Zum Inhalt springen

Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2012)/Vorlesung 3/latex

Aus Wikiversity

\setcounter{section}{3}






\zwischenueberschrift{Die Zariski-Topologie}

In Proposition 2.8 haben wir gezeigt, dass die affin-algebraischen Teilmengen eines affinen Raumes die Axiome für abgeschlossene Mengen einer \definitionsverweis {Topologie}{}{} erfüllen. Diese Topologie nennt man die Zariski-Topologie.




\inputdefinition
{}
{

In einem \definitionsverweis {affinen Raum}{}{}
\mathl{{ {\mathbb A}_{ K }^{ n } }}{} versteht man unter der \definitionswort {Zariski-Topologie}{} diejenige \definitionsverweis {Topologie}{}{,} bei der die \definitionsverweis {affin-algebraischen Mengen}{}{} als abgeschlossen erklärt werden.

}

Die offenen Mengen der Zariski-Topologie sind also die Komplemente der affin-algebraischen Mengen. Sie werden zu einem Ideal ${\mathfrak a}$ mit
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{ D({\mathfrak a}) }
{ =} { { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } \setminus V({\mathfrak a}) }
{ } { }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{} bezeichnet. Die Zariski-Topologie weicht sehr stark von anderen Topologien ab, insbesondere von solchen, die durch eine Metrik gegeben sind. Insbesondere ist die Zariski-Topologie nicht \definitionsverweis {hausdorffsch}{}{.} Generell kann man sagen, dass die offenen Mengen \zusatzklammer {außer der leeren Menge} {} {} in der Zariski-Topologie sehr groß sind \zusatzklammer {siehe Aufgabe 3.12} {} {,} während die abgeschlossenen \zusatzklammer {also die affin-algebraischen Mengen} {} {} sehr dünn sind \zusatzklammer {außer dem ganzen Raum selbst} {} {.}




\inputbeispiel{}
{

Die Zariski-Topologie auf der affinen Geraden
\mathl{{\mathbb A}^{1}_{ K }}{} über einem \definitionsverweis {Körper}{}{} $K$ lässt sich einfach beschreiben. Als \zusatzklammer {Zariski} {} {-}abgeschlossene Teilmenge haben wir zunächst einmal die gesamte affine Gerade, die durch
\mathl{V(0)}{} beschrieben wird. Alle anderen abgeschlossenen Teilmengen werden durch
\mathl{V({\mathfrak a})}{} mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ {\mathfrak a} }
{ \neq }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} beschrieben. Da
\mathl{K[X]}{} ein \definitionsverweis {Hauptidealbereich}{}{} ist, kann man sogar
\mathbed {{\mathfrak a} =(f)} {}
{f \neq 0} {}
{} {} {} {,} ansetzen. Die zugehörige Nullstellenmenge besteht also aus endlich vielen Punkten. Andererseits ist jeder einzelne Punkt $P$ mit der Koordinate $a$ die einzige Nullstelle des linearen Polynoms
\mathl{X-a}{,} also ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ \{P\} }
{ = }{ V(X-a) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} Zariski-abgeschlossen. Eine endliche Ansammlung von Punkten
\mathl{P_1 , \ldots , P_k}{} mit den Koordinaten
\mathl{a_1 , \ldots , a_k}{} ist die Nullstellenmenge des Polynoms
\mathl{(X-a_1) \cdots (X-a_k)}{.} Die Zariski-abgeschlossenen Mengen der affinen Geraden bestehen also aus allen endlichen Teilmengen \zusatzklammer {einschließlich der leeren} {} {} und der gesamten Menge.


}






\bild{ \begin{center}
\includegraphics[width=5.5cm]{ \bildeinlesungjpg {Lineline} {jpg} }
\end{center}
\bildtext {} }

\bildlizenz { Lineline.jpg } {} {Astur1} {Commons} {PD} {}





\inputbeispiel{}
{

Jeder Punkt
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{P }
{ =} { (a_1 , \ldots , a_n) }
{ \in} { { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{} ist \definitionsverweis {Zariski-abgeschlossen}{}{,} und zwar ist
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{P }
{ =} { V(X_1-a_1,X_2-a_2 , \ldots , X_n- a_n ) }
{ } { }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{.} Punkte sind \zusatzklammer {neben der leeren Menge und dem gesamten Raum} {} {} die einfachsten affin-algebraischen Mengen. Das Ideal \zusatzklammer {genannt \stichwort {Punktideal} {}} {} {}
\mathl{(X_1-a_1, X_2-a_2 , \ldots , X_n- a_n )}{} ist \definitionsverweis {maximal}{}{,} siehe Aufgabe 2.2.


}






\bild{ \begin{center}
\includegraphics[width=5.5cm]{ \bildeinlesungpng {IntersectingPlanes} {png} }
\end{center}
\bildtext {Der Schnitt von zwei und} }

\bildlizenz { IntersectingPlanes.png } {} {Stib} {en.wikipedia.org} {CC-BY-SA-3.0} {}






\bild{ \begin{center}
\includegraphics[width=5.5cm]{ \bildeinlesungpng {Secretsharing-3-point} {png} }
\end{center}
\bildtext {von drei Ebenen} }

\bildlizenz { Secretsharing-3-point.png } {} {Stib} {en.wikipedia.org} {CC-BY-SA-3.0} {}






\zwischenueberschrift{Das Verschwindungsideal}




\inputdefinition
{}
{

Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{T }
{ \subseteq }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} eine Teilmenge. Dann nennt man
\mathdisp {{ \left\{ F \in K[X_1 , \ldots , X_n] \mid F(P) = 0 \text { für alle } P \in T \right\} }} { }
das \definitionswort {Verschwindungsideal}{} zu $T$. Es wird mit
\mathl{\operatorname{Id} \,(T)}{} bezeichnet.

}

Es handelt sich dabei in der Tat um ein Ideal: Wenn
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ G(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für alle
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ T }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ist, so gilt dies auch für die Summe
\mathl{F+G}{} und für jedes Vielfache $HF$.

Damit haben wir zwei Zuordnungen in entgegengesetze Richtung: Einer Teilmenge im affinen Raum wird das Verschwindungsideal zugeordnet und einem Ideal im Polynomring das zugehörige Nullstellengebilde. Wir interessieren uns dafür, inwiefern sich Ideale und Nullstellengebilde entsprechen.




\inputbeispiel{}
{

Das \definitionsverweis {Verschwindungsideal}{}{} zur leeren Menge ist das \definitionsverweis {Einheitsideal}{}{,} da es keinen Punkt gibt, auf dem die Nullstellenbedingung überprüft werden müsste.

Das Verschwindungsideal zum Gesamtraum
\mathl{{ {\mathbb A}_{ K }^{ n } }}{} hängt vom Körper ab. Wenn dieser unendlich ist, so gibt es nur das Nullpolynom, das überall verschwindet, und folglich ist das Verschwindungsideal gleich dem Nullideal. Dies folgt aus Aufgabe *****.

Ist hingegen der Körper endlich mit $q$ Elementen, so ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ x^q -x }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für jedes
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ x }
{ \in }{ K }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Also verschwindet das Polynom
\mathl{X^q-X}{} auf jedem Punkt der affinen Geraden und gehört somit zum Verschwindungsideal der affinen Geraden. In höherer Dimension ist das Verschwindungsideal von
\mathl{{ {\mathbb A}_{ K }^{ n } }}{} gleich
\mathl{(X_1^q-X_1,X_2^q-X_2 , \ldots , X_n^q-X_n)}{.}


}




\inputbeispiel{}
{

Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ = }{ (a_1 , \ldots , a_n) }
{ \in }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist das \definitionsverweis {Verschwindungsideal}{}{}
\mathl{\operatorname{Id} \, (P)}{} gleich dem Ideal
\mathl{(X_1-a_1 , \ldots , X_n -a_n)}{.} Zunächst ist klar, dass die linearen Polynome
\mathl{X_i-a_i}{} im Punkt $P$ verschwinden \zusatzklammer {wegen
\mavergleichskettek
{\vergleichskettek
{ (X_i-a_i)(P) }
{ = }{ a_i -a_i }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{}} {} {.} Damit gehört auch das von diesen Polynomen erzeugte Ideal zum Verschwindungsideal. Es sei umgekehrt $F$ ein Polynom mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Wir schreiben $F$ in den \anfuehrung{neuen Variablen}{}
\mathdisp {\tilde{X}_1 = X_1-a_1 , \ldots , \tilde{X}_n = X_n -a_n} { , }

indem wir $X_i$ durch
\mathl{X_i-a_i+a_i}{} ersetzen. In den neuen Variablen sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ = }{ \sum_\nu b_\nu \tilde{X}^\nu }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dieses Polynom besteht aus der Konstanten $b_0$, in jedem anderen Monom kommt mindestens eine Variable vor. Also können wir
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{F }
{ =} { F_1 \tilde{X}_1 + \cdots + F_n \tilde{X}_n + c }
{ } { }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{} mit gewissen Polynomen $F_i$ schreiben. Daher ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ c }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ (\tilde{X}_1 , \ldots , \tilde{X}_n) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}


}





\inputfaktbeweis
{Affine Varietäten/Verschwindungsideal/Antimonotonie/Fakt}
{Lemma}
{}
{

\faktsituation {Es seien
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{V }
{ \subseteq }{ W }
{ \subseteq }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} Teilmengen.}
\faktfolgerung {Dann gilt für die zugehörigen \definitionsverweis { Verschwindungsideale }{}{} die Inklusion
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{ \operatorname{Id} \, (W) }
{ \subseteq} { \operatorname{Id} \, (V) }
{ } { }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{.}}
\faktzusatz {}
\faktzusatz {}

}
{

Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ \operatorname{Id} \,(W) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} d.h. es ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für alle
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ W }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist erst recht
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für alle
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ V }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Also ist auch
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ \operatorname{Id} \,(V) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

}





\inputfaktbeweis
{Affine Varietäten/Verschwindungsideal zu Teilmenge/Nullstellengebilde/Beziehung/Fakt}
{Lemma}
{}
{

\faktsituation {}
\faktvoraussetzung {Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ I }
{ \subseteq }{ K[X_1 , \ldots , X_n] }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ein \definitionsverweis {Ideal}{}{} und sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{T }
{ \subseteq }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} eine Teilmenge.}
\faktuebergang {Dann gelten folgende Aussagen.}
\faktfolgerung {\aufzaehlungvier{Es ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{T }
{ \subseteq }{ V ( \operatorname{Id}(T)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} }{Es ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ I }
{ \subseteq }{ \operatorname{Id} (V(I)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} }{Es ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ V(I) }
{ = }{ V ( \operatorname{Id}(V(I))) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} }{Es ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ \operatorname{Id} (T) }
{ = }{ \operatorname{Id} (V( \operatorname{Id} (T) )) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} }}
\faktzusatz {}
\faktzusatz {}

}
{

(1). Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ T }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ein Punkt. Dann verschwindet nach Definition jedes Polynom
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ \operatorname{Id}(T) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} auf $T$, also
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ V( \operatorname{Id} (T)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

(2). Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ I }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann verschwindet $F$ auf ganz $V(I)$ und daher ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ \operatorname{Id} \, (V(I)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

(3). Nach (1), angewandt auf
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T }
{ = }{ V(I) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} haben wir die Inklusion \anfuehrung{ $\subseteq$ }{.} Nach (2) ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ I }
{ \subseteq }{ \operatorname{Id} \, (V(I)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Wendet man darauf $V(-)$ an, so ergibt sich nach Lemma 2.7 die andere Inklusion.

(4). Wie (3).

}





\inputbeispiel{}
{

Die Inklusionen in Lemma 3.8 (1), (2) sind echt. Es sei zum Beispiel
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T }
{ \subset }{ {\mathbb A}^{1}_{K} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} eine unendliche echte Teilmenge \zusatzklammer {was voraussetzt, dass $K$ unendlich ist} {} {.} Dann ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ \operatorname{Id} (T) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} und also ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ V(0) }
{ = }{ {\mathbb A}^{1}_{K} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} echt größer als $T$.

Zu (2). Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ I }
{ = }{ (X^2) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,}
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ R }
{ = }{ K[X] }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ V(I) }
{ = }{ \{0\} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ \operatorname{Id} \,(\{0\}) }
{ = }{ (X) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} aber
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ X }
{ \notin }{ (X^2) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Ein extremeres Beispiel für
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ R }
{ = }{ \R [X,Y] }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ I }
{ = }{ (X^2+Y^2) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ V(I) }
{ = }{ \{(0,0)\} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Das Verschwindungsideal zu diesem Punkt ist aber das Ideal
\mathl{(X,Y)}{.}


}





\inputfaktbeweis
{Affiner Raum/Zariski-Topologie/Zariski-Abschluss ist V zu Verschwindungsideal/Fakt}
{Lemma}
{}
{

\faktsituation {Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{T }
{ \subseteq }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} eine Teilmenge.}
\faktfolgerung {Dann ist der Zariski-Abschluss von $T$ gleich
\mavergleichskettedisp
{\vergleichskette
{ \overline{T} }
{ =} { V( \operatorname{Id} \,(T) ) }
{ } { }
{ } { }
{ } { }
} {}{}{.}}
\faktzusatz {}
\faktzusatz {}

}
{

Die Inklusion
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T }
{ \subseteq }{ V( \operatorname{Id} \,(T) ) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} wurde in Lemma 3.8  (1) gezeigt. Da
\mathl{V( \operatorname{Id} \,(T))}{} nach Definition abgeschlossen ist, folgt daraus
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ \overline{T} }
{ \subseteq }{ V( \operatorname{Id} \,(T)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

Es sei umgekehrt
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ V( \operatorname{Id} \,(T)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \notin }{ \overline{T} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} angenommen. Dies bedeutet, dass es eine Zariski-offene Menge $U$ gibt mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ U }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ U \cap T }
{ = }{ \emptyset }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ U }
{ = }{ D( {\mathfrak a} ) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Die Bedingung
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ U }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} bedeutet, dass es ein
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ G }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ G(P) }
{ \neq }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} geben muss. Es ist dann
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ D(G) }
{ \subseteq }{ U }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und damit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T \cap D(G) }
{ = }{ \emptyset }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Also ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T }
{ \subseteq }{ V(G) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und somit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ G }
{ \in }{ \operatorname{Id} \,(T) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Wegen
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ G(P) }
{ \neq }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ergibt sich ein Widerspruch zu
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ V( \operatorname{Id} \,(T)) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

}






\zwischenueberschrift{Das Radikal}




\inputdefinition
{}
{

Ein \definitionsverweis {Ideal}{}{} ${\mathfrak a}$ in einem \definitionsverweis {kommutativen Ring}{}{} $R$ heißt \definitionswort {Radikal}{} \zusatzklammer {oder \definitionswort {Radikalideal}{}} {} {,} wenn folgendes gilt: Falls
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f^n }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ist für ein
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ n }
{ \in }{ \N }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} so ist bereits
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

}




\inputdefinition
{ }
{

Es sei $R$ ein \definitionsverweis {kommutativer Ring}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ {\mathfrak a} }
{ \subseteq }{ R }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ein \definitionsverweis {Ideal}{}{.} Dann nennt man die Menge
\mathdisp {{ \left\{ f \in R \mid \text{es gibt ein } r \text{ mit } f^r \in {\mathfrak a} \right\} }} { }
das \definitionswort {Radikal}{} zu ${\mathfrak a}$. Es wird mit
\mathl{\operatorname{rad} { \left( {\mathfrak a} \right) }}{} bezeichnet.

}

Das Radikal zu einem Ideal ist selbst ein Radikal und insbesondere ein Ideal.




\inputfaktbeweis
{Theorie der Radikale (kommutative Algebra)/Radikal zu einem Ideal/ist ein Ideal/Fakt}
{Lemma}
{}
{

\faktsituation {}
\faktvoraussetzung {Es sei $R$ ein \definitionsverweis {kommutativer Ring}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ {\mathfrak a} }
{ \subseteq }{ R }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ein \definitionsverweis {Ideal}{}{.}}
\faktfolgerung {Dann ist das \definitionsverweis {Radikal}{}{} zu ${\mathfrak a}$ ein \definitionsverweis {Radikalideal}{}{.}}
\faktzusatz {}
\faktzusatz {}

}
{

Wir zeigen zunächst, dass ein Ideal vorliegt. $0$ gehört offenbar zum Radikal und mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f }
{ \in }{ \operatorname{rad} { \left( {\mathfrak a} \right) } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} sagen wir
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f^r }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} ist auch
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ (af)^r }
{ = }{ a^rf^r }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} also gehört $af$ zum Radikal. Zur Summeneigenschaft seien
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f,g }
{ \in }{ \operatorname{rad} { \left( {\mathfrak a} \right) } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} mit
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f^r }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} und
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ g^s }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist
\mavergleichskettealign
{\vergleichskettealign
{ (f+g)^{r+s} }
{ =} { \sum_{i+j = r+s} \binom{r+s}{i} f^{i}g^{j} }
{ =} { \sum_{i+j = r+s,\, i <r } \binom{r+s}{i} f^{i}g^{j} +\sum_{i+j = r+s,\, i \geq r} \binom{r+s}{i} f^{i}g^{j} }
{ \in} { {\mathfrak a} }
{ } { }
} {} {}{.} Es sei nun
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f^k }
{ \in }{ \operatorname{rad} { \left( {\mathfrak a} \right) } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ (f^k)^r }
{ = }{ f^{kr} }
{ \in }{ {\mathfrak a} }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} also
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ f }
{ \in }{ \operatorname{rad} { \left( {\mathfrak a} \right) } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

}





\inputfaktbeweis
{Affine Varietäten/Verschwindungsideal zu Teilmenge/ist Radikal/Fakt}
{Lemma}
{}
{

\faktsituation {}
\faktvoraussetzung {Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ T }
{ \subseteq }{ { {\mathbb A}_{ K }^{ n } } }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} eine Teilmenge.}
\faktfolgerung {Dann ist das \definitionsverweis {Verschwindungsideal}{}{} zu $T$ ein \definitionsverweis {Radikal}{}{.}}
\faktzusatz {}
\faktzusatz {}

}
{

Es sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ K[X_1 , \ldots , X_n] }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} ein Polynom, und sei
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F^s }
{ \in }{ \operatorname{Id} \,(T) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F^s(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für alle
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ T }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.} Dann ist aber auch
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F(P) }
{ = }{ 0 }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{} für alle
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ P }
{ \in }{ V }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{,} also
\mavergleichskette
{\vergleichskette
{ F }
{ \in }{ \operatorname{Id} \,(T) }
{ }{ }
{ }{ }
{ }{ }
} {}{}{.}

}


Wir werden später sehen, dass über einem algebraisch abgeschlossenen Körper sich Radikale und algebraische Nullstellengebilde entsprechen. Das ist der Inhalt des \stichwort {Hilbertschen Nullstellensatzes} {.}