Kurs:Welterbe, Kulturgüterschutz und Kommunikation (Sommeruniversität 2016)/Arbeiten/Besucherzentrum Welterbe Salzburg

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Die Stärkung des Bewusstseins über das Welterbe bei der Bevölkerung ist ein wichtiger Punkt im Managementplan einer Welterbestätte. Die Historische Altstadt Salzburg arbeitet an der Umsetzung eines neuen Managementplanes und denkt außerdem über die Errichtung eines Welterbe-Besucherzentrums nach. Ein mögliches Vorbild für ein solches Welterbe-Besucherzentrum könnte die Stadt Regensburg sein. Chancen und Möglichkeiten, die sich durch ein Welterbe-Besucherzentrum bieten sind zum einen mehr Bürgerpartizipation und zum anderen das, dass Bewusstsein in der Bevölkerung über das Welterbe gestärkt wird.

Weltkulturerbe Historisches Zentrum der Stadt Salzburg[Bearbeiten]

Residenzplatz in Salzburg

Salzburg feierte im Jahre 2016 nicht nur das Jubiläum 200 Jahre bei Österreich sondern noch ein weiteres Jubiläum stand an. Die UNESCO Auszeichnung zum Weltkulturerbe „Historische Altstadt Salzburg“ jährte sich zum 20. Mal. [1] 1996 wurde die Historische Altstadt Salzburg zusammen mit dem Schloss und den Gärten Schönbrunn als erste von insgesamt neun österreichischen Weltkulturerbestätten in die Liste der UNESCO aufgenommen. [2] Doch die Begeisterung der Salzburger Bürger über die Ernennung ist längst nicht mehr so groß wie noch zu Beginn. Einzig einzelne kritische Bauprojekte wie etwa die Bebauung des Dr. Franz-Rehrl Platz erinnert die SalzburgerInnen daran, dass ihre Altstadt Welterbe ist. Ihren Unmut über dieses Projekt und dass ihnen die Erhaltung der Altstadt wichtig ist, zeigte die Bevölkerung mit über 25.000 gesammelten Unterschriften. [1]

Maßnahmen zur Verbesserung des Welterbestatus in der Bevölkerung[Bearbeiten]

Managementplan[Bearbeiten]

Doch wie kann man die Begeisterung in der Bevölkerung steigern und damit der Auszeichnung „Erbe der Menschheit“ gerecht werden? Die Stadt Salzburg arbeitet seit 2014 an einem neuen Managementplan für das Welterbe Historische Altstadt. Für die UNESCO soll dieser Managementplan eine integrative Strategie zur Bewahrung des kulturellen Erbes unter Einbindung der lokalen Bevölkerung sowie die Erfüllung des Informations- und Kulturauftrags des kulturellen Erbes sein [3] Der im Moment gültige Managementplan stammt aus dem Jahre 2008. Dieser bezieht sich überwiegend auf die Instrumente des Altstadterhaltungsgesetzes und dessen Umsetzung. Zudem wird auf die Grünlanddeklaration, den Flächenwidmungsplan, den Bebauungsplan und das Räumliche Entwicklungskonzept Bezug genommen. [4] Jede in die UNESCO- Welterbeliste eingetragene Stätte sollte über einen Managementplan verfügen, der erläutert wie der außergewöhnlich universelle Wert eines Gutes erhalten werden kann. Unter Managementplänen versteht man das zentrale Planungsinstrument für den Schutz, die Nutzung, die Pflege und die erfolgreiche Weiterentwicklung von Welterbestätten. [5] Nach Ringbeck sollte der Managementplan einen Plan für die Öffentlichkeitsarbeit mit konkreten Kommunikationsmaßnahmen enthalten. Besonders auf die Information und Sensibilisierung der einheimischen Bevölkerung sollte Wert gelegt werden. [6]

Welterbe-Besucherzentrum in Salzburg?[Bearbeiten]

Für Univ.-Professor Dr. Kurt Luger, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhl für "Kulturelles Erbe und Tourismus", ist der Bau eines Welterbe-Besucherzentrums Salzburg schon sehr lange überfällig. Als mögliche Orte für ein Welterbe-Besucherzentrum sieht er etwa das ehemalige Barockmuseum im Mirabellgarten oder auch das Salzburg Museum.[7] Für den Welterbebeauftragten der Stadt Salzburg Mag. Alexander Würfl soll das Welterbe-Besucherzentrum ein Ort der Vermittlung, der Diskussion und der Bewusstseinsbildung für die Idee des Weltkulturerbes sein. Anstelle eines Museums sollte viel mehr ein Informationszentrum entstehen, denn es gibt bereits einige Einrichtungen die die universellen Werte zeigen, weswegen Salzburg in die Liste der Welterbestätte eingetragen ist. Beispiele sind etwa das Mozarteum und seine Veranstaltungsstätten sowie die Salzburger Festspiele für Mozart und die Musik, die Alte Residenz mit dem Domquartier, die Festung mit seinen Museen für die fürsterzbischöfliche Stadt und das Salzburg Museum für die politische Dimension. Am 02. April 2013 beschloss der Gemeinderat in Salzburg einstimmig ein Welterbe-Besucherzentrum zu bauen, doch seit diesem Datum kam es zu keinen neuen Entwicklungen und weder ein geeigneter Ort noch ein entsprechendes Konzept wurde bisher präsentiert.[8]

Sommeruni Salzburg 2016.

Auch im Kulturleitbild des Jahres 2015 wird das Thema aufgegriffen und es ist die Rede davon das an der Errichtung des Welterbe-Besucherzentrums von Seiten der Stadt, der Republik Österreich und des Landes Salzburgs gearbeitet wird. Das Welterbe-Besucherzentrum soll eine kulturelle Vermittlungsaufgabe erfüllen und den Welterbediskurs fördern. Aber auch die Beteiligung an der vom Welterbekomitee der UNESCO geforderten Revision des bestehenden Managementplan für die Verwaltung der Welterbestätte Historisches Zentrum der Stadt Salzburg wird gefordert.[9]

Vorbild Welterbe-Besucherzentrum Regensburg[Bearbeiten]

Oft wird das Welterbe-Besucherzentrum in der bayrischen Stadt Regensburg als ein mögliches Vorbild für den Bau eines Salzburger Welterbe-Besucherzentrums gesehen. Regensburg wurde erst rund zehn Jahre nach Salzburg im Jahre 2006 zur Weltkulturerbestätte von der UNESCO ernannt, doch bereits im Mai 2011 eröffnete das Besucherzentrum. [10] Das Besucherzentrum bietet interaktive Spielstationen und Medieninstallationen sowie Exponate zu Regensburg und seiner Geschichte. Neben der Geschichte der Stadt Regensburg werden auch allgemeine Informationen über das Nominierungsverfahren der UNESCO, die Grundlagen zum Regensburger Welterbetitel erläutert und Informationen zu allen Welterbestätten weltweit präsentiert. Auch gibt es neben dieser Dauerausstellung eine Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kultureinrichtungen bespielt wird und einen Veranstaltungsbereich der Platz für Vorträge und Veranstaltungen rund um das Thema Welterbe bietet. [11]

Chancen und Möglichkeiten eines Welterbe-Besucherzentrums[Bearbeiten]

Ein Welterbe-Besucherzentrum bietet der Welterbestätte Chancen und Möglichkeiten. Eine der wichtigsten Chancen eines Welterbe-Besucherzentrums kann man sicherlich in der Steigerung des Bewusstseins über das Welterbe der eigenen Bevölkerung der Stadt sehen. Die Bürger haben keine Einflussmöglichkeit auf die Arbeit des Welterbemanagements wenn es etwa um die Umsetzung des Managementplans geht. Bisher wurden aber auch kaum Stadtteilversammlungen oder Bürgerbeteiligungsverfahren praktiziert. Ihre Möglichkeit der Partizipation sehen die Bürger der Stadt als sehr unbefriedigend an. [12]

Ein Welterbe-Besucherzentrum könnte für die Einheimischen als auch für die TouristenInnen der Stadt eine Informations- und Kommunikationszentrale sein. Das größte Problem das Salzburg im Bezug auf das Welterbe hat,ist das Funktion und Bedeutung des Welterbes im Bewusstsein der Bevölkerung nicht ausreichend verankert ist. Besonders für die lokale Bevölkerung kann die Steigerung des Bewusstseins über das Welterbe ein Gefühl von Verbundenheit, Wertschätzung und Teilhabe auslösen. Die Einwohner fühlen sich mit diesem noch stärker verbunden da es ihr Lebensraum, ihr kulturelles Gedächtnis und ihre Identität ist. [13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitta Ringbeck (2009): Managementpläne für Welterbestätten. Deutsche UNESCO-Kommission, Bonn 2009, ISBN 978-3-940785-00-8
  • Luger, Kurt (2014): Das Welterbe Historische Altstadt Salzburg als tourismus- und kulturpolitisches Projekt. In: Kurt Luger/ Christoph Ferch (Hg.): Die bedrohte Stadt. Strategien für menschengerechtes Bauen in Salzburg. Studienverlag, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-7065-5351-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Wir feiern 20 Jahre Welterbe vom 23. März 2016 abgerufen am 13. Februar 2017
  2. Welterbe in Österreich der UNESCO abgerufen am 3. März 2017
  3. Wir feiern 20 Jahre Welterbe vom 23. März 2016 abgerufen am 31. Jänner 2017
  4. [Luger 2014: S.28]
  5. [Ringbeck 2009: S.4],
  6. [Ringbeck 2009: S.45],
  7. Wir feiern 20 Jahre Welterbe vom 23. März 2016 abgerufen am 31. Jänner 2017
  8. direkte Informationen von dem Welterbebeauftragten der Stadt Salzburg Mag. Alexander Würfl am 31.Jänner 2017
  9. Kulturleitbild der Stadt Salzburg 2015 abgerufen am 31. Jänner 2017
  10. Welterbe Regensburg entdecken vom Juni 2011 abgerufen am 31.Jänner 2017
  11. Dauerausstellung Besucherzentrum Regensburg abgerufen am 3. März 2017
  12. [Luger 2014: S. 35]
  13. [Luger 2014: S.34f.]

Weblinks[Bearbeiten]