Kurs:Diskrete Mathematik/18/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 1 | 2 | 3 | 6 | 3 | 1 | 6 | 7 | 2 | 4 | 8 | 5 | 4 | 1 | 3 | 2 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die Relation heißt linkseindeutig, wenn es zu jedem maximal ein mit gibt.
- Ein Verband heißt boolesch, wenn er komplementär und distributiv ist.
- Eine Äquivalenzrelation auf einer Menge ist eine
Relation,
die die folgenden drei Eigenschaften besitzt
(für beliebige ).
- .
- Aus folgt .
- Aus und folgt .
- Ein aufspannender Wald ist ein Untergraph , der ein Wald ist, dessen Bäume mit den Zusammenhangskomponenten von übereinstimmen.
- Ein
Graph
heißt
bipartit,
wenn es eine disjunkte Zerlegung
derart gibt, dass es nur Kanten zwischen und gibt.
- Eine Paarung für liegt vor, wenn jeder Knoten aus von einer Kante aus abgedeckt wird.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Anzahl der surjektiven Abbildungen und Stirling-Zahlen zweiter Art.
- Der Satz über die Charakterisierung von isomorphen Abbildungen zwischen endlichen Mengen.
- Der Faktorisierungssatz für einen Graphhomomorphismus.
- Es sei eine -elementige Menge und eine -elementige Menge. Dann ist die Anzahl der surjektiven Abbildungen von nach gleich .
- Es seien und Abbildungen zwischen endlichen Mengen. Dann sind und genau dann zueinander isomorph, wenn ihre Faseranzahltupel übereinstimmen.
- Es sei
ein
schwacher Homomorphismus
zwischen den
Graphen
und
.
Dann gibt es eine Faktorisierung von als
wobei die Quotientenabbildung zu einer Äquivalenzrelation auf ist, ein Isomorphismus ist, einen knotenidentischen Untergraphen und einen vollen Untergraphen
beschreibt.
Aufgabe (1 Punkt)
Es seien Elemente in einem kommutativen Halbring . Berechne
Nach dem Distributivgesetz ist
Aufgabe (2 Punkte)
Auf wie viele Arten kann man mit den üblichen Münzen einen Betrag von Cent begleichen?
Wir zählen zunächst die Möglichkeiten, mit den - und -Centmünzen die folgenden Beträge darzustellen:
Dann betrachten wir in jedem Fall, mit wie vielen -Centmünzen man jeweils noch unterhalb von Cent bleibt, der verbleibende Rest wird mit -Centmünzen aufgefüllt. Hierfür gibt es der Reihe nach
Diese Möglichkeiten für die Zweier muss man mit den obigen Möglichkeiten multiplizieren, das ergibt insgesamt
Möglichkeiten.
Aufgabe (3 Punkte)
Für ein doppelverpacktes Geschenk soll eine würfelförmige Schachtel in eine etwas größere würfelförmige Schachtel hineingelegt werden. Bestimme auf unterschiedliche Arten, wie viele Möglichkeiten es dafür gibt.
Wir denken uns den größeren Würfel fest.
Es gibt Möglichkeiten, auf dem kleineren Würfel eine Seite auszusuchen, die der Boden sein soll. Wenn dies festgelegt ist, so gibt es noch Drehmöglichkeiten, wie der Würfel zu platzieren ist. Dies sind Möglichkeiten.
Es gibt Möglichkeiten, auf dem kleineren Würfel eine Ecke auszusuchen, die mit einer fixierten Ecke der größeren Würfelschachtel deckungsgleich werden soll. Wenn dies festgelegt ist, so gibt es noch Drehmöglichkeiten, wie der Würfel zu platzieren ist. Dies sind Möglichkeiten
Es gibt Möglichkeiten, auf dem kleineren Würfel eine Kante auszusuchen, die mit einer fixierten Kante der größeren Würfelschachtel deckungsgleich werden soll. Wenn dies festgelegt ist, so gibt es noch Drehmöglichkeiten, wie der Würfel zu platzieren ist. Dies sind Möglichkeiten
Aufgabe (6 (1+3+2) Punkte)
Eine -Schokolade ist ein rechteckiges Raster, das durch Längsrillen und Querrillen in () mundgerechte kleinere Stücke eingeteilt ist. Ein Teilungsschritt an einer Schokolade ist das vollständige Durchtrennen einer Schokolade längs einer Längs- oder Querrille. Eine vollständige Aufteilung einer Schokolade ist eine Folge von Teilungsschritten (an der Ausgangsschokolade oder an einer zuvor erhaltenen Zwischenschokolade), deren Endprodukt aus den einzelnen Stücken besteht. Bei einer gegebenen vollständigen Aufteilung einer Schokolade kann man sich für jedes Stück fragen, wie oft es bei einem Teilungsschritt der Aufteilung beteiligt war. Diese Zahl nennen wir die Aufteilungstiefe von . Die Summe aller Aufteilungstiefen zu allen Stücken nennen wir die Gesamtaufteilungstiefe der Aufteilung.
- Es sei eine -Schokolade gegeben. Zeige, dass es eine vollständige Aufteilung gibt, bei der jedes Stück die Aufspaltungstiefe besitzt.
- Wir betrachten ein Eckstück einer -Schokolade. Was ist seine minimale Aufteilungstiefe und was ist seine maximale Aufteilungstiefe?
- Hängt für eine fixierte Schokolade die Gesamtaufteilungstiefe von der Aufteilung ab?
- Man halbiert zuerst in der Mitte, die beiden -Schokoladen halbiert man so, dass jeweils -Schokoladen entstehen, diese halbiert man wieder und die entstehenden -Schokoladen halbiert man noch mal. Bei diesem Aufteilungsprozess ist jedes Stück an Teilungen beteiligt. Die Aufteilungstiefe ist also für jedes Stück.
- Die minimale Aufteilungstiefe eines Eckstückes ist , diese erreicht man, indem man von der Gesamtschokolade eine Einerreihe mit der Ecke abtrennt und daraus dann die Ecke als Einzelstück abtrennt. Aufteilungstiefe ist sicher nicht möglich. Die maximale Aufteilungstiefe ist . Größer kann sie nicht sein, da es nur drei Quer- und drei Längsrillen gibt und die Anzahl der Rillen auf den Teilschokoladen bei jedem Teilungsschritt um zumindest kleiner wird. Unter der Aufteilung, bei der man stets eine die Ecke nicht enthaltende Einerrandreihe abtrennt, besitzt die Ecke die Aufteilungstiefe .
- Die Gesamtaufteilungstiefe hängt von der Aufteilung ab. Betrachten wir eine -Schokolade. Wenn man in der Mitte halbiert und dann noch die beiden Teilschokoladen halbiert, so ist jedes Stück an zwei Teilungsvorgängen beteiligt, die Gesamtaufteilungstiefe ist also . Wenn man hingegen jeweils ein Randstück abtrennt, so ist die Summe der Aufteilungstiefen gleich
Aufgabe (3 (2+1) Punkte)
Es seien positive natürliche Zahlen. Die Summe der Stammbrüche ist dann
a) Zeige, dass bei teilerfremd diese Darstellung gekürzt ist.
b) Zeige, dass im Allgemeinen diese Darstellung nicht gekürzt sein muss.
a) Es seien und teilerfremd und es sei eine Primzahl. Wenn den Nenner teilt, so teilt es nach dem Lemma von Euklid einen der Faktoren, sagen wir . Dann teilt es wegen der Teilerfremdheit nicht auch . Somit teilt es auch nicht und Zähler und Nenner sind teilerfremd.
b) Sei
Dann ist
und dies ist keine teilerfremde Darstellung.
Aufgabe (1 Punkt)
Es ist
Damit ist das Inverse zu . Damit ist
Aufgabe (6 Punkte)
Zeige, dass es zu ganzen Zahlen mit eindeutig bestimmte ganze Zahlen mit und mit
gibt.
Zur Existenz. Bei ist eine Lösung. Es sei positiv. Da positiv ist, gibt es ein Vielfaches . Daher gibt es auch eine Zahl mit und . Es sei . Dann ist
und daher ist wie gewünscht. Bei negativ kann man schreiben nach dem Resultat für positive Zahlen. Daraus ergibt sich
Im zweiten Fall erfüllen
und
die Bedingungen.
Zur Eindeutigkeit. Es sei
wobei die Bedingungen jeweils erfüllt seien. Es sei ohne Einschränkung
.
Dann gilt
.
Diese Differenz ist nichtnegativ und kleiner als , links steht aber ein Vielfaches von , sodass die Differenz sein muss und die beiden Darstellungen übereinstimmen.
Aufgabe weiter
Es sei die Menge der Mäuse und die Menge der Löcher auf einem Feld. Es wird beobachtet, dass jede Maus gewisse Löcher benutzt, andere dagegen vermeidet. Zu einer Teilmenge an Löchern definieren wir
und zu einer Teilmenge an Mäusen definieren wir
- Beschreibe zu einem Loch die Menge mit einem Satz.
- Beschreibe die Menge mit einem Satz.
- Beschreibe die Menge mit einem Satz.
- Zeige: Zu Teilmengen
(in )
ist
- Zeige: Für eine beliebige Teilmenge
ist
- Zeige: Für eine Vereinigung
ist
- Gilt für einen Durchschnitt
die Beziehung
- Gilt für eine beliebige Teilmenge
die Beziehung
- Das ist die Menge aller Mäuse, die dieses Loch benutzen.
- Das ist die Menge derjenigen Mäuse, die jedes Loch benutzen.
- Das ist die Menge derjenigen Löcher, die von allen Mäusen benutzt werden.
- Es sei . Dies bedeutet, dass alle Löcher aus benutzt. Dann benutzt erst recht alle Löcher aus der Teilmenge , also gilt .
- Es sei . Die Menge besteht aus allen Mäusen, die alle Löcher aus benutzen. Diese Mäusemenge benutzt insbesondere , daher ist .
- Wegen
gilt nach Teil (4)
und entsprechend für . Dies ergibt die Inklusion . Es sei nun . Dies bedeutet, dass alle Löcher aus und alle Löcher aus benutzt. Also benutzt alle Löcher aus , also .
- Dies muss nicht gelten. Es kann beispielsweise disjunkt zerlegt in und sein. Dann ist
und
.
Es kann aber gleichzeitig sein, dass es sowohl in als auch in jeweils ein Loch gibt, das von keiner Mausbenutzt wird. Dann ist
- Das gilt. Nach (4) ist
,
woraus mit (5) die Inklusion
Die zu (4) analoge Eigenschaft gilt auch für Teilmengen . Angewendet auf , ergibt sich
Aufgabe (2 (1+1) Punkte)
Anna-Lena, Marie-Simone, Hans-Peter und Fritz-Franz gehen zur Farbberatung. Es ergibt sich folgende Empfehlung. Anna-Lena stehen die Farben grün, gelb und pink, Marie-Simone steht gelb und feuerrot, Hans-Peter steht grün, grau und graublau, Fritz-Franz stehen alle bisher genannten Farben außer graublau, dafür zusätzlich noch violett. Es sei die Menge der vier Personen und die Menge der erwähnten Farben zuzüglich blau.
- Erstelle eine Tabelle und ein Verbindungsdiagramm, welche die Relation aus Personen und Farben wiedergeben.
- Bestimme die Fasern zu blau, zu grün und zu Marie-Simone.
-
grün gelb pink feuerrot grau graublau violett blau Anna-Lena Marie-Simone Hans-Peter Fritz-Franz - Die Faser zu blau ist leer, die Faser zu grün ist und die Faser zu Marie-Simone ist .
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei eine vierelementige und eine dreielementige Menge. Bestimme die möglichen Faseranzahltupel und jeweils die Anzahl der Abbildungen von nach , die dieses Faseranzahltupel besitzen.
Die möglichen Faseranzahltupel sind .
Zur Bestimmung der Anzahlen verwenden wir die Formel aus Aufgabe 15.13 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)), wonach die Anzahl der Abbildungen mit vorgegebenem Fasertupel gleich
ist, wobei die Anzahl angibt, wie oft der Wert im Faseranzahltupel vorkommt.
. Dies wird durch eine konstante Abbildung realisiert, davon gibt es .
.
Es ist
.
Es ist
.
Es ist
Ferner ist , was mit der Anzahl der Abbildungen überhaupt übereinstimmt.
Aufgabe (8 (1+1+2+2+2) Punkte)
Wir betrachten die reelle Matrixrekursion
- Bestimme das charakteristische Polynom von .
- Bestimme die Eigenwerte von .
- Bestimme eine Basis aus Eigenvektoren zu .
- Schreibe als Linearkombination der Basis aus (3).
- Man gebe eine explizite Formel für die durch die Matrixrekursion definierte Folge zum Startvektor .
- Das
charakteristische Polynom
ist
- Die Nullstellen des charakteristischen Polynoms sind
das sind zugleich die Eigenwerte.
- Der Kern von
ist
ist ein Eigenvektor zum Eigenwert .
Der Kern von
ist
ist ein Eigenvektor zum Eigenwert .
- Es ist
- Gemäß
Satz 16.6 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026))
ist
Aufgabe (5 Punkte)
Beweise den Satz über den Zusammenhang von Graphen mit Blättern.
Es sei zusammenhängend und . Dann gibt es in einen verbindenden Weg von nach . Wenn in diesem Weg vorkommt, so jedenfalls nicht als Anfangs- oder als Endpunkt, da dies explizit ausgeschlossen ist. Wenn in der Mitte vorkommt, so in der Form , wobei die einzige Kante an bezeichne. Doch in diesem Fall kann man diesen Wegabschnitt herausnehmen und erhält einen kürzeren Weg von nach . Deshalb gibt es auch einen verbindenden Weg, in dem gar nicht vorkommt.
Es sei nun zusammenhängend und seien . Wenn ist, so kann man direkt einen verbindenden Weg aus nehmen. Wenn ist, so ist mit einem weiteren Knotenpunkt verbunden, und einen Weg in von nach kann man durch die Kante zu einem Weg in von nach verlängern.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise den Rekursionssatz für aufspannende Bäume.
Es sei . Ein Spannbaum in enthält entweder diese Kante oder nicht. Wir zeigen, dass es im ersten Fall eine Bijektion zu den Spannbäumen der Kontraktion und im zweiten Fall eine Bijektion zu den Spannbäumen von gibt. Dies ist im zweiten Fall unmittelbar klar. Betrachten wir also die Spannbäume in , in denen vorkommt. Wenn man diese Kante herausnimmt, so erhält man einen Spannbaum von , da ja die Endpunkte von miteinander identifiziert werden und bei dieser Identifizierung wieder ein Baum entsteht. Es sei umgekehrt ein Spannbaum von gegeben. Dieser durchläuft jeden Punkt von , also auch den Kontraktionspunkt . Indem man die Kante an dieser Stelle einbaut, erhält man einen Spannbaum von .
Aufgabe (1 Punkt)
Bestimme die Adjazenzmatrix zum vollständigen Graphen .
Die Adjazenzmatrix ist
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme die Knotenüberdeckungszahl zum Spielzuggraphen des Königs auf einem -Schachbrett.
Die Knotenüberdeckungszahl ist . Eine maximale Knotenüberdeckung erhält man durch den Mittelpunkt zusammen mit den vier Eckpunkten (oder den vier Seitenmittelpunkten). Wenn das Zentrum nicht zu einer Knotenüberdeckung gehört, so müssen alle acht Kanten, die vom Zentrum ausgehen, abgedeckt werden, und das wären schon acht Punkte. Eine optimale Knotenüberdeckung muss also das Zentrum beinhalten. Die verbleibenden acht Randkanten bilden einen Rundgang und man braucht vier (abwechselnde) Punkte für die Abdeckung. Die eingangs erwähnten Überdeckungen sind also optimal.
Aufgabe (2 Punkte)
Es sollen drei Häuser jeweils mit Leitungen an Wasser, Gas und Elektrizität angeschlossen werden. Beschreibe eine Möglichkeit, bei der es nur eine Überschneidung gibt.

