Kurs:Funktionentheorie/Identitätssatz
Der Identitätssatz ist eine Aussage über holomorphe Funktionen, er besagt, dass sie schon unter relativ schwachen Voraussetzungen eindeutig festgelegt ist.
Aussage
[Bearbeiten]Sei ein Gebiet. Für zwei holomorphe Funktionen sind äquivalent:
- (1) (d.h. für alle )
- (2) Es gibt ein mit für alle .
- (3) Die Menge hat unendlich viele Elemente mit einen Häufungspunkt in .
Beweis
[Bearbeiten]Durch Betrachtung von dürfen wir o. E. annehmen, dass . Äquivalent zu der Aussage des Satzes wird nur der Beweis für folgende 3 Aussage geführt:
- (N1) (d.h. für alle )
- (N2) Es gibt ein mit für alle .
- (N3) Die Nullstellenmenge hat unendlich viele Elemente mit einem Häufungspunkt in
Wenn man z.B. für gezeigt hat, gilt automatisch auch für den Vergleich von und .
Beweistyp
[Bearbeiten]Der Beweis der Äquivalenz erfolgt über eine Ringschluss
Beweis (N1) nach (N2)
[Bearbeiten](N1) (N2) ist offensichtlich richtig, denn bei jeder konstanten Funktion (also insbesondere der Nullfunktion) sind alle höheren Ableitung für alle aus dem Definitionsbereich. Man wählt einfach einen Punkt für Nullfunktion und erhält die Aussage für die n-ten Ableitung.
Beweis (N2) nach (N3)
[Bearbeiten]Gelte nun (N2). Betrachte ein Potenzreihenentwicklung in mit . Es ist für alle . Also ist , es folgt (N3).
Beweis (N3) nach (N1) - Widerspruchsbeweis
[Bearbeiten]Zu dem Beweisschritt (N3) (N1) wird als Widerspruchsbeweis geführt. Es wird angenommen, dass die Nullstellenmenge eine Häufungspunkt besitzt und nicht die Nullfunktion ist.
Beweis 1 - (N3) nach (N1) - Potenzreihenentwicklung um Häufugspunkt
[Bearbeiten]Gelte nun (N3), d. h. die Menge der Nullstellen von habe einen Häufungspunkt . Es gebe also eine Folge mit und sowie , für alle . Sei nun die Potenzreihenentwicklung von um .
Beweis 2 - (N3) nach (N1) - Potenzreihenentwicklung
[Bearbeiten]Angenommen, es gäbe ein mit , dann gäbe es wegen der Wohlordnungseigenschaft von auch ein kleinstes solches . Es wäre
Beweis 3 - (N3) nach (N1) - Potenzreihenentwicklung
[Bearbeiten]Für jedes wäre also
Beweis 4 - (N3) nach (N1) - Grenzwertprozess
[Bearbeiten]Wegen und erhält man:
Da für alle für . Dies steht im Widerspruch zu . Also ist für alle und damit für alle , d. h. (N2) gilt.
Beweis 5 - (N3) nach (N1) - V abgeschlossen
[Bearbeiten]Gilt (N2), setze . ist als Durchschnitt von abgeschlossen Mengen abgeschlossen in , da die stetig sind und damit Urbilder von abgeschlossenen Mengen (hier ) wieder abgeschlossen sind.
Beweis 6 - (N3) nach (N1) - offen
[Bearbeiten]ist aber zugleich auch offen in , da in jedem die Potenzreihenentwicklung von um verschwindet, also ist lokal um gleich . Wegen ist nichtleer und damit wegen des Zusammenhangs von .
Beweis 7 - von (N1)-(N3) zu (1)-(3)
[Bearbeiten]Die Aussage des Identitätssatzes (1)-(3) erhält man dann für beliebige und , wenn man (N1)-(N3) auf anwendet.
Siehe auch
[Bearbeiten]Seiteninformation
[Bearbeiten]Diese Lernresource können Sie als Wiki2Reveal-Foliensatz darstellen.
Wiki2Reveal
[Bearbeiten]Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs: Funktionentheorie' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.
- Die Seite wurde als Dokumententyp PanDocElectron-SLIDE erstellt.
- Link zur Quelle in Wikiversity: https://de.wikiversity.org/wiki/Kurs:%20Funktionentheorie/Identit%C3%A4tssatz
- siehe auch weitere Informationen zu Wiki2Reveal und unter Wiki2Reveal-Linkgenerator.