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Benutzer:K. Langer

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Studium[Bearbeiten]

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Bachelor of Arts, 5. Semester
Geschichte
DaF/DaZ und Interkulturelle Kommunikation
Theologie
Seminar
Kulturelle Identität, interkulturelle Prozesse und Kulturvergleiche
Dozentin
Eva Sondershaus, M.A.

Nützliche Links[Bearbeiten]

IPK im SS 2011[Bearbeiten]

Café IPK

Name Studiengang vhb Wiki Thema Forschungsland Homepage Video abgeschlossen
Kursleiterin Eva Sondershaus, M.A. Eva Sondershaus [IPK-Zentrale]
Julia Lehramt Hauptschule Julia Ungarn
Svitlana Germanistik, B.A. Svitlana Nordafrika
Melina KuK, B.A. Melina Vietnam
Kerrin Geschichte, B.A. Kerrin Deutschland
Lena DaF/DaZ, B.A. Lena Polen/Deutschland
Anna Katharina Anglistik B.A. Anna Kanada

Thema: Muslimische Soldaten in der Bundeswehr[Bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten]

Im Zuge der anstehenden Bundeswehrreform und der Abschaffung der Wehrpflicht wurde im Verteidigungsministerium, bereits unter Minister zu Guttenberg, darüber nachgedacht, die Bundeswehr auch für EU-Ausländer die keinen deutschen Pass haben zu öffnen. Auch der Wehrbeauftragte Helmut Königshaus sagte dazu: „Ich könnte mir schon vorstellen, Personen mit Migrationshintergrund den Dienst in den Streitkräften zu ermöglichen“.[1]

Doch schon heute dienen „Personen mit Migrationshintergrund“ in den deutschen Streitkräften. Da die Bundeswehr immer ein Spiegel der Gesellschaft im weiteren Sinne gewesen ist und sich dies bis heute nicht geändert hat,[2] gibt es auch immer mehr Soldaten die einen Migrationshintergrund haben.[3] Schätzungen zu Folge kommen diese Soldaten aus 82 Nationen der Erde, ca. 1000 von ihnen sind muslimischen Glaubens.[4] Und nicht alle von ihnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Manche haben eine doppelte Staatsbürgerschaft, andere wiederum kommen aus den Armeen anderer Staaten um in Deutschland ihre Offiziersausbildung zu absolvieren. Auch diese Soldaten müssen beachtet werden, da sie ihren Dienst in deutscher Uniform leisten, mindestens sechs Jahre in Deutschland leben und teilweise ihre Familien (d.h. Frau und Kinder) mitbringen.

Aufgrund aller dieser Soldaten mit Migrationshintergrund zeichnet sich die Bundeswehr laut Bundesministerium der Verteidigung durch einen religiösen und kulturellen Pluralismus aus. Jener Pluralismus entsteht durch die unterschiedliche kulturelle Identität der einzelnen Soldaten und ist eine Bereicherung für die Streitkräfte.[5]

Hypothese[Bearbeiten]

Dennoch berichten Soldaten immer wieder, dass die kulturellen Identitäten zwischen deutschstämmigen Soldaten und zum Beispiel Soldaten muslimischen Glaubens die einen Migrationshintergrund haben so verschieden sind, dass sie aufgrund von anderen Wertmaßstäben, Rollenverständnissen und religiösen Praktiken, teilweise auch durch schlechte Sprachkenntnisse, eher negativen als positiven Einfluss auf den militärischen Alltag haben und den notwendigen Zusammenhalt der Truppe verhindern.[6]

Da bei muslimischen Soldaten mit Migrationshintergrund die kulturelle Identität zudem noch durch eine, vielen Soldaten fremd erscheinende Religion geprägt ist, widmet sich diese Arbeit dieser spezifischen Gruppe von Soldaten.

Und so lautet die Hypothese:

„Die kulturelle Identität von muslimischen Soldaten mit Migrationshintergrund verhindert die Einheit der Truppe“.[Bearbeiten]

Die zusätzliche Eingrenzung „Migrationshintergrund“ wurde gewählt, da es auch muslimische Soldaten gibt, die konvertiert sind, deswegen aber trotzdem eine deutsche kulturelle Identität besitzen.

Definitionen[Bearbeiten]

Kulturelle Identität[Bearbeiten]

„Identität“ „bezeichnet […] das je spezifische Selbst- und Weltverhältnis sozialer Subjekte.“ Dabei „geht es nicht um die Frage der äußerlichen Identifizierbarkeit einer Person, sondern um ihr Selbstbild und ihr Selbstverständnis, d.h. um ihre gelebte und nur zum Teil reflektierte Antwort auf die Frage >>Wer bin ich?<<“.[7]

Als Grundlage für die Definition des Begriffs „kulturelle Identität" dient der erweiterte Kulturbegriff. Dieser bezieht sich auf allgemeine lebensweltliche Zusammenhänge, die durch das Zusammenleben ständig neu geschaffen werden. Hierzu zählen Religion, Ethik, Recht, Technik, Bildungssysteme, materielle und immaterielle Produkte ebenso wie Umweltprobleme.[8]

Die „kulturelle Identität“ eines Menschen ist also die Identität, die sich mit der Kultur, in die er enkulturiert[9] und sozialisiert wurde identifiziert, deren Werte, Normen und Verhaltensregeln er teilt. „Identität stiftend ist dabei die Vorstellung, sich von anderen Individuen oder Gruppen kulturell zu unterscheiden […]. Die Gesichtspunkte, die eine kulturelle Identität prägen, sind heterogen und können auch zueinander im Widerspruch stehen. Kulturelle Identität entsteht also aus der diskursiven Konstruktion des „Eigenen", die durch den Gegensatz zu einem wirklichen oder bloß vorgestellten „Anderen“ hervorgerufen wird. Dieser Vorgang ist stark von Gefühlen geprägt, wobei das Eigene ein Sicherheits-, Geborgenheits- und Heimatgefühl vermittelt. Gegenüber dem „Anderen“ oder dem „Fremden“, das oft erst im Prozess der Bildung von Identität als solches definiert wird („Othering“), kann sich Nichtwahrnehmung, Verunsicherung, Abneigung und sogar Hass entwickeln.“[10]

Lebt man im Ausland kommt es je nach Akkulturationsgrad zu einem verstärkten Ausleben der kulturellen Identität. So verhalten sich z.B. viele Türken „türkischer als in der Türkei“. Ausschlaggebend ist dabei das Gefühl, sich gegen das übermächtig erscheinende „Andere“ abgrenzen zu müssen um seine Identität erhalten zu können. Die kulturelle Identität kann im Integrationsprozess bzw. in der Interaktion mit anderen dann zum Problem werden, wenn man darauf besteht, die Unterschiede zwischen den Kulturen aufrechtzuerhalten und sich abzugrenzen.[11]

Menschen mit Migrationshintergrund[Bearbeiten]

Bei Menschen mit Migrationshintergrund „handelt es sich um Personen, die nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugezogen sind, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer/-innen und alle in Deutschland Geborene mit zumindest einem zugezogenen oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil.“[12]

Aufgrund dieser Definition und der Definition von Migration des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge: "Von Migration spricht man, wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt. Von internationaler Migration spricht man dann, wenn dies über Staatsgrenzen hinweg geschieht",[13] werden für diese Arbeit auch diejenigen muslimischen Soldaten, die aus anderen Armeen stammen und ihren Dienst sowie ihre Ausbildung in der Bundeswehr absolvieren, als Soldaten mit Migrationshintergrund gesehen und werden somit für die Bearbeitung der Hypothese relevant.

Die Einheit der Truppe[Bearbeiten]

Da „Truppe“ die „Sammelbezeichnung für Einheiten, Verbände und Großverbände der Streitkräfte“[14] ist und somit auf dieser Ebene keine adäquate Aussage zur Hypothese getroffen werden kann wird für diese Arbeit die Ebene des „Zugs“ gewählt. Der „Zug“ ist eine der kleinsten militärischen Teileinheiten und besteht aus 12 bis 60 Soldaten.[15] Er ist innerhalb der Truppe der Bezugspunkt für die ihm angehörenden Soldaten. Die meisten sozialen Kontakte ergeben sich innerhalb des Zuges.

Der Zusammenhalt oder auch die Einheit des Zuges ist für das militärische Zusammenleben und Arbeiten elementar. Gerade in Gefechtssituationen, zum Beispiel in Afghanistan, muss sich jeder Soldat auf den anderen verlassen können. Jeder Soldat ist aufgefordert, sich in diese Einheit einzubringen und sich als Teil derselbigen zu sehen. Ausdruck dafür ist die Kameradschaft die im Soldatengesetz § 12 gesetzlich verankert ist. Darin heißt es: „Der Zusammenhalt der Bundeswehr beruht wesentlich auf Kameradschaft. Sie verpflichtet alle Soldaten, die Würde, die Ehre und die Rechte des Kameraden zu achten und ihm in Not und Gefahr beizustehen. Das schließt gegenseitige Anerkennung, Rücksicht und Achtung fremder Anschauungen ein.“[16]

Weiter heißt es in der Zentralen Dienstvorschrift(ZDv) 10/1 Innere Führung,[17] dass „die Menschen in der Bundeswehr Teil der Gesellschaft mit ihrer Vielfalt, aber auch ihren Interessensgegensätzen und Konflikten [sind]. Damit steht auch die Bundeswehr selbst im Widerstreit der Meinungen und im Spannungsfeld unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Herkünfte. […] In einem offenen Dialog entsteht durch Vertrauen geprägte Kameradschaft.“[18] Man ist sich also dessen bewusst, dass es trotz des „gesollten“ Zusammenhaltes und der Kameradschaft immer wieder zu Spannungen kommen kann, gerade auch dann, wenn Menschen unterschiedlich kulturell geprägt sind. Der geforderte und notwendige Zusammenhalt der Truppe steht also immer im Konflikt mit der „Individualisierung[19] bezüglich politischer Meinung, nationaler Herkunft, kultureller Geprägtheit, religiöser Zugehörigkeit, praktiziertem Lebensstil einschließlich der sexuellen Ausrichtung.“[20] Um diesen Konflikt zu überwinden wird von den einzelnen Soldaten ein Höchstmaß an Toleranz und Integrationswillen gefordert. Ob dieser Anspruch, hier in Bezug auf die nationale Herkunft, kulturelle Identität und religiöse Zugehörigkeit, zu hoch ist, also die Hypothese dieser Arbeit bestätigt wird, soll im Folgenden durch die Auswertung einer qualitativen Studie untersucht werden.

Interviews[Bearbeiten]

Die ausgewählten Probanden studieren zurzeit alle an der Universität der Bundeswehr in München (Dienstgrad Leutnant) und haben keinen Migrationshintergrund. Proband 2 und 3 haben ihren Dienst in der Bundeswehr als Wehrpflichtige angefangen und somit die Allgemeine Grundausbildung (AGA) durchlaufen. Proband 1 und 4 haben nur die Grundausbildung für Offiziere (OAL) durchlaufen. Die Interviews von Proband 1 und 4 beziehen sich auf die Ausbildungszeit im OAL, die Interviews von Proband 2 und 3 auf die Ausbildungszeit in der AGA. Alle Angaben zu den Probanden beziehen sich auf diesen Zeitraum. Leider konnte, aufgrund fehlender Kontakte, kein Proband aus der Teilstreitkraft (TSK) Marine für ein Interview gewonnen werden.

  • Proband 1: 19 Jahre alt, Jäger/Gefreiter, TSK Heer, Panzertruppe "Interview 1"
  • Proband 2: 20 Jahre alt, Jäger/Gefreiter, TSK Heer, Fernmelder "Interview 2"
  • Proband 3: 19 Jahre alt, Flieger/Gefreiter, TSK Luftwaffe "Interview 3"
  • Proband 4: 20 Jahre alt, Schütze/Gefreiter, SKB, Feldjäger "Interview 4"

Um das Lesen und die Auswertung der Interviews zu erleichtern, wurden sowohl die Interviewfragen als auch die Antworten der Probanden bei der Transkription der Tondateien weitestgehend der grammatikalischen Richtigkeit und dem Hochdeutschen angepasst.

Zur Führung der Interviews wurden 5 Kategorien gebildet, anhand derer konkrete Fragen formuliert wurden. Aufgrund dessen und entsprechenden Nachfragen zu den Antworten, kam es bei den einzelnen Interviews zu leichten (inhaltlichen) Abweichungen bei der Formulierung der gestellten Fragen.

Diese Kategorien sind:

  1. Ethnische Herkunft
  2. Verhaltensunterschiede
  3. Verhältnis der Soldaten zueinander
  4. Einheit der Truppe
  5. Die Bundeswehr als Ort der Integration

Auswertung der Interviews[Bearbeiten]

Ethnische Zugehörigkeit[Bearbeiten]

Die interviewten Soldaten berichten von Erfahrungen mit muslimischen Soldaten mit und ohne deutscher Staatsangehörigkeit.

Die muslimischen Soldaten mit deutscher Staatsangehörigkeit bzw. ihre Eltern kommen aus Syrien, der Türkei und dem Sudan. Proband 3 konnte zur ethnischen Herkunft seines muslimischen Kameraden keine Angaben machen und ist sich auch nicht sicher, ob jener in Deutschland geboren wurde.

Der syrischstämmige Soldat ist laut Proband 1 „in Deutschland [aufgewachsen], spricht aber fließend arabisch“.

Proband 2 hat keine Aussage dazu getroffen, ob der sudanstämmige bzw. der türkischstämmige Soldat jeweils in Deutschland geboren ist oder nicht.

Proband 4 hatte zwei muslimische Kameraden ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die zur Ausbildung aus den Armeen anderer Staaten nach Deutschland gekommen sind. Der eine Soldat kommt aus dem Iran, an die Herkunft des zweiten Soldaten kann sich Proband 4 nicht mehr erinnern. Da er diesen Kameraden aber im Interview selbst, in Abgrenzung zum iranischen Soldaten als „Nicht-Iraner" bezeichnet, wird in den weiteren Ausführungen zur besseren Zuordbarkeit vom „nicht-iranischen“ Soldaten die Rede sein.

Verhaltensunterschiede und kulturelle Identität[Bearbeiten]

Auch wenn die Soldaten alle muslimischen Glaubens sind, so gehören sie doch unterschiedlichen Ethnien an und haben dementsprechend auch unterschiedliche kulturelle Identitäten. Man würde also erwarten, dass sie sich auch entsprechend unterschiedliche verhalten.

Zur kulturellen Identität des syrischstämmigen Soldaten sagt Proband 1 zum Beispiel, dass dieser „im Grunde genommen Araber [ist], aber deutsch [spricht]“.

Jedoch berichten die Probanden nur von großen Verhaltensunterschieden unter den muslmischen Soldaten hinsichtlich der Religionsausübung. Auch wenn bis auf den türkischstämmigen Soldaten alle kein Schweinefleisch gegessen und kein Bier getrunken haben, kam es bei der Ausübung der religiösen Pflichten, wie Gebetszeiten und dem Fasten im Monat Ramadan, die in den Dienst fallen, zu Unterschieden. So haben der syrischstämmige Soldat, der Kamerad von Proband 3, der iranische Soldat, der türkischstämmige Soldat und der sudanstämmige Soldat nicht auf die Gebetszeiten während des Dienstes bestanden. Jedoch haben die drei Erstgenannten ihre Gebete nach dem Dienst nachgeholt. Der iranische Soldat hat zudem auf die Einhaltung des Fastenmonats Ramadan bestanden, während der syrischstämmige Soldat diesen teilweise nachgeholt hat.

Den größten Unterschied im Verhalten zu den Anderen zeigt der "nicht-iranische" Soldat. Dieser hat nach Proband 4 alle Gebetszeiten fünfmal am Tag rigoros eingehalten, „zum Beispiel […] auf der Hindernisbahn, […] wirklich mittendrin in der Ausbildung“. Auch den Ramadan hat er, zusammen mit dem iranischen Soldaten, eingehalten.

Insgesamt werden die muslimischen Soldaten von den Probanden als zurückhaltender bzw. zurückgezogener beschrieben, sei es, dass sie, im Gegensatz zu den Anderen, nur in Badehose geduscht haben oder sei es generell im Verhalten gegenüber den deutschstämmigen Soldaten. Nur Proband 2 berichtet, dass „der eine halt ein bisschen aggressiv [war], der aus der Türkei“. Allerdings liegt das für ihn an der Persönlichkeit des Soldaten und nicht an seiner Kultur.

Der größte Unterschied zu den deutschstämmigen Soldaten ist also die Religion. Es kann aber nicht festgestellt werden, dass die unterschiedlich starke Ausübung der selbigen mit der kulturellen Identität der einzelnen muslimischen Soldaten zusammenhängt. Dies hat eher mit der (Un-)Kenntnis der eigenen Religion zu tun. So haben Muslime nach dem Koran das Recht, die Fastenzeit bzw. die fünf täglichen Gebete nachzuholen, wenn es ihnen nicht möglich ist, sie zur vorgeschriebenen Zeit zu verrichten.[21]

Verhältnis und Einheit innerhalb des Zuges[Bearbeiten]

Das kameradschaftliche Verhältnis innerhalb des Zuges beschreiben alle Probanden als durchaus positiv. Meistens hätten die muslimischen Soldaten aber mehr Bezug zueinander bzw. zu Soldaten, die auch einen Migrationshintergrund haben.

Der syrischstämmige Soldat sei viel mit einem Soldat aus dem Kaukasus zusammen gewesen und unter sich seien sie auch viel offener miteinander umgegangen.

Auch der iranische und der "nicht-iranische" Soldat „hatten ein noch engeres Verhältnis“ zueinander als zu den anderen. Dennoch erwähnt keiner der vier Probanden Anfeindungen gegenüber den muslimischen Soldaten.

Allerdings berichtet Proband 3 von „Futterneid“, da der muslimische Kamerad draußen immer extra bekocht wurde und somit mehr zu essen hatte als die anderen.

Auch Proband 4 berichtet, dass der "nicht-iranische" Soldat das kameradschaftliche Verhältnis belastete, da durch die strikte Einhaltung der Gebetszeiten und seines Unwillens, sich zu integrieren, die Stimmung im Zug und der Vorgesetzten nicht gut gewesen sei.

Trotzdem sehen vor allem Proband 4 und Proband 1 in den muslimischen Soldaten eine Bereicherung für das soziale Miteinander. Durch sie lerne man eine andere Kultur kennen. Voraussetzung sei aber der Wille, sich zu integrieren und, für Proband 2, sich an die gleichen Grundsätze zu halten wie alle anderen. Der kulturelle Pluralismus in der Bundeswehr wird also nicht nur vom Bundesministerium der Verteidigung als etwas positives gesehen, sondern auch von den Soldaten.

Problematisch für Proband 1 sei allerdings das Desinteresse der deutschstämmigen Soldaten an der Kultur und der Person des syrischstämmigen Soldaten bzw. den Soldaten mit Migrationshintergrund im Allgemeinen.

Fazit und Ausblick[Bearbeiten]

Nach Auswertung der Interviews kann zur Hypothese keine eindeutige Aussage getroffen werden. Eine Tendenz zur Gefährdung der Einheit der Truppe besteht zum einen höchstens in der religiösen Identität der muslimischen Soldaten, beispielsweise, wenn sie wie der "nicht-iranische" Soldat auf die uneingeschränkte Ausübung der Religion bestehen oder wenn die deutschstämmigen Soldaten das Gefühl haben, nachteilig behandelt zu werden.

Dieses Ergebnis deckt sich auch mit einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr zu Muslimen in den Streitkräften. Darin berichten die muslimischen Soldaten, dass es auch zu „dummen Sprüchen“ komme. Weiter heißt es, dass die Muslime sich bemühen, die Glaubensvorschriften dem Dienst in der Bundeswehr anzupassen, aber „je religiöser einer ist, desto schwerer fällt die Integration“.[22]

Zum anderen könnte das von Proband 1 angesprochene Desinteresse die Einheit der Truppe gefährden. Auch dies deckt sich mit den Ergebnissen der Studie des Instituts, deren Ergebnis nach „[es] Migranten schwer in der Bundeswehr haben“.[23]

Dennoch ist die Integration der muslimischen Soldaten in die Truppe, wie gezeigt wurde, machbar und auch die von allen Soldaten geforderte Toleranz ist kein zu hoher Anspruch. Voraussetzung ist dabei der Willen beider Seiten, aufeinander zuzugehen und eigene Ansprüche zurück zu stellen. Dadurch kann die Bundeswehr auch zum Ort der sozialen Integration für die Gesellschaft werden.[24]

Denn der Dienst „mit verschiedenen [Soldaten] mit verschiedenem kulturellen Hintergrund schweißt [zusammen] und bringt die Ethnien erst mal zusammen“ (Proband 1). Es „entwickeln sich dann Freundschaften oder Bekanntschaften man macht mehr über die Bundeswehr hinweg, man geht am Wochenende mal zusammen raus“ (Proband 4). Und auch die Familien der einzelnen Soldaten kommen in Kontakt miteinander zum Beispiel „bei den Gelöbnissen“ (Proband 2).

Doch die Abschaffung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 hat neue Verhältnisse geschaffen. Ob die Bundeswehr weiterhin ein Spiegelbild der Gesellschaft sein wird und zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund beiträgt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

Bemerkenswertes[Bearbeiten]

Der syrischstämmige Soldat, der von Proband 1 als "Araber der Deutsch spricht" eingeschätzt wird, ist im deutsch-israelischen Arbeitskreis und hat schon öfters eine Synagoge besucht. Bedenkt man die Beziehungen zwischen Israel und Syrien, den gegenseitigen Argwohn, mit dem auch schon die Kinder aufwachsen, ist dies eine bemerkenswerte Tatsache!

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.tagesspiegel.de/politik/koennen-sie-sich-eine-deutsche-fremdenlegion-vorstellen/4341732.html (21.07.2011)
  2. Kozielski, Peter Michael: Die Bundeswehr – Spiegelbild der Gesellschaft? (SoWi- Arbeitspapier Nr. 115), Strausberg 1998, S. 3.
  3. Menke, Iris: Nicht nur wegen der Auslandseinsätze: Interkulturelle Kompetenz – was hat das mit der Bundeswehr zu tun? In: Treffpunkt, Magazin für Migration und Integration, 2/2009, S. 4.
  4. Da die Angabe der Religionszugehörigkeit freiwillig ist, liegt die Zahl muslimischer Soldaten wahrscheinlich deutlich höher. Koelbl, Susanne et. al.: Gelb, rot und schwarz. In: Der Spiegel, 44/2000, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17704613.html (18.07.2011); Hempelmann, Ute: Multikulti in Tarnfleck, http://www.utehempelmann.de/multikulti-in-tarnfleck/ (19.07.2011).
  5. Heiß, Hans Jürgen: Pluralismus ist die tägliche Wirklichkeit. In:Treffpunkt, Magazin für Migration und Integration, 2/2009, S. 9.
  6. Koelbl, Susanne et. al.: Gelb, rot und schwarz. In: Der Spiegel, 44/2000, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17704613.html (18.07.2011).
  7. Rosa, Hartmut: Identität. In: Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kompetenz, hrsg. von Straub, J. et. al., Stuttgart 2007, S. 47.
  8. http://www.ikkompetenz.thueringen.de/a_bis_z/index.htm (19.07.2011).
  9. "Unter Enkulturation versteht man das Hineinwachsen des Individuums in seine Gesellschaft. Durch Prozesse des sozialen Lernens im Kontext lebenslanger Sozialisation erwirbt das Individuum die für ein Leben in Gesellschaft und Kultur relevanten Werte, Normen, Theorien, Konzepte, Verhaltensregeln, Gewohnheiten, Rituale, etc." Sondershaus, Eva; Seminarpräsentation.
  10. http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Identit%C3%A4t (19.07.2011).
  11. Seminarergebnisse.
  12. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund/Aktuell,templateId=renderPrint.psml (19.07.2011).
  13. http://www.bpb.de/themen/14T33T,0,Definition_von_Migration_und_von_der_Zielgruppe_Migranten.html (18.07.2011).
  14. Der Reibert - Das Handbuch für den deutschen Soldaten. Bearb. von Dieter Stockfisch, Teil B, S. 21.
  15. http://de.wikipedia.org/wiki/Zug_%28Milit%C3%A4r%29 (19.07.2011).
  16. http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/sg/gesamt.pdf (21.07.2011).
  17. "Die Innere Führung ist eine Neuschöpfung in der deutschen Militärgeschichte und beschreibt das Konzept einer rechtstaatlichen, zeitgemäßen soldatischen Menschenführung. Aufgabe ist es, die Spannunen auszugleichen und ertragen zu helfen, die sich aus den individuellen Rechten des freien Bürgers einerseits und den militärischen Pflichten andererseits ergeben. Sie ist sowohl Normenlehre für das Verhalten der Soldaten - und fördert somit deren Motivation und Einsicht in die Legitimation des Auftrages - als auch das Gestaltungsprinzip für die Integration der Streitkräfte in Staat und Gesellschaft und für eine menschenwürdige, an der Rechtsordnung orientierte und auf eine effiziente Auftragserfüllung ausgerichtete innere Ordnung." Kirchbach, Hans Peter von: Wenn das Gewissen befiehlt...In: De Officio – Zu den ethischen Herausforderungn des Offizierberufs, hrsg. vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr Bonn, 2., neu bearb. Auflage, Leipzig 2000, S. 153.
  18. ZDv 10/1, 2008, S. 13.
  19. Individualismus: Anschauung, die dem Individuum, seinen Bedürfnissen den Vorrang vor der Gemeinschaft einräumt. In: Duden, Das Bedeutungswörterbuch, 4. neu bearb. und erw. Auflage, Mannheim 2010, S. 515.
  20. Scheliha, Arnulf von: Toleranz als Tugend in einer multikulturellen Gesellschaft. In: De Officio – Zu den ethischen Herausforderungn des Offizierberufs, hrsg. vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr Bonn, 2., neu bearb. Auflage, Leipzig 2000, S. 414.
  21. Halm, Heinz: Der Islam, Geschichte und Gegenwart, 7. Auflage, München 2007, S. 66; Arbeitspapier 1/2011, S. 36.
  22. Da die Studie unveröffentlicht ist, wird hier auf einen Zeitungsartikel aus „Die Zeit“ zurückgegriffen, in dem die Projektleiterin interviewt wurde. Siehe: Rekrut Soufian Mehrazi, http://www.zeit.de/2008/04/Bundeswehr-04 (24.07.2011).
  23. http://www.mdr.de/fakt/Bundeswehr106.html (24.07.2011).
  24. Arbeitspapier 1/2011: Deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens in der Bundeswehr. Hrsg. vom Zentrum für Innere Führung, S. 8.

Literaturangabe[Bearbeiten]

Arbeitspapier 1/2011: Deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens in der Bundeswehr. Hrsg. vom Zentrum für Innere Führung.

Der Reibert - Das Handbuch für den deutschen Soldaten. Bearb. von Dieter Stockfisch, o.A.

Duden, Das Bedeutungswörterbuch, 4. neu bearb. und erw. Auflage, Mannheim 2010.

Halm, Heinz: Der Islam, Geschichte und Gegenwart, 7. Auflage, München 2007.

Hempelmann, Ute: Multikulti in Tarnfleck, http://www.utehempelmann.de/multikulti-in-tarnfleck/ (19.07.2011).

Heiß, Hans Jürgen: Pluralismus ist die tägliche Wirklichkeit. In:Treffpunkt, Magazin für Migration und Integration, 2/2009, S. 8-10.

Kirchbach, Hans Peter von: Wenn das Gewissen befiehlt...In: De Officio – Zu den ethischen Herausforderungn des Offizierberufs, hrsg. vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr Bonn, 2., neu bearb. Auflage, Leipzig 2000, S. 151- 158.

Koelbl, Susanne et. al.: Gelb, rot und schwarz. In: Der Spiegel, 44/2000, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17704613.html (18.07.2011). Kozielski, Peter Michael: Die Bundeswehr – Spiegelbild der Gesellschaft? (SoWi- Arbeitspapier Nr. 115), Strausberg 1998.

Menke, Iris: Nicht nur wegen der Auslandseinsätze: Interkulturelle Kompetenz – was hat das mit der Bundeswehr zu tun? In: Treffpunkt, Magazin für Migration und Integration, 2/2009, S. 3-5.

Rosa, Hartmut: Identität. In: Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kompetenz, hrsg. von Straub, J. et. al., Stuttgart 2007, S. 47-55.

Scheliha, Arnulf von: Toleranz als Tugend in einer multikulturellen Gesellschaft. In: De Officio – Zu den ethischen Herausforderungn des Offizierberufs, hrsg. vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr Bonn, 2., neu bearb. Auflage, Leipzig 2000, S. 404- 418.

ZDv 10/1, 2008, S. 13.


http://www.zeit.de/2008/04/Bundeswehr-04 (24.07.2011).

http://www.tagesspiegel.de/politik/koennen-sie-sich-eine-deutsche-fremdenlegion-vorstellen/4341732.html (21.07.2011).

http://www.ikkompetenz.thueringen.de/a_bis_z/index.htm (19.07.2011).

http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Identit%C3%A4t (19.07.2011).

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund/Aktuell,templateId=renderPrint.psml (19.07.2011).

http://www.bpb.de/themen/14T33T,0,Definition_von_Migration_und_von_der_Zielgruppe_Migranten.html (18.07.2011).

http://de.wikipedia.org/wiki/Zug_%28Milit%C3%A4r%29 (19.07.2011).

http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/sg/gesamt.pdf (21.07.2011).

http://www.mdr.de/fakt/Bundeswehr106.html (24.07.2011).