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Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 13

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Noethersche Ringe

Ein kommutativer Ring heißt noethersch, wenn jedes Ideal darin endlich erzeugt ist.



Für einen kommutativen Ring sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. ist noethersch.
  2. Jede aufsteigende Idealkette

    wird stationär, d.h. es gibt ein mit .

(1) (2). Es sei

eine aufsteigende Idealkette in . Wir betrachten die Vereinigung

die wieder ein Ideal in ist. Da noethersch ist, ist endlich erzeugt, d.h. . Da diese in der Vereinigung der Ideale liegen, und da die Ideale aufsteigend sind, muss es ein derart geben, dass liegt. Wegen

für muss hier Gleichheit gelten, sodass die Idealkette ab stationär ist.

(2) (1). Es sei ein Ideal in . Wir nehmen an, sei nicht endlich erzeugt, und konstruieren sukzessive eine unendliche echt aufsteigende Idealkette , wobei die alle endlich erzeugt sind. Es sei dazu

bereits konstruiert. Da endlich erzeugt ist, aber nicht, ist die Inklusion echt und es gibt ein Element , . Dann setzt das Ideal die Idealkette echt aufsteigend fort.



Es sei ein noetherscher Ring.

Dann ist auch jeder Restklassenring noethersch.

Es sei ein Ideal und sei das Urbildideal davon. Dieses ist endlich erzeugt nach Voraussetzung, also . Die Restklassen dieser Erzeuger, also , bilden ein Idealerzeugendensystem von : Für ein Element gilt ja in und damit in .



Der Hilbertsche Basissatz



Es sei ein noetherscher Ring.

Dann ist auch der Polynomring noethersch.

Es sei ein Ideal im Polynomring . Zu definieren wir ein Ideal in durch

Das Menge besteht also aus allen Leitkoeffizienten von Polynomen vom Grad aus . Es handelt sich dabei offensichtlich um Ideale in (wobei wir hier als Leitkoeffizient zulassen). Ferner ist , da man ja ein Polynom vom Grad mit Leitkoeffizient mit der Variablen multiplizieren kann, um ein Polynom vom Grad zu erhalten, das wieder als Leitkoeffizienten besitzt. Da noethersch ist, muss diese aufsteigende Idealkette stationär werden; sei derart, dass ist.

Zu jedem sei nun ein endliches Erzeugendensystem, und es seien

zugehörige Polynome aus (die es nach Definition der geben muss).

Wir behaupten, dass von allen erzeugt wird. Dazu beweisen wir für jedes durch Induktion über den Grad von , dass es als -Linearkombination mit diesen darstellbar ist. Für konstant, also , ist dies klar. Es sei nun der Grad von gleich und die Aussage sei für kleineren Grad bewiesen. Wir schreiben

Es ist und damit kann man als -Linearkombination der , , , schreiben. Bei kann man sogar als -Linearkombination der , , schreiben, sagen wir . Dann ist und hat einen kleineren Grad, sodass man darauf die Induktionsvoraussetzung anwenden kann. Bei ist

Damit gehört

ebenfalls zu und hat einen kleineren Grad, sodass man wieder die Induktionsvoraussetzung anwenden kann.



Es sei ein noetherscher Ring.

Dann ist auch noethersch.

Dies folgt durch induktive Anwendung des Hilbertschen Basissatzes auf die Kette



Es sei ein Körper.

Dann ist noethersch.

Dies ist ein Spezialfall von Korollar 13.5.



Es sei ein noetherscher Integritätsbereich und seien und keine Einheit.

Dann gibt es einen maximalen Exponenten derart, dass ein Vielfaches von ist.

Nehmen wir an, dass alle

zu gehören. Hierbei sind die vorhergehenden Elemente Vielfache der hinteren. Wegen noethersch wird das von diesen Elementen erzeugte Ideal von endlich vielen und damit auch von einem Element erzeugt, sagen wir von . Dann gilt insbesondere

und somit

und

im Widerspruch zur Voraussetzung.



Es sei ein noetherscher Integritätsbereich und ein Primelement. Es sei faktoriell und ein Element, das aufgefasst in prim ist.

Dann gilt in mit einer Einheit oder einem Primelement .

Wir schreiben mit dem maximal möglichen Exponenten , den es nach Lemma 13.7 gibt, und behaupten, dass ein Primelement oder eine Einheit ist. Wir betrachten die Situation, wo keine Einheit ist, und müssen als Primelement nachweisen. Es teile ein Produkt, sagen wir

Daraus ergibt sich in , da wie prim in ist, dass einen der Faktoren in teilt. Es gibt also ein mit

also

in . Bei ist man fertig. Andernfalls teilt , da es wegen der Maximalität des Exponenten nicht teilt, den anderen Faktor und so erhält man

in . Induktive Anwendung dieses Arguments liefert das Resultat.



Es sei ein noetherscher Integritätsbereich und ein Primelement. Es sei faktoriell.

Dann ist selbst faktoriell.

Es sei eine von verschiedene Nichteinheit von . In gilt

mit , die in prim sind (ein Faktor kann eine Einheit sein). In gilt somit

Nach Lemma 13.8 ist

mit Primelementen oder Einheiten . Somit ist

Da kein Teiler der ist, kann man vollständig wegkürzen und erhält eine Zerlegung von in Primfaktoren.





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