Kurs:Die GAP in der Schule: Einführung

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Kurs: Die GAP in der Schule: Informelle Bildungsangebote als Komplement des Lehrplans

1. Einführung: Die Europäische Union und ihre Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) − Öffentliche Wahrnehmung, Erklärungsversuche der Europäischen Integration & der Mehrwert der Zusammenarbeit

2. EU-Planspiele in der politischen Bildung

3. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU

1. Einführung: Die Europäische Union und ihre Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) − Öffentliche Wahrnehmung, Erklärungsversuche der Europäischen Integration & der Mehrwert der Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Der Einstieg in die Thematik der EU und ihre Agrarpolitik (GAP) kann über eine Bildcollage erfolgen. Hier eine Version zu verschiedenen Aspekten der GAP mithilfe einer Google-Bildersuche zu den Stichworten „Europäische Union“, „Agrarpolitik EU“ oder „GAP EU“. Die Bildauswahl sollte repräsentativ für die ersten und häufigsten Ergebnisse der Stichwortsuche sein.

Alternativ ist das von EUROSOC#Digital entwickelte Mythen-Memory ein ebenso hervorragender Einstieg ins Thema „Europäische Union“. Mythen rund um die EU im Allgemeinen und die GAP im Speziellen sind ein leidiges Thema, weil viele von ihnen so hartnäckig sind. Sie werden immer wiederholt und neu erzählt, selbst wenn schon mehrfach das Gegenteil bewiesen wurde. Auch Medien (nicht nur die Boulevardpresse) tragen zur Verbreitung dieser Mythen bei. Hinzu kommt, dass viele dieser Mythen bei EU-Bürger*innen auf offene Ohren stoßen, die eine Meldung zu einer vermeintlichen neuen absurden EU-Verordnung bereitwillig glauben. Um Schüler*innen für diesen Gegenstand zu sensibilisieren, bietet das Mythen-Memory eine gute Startmöglichkeit.

Zwei widersprüchliche Aussagen, ein weit verbreiteter Mythos und der richtige Fakt dazu müssen einander zugeordnet werden. Die Mythen können an das GAP-Thema angepasst werden. Die Lehrkraft kann den Schüler*innen ebenso den Arbeitsauftrag zur Erstellung neuer Mythen-Karten geben und dabei Recherchetechniken fördern.

Beispiel:

- 2014 protestierte der Bayrische Bauernverband vehement gegen ein Vorhaben der Europäischen Kommission, Almkühen Windeln zu verordnen, um die Alpenwiesen vor Überdüngung zu schützen.

- Die Beamten in Brüssel wollen regeln, wie viel Dünger auf Hanglagen von Bauern verwendet werden darf. Natürliche Düngung durch weidende Kühe ist davon ausgeschlossen.

Die erste Aussage ist ein Mythos, die zweite Aussage Fakt.

Die EU aus wissenschaftlicher Perspektive: Theorien zur Europäischen Integration und die GAP[Bearbeiten]

Es gibt einige Theorien, die die Europäische Integration und damit auch die Entstehung der GAP in verschiedenem Maße erklären können. Zwei davon sind die sogenannten „Großtheorien“ der Europäischen Integration: der Neofunktionalismus und der Intergouvernementalismus.

Der Neofunktionalismus erklärt die Europäische Integration durch wirtschaftliche Interessen von gesellschaftlichen Akteuren, also zum Beispiel der Schaffung eines (finanziellen) Mehrwerts durch eine Gemeinsame Agrarpolitik, während der Intergouvernementalismus vom Streben der Nationalstaaten nach Sicherheit ausgeht.

Außerdem gibt es mehrere Theorien, die die Europäische Integration in begrenztem Maße erklären können. Der Liberale Intergouvernementalismus geht von gesellschaftlichem Druck zum Zusammenschluss aufgrund der Wirtschaftslage aus. So könnte man die GAP in dieser Theorie durch die Notwenigkeit der Unterstützung von finanzschwachen Akteuren im Landwirtschaftssektor erklären.

Der Supranationalismus verknüpft Interessen auf Nationalstaatsebene mit supranationalen Interessen, also dem Wunsch nach Unterstützung der Landwirte sowohl auf nationaler Ebene als auch auf EU-Ebene. Der Rationale Institutionalismus stellt permanente Verhandlungssituationen in den Mittelpunkt der Theorie. So wird auch über die Ausrichtung, Instrumente und das Budget der GAP in der EU immer wieder diskutiert.

Die EU aus wissenschaftlicher Perspektive: Prozess der Europäischen Integration[Bearbeiten]

Die Anfänge der Europäischen Integration waren geprägt von der nach Jean Monnet benannten „Methode Monnet“. Zentral für das Voranschreiten der Integration waren, nach Wessels, fünf Aspekte: gemeinsame konkrete Projekte, kleine Schritte, wirtschaftliche Interessen als Hebel weiterer politischer Integration, Elite-Entscheidungen und dem französisch-deutschen Schulterschluss. Dieser Entscheidungsmechanismus wurde erst mit den Wahlen zum Europäischen Parlament und dem „Ordentlichen Gesetzgebungsverfahren“ demokratisiert.

Die GAP und Europäische Integration[Bearbeiten]

Die GAP war zu verschiedenen Zeiten Bremse und Treiber der Europäischen Integration. Bremsend wirkten vor allem die Diskussionen um das Budget der GAP und die Überproduktion. Unter anderem war der Nettozahlerstatus Großbritanniens im Zusammenhang mit der GAP für den von Thatcher ausgehandelten „Britenrabatt“ verantwortlich. Die mit den Begriffen „Butterberge und Milchseen“ verbundene und durch EU Subventionen hervorgerufene Überproduktion sorgte für ein negatives Image der GAP.

In der Mehrheit war die GAP aber Triebfeder für die Integration neuer EU-Mitgliedstaaten. Sie förderte den Ausbau des Binnenmarktes, die Währungsunion und den Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren. Mit der Flexibilisierung der Maßnahmen wurde die Umsetzung des Credos „In Vielfalt vereint“ weiter umgesetzt und die Integration neuer Mitglieder erleichtert.

Ausführliche Informationen zur Europäischen Integration finden sie hier.

Der Mehrwert der Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Das klassische Gefangenendilemma: 1 ist das suboptimale Ergebnis, 4 das optimale Ergebnis.

Der Mehrwert der Zusammenarbeit in der EU lässt sich mithilfe des sogenannten „Gefangenendilemma“ (siehe Schaubild) erklären. Die Zahlen nennen die Präferenzen der Personen für dieses Ergebnis. 1 als Ergebnis ist suboptimal, 4 ist das optimale Ergebnis.

Die Personen A und B begehen ein Verbrechen. Sie werden von der Polizei des Verbrechens verdächtigt und zum Verhör einbestellt. Die Beamten können ihnen allerdings nicht nachweisen, wer die Tat begannen hat. Sie werden parallel von der Polizei verhört, hatten aber nicht die Möglichkeit, sich vor dem Verhör abzusprechen.

Wenn die beiden Personen nicht kooperieren und beide in ihren Aussagen jeweils den anderen beschuldigen, dann bekommen beide eine Haftstrafte. Sie teilen sich allerdings die Zeit der Haftstrafe gleichmäßig (Feld 2/2). Das Ergebnis ist für beide nicht optimal, aber nicht das schlechteste Ergebnis für beide. Beschuldigt nur eine Person, beispielsweise Person A, die andere Person, dann bekommt Person B die volle Zeit der Haftstrafe und Person A wird aufgrund der Zeugenaussage freigesprochen (Feld 4/1). Dieses Ergebnis ist für eine Person ideal, für die andere Person jedoch das schlechteste Ergebnis.

Wenn beide allerdings mit der anderen Person kooperieren und schweigen (Feld 3/3), dann kann die Polizei ihnen nichts nachweisen und sie werden nur wegen Behinderung der Justiz zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Kooperation ist das ideale Ergebnis für beide Personen, da sie so nichts ins Gefängnis müssen. Dazu müssen aber beide den Willen zur Kooperation haben.

In der EU verhält sich dies nicht anders. Nur wenn alle Mitgliedstaaten z. B. bei der Agrarpolitik zusammenarbeiten, profitiert der gemeinsame EU-Raum davon. Die Gemeinsame Agrarpolitik kann nur dann funktionieren, wenn es eine konsequente einheitliche Strategie gibt.

Literatur und weiterführende Links[Bearbeiten]