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Multinomialkoeffizient/Einführung/Textabschnitt

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Der Binomialkoeffizient (nr) beschreibt die Anzahl der r-elementigen Teilmengen einer n-elementigen Menge. Eine solche Teilmenge kann man auch auffassen als eine Zerlegung einer n-elementigen Menge in zwei Teilmengen, von denen die eine r und die andere nr Elemente besitzt, und wobei man sich die Rollen der beiden Teilmengen merkt. Man kann sich nun fragen, wie viele Möglichkeiten es gibt, eine n-elementige Menge in k Teilmengen aufzuteilen, wobei die Teilmengen vorgegebene Anzahlen haben und wobei die Teilmengen durchnummeriert werden. Dies führt zum Begriff Multinomialkoeffizient.


Es sei n eine natürliche Zahl und r1,,rk seien natürliche Zahlen mit  j=1krj=n.  Dann nennt man

(nr1,,rk):=n!r1!rk!

den Multinomialkoeffizienten n über r1,,rk.

Statt Multinomialkoeffizient sagt man auch Polynomialkoeffizient. Für  k=2  ist dies der Binomialkoeffizient, in diesem Fall legt die erste Zahl  r1n  durch die Bedingung  r2=nr1  die zweite Zahl fest. Generell legen die Zahlen r1,,rk1, deren Summe n ist, die letzte Zahl rk fest. Die Multinomialkoeffizienten besitzen eine Vielzahl an Interpretationen, zentral ist die folgende Interpretation mit Abbildungen.



Lemma  

Es sei A eine n-elementige Menge und seien (r1,,rk) mit  j=1krj=n  vorgegeben.

Dann ist die Anzahl der Abbildungen f von A nach {1,,k} mit der Eigenschaft, dass  #(f1(j))=rj  für alle j ist, gleich

(nr1,,rk).

Beweis  

Für die Faser über 1 gibt es (nr1) Möglichkeiten, man muss ja die r1 Elemente auswählen, die auf die 1 gehen sollen. Wenn dies festgelegt ist, so gibt es für die Faser über 2 genau (nr1r2) Möglichkeiten. In diesem Sinne gibt es für die Faser über j genau (nr1rj1rj) Möglichkeiten. Wenn man diese Zahlen miteinander multipliziert, so ergibt sich

(nr1)(nr1r2)(nr1rk2rk1)(nr1rk1rk)=n(nr1+1)r1!(nr1)(nr1r2+1)r2!(nr1rk2)(nr1rk2rk1+1)rk1!(nr1rk2rk1)1rk!=n!r1!r2!rk!,

also der Multinomialkoeffizient.


Durch die Bedingungen  rj1  für alle j sind die surjektiven Abbildungen gekennzeichnet.

Die Multinomialkoeffizienten beschreiben also die Anzahl der Möglichkeiten, n Elemente auf k Ziele abzubilden, wobei das j-te Ziel durch rj Elemente getroffen wird. Man sagt auch so: Es gibt (nr1,,rk) viele Möglichkeiten, n unterscheidbare Kugeln auf k unterscheidbare Urnen zu verteilen derart, dass in der ersten Urne r1 Kugeln, in der zweiten Urne r2 Kugeln usw. landen. Die entsprechende Abbildung aus Fakt ordnet jeder Kugel die Urne zu, in die sie reinkommt (Elemente in einer Menge sind stets unterscheidbar; bei Verteilungen von Kugeln auf Urnen gibt es auch nicht unterscheidbare Szenarien). Man kann auch umgekehrt aus unterscheidbaren Urnen, die jeweils eine hinreichend große Anzahl von urnenspezifischen Objekten beinhalten, eine geordnete Ziehung der Länge n vornehmen, derart, dass aus der j-ten Urne (also der j-te Objekttyp) genau rj Elemente gezogen werden. Die Objekte aus der gleichen Urne müssen nicht unterscheidbar sein, dies wird durch die Ziehreihenfolge übernommen. Die entsprechende Abbildung aus Fakt ordnet der Nummer von 1 bis n die Urne bzw. den Objekttyp zu, der für diese Nummer gezogen wird. Beispielsweise ist die Anzahl der Möglichkeiten, aus einer vorgegebenen Buchstabenansammlung mit k Buchstaben, die rj-fach vorkommen,  1jk,  Wörter zu bilden, die genau diese Buchstaben verbrauchen, durch den Multinomialkoeffizienten (nr1,,rk) gegeben. Ein Wort der Länge n kann man direkt als eine Wertetabelle einer Abbildung von {1,,n} in die Buchstabenmenge auffassen.


Wir wollen wissen, wie viele Wörter (im Sinne von Buchstabenketten) man aus dem Wort „Homomorphismus“ bilden kann, derart, dass genau die vorgegebenen Buchstaben verwendet werden. Das Wort hat insgesamt 14 Buchstaben, dabei kommen m und o dreimal, h und s zweimal und r,p,i,u einmal vor. Somit gibt es

14!3!3!2!2!=1413121110987654622=14131211109875

Möglichkeiten.


Die folgende Aussage heißt Multinomialsatz oder Polynomialsatz und ist eine direkte Verallgemeinerung des binomischen Lehrsatzes.


Es sei R ein kommutativer Halbring und seien  x1,,xkR  Elemente und  n

Dann ist

(x1++xk)n=r1++rk=n(nr1,,rk)x1r1xkrk.

Beweis

Siehe Aufgabe.