmutzung, Sticheleien gegen Australien)

A: Um den heißen Brei reden statt Nägel mit Köpfen machen, Schafe und Kühe, Ladenschluss um 5, tea ist dinner

F: Was fandst du daran gut? Was schlecht?

A: Am typisch neuseeländischen?

F: Genau

A: Also darum den heißen Brei reden hat mich wahnsinnig gemacht Schafe und Kühe sind ja Alltag Ladenschluss hat much bei meinen Arbeitszeiten nicht betroffen weil ich immer drüber hinaus gearbeitet hatte und war mir somit egal Und tea war am Anfang verwirrend aber am Ende hab ich es auch gesagt

F: Warum Neuseeland (und nicht z.B. Australien)?

A: Ich spiele rugby das war mein Hauptgrund, dass ich da spiele Und ich lebe mit meiner Mama alleine und bräuchte Abstand und zwar soweit wie möglich

F: Was waren deine Erwartungen? Wurden sie erfüllt?

A: Ich hatte mir mehr vorgestellt teil einer Familie zu sein und habe auch viel versucht teil dieser zu sein aber ich wurde nicht wirklich als Teil wahrgenommen sondern eher als Angestellte gesehen wurde

F: Wie lange warst du als Au Pair in Neuseeland? Wo?

A: 8 Monate als au pair aber ein jahr insgesamt

F: In Auckland oder woanders?

A: In new Plymouth

F: (…) Was hast du in deiner Freizeit gemacht? Hattest du mehr Kontakt zu „Kiwis“ oder anderen (deutschen) Au Pairs?

A: Gemischt durchs rugby Aber unternommen hab ich mehr mit au pairs

F: Wie war der Tagesablauf in der Gastfamilie? Unterschiede zum deutschen?

A: Also im familiären nicht Aufstehen frühstücken kind in kindy kind abholen bespaßen baden Abendessen Bett und irgendwo drin noch haushalt

F: Hast du noch Kontakt zu deiner Gastfamilie?

A: Nein

F: Warum nicht? (…)

A: Weil man auf unfairste weise das Arbeitsverhältnis beendet hat und sich wegen Missmanagement des eigenen haushalts auch finanziell übernommen hat

F: Hast du die Familie dann gewechselt?

A: Ich hatte nur noch drei Monate und der Job im Restaurant den hatte ich schneller als ne neue familie

F: Hattest du überhaupt mit dem Gedanken gespielt, nochmal Au-pair zu machen oder wolltest du dann gar nicht mehr?

A: Das war schon meine zweite Familie nachdem sich die erste kurz nach meiner Ankunft für Krippe gegen mich entschied und ich hätte. Nicht in Taranaki bleiben können Tendenziell wollte ich das nicht noch mal machen aber war auch mehr oder weniger wer zu erst kommt mahlt zuerst Und das war das Restaurant

F: Was waren deine Zukunftspläne vor Neuseeland? Und hinterher?

A: Politikwissenschaft zu studieren vorher Ausbildung zur brauerin und mälzerin nachher

F: Warum hat sich das geändert?

A: Ausbildung war mein Plan B vornherein und nach Neuseeland war mir ein Handwerk wichtiger als eine schwammige Wissenschaft Meine Zukunftsperspektive in der lebensmittelbranche ist auch deutlich besser als mit politik

F: Wie hat sich deine persönliche Meinung/Einstellung bezüglich anderer Kulturen, Umweltbewusstsein, etc. verändert?

A: Ich bin offen für Neues davor und danach Umwelt und artenschutz lagen mir schon immer am herzen

F: Wie war es für dich, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Hattest du Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen oder hast du einfach da weiter gemacht, wo du vor der Abreise aufgehört hattest?

A: Da wo ich aufgehört hatte gings weiter nur der Hochsommer aus dem ich kam vermiss ich doch sehr

F: Also keine Schwierigkeiten, dich wieder einzugewöhnen?

A: Nö

F: Was waren deine Beobachtungen zu den "Machtverhältnissen" in Neuseeland, also die Beziehungen zB zwischen Gasteltern und Au Pair, Eltern und Kinder, oder falls du das mitbekommen hast Arbeitgeber - Arbeitnehmer?

A: Alles sollte sich wie auf einer Ebene anfühlen aber meine gastmutter hat mir sehr zu verstehen gegeben dass ich ein minderer Arbeitnehmer bin, das Kind wurde nur mit technischen Geräten ruhig gestellt Mein späterer Arbeitgeber war Inder, alles Männer, und ich für meinen teil möchte mit diesen nicht mehr zusammen arbeiten und stehe jeder Frau in Indien wenigstens in Gedanken bei

F: Glaubst du die Kiwis sind eher auf Sicherheit in Bezug auf ihre Zukunft bedacht, oder entscheiden sie auch mal spontan etwas, ohne groß über ihre Zukunft nachzudenken?

A: Sehr spontan

F: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft und zwischen Männern und Frauen?

A: Gleichberechtigt zwischen Mann und Frau Aber pazifics und Maoris haben einen großen Vorteil den aber nicht jeder von ihnen nutzt Blut ist dicker als Wasser und ethnische Gruppen identifizieren sich über ihre Herkunft

F: Sind die Kiwis eher Langzeit-/zukunftsorientiert oder hängen sie Traditionen nach (kurzzeitorientiert)?

A: Sowohl als auch Maoris eher kurzzeit weiße langzeit

F: So, letzte Frage hast du Pläne zurückzugehen irgendwann oder erst mal nicht?

A: Auf jeden Fall noch mal zum Reisen und wer weiß ob es mich auch beruflich da wieder hinverschlägt

F: Dann sag ich vielen vielen Dank für deine Antworten


Neuseeland[Bearbeiten]

Neuseeland ist mit rund 270 000 km² ein recht kleines Land – vergleichbar mit der Größe des Vereinigten Königreichs –, und dank nur etwa 4,5 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt. 1,4 Millionen davon leben allein in der größten Stadt des Landes, Auckland.

Das aus den beiden Hauptinseln und einer Reihe vorgelagerter Inseln bestehende Land liegt im Südpazifik auf dem pazifischen Feuerring. Vor allem auf der Nordinsel beherrschen Vulkane das Landschaftsbild, während Erdbeben auf beiden Inseln keine Seltenheit sind. Berge und Meer bestimmen das milde, im Norden subtropische, im Rest des Landes gemäßigte Klima.

Um das Jahr 1300 wurde das Land erstmals von den Māori besiedelt, die ihm aufgrund Geologie und Klima den Namen Aotearoa gaben: Land der langen weiße Wolke. 1642 „entdeckte“ der niederländische Seefahrer Abel Tasman das Land, 1769 kartographierte James Cook die Küstenlinien. Um Ländereien und Rechte der Māori zu schützen, wurde 1840 der Treaty of Waitangi abgeschlossen, der jedoch nicht immer eingehalten wurde. Heute setzt sich die Bevölkerung aus Pākehā – Weiße europäischer Abstammung –, Māori, pazifischen Insulanern und Asiaten zusammen, was für einen multikulturellen Schmelztiegel sorgt. Vor allem Auckland zeigt sich von einer internationalen Seite. [1] [2]

Die Neuseeländer – oder Kiwis, wie sie sich selbst nach ihrem Nationalvogel benannt haben – sind ein sehr gastfreundliches, offenes Volk. Sie werden für ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gelobt und mit ihrer entspannten, spontanen Art gewinnen sie schnell Freunde.


Multikulti vs. Kiwi[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Neuseeland ist ein multikultureller Staat. Seine Bevölkerung setzt sich laut dem letzten Zensus von 2013 unter anderem aus 74.0% Europäern, 14.9% Māori, 11.8% Asiaten und 7.4% pazifischen Insulanern zusammen. Interessant an der Prozentzahl der Europäer ist, dass noch im Zensus des Jahres 2006 um die 429 000 Neuseeländer angaben, sich ethnisch als Neuseeländer zu betrachten, während es 2013 nur noch knapp 66 000 waren. Ein Viertel der in Neuseeland lebenden Bevölkerung wurde nicht dort geboren.[3]

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Neuseelands reicht zurück in die Kolonialzeit. Zwischen 1850 und 1870 waren die einzigen Immigranten Briten, was auch an den strengen Immigrationsregulationen lag. Ab den 1870ern wurden verschiedene Gesetzesentwürfe – wie die Asiatic Restriction Bill, 1879 oder des Chinese Immigrants Act, 1881 – verabschiedet, die eine White New Zealand Policy garantieren sollten und es nur wenigen nicht-Britischen Einwanderern erlaubten, in Neuseeland zu siedeln. Dennoch stiegen die Zahlen chinesischer, deutscher und skandinavischer sowie italienischer und französischer Siedler allmählich an.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Immigration eng mit Arbeitslosigkeit assoziiert, was wiederum dazu führte, dass verstärkt lediglich Briten immigrieren durften. Dennoch stiegen im Lauf der Jahre vor allem die Zahlen der pazifischen Insulaner an. Mit der Verabschiedung des Immigration Act 1987 sollte die Immigrationspolitik internationaler und nicht mehr diskriminierend werden. Seitdem ging die Zahl europäischer und amerikanischer Einwanderer stark zurück, während die Zahl asiatischer Immigranten anstieg.[4]

Diese Restriktionen stehen in starkem Gegensatz zu der Weltoffenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die die Probanden in Neuseeland laut der Interviews erfahren haben.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Tourismus spielt in Neuseeland mittlerweile eine große Rolle. Spätestens seit Peter Jacksons Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ zieht es immer mehr Touristen nach „Mittelerde“. Im Jahr 2013 wurden über 2,6 Millionen einreisende Touristen verzeichnet; Grund hierfür war unter anderem die Weltpremiere des ersten Teils der Hobbit-Trilogie in Wellington. Au Pairs reisen mit einem Working Holiday Visa in Neuseeland ein und werden damit zu den Touristen gezählt. Eigene Statistiken für einreisende Au Pairs gibt es nicht, insofern muss man sich nach den aus Deutschland ausreisenden Au Pairs richten: 4,5% der deutschen Au Pairs entscheiden sich für Neuseeland als Zielland (zum Vergleich: Großbritannien gilt als beliebtestes Zielland mit 32,1%). Zu Beachten hierbei ist, dass diese Zahlen nur Au Pairs beinhalten, die über Agenturen vermittelt wurden. Über Au Pairs, die ihre Gastfamilien selbstständig über das Internet und ohne involvierte Agenturen gefunden haben, gibt es keine Statistiken.[5][6]


Deutsche Au Pairs unter sich[Bearbeiten]

Die meisten Au Pairs finden ihre Gastfamilie über Vermittlungsagenturen. Die Bewerbung des Au Pairs wird in der Agentur mit Anfragen von Gastfamilien aus Neuseeland abgeglichen. Stimmen Bewerbung und Gastfamilie weitestgehend überein, erhält das Au Pair die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch mit meist zwei bis drei potentiellen Gastfamilien. Entscheidet es sich für eine, werden die Details direkt abgeklärt, die deutsche Agentur steht nur noch für Rückfragen bereit.

Mit der Ankunft in Neuseeland geht das Au Pair in die Obhut einer Partneragentur vor Ort in Neuseeland über, die von nun an für alle Fragen und Probleme zur Verfügung steht. Je nach Agentur werden dem Au Pair dann verschiedene Möglichkeiten aufgeboten, andere Au Pairs kennen zu lernen. Auckland ist in Neuseeland die Stadt, in der sich die meisten Au Pairs aufhalten, insofern erhalten überwiegend alle Au Pairs zusätzlich zu einer Kontaktliste, über die sie in Eigeninitiative andere Au Pairs treffen können, die Möglichkeit zu „Kennenlerntreffen“ in der Agentur oder zumindest von der Agentur organisiert. Diese finden je nach Agentur im ein- bis zwei-Monatsrhythmus [7] statt oder sogar alle zwei Wochen. [8] [9] Zusätzlich werden auch Ausflugs- und Reisemöglichkeiten angeboten.

Diese Treffen sind nicht obligatorisch. Das Au Pair kann selbst entscheiden, ob es die Möglichkeiten nutzen will. Viele Au Pairs sehen sie jedoch als Gelegenheit, um schnell Kontakte zu knüpfen und jemanden zu haben, der in der fremden, unbekannten Umgebung durch die vertraute Sprache und ähnliche Ansichten und Einstellungen im gleichen Boot sitzt und dieselben neuen Probleme vor sich hat. Der Nachteil ist, dass die meisten Au Pairs aus Deutschland kommen und selten internationale Freundschaften entstehen, sondern rein deutsche.

In den Leitfadeninterviews etwa gab Probandin 1 an, bewusst möglichst wenig Kontakt zu anderen Deutschen gesucht zu haben, um sich komplett auf die Kultur und das Leben in Neuseeland einlassen zu können. Sie mied die angebotenen Au Pair Treffen und unternahm nur selten etwas mit anderen Deutschen. Durch ihre Teilnahme am Auckland Youth Symphony Orchestra und beim Thai-Boxen knüpfte sie Freundschaften mit Neuseeländern, mit denen sie dann den Großteil ihrer Freizeit verbrachte.

Probandin 2 verbrachte ihre Freizeit gleichermaßen mit Deutschen und Neuseeländern, gab jedoch an, gerade auf Reisen den Kontakt zu Deutschen aktiv gemieden und ihre Zeit ausschließlich mit „Internationals“ verbracht zu haben. Als Grund dafür gab sie die negativen Angewohnheiten der Deutschen im Ausland an – etwa andere, nicht-Deutsche mit der Sprachbarriere auszugrenzen.

Probandin 4 empfand ihren überwiegenden Kontakt mit Deutschen, die sie teilweise schon vor dem Aufenthalt kannte, zwar als hilfreich um die Probleme mit ihrer Gastfamilie zu diskutieren, hätte aber gerne mehr Kontakt zu Neuseeländern gehabt.


Das Leben in der Gastfamilie[Bearbeiten]

Tagesablauf[Bearbeiten]

Die Probanden 1 und 2 gaben im Interview an, den Tagesablauf in der neuseeländischen Gastfamilie als sehr verschieden zum deutschen wahrgenommen zu haben, was hauptsächlich an den Mahlzeiten lag.

Hauptmahlzeit in Deutschland ist in der Regel das Mittagessen; Frühstück und vor allem das Abendessen sind kleinere, weniger reichhaltige und kalte Mahlzeiten. Zum Mittagessen kommt in den meisten Fällen die gesamte Familie zusammen, während Frühstück und Abendessen häufig einzeln oder nur teilweise versammelt eingenommen werden. Auch ist es üblich, gerade am Wochenende Freunde und Verwandte entweder zum Essen oder zu einem „Kaffekränzchen“ einzuladen.

In Neuseeland existiert das Mittagessen gar nicht wirklich. Man nimmt zum Lunch kaum mehr als einen kleinen Snack in Form eines Sandwiches oder eines Salats zu sich. Das Frühstück ähnelt dem Deutschen, auch wenn selten beim Bäcker eingekauft wird und man häufiger Eier oder Speck zum Toast brät. Hauptmahlzeit ist das Abendessen, das aufwendig gekocht und mit der ganzen Familie zelebriert wird. Zwischendurch gibt es dank des britischen Einflusses zwei kleinere Pausensnacks, den Morning und Afternoon Tea. Zu beiden Zeiten wird selten tatsächlich Tee getrunken, aber die zwischen Frühstück und Lunch und zwischen Lunch und Abendessen eingehaltenen kleinen Pausen bieten eine willkommene Gelegenheit, den Hunger zwischendurch mit etwas Obst, Keksen, Müsliriegeln oder Chips zu beschäftigen.

Der jeweilige Arbeitsplan der Au Pairs unterscheidet sich natürlich je nach Gastfamilie und Situation, aber die Mahlzeiten sind wegen der festen Kindergarten- und Schulzeiten der Kinder meist penibel festgelegt: Frühstück zwischen sieben und acht, Morning Tea um zehn, Lunch um zwölf, Afternoon Tea nach der Schule gegen halb vier, das Abendessen/Dinner um sechs.

Integration[Bearbeiten]

Damit das Au Pair sich in der Gastfamilie wohlfühlt ist es wichtig, ihm das Gefühl zu geben, ein Teil der Familie und nicht nur Angestellte zu sein. Demnach sollte es aktiv ins Familienleben integriert werden und das nicht nur zur Arbeitszeit.

Probandin 1 machte damit sehr positive Erfahrungen und verbrachte viel ihrer Freizeit mit ihrer Gastmutter, während beispielsweise Probandin 4 gerade zu Beginn ihres Aufenthalts das Gefühl hatte, überhaupt nicht in die Familie integriert zu werden und nach Erledigung ihrer Arbeiten auf ihr Zimmer geschickt wurde.

Wechsel[Bearbeiten]

Nicht immer passen Gastfamilie und Au Pair zueinander, nicht immer lassen sich Probleme miteinander lösen und manchmal entstehen diese Probleme erst mit der Zeit. Ursachen gibt es viele, Lösungen etwas weniger: meist wird dann von einer der beiden Parteien ein Wechsel in Betracht gezogen. Die meisten Vermittlungsagenturen bieten ihren Au Pairs und Gastfamilien einen Wechsel im Preis inbegriffen an, der in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen vollzogen wird.

Drei der Probanden wechselten die Gastfamilie, Probandin 2 auf Wunsch der Gastfamilie in gegenseitigem Einvernehmen, Probandin 3 auf eigenen Wunsch hin. Probandin 2 fühlte sich in ihrer ersten Gastfamilie gut integriert, in der zweiten jedoch beinahe als Haushaltshilfe. Bei Probandin 3 war der Effekt umgekehrt. Einen Abbruch der Zeit als Au Pair zog keine der beiden in Erwägung. Probandin 5 wechselte zweimal die Gastfamilie, entschied sich nach der zweiten Familie jedoch lieber dafür in einem Restaurant zu arbeiten als noch einmal als Au Pair. Grund für das Restaurant war mitunter die Tatsache, dass sie die Arbeit schneller fand als eine neue Stelle als Au Pair. Probandin 4 hingegen dachte über einen Wechsel aufgrund der mangelnden Integration in die Familie nach, verkürzte letztendlich jedoch nur ihren Aufenthalt um vier Monate.


Deutschland vs. Neuseeland – Kulturdimensionen[Bearbeiten]

Um Verstehen zu können was es bedeutet, sich für ein Jahr auf eine völlig neue, fremde Kultur einzulassen, muss geklärt werden, wie fremd diese neue Kultur tatsächlich ist.

Geert Hofstede ist ein niederländischer Experte für Kulturwissenschaften und entwickelte das System der fünf Kulturdimensionen. Jede Kultur kann nach Machtdistanz (PDI), Individualismus/Kollektivismus (IDV), Maskulinität/Feminität (MAS), Unsicherheitsvermeidung (UAI) und Langzeitorientierung (LTO) klassifiziert werden. Diese Kulturdimensionen erleichtern es, Kulturen miteinander zu vergleichen und festzustellen, wo wesentliche Unterschiede herrschen.

Vergleicht man Neuseeland und Deutschland, so fällt auf, dass beide Länder ähnliche Dimensionen aufweisen; der größte Unterschied betrifft die Unsicherheitsvermeidung bei einer Differenz von 16, der kleinste mit 1 liegt bei der Langzeitorientierung. Wichtig zu beachten hierbei ist, dass Kulturen im Allgemeinen zwar diesen Dimensionen entsprechen; einzelne Individuen der jeweiligen Kultur können ihnen jedoch widersprechen. [10] [11] [12]

Machtdistanz[Bearbeiten]

Die Machtdistanz gibt an, wie groß das Bedürfnis nach Hierarchie und wie stark ausgeprägt die Akzeptanz der Machtverteilung ist. Große Werte deuten eine sehr ungleiche Verteilung von Macht an – einige Individuen sind wesentlich mächtiger als andere, was jedoch dennoch geduldet wird. Niedrige Werte wie in der Grafik für Deutschland (35) und vor allem Neuseeland (22) zeigen an, dass es hierarchische Unterschiede in Organisationen gibt, diese jedoch mehr auf Konventionen beruhen. Das Verhältnis zwischen Vorgesetztem und Angestellten ist entspannt, gegenseitiger Austausch wird vorausgesetzt und man kommuniziert viel miteinander, in Neuseeland noch stärker als in Deutschland, wo Vorgesetzte mit etwas mehr Distanz betrachtet werden.

Als Au Pair ist man in erster Linie Angestellte, die Gastmutter – seltener der Gastvater – ist der Chef, es herrscht ein Arbeitsverhältnis. Wie sehr Au Pair und Gastfamilie dieses Arbeitsverhältnis als solches wahrnehmen, hängt von der Integration in die Familie ab.

Ist das Au Pair wenig integriert und wird nur als weitere Person im Haushalt betrachtet, die sich um Kinder und Wäsche kümmert, entsteht der Eindruck eines stark ausgeprägten Arbeitsverhältnisses. Die Gastmutter ist der Chef und gibt Anweisungen, die das Au Pair auszuführen hat. Die Machtdistanz wird so stärker und eher „deutsch“ wahrgenommen – die deutsche Machtdistanz liegt höher als die neuseeländische.

Eine geringere Machtdistanz tritt dann auf, wenn das Arbeitsverhältnis familiärer und freundschaftlicher und das Au Pair weitestgehend zu einem Teil der Gastfamilie wird. Au Pair und Gastmutter schaffen dann ein Arbeitsverhältnis, das zwar auf Regeln und Anweisungen beruht, gleichzeitig Vorschläge und unabhängige Entscheidungen des Au Pairs jedoch fordert und begrüßt.

Die Probanden 1, 3 und 4 aus den Leitfadeninterviews beschreiben die Machtdistanz in Neuseeland in Bezug auf das Verhältnis Gastmutter – Au Pair größtenteils konform zu Hofstedes Kulturdimensionen. Die Au Pairs empfanden sich auf dem Level der Gasteltern, konnten mit ihnen gemeinsam Entscheidungen planen und besprechen und betrachteten ihr Arbeitsverhältnis als angenehm und ausgeglichen. Nach dem Wechsel in eine zweite Gastfamilie erfuhr Probandin 2 einen Wechsel des Arbeitsklimas, als das offene, mitsprachliche Arbeitsverhältnis zu einem durch die Gastmutter vorgegebenen wurde, das wenig Raum für Mitspracherechte bot. Probandin 5 merkte an, das Arbeitsklima sei nur scheinbar auf derselben Ebene; tatsächlich gäbe es eine deutliche Kluft zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Probandin 3 und 4 stellten zusätzlich zum Verhältnis Gastfamilie – Au Pair das Verhältnis zwischen Au Pair und der Vermittlungsagentur als sehr distanziert und die Machtdistanz hoch dar. Die Agentur ist der Machtinhaber mit Kontrolle über das Au Pair und stellt bei Entscheidungen die Gastfamilie über das Au Pair.

Individualismus/Kollektivismus[Bearbeiten]

Individualismus und Kollektivismus definieren eine Gesellschaft nach der Wichtigkeit des Einzelnen und der Gruppe. Je höher der Wert, desto individualistischer ist die Kultur geprägt. Der Einzelne steht im Fokus und sein Handeln richtet sich nach den Vorteilen für sich selbst.

Neuseelands Individualismus-Wert liegt höher als der Deutsche. Interessant ist jedoch, dass die Probanden im Interview Neuseeland wesentlich kollektivistischer eingeschätzt haben, als die Einordnung in der Grafik vermuten lassen würde. Ihre Eindrücke beschreiben die Neuseeländer als stark an der Gemeinschaft orientiert und wenig egoistisch, mit einem ausgeprägten Sinn für Hilfsbereitschaft. Vermutlicher Ursprung ist die Māorikultur, in der Großfamilien keine Seltenheit sind. Pākehā-Familien bestehen in der Regel jedoch nur aus der Kernfamilie.

Maskulinität und Feminität[Bearbeiten]

Die Dimension der Maskulinität und Feminität bezieht sich auf die Tradition, bestimmte Verhaltensweisen als männlich oder weiblich anzusehen. Wettbewerb, Leistung und Erfolg als Faktoren der Maskulinität gelten als Indikatoren für einen hohen Dimensionswert einer Kultur, ein niedriger Wert steht für die Feminität einer Kultur, die Werte wie Hilfsbereitschaft und Lebensqualität hoch einschätzt.

Neuseeland und Deutschland können beide als maskulin orientierte Länder gesehen werden. Persönliche Leistungen werden hoch geschätzt und schon im Schulalter gefördert. Statussymbole sind weit verbreitet.

Unsicherheitsvermeidung[Bearbeiten]

Die Unsicherheitsvermeidung beschäftigt sich damit, wie eine Kultur mit der Unvorhersehbarkeit der Zukunft umgeht. Ein hoher Wert auf der Skala bedeutet, dass die jeweilige Kultur große Anstrengungen unternimmt, sich beispielsweise durch Versicherungen für die Zukunft abzusichern und versucht, die Zukunft zu kontrollieren, um die Angst davor auf ein Minimum zu reduzieren.

Deutschland hat einen sehr hohen Unsicherheitsvermeidungswert von 65, was sich dadurch auszeichnet, dass Entscheidungen lang, systematisch und detailliert durchdacht sind und im Hinblick auf die Auswirkungen getroffen werden. Neuseelands Unsicherheitsvermeidungswert liegt bei 49. Im Hinblick auf die Zukunft bedeutet dies, dass die Neuseeländer zwar sachlich planen, diese Planungen jedoch oft improvisiert und kurzfristig verändern. Neuen Ideen und innovativen Produkten stehen sie aufgeschlossen gegenüber und lehnen es auch nicht ab, Risiken einzugehen. Spontaneität und ein Gefühl der Relaxtheit beherrschen die Einstellung.

Dies ist auch den Probanden aufgefallen. Sie beschreiben die Neuseeländer in den Interviews durchweg als spontan, flexibel und entspannt. Die Bereitschaft zum Umdenken und Neu-Planen ist vorhanden. Andererseits können die Neuseeländer sich jedoch auch damit zufrieden geben was sie haben, und genauso gut zukunftsorientiert und vorausschauend planen, wie sie diese Pläne spontan wieder ändern. Vor allem auf die Familien wird hierbei jedoch Rücksicht genommen.

Langzeitorientierung[Bearbeiten]

Langzeit- und Kurzzeitorientierung einer Kultur geben an, ob die jeweilige Kultur Tugenden und Werte hegt, die auf Vergangenheit und Traditionen oder künftigen Erfolg abzielen.

Mit einer minimalen Differenz sind Neuseeland und Deutschland mit Werten von 31 und 30 laut der Kulturdimensionen nach Hofstede beide kurzzeitorientiert. Inwieweit die Deutschen sich an Traditionen klammern, wenig sparsam sind und ungeduldig schnelle Ergebnisse erwarten sei dahingestellt, die Neuseeländer jedoch sind unbestreitbar eine Kultur mit tief verwurzelten Traditionen und hohen sozialen Anforderungen.

Vor allem die Vielfalt und Reichhaltigkeit an Traditionen der Maorikultur wurde von den Probanden erwähnt. Neuseeland ist ihrer Ansicht nach sehr stolz darauf und orientiert sich daran, sowie an alten Werten wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. In der Politik sei das Land jedoch zukunftsorientiert, denke allgemein fortschrittlich und gehe mit der Zeit.


Akkulturation[Bearbeiten]

"Freiwillige Akkulturation bedeutet eine kulturelle Angleichung an die fremde Gesellschaft. Dies kann im Sinne einer Assimilation zur Aufgabe der eigenen kulturellen Identität führen oder zu erfolgreicher Integration im Sinne der Beibehaltung eigener kultureller Eigenschaften. (…) Sie ist ein Anpassungsprozess, der einsetzt, wenn bereits eine erste kulturelle Identität angeeignet wurde." [13]

Im Hinblick auf die zu Beginn gestellte These sollte nun durch die Leitfadeninterviews herausgefunden werden, inwiefern die obige Definition von Akkulturation bei deutschen Au Pairs in Neuseeland unter Berücksichtigung des Faktors anderer deutscher Au Pairs eintritt. Die ursprüngliche Annahme war, dass die Treffen mit anderen Au Pairs eine erfolgreiche Akkulturation verhindern würden. Dies konnte so nicht bestätigt werden, im Gegenteil: aus den Interviews lässt sich bei allen Probanden eine erfolgreiche Akkulturation ableiten.

Vor dem Aufenthalt in Neuseeland waren alle Probanden bereits in die deutsche Kultur enkulturiert, das heißt, sie hatten eine frühkindliche Sozialisation durchlaufen, waren in die deutsche Kultur hineingewachsen und hatten ihre Grundstrukturen übernommen. Mit der Ankunft in Neuseeland begann der Akkulturationsprozess an die neuseeländische Kultur. [14]

Nach Berry werden vier Arten der Akkulturation im Kulturkontakt unterschieden: Integration, Assimilation, Separation und Marginalität. [15] Integration und Assimilation beschreiben hierbei die Herstellung positiver interkultureller Beziehungen. Während bei der Integration die eigene kulturelle Identität jedoch beibehalten wird, wird sie bei der Assimilation aufgegeben. Separation und Marginalität stellen keine positiven interkulturellen Beziehungen her. Bei der Separation wird allerdings zumindest die eigene kulturelle Identität erhalten. Verläuft der Akkulturationsprozess marginal, wird auch diese abgelegt.

Letztere Akkulturationsarten traten bei keiner der Probanden ein, alle stellten positive interkulturelle Beziehungen zur neuseeländischen Kultur und Lebensart her und integrierten sich.

Während des Aufenthalts kann man beinahe von Assimilation sprechen. Die Probanden lehnten zwar die eigene Kultur nicht radikal ab, tendierten jedoch stark zu einer bereitwilligen Übernahme neuseeländischer Werte und Normen, die teils noch nach der Rückkehr nach Deutschland beibehalten werden. Deutsche Standards werden kritisch betrachtet und zunächst gegen neuseeländische ausgetauscht, wie beispielsweise die Tendenz, Probleme weniger bedrohlich zu sehen und entspannter an ihre Lösung zu gehen oder Dinge wert zu schätzen, die in Deutschland als alltäglich gelten. Das Gastland wird jedoch nicht nur durch eine rosarote Brille gesehen, sondern auch kritisch beurteilt. Gerade im Rückblick auf den Aufenthalt fielen den Probanden auch Kritikpunkte ein, die sie als störend oder negativ empfanden (etwa die in Neuseeland als Höflichkeit gewertete Indirektheit). Daraus entsteht nach der Rückkehr eine größere Tendenz zur Integration und pendelt sich schließlich dort ein. Positive, neuseeländische Werte werden mitgebracht und parallel zu deutschen weiter verwendet, die negativ empfundenen werden abgelehnt.

Dies trat bei allen Probanden gleichermaßen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung auf. Probanden 1 und 2 waren am stärksten an die neuseeländische Kultur assimiliert, was auch durch die großen Probleme bei der Rückkehr nach Deutschland auffiel. Bei Probandin 4 fiel der Prozess der Assimilierung etwas schwächer aus, was an dem verkürzten Aufenthalt und der mangelnden Integration in die Familie gerade zu Beginn ihres Aufenthalts liegen könnte. Probandin 5 tendierte schon während des Aufenthalts weniger zur Assimilation. Das Leben in Neuseeland wurde sehr ähnlich zu dem in Deutschland wahrgenommen und es gab kaum Wiedereingewöhnungsschwierigkeiten nach der Rückkehr. Mit zunehmendem Wieder-Aufenthalt in Deutschland schwächte sich die Ablehnung der eigenen deutschen Kultur wieder ab und der Assimilationsprozess scheint abgemildert im Vergleich zu während des Aufenthalts in Neuseeland. Was auffällt ist, dass diese Prozesse bei allen Probanden ähnlich verlaufen sind, nahezu unabhängig davon, ob sie mehr oder weniger Kontakt zu anderen deutschen Au Pairs hatten oder ihre Gastfamilie wechselten. Zwar ist erkennbar, dass bei Probandin 1 von einer starken Assimilation auszugehen ist und sie Kontakte zu deutschen Au Pairs nahezu vollständig vermied, aber auch Probandin 2 zeigte ausgeprägtes Assmiliationsverhalten und pflegte gleichermaßen Kontakte zu Einheimischen wie Au Pairs. Die Gastfamilienwechsel der Probanden 2, 3 und 5 beeinflussten die Akkulturationsprozesse nicht. Lediglich bei Probandin 4 ist anzumerken, dass statt eines Gastfamilienwechsels der Aufenthalt von der ursprünglichen Dauer von 9 Monaten auf 5 verkürzt wurde. Alle Probanden bis auf Probandin 5 stehen nach wie vor in Kontakt mit ihren Gastfamilien.

Zusammenfassend lässt sich nun sagen, dass das Treffen anderer deutscher Au Pairs bei der Akkulturation an die neuseeländische Kultur nur ein Faktor von vielen ist. Das Leben in der Gastfamilie spielt eine ebenso wichtige Rolle, doch auch Wechsel der Familien führten keineswegs zum Abbruch der Zeit im Ausland. Am bedeutendsten ist für eine gelungene Akkulturation wohl die persönliche Einstellung. Hierbei ist es von Bedeutung, dass Erwartungen, die an das Gastland Neuseeland gestellt wurden, realistisch waren und sachlich betrachtet werden. Ob und inwiefern sie letztendlich erfüllt werden, beeinflusst natürlich die Wahrnehmung des Aufenthalts, aber wichtiger ist, was die Au Pairs aus ihren Erfahrungen und Erlebnissen machen und welche Erinnerungen sie mit zurück nach Deutschland nehmen.


Auswirkungen[Bearbeiten]

Vier der fünf Probanden gaben an (Probandin 1 im Gespräch nach dem Interview, Probanden 2 bis 4 im modifizierten Interview), die Rückkehr nach Deutschland als sehr schwierig empfunden zu haben. Sie litten nach der erfolgreichen Akkulturation an die neuseeländische Kultur unter einem Re-Entry-Schock, da sie sich „durch die neuen Erfahrungen weiterentwickelt und verändert [hatten], während das alte Umfeld die gleiche, unveränderte Person erwartet[e]“[16].

Abgesehen vom Jet Lag barg vor allem das Deutsche Schwierigkeiten. Nach der monatelangen Konfrontation hauptsächlich mit der englischen Sprache im Alltag und Deutsch nur bei Treffen mit anderen Au Pairs oder während der Kommunikation mit den Daheimgebliebenen, war es für die Probanden eine große Umstelllung wieder Deutsch zu sprechen und Deutsch zu handeln. Die deutsche Lebensweise erschien stressig und unfreundlich. Das in Neuseeland Erlebte konnte von den Daheimgebliebenen nicht nachvollzogen werden und stieß auf Unverständnis. Auch das alte Leben neu wieder aufzunehmen war anfangs nicht leicht.

Die größten Auswirkungen des Aufenthalts in Neuseeland bezogen sich bei allen fünf Probanden jedoch auf die jeweiligen Zukunftspläne. Bei fast allen änderten sich die Studiumspläne, aber selbst bei Probandin 3, die nach wie vor Lehramt Englisch/Mathe studieren möchte beziehungsweise mittlerweile studiert, sind diese Pläne nun derart orientiert, dass sie möglichst bald nach Neuseeland zurückkehren kann. Alle fünf planen eine Rückkehr nach Neuseeland; lediglich Probandin 5 gab an, dass eine Rückkehr nur möglich sei, die übrigen vier wollen nach Abschluss ihrer Studien möglichst schnell nach Neuseeland zurück oder gar dorthin auswandern.

Im Hinblick gerade auf die Änderungen der Zukunftspläne wäre es für künftige Fragestellungen nun interessant herauszufinden, ob sich ein Au Pair-Aufenthalt in Neuseeland immer derart drastisch und prägend auf Studiumspläne und Auswanderungsoptionen auswirkt und welche die beeinflussenden Faktoren dahinter sind. Weitere Frageansätze wären, ob sich auch Work and Travel-Aufenthalte oder andere, langzeitige Auslandsaufenthalte auf die Zukunftspläne auswirken und welche Rolle das jeweilige Gastland dabei spielt.


Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.stats.govt.nz/
  2. http://www.newzealand.com/de/
  3. http://www.stats.govt.nz/
  4. Marotta, Vince (2000): „The Ambivalence of Borders: The Bicultural and the Multicultural“. In: Docker, John & Fischer, Gerhard (ed.): Race, Colour & Identity in Australia and New Zealand. Sydney: University of New South Wales Press Ltd, 177-189.
  5. http://www.immigration.govt.nz/
  6. http://www.au-pair-agenturen.de/
  7. http://www.dreamaupair.co.nz/au-pairs-nz/info
  8. http://www.pukeko.biz/Home
  9. https://www.facebook.com/pukeko.aupair?fref=ts
  10. http://geert-hofstede.com/new-zealand.html
  11. http://geert-hofstede.com/germany.html
  12. http://www.to-study-in.de/Hofstede.php
  13. http://www.ikud.de/Akkulturation.html
  14. http://www.ikud.de/Enkulturation.html
  15. Berry, J.W. (1990): „Psychology of acculturation. Understanding individuals moving between cultures“. In: Brislin, R.W. (ed.): Applied cross-cultural psychology. Newbury Park: Sage, 232-253.
  16. http://www.ikud.de/Kulturschock.html

Alle Internetquellen zuletzt abgerufen am: 09. 02. 2014


Wikipedia:Babel
de Diese Person spricht Deutsch als Muttersprache.
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fr-2 Cette personne sait contribuer avec un niveau moyen en français.
ru-1 Этот участник немного понимает русский язык.

IPK im WS 2013/14[Bearbeiten]

Name Studiengang vhb Wiki Thema Forschungsland Homepage Video abgeschlossen
Kursleiterin Eva Sondershaus, M.A. Eva Sondershaus
Spaderna Sabrina LA GS DaF/DaZ Sabrina Spaderna
Peiding Wang BA, DaF/DaZ wangpeiding
Ruppel Eveline BA DaF/DaZ Eveline Ruppel
Friedl Stefanie LA GS DaF/DaZ Stefanie Friedl
Schmitt Johanna BA Ger,DaZ/DaF Schmitt Johanna
Wessely Julia BA DaF/DaZ Julia Wessely
Schauer Teresa LA HS DaF/DaZ Teresa Schauer
Turmanidze Salome BA DaF/DaZ Turmanidze Salome
Shuyun Kong BA Daf Shuyun Kong
Maryna Franchuk BA DaF/DaZ Maryna Franchuk
Lilly Steiglechner LA GS DaF/DaZ Lilly Steiglechner
Sarah Schmid BA DaF/DaZ Philosophie Sarah Schmid
Yvonne Wagenbrenner LA GS, Erw., DaF/DaZ Yvonne Wagenbrenner
Nakhjavan-Hammada Narjes BA DaF/DaZ, Philosophie Narjes Hammada
Alpaslan Tugce LA HS, DAF/DAZ Alpaslan Tugce
Julia Hawuka BA DaF/DaZ Julia Hawuka
Amelie Kraus BA DaF/DaZ Schulpädagogik Amelie Kraus
Stefanie Mayr BA DaF/DaZ Stefanie Mayr
Baltaci Funda LA HS, DaF/DaZ Funda Baltaci
Eladio Saura Estrada BA DaF/DaZ, Ibero Romanistik Eladio Saura Estrada
Dietz Laura BA HF Kunstpädagogik/ NF DaF/DaZ Laura Dietz
Idylle Dominique Chembou De Tsoutezo BA HF DAF DAZ/ NF VWL Idylle Dominique Chembou De Tsoutezo

Wichtige Seiten[Bearbeiten]

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Textgestaltung
Listen und Tabellen
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