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Der Tirolerhof (Tirolergarten) im Tiergarten Schönbrunn: Geschichte und Funktion in der Kultur- und Wissensvermittlung zwischen bäuerlicher Denkmalpflege, UNESCO-Weltkulturerbe und artgerechter Tierhaltung

Der denkmalgeschützte Tirolerhof

Der Tirolerhof ist ein 1802 von Erzherzog Johann errichteter Bauernhof im Tiroler Stil. Ursprünglich war er ein Privatbereich der Kaiserfamilie. Inzwischen ist im Tirolerhof ein Restaurantbetrieb untergebracht und wird vom Tiergarten Schönbrunn, als Stall für vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztiere, verwendet. Der angrenzende Grund wird Tirolergarten genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Angeregt durch 1802 „moderne“ Literatur über die Schweiz und Reisen nach Tirol, lässt Erzherzog Johann (1782-1859), ein Bruder Kaiser Franz II./I., am Glorietteberg im Süden der Menagerie ein Bauernhaus im Tiroler Stil errichten. Das bald als „Tirolergarten“ bekannte Areal ist im Gegensatz zur Strenge des barocken Schönbrunner Schlossparks angelegt und bleibt bis 1918 Privatbereich der Kaiserfamilie.

Es ensteht ein „Stadel“ mit Viehwirtschaft, ein Obstgarten und ein kleines chemisches Labor. Die Einrichtung eines Museums mit volkskundlichen Sammlungen aus Tirol kann wegen der napoleonischen Kriege nicht verwirklicht werden.

Neubau[Bearbeiten]

1874 werden die beiden Gebäude abgetragen und durch neue ersetzt. Zumindestens eines von ihnen soll sich zuvor auf der Wiener Weltausstellung (1873) befunden haben.

Enteignung des Besitzes[Bearbeiten]

Nach der Enteignung der kaiserlichen Besitztümer steht der Tirolergarten ab 1920 unter der Verwaltung der neu entstandenen Republik Österreich. Die Viehhaltung wird aufgegeben.

Nachnutzung des Areals[Bearbeiten]

Das Gelände wird als Gastwirtschaft an die Familie Leupold verpachtet und 1921 eröffnet. In den folgenden Jahren kommt es zu zahlreichen Veränderungen der Anlage wie zur Errichtung von Gastgärten, Büffets und Musikpavillions.

1962 wird das Restaurant Tirolergarten neu adaptiert. Die Anlage erhält eine Zufahrtsstraße von der ehemaligen Kammermeierei (heute Tierärztliche Ordination Tiergarten Schönbrunn).

Die Lösung der Pacht mit der Familie Leupold erfolgt 1973. Versuche der damals zuständigen Schloßhauptmannschaft Schönbrunn, geeignete neue Pächter für die leer stehende Gebäude zu finden, scheitern. Auch ein Plan zur Errichtung einer mehrstöckigen Hotelanlage mit Schwimmbad und Liegewiese wird nicht realisiert.

Abtragung[Bearbeiten]

Die Zeit vergeht und 1984 werden die inzwischen baufällig gewordenen Häuser abgetragen. Das Holz wird für den Wiederaufbau gelagert, verschwindet aber im Lauf der folgenden Jahre oder wird unbrauchbar. Im Rahmen der Gründung der Schönbrunner Tiergarten GesmbH wird das Areal des Tirolergartens schließlich zur sanften Nutzung übertragen.

Zweiter Neubau[Bearbeiten]

1994: der seit 1722 bestehende Erb-Bauernhof der Familie Neuhauser aus Brandenberg in Tirol (seit 1986 unter Denkmalschutz) wird im Tirolergarten neu aufgestellt. Die Fresken an der Vorderseite des Hauses werden erneuert bzw. rekonstruiert. Am Tirolerhof werden nun gefährdete Haustierrassen gehalten und gezüchtet. Wenige Jahre später (1997) wird in einem dem Tirolerhof von Erzherzog Johann nachempfundenen neu errichteten Gebäude wieder ein Restaurantbetrieb eröffnet. Unweit des Areals befindet sich ein Parkplatz mit rund 300 Stellplätzen [1]

Die Geschichte des Haidachhofes[Bearbeiten]

Als schönsten Bauernhof Tirols hat der Landeskonservator Dr. Franz Caramelle den Haidachhof aus Brandenberg bezeichnet. Dies verhinderte aber, dass der Hof abgetragen werden sollte. Trotz seiner Schönheit und vor allem trotz seiner Bedeutung als Zeugnis einer besonderen Kulturleistung im Tirol des beginnenden 18. Jahrhunderts konnte der Hof verständlicherweise nicht mehr den Bedürfnissen einer Großfamilie unserer Tage und den Bedürfnissen für eine moderne Bewirtschaftung entsprechen. Dass dieses Tiroler Kulturjuwel aber nicht nur weiterbesteht, sondern auch mit Leben erfüllt ist, verdanken wir vor allem dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, das mit 1. Jänner 1993 das Areal des früheren Tirolergartens dem Schönbrunner Tiergarten zur Verfügung gestellt hat, einigen glücklichen Umständen und der engagierten Unterstützung durch verschiedene Institutionen, Firmen und Einzelpersonen. Seit 1685 ist der Haidachhof Erbhof. Das nun in Schönbrunn, im Bereich des sogenannten Tirolergartens stehende Bauernhaus entstand in seiner wesentlichen Grundelementen im Jahr 1722, also 30 Jahre vor der Eröffnung des Schönbrunner Tiergartens. Natürlich wurden, den jeweiligen Erfordernissen entsprechen, vor allem im 19. Jh. Einige Umbauten durchgeführt. Die Fenster wurden durch Erhöhung vergrößert und in der Stube brachte man an Stelle der Holzwandtafeln 1862 eine Holz-Kasettendecke an. Die dazugehörende Wandtäfelung wurde bei einem späteren Fenstertausch entfernt. Der wunderschöne Kachelofen mit seinem Tiermotiven geht auf die Jahrhundertwende zurück. Die typische alte Rauchkuchl gibt es schon seit dem Jahr 1830 nicht mehr. Im Obergeschoss kannn man an einer Wand noch die Konturen des pyramidenstumpfförmigen Kaminabzuges aus Lärchenholz erkennen. In der Folge wurde in der Küche ein Sparherd verwendet. Heute steht dort ein vom Hafnermeister Hechenblaikner zur Verfügung gestellter, aus einem anderen Tiroler Abbruchobjekt stammender gemauerter Herd. Zu weiteren Veränderungen kam es in den Vierzigerjahren unseres Jahrhunderts: 1942 wurde die talseitige Dachabdeckung durch selbstgemachte Betonplatten ersetzt; 1951 verkleinerte man den Kamin, der nun aus Ziegeln und nicht mehr aus Tuffstein gemauert war. Neben einer Reihe anderer Umbauten im haus und dem Neubau des Stalles kam es 1985 zu einer weiteren auffallenden Änderung im Dachbereich: Nun erhielt auch die hangseitige Dachfläche eine Deckung aus Betondachsteinen und die Holzdachrinnen wurden durch Blechrinnen ersetzt. Bemerkenswert ist noch das Datum 18. November 1986. An diesem Tag gab es einen Bescheid des Bundesdenkmalamtes mit der Erklärung, dass die Erhaltung des Haidachhofes im öffentlichen Interesse gelegen sei. Beim Wiederaufbau des Haidachhofes in Schönbrunn galt als Grundprinzip, im Bereich der Möglichkeiten wieder den ursprünglichen Zustand herzustellen. Einige Beispiele von vielen für den Erfolg dieser Bemühungen sind die Dachdeckung mit Legschindeln, die Verwendung von Holzdachrinnen und der Einbau alter handgeschmiedeter Schlösser. Beim Neubau des Stall. Und Trenntraktes ging die Firma Pirmoser nach alten Regeln des Zimmererhandwerks vor. Der Haidachhof ist ein typischer zweigeschossiger Unterinntaler Einhof, bestehend aus einem Wohntrakt und einem Stall. Und Wirtschaftsgebäude. Die Wiederherstellung des gemauerten Erdgeschosses wurde von der Firma Kallinger Bau durchgeführt. Das sorgfältige Abtragen des in Blockbauweise aus vierseitig besäumten Kanthölzern entstandenen Obergeschosses und die Wiedererrichtung im Schönbrunner Tirolergarten sind eine Meisterleistung von Zimmermeister Hubert Bogner aus Brixlegg und seinen Mannen. Die Ecken sind schwalbenschwanzverzinkt, die Köpfe der mit der giebelseitigen Außenwand verbundenen Balken sind in Kreis-, Herz. Und Zimmermannswinkelform gestaltet. Interessant sind die spiegelbildlich angeordneten Zierbrettchen mit Drachenköpfen über den Türen und Fenstern im Obergeschoss. Innerhalb von nur 8 Monaten, vom Spatenstich am 14. September 1993 bis zur feierlichen Eröffnung am 14. Mai 1994, ist somit Schönbrunn um eine kulturhistorische Besonderheit reicher geworden.[2]


Gebäude Heute[Bearbeiten]

Als schönsten Bauernhof Tirols hat der Landeskonservator Dr. Franz Caramelle den Haidachhof aus Brandenberg (1722) bezeichnet. Es handelt sich um einen typischen zweigeschossigen Unterinntaler Einhof, bestehend aus einem Wohntrakt und einem Stall- und Wirtschaftsgebäude. Die Besitzer des Erbhofes wollten den Hof schon lange durch einen neuen ersetzen, doch vom Denkmalschutz gab es dafür keine Genehmigung. Der Tiergarten Schönbrunn hat den Hof gekauft, abgetragen und sämtliche Teile genau nummeriert und im Tiergarten Stück für Stück wiedererrichtet. Damit verfügt der Tiergarten über eine einzigartige Attraktion mit hohem wissenschaftlichen Wert. [3]

Programme zur Kultur- und Wissensvermittlung[Bearbeiten]

Naturkostladen[Bearbeiten]

Im Erdgeschoss befindet sich ein Naturkostladen, der von Herrn Ferdinand Ambichl geführt wird. Der Besucher erhält dort Informationen über biologische Landwirtschaft. [4]

Tierhaltung[Bearbeiten]

Zur Wissenvermittlung im Bereich der bedrohten Heimtierrassen, werden auf dem Areal folgende Tiere gehalten:

Um das Wissen besser zu vermitteln, befinden sich umfangreiche Informationstafeln an den verschiedenen Ställen.

Führungen[Bearbeiten]

Der Tiergarten Schönbrunn bietet auch spezielle Themen-, Abend- und Nachtführungen an. Ebenfalls können auch Backstage Touren gebucht werden.

Workshops[Bearbeiten]

Der Tiergarten bietet auch Workshops zu den Themen "Beruf Tierpfleger" und "Pferdeflüstern" an.

Tiere und Kulinarik[Bearbeiten]

Ebenfalls bietet der Tiergarten Schönbrunn kulinarische Events wie zum Beispiel:

  • Exklusives Morgenerlebnis
  • Polarnacht
  • Aqua Dinner
  • Safari Dinner

Zoo für Kinder[Bearbeiten]

Um auch jungen Besuchern Wissen über Tiere zu vermitteln, bietet der Zoo spezielle Führungen, Spielplätze und Reitunterricht für Kinder an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kolar K.: Gefärdete Haustierrassen im Tirolerhof.Tierschutzaktion DER BLAUE KREIS.
  • Mitchell G. Ash (Hrsg.): Menagerie des Kaisers - Zoo der Wiener : 250 Jahre Tiergarten Schönbrunn. Pichler, Wien 2002, ISBN 3854312695.

Filme[Bearbeiten]

Bei den beiden ORF-Produktionen "Licht ins Dunkel" und "Ein Fall für Tom Turbo" wurde der Tirolerhof als Drehort benutzt.

Trivia[Bearbeiten]

Am 20.12.1994 wurde vom Abgeordneten Rudolf Parnigoni eine schriftliche Anfrage an den damaligen amtierenden Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Schüssel eingebracht. In dieser Anfrage wurden folgende Fragen gestellt: Ist es üblich, den Tirolerhof im Tiergarten Schönbrunn an Parteien bzw. Vereine und ähnliche Einrichtungen zu "verleihen"? Wenn ja, zu welchem Entgelt? . Wenn nein, wie erklären Sie sich dann die gegenständliche "Verleihung" an die ÖVP? Wurde im gegenständlichen Fall von der ÖVP ein Entgelt für die Benützung des Tiroler Hofes geleistet? Wenn ja, in welcher Höhe? Wenn nein, warum nicht?

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Tirolerhof in Schönbrunn, abgerufen am 27. Oktober 2017
  2. Kolar K.: Gefärdete Haustierrassen im Tirolerhof.Tierschutzaktion DER BLAUE KREIS.
  3. 3,0 3,1 Tirolerhof Zoovienna, abgerufen am 27. Oktober 2017
  4. Waldviertler Naturkost, abgerufen am 06. Dezember 2017
  5. TIROLER GRAUVIEH AM TIROLERHOF IM TIERGARTEN SCHÖNBRUNN, abgerufen am 27. Oktober 2017