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Benutzer:Lena Smetana

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Studium[Bearbeiten]

  • Seminar: Aufbaumodul „Kulturelle Identität und Globalisierung" (Projektseminar IPK), Sommersemester 2011
  • Dozentin Eva Sondershaus, M.A. (Benutzer:Eva_IPK_Augsburg)


  • B.A. HF Deutsch als Fremdprache (2. Semester), NF Iberoromanistkik (2. Semester)


IPK im SS 2011[Bearbeiten]

Projektarbeit[Bearbeiten]

Hintergründe zur Projektarbeit bzw. zum Thema[Bearbeiten]

Seit dem 1. Mai 2011 gilt in Deutschland für die EU-Beitrittsländer Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn die volle Arbeitnehmer-Freizügigkeit, auch EU-Freizügigkeit genannt. Brauchte man bis zum 1. Mai 2011 noch Arbeitserlaubnissen und Verwaltungsverfahren, können jetzt Bürger von EU beigetretenen Staaten unabhängig ihres Wohnortes in jedem Mitgliedstaat eine Beschäftigung annehmen. Ich fand es interessant mehr zu diesem Thema zu erfahren. In dieser Arbeit möchte ich auch die Sicht der Deutschen mit einbeziehen, denn wie ich feststellen konnte, sind nicht alle mit der Grenzöffnung für Arbeitskräfte aus Osteuropa einverstanden. Dabei möchte ich auch auf den Interkulturellen Ansatz eingehen und erläutern, was passiert bzw. passieren kann, wenn zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen.

Auf meiner Recherche begegnete ich einem Internet Beitrag von Ismael am 18. Mai 2011. Darin schreibt er: „Die Menschen aus dem Osten machen uns alles kaputt“. [1] An diesen Beitrag möchte ich meine Hypothese anlehnen, dass nicht alle Menschen in Deutschland froh sind über die Grenzöffnung für Arbeitskräfte aus Osteuropa. In der folgenden Arbeit werde ich mich also mit diesem Thema auseinandersetzen. Am Ende werden Leitfadeninterviews mit drei in Deutschland arbeitenden Probanden durchgeführt, um später ein Fazit der Arbeit ziehen zu können.

Ausländische Arbeitskräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Mit Armando Rodrigues kam 1964 der 1 millionste Gastarbeiter in Deutschland an. Seit Ende des 2. Weltkrieges gehören ausländische Arbeitnehmer zum deutschen Arbeitsmarkt dazu. In den letzten Jahren kamen immer mehr Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten nach Deutschland, um mit dem Geld, dass sie verdienen, ihre Familien unterstützen zu können. Dieser Wandel ist neu, denn Deutschland hat sich lange Zeit gegen Billigarbeiter abgeschottet. Andere Länder wie z.B. England und Irland haben ihre Grenzen schon seit dem EU-Beitritt Polens offen. Das sei auch der Grund, warum die qualifizierten Leute schon weg sind, so Ulrike Geith, Leiterin für Sozial- und Beschäftigungspolitik in der Deutschen Botschaft in Warschau. Deutschland sei unter Hochqualifizierten nur ein Land unter vielen. Viele Bewerber würden durch bürokratische Hürden vergrault werden und haben sich daraufhin in anderen Ländern niedergelassen, in denen man sie mit offenen Armen empfangen habe.

Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) äußerte heftige Kritik an der Vorgehensweise der Bundesrepublik. Er forderte die Bundesregierung auf, nicht nur Akademiker ins Land zu lassen, denn was ebenso dringend benötigt werde, seien geeignete Azubis und Facharbeiter. Laut Braun fehlen der deutschen Wirtschaft rund 400.000 Fachkräfte in technischen Berufen. Braun kritisierte, dass viele Arbeitsplätze nicht besetzt werden können, da es dem Markt an qualifizierten Bewerbern fehle. „Das [sei] schlecht, weil Betriebe dann zusätzliche Aufträge nicht annehmen können. Es kostet Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Deshalb [sei] Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte ein Gewinn für uns alle.“ [2]

In den letzten Jahren und Monaten hörte man vermehrt von Firmen, die zunehmend Probleme damit haben, qualifizierte Azubis bzw. Facharbeiter zu bekommen. Besonders betroffen sei die Pflegebranche. Hier fehlen rund 10.000 Arbeitskräfte. Zwar sind schon jetzt viele osteuropäische Arbeitskräfte, vor allem Frauen, im Bereich der Pflege anzutreffen, jedoch sollen in 40 Jahren rund 400.000 Stellen unbesetzt sein. Deshalb setze man große Hoffnung in die Grenzöffnung, so der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Aufgrund dessen werde ich in meinem Interview auch einen Proband aus dem Bereich Pflege heranziehen.

In Industrie- und Handwerksbetrieben ist die Situation ähnlich. Dort werden in der Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus osteuropäischen EU-Staaten mehr Chancen als Risiken gesehen. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sagte in einem Interview mit der ARD, dass „die Vorteile und Chancen überwiegen“. [3] Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, Gundolf Schülke, sieht in der Grenzöffnung eine einmalige Chance. Er räumte jedoch auch ein, dass die Unternehmen sich derzeit noch nicht konkret mit dem Gedanken auseinandersetzen, osteuropäische Arbeitskräfte einzusetzen. Jedoch würde der Demografische Wandel in den nächsten Jahren sie dazu zwingen. Das Statistische Bundesamt erfasste zurzeit 41 Millionen Erwerbstätige. Für die kommenden 40 Jahre wird mit einer Überalterung der Bevölkerung und damit mit einer sinkenden Erwerbstätigenquote gerechnet. Kritik am Entwurf für volle Arbeitnehmer-Freizügigkeit gab es auch von Seiten der Union. Uwe Schünemann (CDU), Innenminister von Niedersachsen wandte sich gegen den Plan, Ausländern in Zukunft das Aufenthaltsrecht zu gewähren, denn „die Regelung darf keine Hintertür für eine Bleiberechtsregelung für geduldete Flüchtlinge werden, die nicht in Mangelberufen arbeiten [..] die Regelung muss auf Hochqualifizierte beschränkt werden.“ [4] Viele Bürger dürften das ähnlich sehen und fürchten nun um ihren Arbeitsplatz.

Verlust des Arbeitsplatzes ist jedoch nicht der einzige Aspekt, den die Bürger fürchten. Deutschland wird zunehmend multikultureller. Die Arbeitskräfte aus Osteuropa werden zwangsläufig auch ihre Kultur und damit etwas Fremdartiges für die Deutschen mitbringen. In dieser Arbeit möchte ich mich nicht nur um die Ängste der Deutschen um ihren Arbeitsplatz beschäftigen, sondern auch auf die damit verbundenen interkulturellen Aspekte eingehen. Mehr dazu aber später.

Seit dem 1. Mai 2011 dürfen nun die acht jüngsten Mitgliedsstaaten der EU ohne besondere Erlaubnis nach Deutschland kommen. Die EU-Freizügigkeit berechtigt die Bürger nach Darstellung der EU-Kommission innerhalb der Europäischen Union „Arbeit zu suchen, ohne Arbeitserlaubnis zu arbeiten, zu diesem Zweck (dort) zu wohnen (und) selbst nach Beendigung (des) Beschäftigungsverhältnisses weiter zu bleiben“.[5] Die Politik erwartet, dass ca. 900.00 Menschen aus Osteuropa zum Arbeitsmarkt der westlichen EU-Staaten wandern werden. Viele Unternehmer sind jedoch der Ansicht, dass diese Zahl nicht ausreichen wird, um den Fachkräftemangel in Deutschland wirkungsvoll ausgleichen zu können. Ebenso geht die Politik davon aus, dass durch den Zuzug qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte die Wirtschaftsleistungen positiv beeinflusst werden.

Probleme[Bearbeiten]

Man darf nicht außer Acht lassen, dass diese Zuwanderung das große Potential von Dumpinglöhnen mit sich bringt. Die Bürger haben Angst, dass ihre Gehälter dadurch immer weiter runter gedrückt werden. Die „neuen Arbeitskräfte“ seien, im Vergleich zu den Deutschen, bereit „zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, als sie in Deutschland üblich sind“. [6] Daher fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) „allgemeinverbindliche Tarifverträge, in denen Lohn- und Arbeitsbedingungen festgelegt sind.“[7] Auch für sinnvoll wird deshalb eine Ausweitung der Mindestlohnbestimmungen gehalten. Desweiteren soll härter gegen Schwarzarbeit vorgegangen werden, denn besonders in der Branche der Bau- bzw. Gebäudereinigung würde dies fatale Folgen haben.

Das Interkulturelle[Bearbeiten]

Ein ausschlaggebender Aspekt dieses Themas ist auch der des Interkulturellen Ansatzes. Ich fand es interessant herauszufinden, ob die Bevölkerung das Fremdartige bzw. den kulturellen Einfluss der ausländischen Arbeiter fürchtet. Deshalb möchte ich nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die persönliche Situation hinzuziehen. Hierzu werde ich mich in den folgenden Abschnitten unter anderem auf Hofstede beziehen, auf die Bildung der eigenen kulturellen Identität eingehen und erläutern was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen.


Die Identitätsbildung[Bearbeiten]

Der Mensch als Individuum wächst im Laufe seines Lebens in seine Kultur hinein. Diesen Begriff bezeichnet man als Enkulturation. Das Individuum erfährt und übernimmt die gültigen Regeln, Normen, Einstellungen, Gewohnheiten und Verhaltensmuster dieser Kultur. Dieser Ausbildungsprozess ist ein lebenslanger Entwicklungs- und Lernprozess. Kommt ein Individuum in eine neues kulturelles und soziales Umfeld, findet der Prozess der Akkulturation statt. Dies bedeutet das allmähliche Hineinwachsen eines Individuums, das bereits einen Teil seines Enkulturationsprozesses erfahren hat, in eine neue Umwelt. Dieser Prozess kann aufgrund von Migration freiwillig, oder aufgrund von Flucht oder Vertreibung erzwungenermaßen erfolgen und je nachdem erfolgreich (Integration) oder erfolglos (Marginalität) verlaufen. Im fremden Umfeld angekommen, lassen sich verschiedene Kategorien erkennen. So kommt der Migrant zunehmend in Kontakt mit Menschen der fremden Kultur. Es müssen Situationen des täglichen Lebens, Sprachprobleme, religiöse Unterschiede bis hin zu unterschiedlichen Essgewohnheiten bewältigt werden.


Kulturelle Unterschiede[Bearbeiten]

Kulturelle Unterschiede lassen sich auf verschiede Weise erkennen. Der niederländische Soziologe Geert Hofstede hat das Modell der „Kulturzwiebel“ entwickelt, welches kulturelle Unterschiede beschreibt und helfen soll, sie zu verstehen.

Die äußerste Schichte der Zwiebel bilden die Symbole. Sie sind die oberflächlichen Werte, die am tiefsten gehenden Manifestationen von Kultur. Helden und Rituale liegen dazwischen und die Werte bilden das Innere der Zwiebel. Unter Symbolen versteht man z.B. Gesten, Bilder, Worte, Objekte oder Zeichen, die eine bestimmte Bedeutung haben. Diese werden nur von solchen erkannt, die der gleichen Kultur angehören. [8]. Helden sind tot oder lebendige Personen, die das Idealbild einer Kultur verkörpern. Die sind der Inbegriff der Kultur und dienen als Orientierung der Gesellschaft. Selbst Fantasie- oder Comicfiguren können eine solche Vorbildfunktion einnehmen. Rituale sind kollektive Tätigkeiten. Beispiele dafür sind unter anderem die Form der Begrüßung und der Ehrerbietung seinem Gegenüber oder soziale und religiöse Zeremonien. Symbole, Helden und Rituale werden mit dem Begriff Praktiken zusammengefasst. Das heißt, dass sie für den außenstehenden Beobachter sichtbar sind, aber die interkulturelle Bedeutung liegt darin, in welcher Art und Weise diese Praktiken von ihren Beobachtern interpretiert werden. Im Inneren der Zwiebel stehen die Werte. Sie sind Gefühle mit einer Orientierung zum Plus- oder Minuspol hin und betreffen z.B. die Unterscheidung von Gut und Böse oder gefährlich und sicher. Als Werte werden nach Hofstede die allgemeinen Neigungen beschrieben, bestimmte Umstände anderen vorzuziehen.

Wenn nun Individuen verschiedener Kulturen zusammentreffen, treffen damit auch zwei verschiedene „Zwiebeln“ aufeinander. Nun gilt es, sich gegenseitig zu verständigen und zu verstehen. Auch hier gibt es verschiedene Typen, welche im nächsten Abschnitt erläutert werden.


Veränderungstypen kultureller Identität[Bearbeiten]

Im Laufe der Zeit bilden sich Veränderungstypen kultureller Identität. Hier lassen sich vier verschiedene Typen erkennen:

  • Der Assimilationstyp - lehnt die eigene Heimatkultur radikal ab und übernimmt problemlos die Werte und Normen der Fremdkultur. Es kommt zum Verlust der eigenen kulturellen Identität.
  • Der Kontrasttyp - erlebt die Unterschiede zwischen der eigenen und fremden Kultur sehr deutlich. Er lehnt die Gastkultur radikal ab und betont auf dem Hintergrund der fremdkulturellen Erfahrungen den Wert der eigenen Kultur.
  • Der Grenztyp - erfährt beide Kulturen als Träger bedeutungsvoller Werte und Normen.
  • Der Synthesetyp - kann die für ihn bedeutsamen Elemente beider Kulturen so zu einer „neuen Ganzheit“ verschmelzen, sodass diese für ihn zu einer Bereicherung seiner Persönlichkeit führen. Für die Gesellschaft entstehen aus dieser Haltung Chancen für interkulturelle Kommunikation und zu einer multikulturellen Identität.


Der Fragenkatalog[Bearbeiten]

Immer wieder bin ich beim Lesen auf Kommentare und Beiträge gestoßen, die deutlich gemacht haben, dass nicht alle Bürger der Grenzöffnung für Arbeitskräfte aus Osteuropa positiv gegenüber stehen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Regelung positiv gegenüber steht. In meinem Fragenkatalog werde ich deshalb auf die Arbeits- aber auch die persönliche Situation bzw. Einstellung gegenüber der fremden Kultur der Probanden eingehen. So werden wie oben bereits genannt verschiedene Kategorien, wie eventuelle Sprachprobleme oder religiöse Unterschiede, angesprochen.

Mittlerweile gibt es genügend neue Studien, die diese Angst der Bevölkerung unberechtigt erscheinen lassen. So sagt zumindest Arbeitsminister Günter Baaske (SPD), dass der Markt voraussichtlich nicht mit polnischen Arbeitskräften "überspült" [9] werde, und auch sonst ist man überrascht, denn die befürchtet Überflutung von polnischen Arbeitskräften blieb bislang aus. Laut Statistiken sind 42,9 % der Bevölkerung der Meinung, dass die Arbeitsplätze gelernter und ungelernter Arbeitskräfte in Gefahr sind. Immerhin 30,2 % sind der Meinung, dass vor allem Arbeitsplätze ungelernter Arbeitnehmer in Gefahr sind. Nichtsdestotrotz möchte ich hier jedoch persönlich herausfinden, wie die Bürger tatsächlich der EU-Freizügigkeit gegenüber stehen.

Das Interview[Bearbeiten]

Für die Leitfadeninterviews habe ich folgende Probanden gewählt.

  • Proband 1: weiblich / 42 Jahre alt / deutsch / Sozialpädagogin "Interview I"
  • Proband 2: weiblich / 48 Jahre alt / deutsch/ gelernte Hebamme / Geschäftsleitung des Weltladen Esslingen "Interview II"
  • Proband 3: männlich /42 Jahre / kroatisch (lebt schon seit über 20 Jahren in Deutschland) / Haustechniker "Interview III"

Auswertung[Bearbeiten]

Ich habe lange überlegt, welche Interviewpartner ich auswählen sollte. Letztendlich habe ich mich für die oben aufgeführten Personen entschieden. Es sind drei Personen, die in sehr unterschiedlichen Berufen tätig sind. Probandin 1 ist schon sehr lange in ihrem Beruf tätig und hat eine sichere Arbeitsstelle. Probandin 2 arbeitet auch schon einige Jahre im Weltladen und hat somit auch eine sichere Arbeitsstelle, ebenso wie Proband 3. Im Gespräch mit Probandin 1 und 2 fiel mit auf, dass diese gelassen auf die EU-Regelung reagierten. Beide gaben im Interview an, dass es viele Jobs gäbe, die von Deutschen nicht mehr besetzt werden würden, wie z.B. die Seniorenbetreuung, da die beruflichen Voraussetzungen nicht hinnehmbar seien. Vondaher sei man froh, dass es noch jemand gibt, der diesen Beruf für diese Bezahlung und Arbeitszeiten noch erfüllen will. Auf der anderen Seite sei es so schwer, den Mindestlohn hochzusetzen, wenn man stets billigere Kräfte fände. Beide Probandinnen sahen dies als ein Problem. Auf meine Frage, ob sie sich vorstellen können, das Kräfte, aufgrund von billigerem Ersatz, entlassen werden könnten, entgegneten beide mit nein. Beide können sich dies nicht vorstellen, insofern ein fester Arbeitsvertrag besteh und die Kraft gute Leistungen erbringt. Probandin 1 hielt jedoch fest, dass man in Zukunft nach Einsparmöglickeiten suchen werde, jedoch niemand deswegen entlassen werde. Beide Probandinnen sind der Meinung, dass es zu keinen großen kulturellen Schwierigkeiten kommen wird. Einzig im Hinblick auf die Sprache könne es eventuell zu Schwierigkeiten kommen. Jedoch hat Probandin 1 bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Parallel zur Arbeit sollen Kräfte aus Osteuropa einen Sprachkurs belegen, um ihre Kenntnisse zu vertiefen. Probleme im täglichen Miteinander sehen sie nicht, denn dies sei eine Persönlichkeitsfrage und auch religiöse Probleme werden nicht als Gefährdung gesehen zumindest solange es sich auf Europa beziehe, da die Religionen sich dort ähnlich seien. Probandin 2 sieht den kulturellen Austausch als Chance voneinander zu lernen. Als Antwort auf meine Hypothese gab Probandin 2 an, dass sie sich zwar vorstellen könne, dass viele Deutsche, oder schon lang in Deutschland arbeitende Kräfte, mit der Regelung unzufrieden seien, dass dies aber „ein Jammern auf einem sehr hohen Niveau“ sei. Dabei gehe es nur um die Angst zu kurz zu kommen. Desweiteren sagt sie, dass es dabei immer ein bestimmtes Klientel sei, dass sich beschwert, nämlich die jenigen, denen es eigentlich gut gehe. Beide Probandinnen sehen die Regelung deshalb als Chance für die deutsche Infrastruktur, sehen aber auch die negativen Seiten dieser Regelung, wie die Arbeitszeiten und Bezahlung, denn oft kämen die persönlichen Bedürfnisse dieser Kräfte viel zu kurz. Nach Probandin 1 und 2 habe ich lange überlegt wer sich noch eignen würde. Mich hat interessiert, ob es noch andere Ansichten zu diesem Thema geben würde. Ich entschloss mich letztendlich für Proband 3, denn dieser stammt selbst aus Kroatien, lebt jedoch schon über 20 Jahre in Deutschland und hat einen festen Job.

Beim Interview mit Proband 3 wurde schnell deutlich, dass er der Regelung skeptisch gegenübersteht. Er bemerkte, dass man sich im Klaren darüber sein müsse, was das auch langfristig bedeute. Viele würden auch mit dem Gedanken hier nach Deutschland kommen, später eine soziale Absicherung durch den Staat zu bekommen. D.h. würde der Arbeiter nach ein paar Jahren oder gar Monaten arbeitslos werden, so müsse wieder der Steuerzahler dafür aufkommen. Außerdem sei die Konkurrenz mittlerweile so groß, dass jeder schaue, wo er einsparen könne. Und da sähe der Arbeitgeber in den billigeren Kräften natürlich ein lukratives Geschäft. Deshalb, so sagt er wie zuvor Probandinnen 1 und 2, sei es auch so schwer mit dem Mindestlohn. Würden die osteuropäischen Kräfte wie die deutschen bezahlt und behandelt, so wären es keine Konkurrenten, sondern viel mehr Mitbewerber. Demnach würde es anders aussehen. Auf meine Frage, ob er denke, dass die kulturellen Unterschiede zu Problemen führen könnten, entgegnete er mit nein. Zumindest nicht, wie auch Probandin 2 bemerkte, wenn es innerhalb Europa sei. Die religiösen Unterschiede seien hier nicht so groß. Einzig und allein den sprachlichen Problemen müsse mehr Bedeutung zukommen, denn niemand wolle eine Kraft einstellen, die kein Deutsch könne.

Fazit[Bearbeiten]

Beim verfassen dieser Arbeit war ich ziemlich sicher, dass meine Probanden dieser Regelung durchaus positiv gegenüberstehen würden. Während der Recherche las ich viele Kommentare in verschiedenen Foren mit unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema. Ich hatte den Eindruck, dass die negativen Kommentare stets von Bürgern kamen, die keinen zufriedenstellenden Job haben oder Ausländern negativ gegenüberstehen. Die ersten beiden Interviews bestätigten mich in meiner Annahme. Beide Probandinnen stehen der Regelung positiv gegenüber. Probandin 1, die als Sozialpädagogin tätig ist, weiß, dass unsere Bevölkerung zunehmend älter wird und wir jetzt schon einen enormen Fachkräftemangel in Deutschland haben. Aufgrund ihres Wissens, wie es um die Pflegebranche steht, zieht sie die Konsequenz, dass wir in Deutschland auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sind. Auch Probandin 2, die aufgrund ihres Mannes ebenfalls viel aus der Pflegebranche mitbekommt, sieht dies ähnlich. Nach diesen beiden Interviews sah ich meine Hypothese als nicht bestätigt. Als letzten Interviewpartner zog ich Proband 3 heran. Anders als die beiden Probandinnen zuvor ist er in einer anderen Branche tätig. Während dem Interview mit ihm wurde mir klar, dass die Regelung je nach Arbeitsfeld und Aufgaben anders gesehen wird. Probandin 1 und 2 sehen in der Regelung Unterstützung, Proband 3 hingegen bezeichnet die Arbeiter als Konkurrenz, wodurch die Löhne gedrückt werden würden. Für mich war es spannend zu erfahren, wie unterschiedlich die Ansichten sind. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass jeder die positiven und negativen Seiten der Regelung sieht. Ich habe das Gefühl, dass jemand der im sozialen Beruf tätig ist, die Regelung positiv sieht. Jedoch umgekehrt jemand, der nun fürchten muss, dass ihm jemand "billigeres" vorgezogen werden könnte, dieser Regelung eher negativ gegenübersteht.

Bezüglich der Hypothese kann keine genaue Aussage getroffen werden, denn es gibt sowohl positive, als auch negative Seiten der Regelung. Wir befinden uns wie in einem Zwiespalt. Einerseits wissen wir, dass wir mehr Kräfte brauchen, andererseits will man die eigenen Tätigkeiten nicht durch Billigkräfte gefährden. Einzig und allein im Hinblick auf die kulturellen Unterschiede kann ich sagen, dass alle drei Probanden keine Bedenken haben, und es mehr noch als Bereicherung für die "deutsche" Kultur sehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://pflegepolen.wordpress.com/2011/04/19/grenzoffnung-fur-arbeitskrafte-aus-osteuropa-zum-01-mai-2011/(27.07.2011)
  2. http://www.focus.de/finanzen/karriere/perspektiven/fachkraefte/tid-11142/eu-freizuegigkeit-billigloehner-muessen-draussen-bleiben_aid_318276.html (27.07.2011)
  3. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitnehmerfreizuegigkeit118.html (27.07.2011)
  4. http://www.focus.de/finanzen/karriere/perspektiven/fachkraefte/tid-11142/eu-freizuegigkeit-billigloehner-muessen-draussen-bleiben_aid_318276.html (27.07.2011)
  5. http://kompakt-nachrichten.de/?p=4304 (27.07.2011)
  6. http://www.n-tv.de/politik/dossier/Europas-neue-Freizuegigkeit-article3140796.html (27.07.2011)
  7. http://www.n-tv.de/politik/dossier/Europas-neue-Freizuegigkeit-article3140796.html (27.07.2011)
  8. Vgl. Geert Hofstede; Lokales Denken, globales Handeln: 7
  9. http://www.rbb-online.de/nachrichten/wirtschaft/2011_03/brandenburg__chancen.html(27.07.2011)





Weitere Quellen[Bearbeiten]

Name Studiengang vhb Wiki Thema Forschungsland Homepage Video abgeschlossen
Kursleiterin Eva Sondershaus, M.A. Eva Sondershaus [IPK-Zentrale]
Julia Lehramt HS Julia Ungarn
Svitlana Germanistik B.A. Svitlana Nordafrika
Melina Rigakis KUK Melina Griechenland


Kerrin Geschichte B.A. Kerrin UK
Lena DaF/DaZ B.A. Lena Deutschland / Neue EU-Staaten