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Quadratische Polynome/Gleichungen/Einführung/Textabschnitt

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Ein Polynom vom Grad zwei nennt man auch ein quadratisches Polynom. Wir schreiben es in der Form

aX2+bX+c mit a≠0.

Wenn  a=0  ist, so fällt der vordere Term weg und es liegt ein lineares, kein quadratisches Polynom vor. Wenn  b=0  ist, so spricht man von einem rein-quadratischen Polynom.

Es sei ein quadratisches Polynom über ℝ gegeben. Wir interessieren uns für die Frage, ob das Polynom Nullstellen besitzt und wie diese zu ermitteln sind. Es geht also um Lösungen einer Gleichung der Form

aX2+bX+c=0.

Dabei sind a,b,c vorgegeben mit  a≠0  und gesucht ist  x∈ℝ  derart, dass, wenn man die Zahl x für die Variable X einsetzt, sich dann der Wert 0 ergibt. Wenn  b=0  ist, also eine Gleichung der Form

aX2+c=0

vorliegt, so geht es einfach um das Ziehen einer Quadratwurzel. Die Gleichung ist ja äquivalent zu

X2=−ca.

Wenn die Zahl rechts negativ ist, so gibt es keine Lösung. Wenn die Zahl rechts 0 ist (was bei c=0 der Fall ist), so gibt es die einzige Lösung {0}. Wenn die Zahl rechts positiv ist, so gibt es zwei Lösungen, nämlich {−ca,−−ca}. In einem beliebigen Körper geht es um die Frage, ob −ca eine Quadratwurzel besitzt oder nicht.

Für die Gleichung

aX2+bX=0,

wo also  c=0  ist, kann man sofort die Lösungen angeben, nämlich  x1=0  und  x2=−ba. 

Für die allgemeine quadratische Gleichung

aX2+bX+c=0

gibt es einen wichtigen Trick, sie auf eine rein-quadratische Form zurückzuführen und sie damit durch Wurzelziehen zu lösen, das sogenannte quadratische Ergänzen. Zunächst dividiert man durch a und erhält die äquivalente Gleichung

X2+baX+ca=0.

Das nennt man auch eine normierte Gleichung, da links ein normiertes Polynom steht. Wir schreiben diese Gleichung mit

p=ba

und

q=ca

als

X2+pX+q=0.

Dieses Polynom schreiben wir nun scheinbar komplizierter als

X2+pX+q=(X+p2)2−p24+q.

Durch Ausmultiplizieren der rechten Seite mit Hilfe der ersten binomischen Formel sieht man, dass die Terme links und rechts übereinstimmen. Der Gewinn ist dabei, dass X+p2 eine „verschobene Variable“ ist, die wie eine Variable behandelt werden kann, und dass −p24+q eine reelle Zahl ist. Es liegt also im Wesentlichen eine rein-quadratische Gleichung vor. Mit einer Umstellung erhält man

(X+p2)2=p24−q

und somit

X+p2=±p24−q,

vorausgesetzt, dass der Ausdruck unter dem Wurzelzeichen nichtnegativ ist. Als Lösung erhält man dann

X=±p24−q−p2=±p2−4q−p2.



Satz  

Es sei

aX2+bX+c=0

eine reelle quadratische Gleichung.

Dann gilt folgendes Lösungsverhalten

  1. Bei
    b2−4ac<0

    gibt es keine reelle Lösung.

  2. Bei
    b2−4ac=0

    gibt es die eine Lösung

    x=−b2a
  3. Bei
    b2−4ac>0

    gibt es die beiden Lösungen

    x1,2=±b2−4ac−b2a.

Beweis  

Die Lösung in (2) ist ein Spezialfall von (3), in dem die beiden Lösungen zusammenfallen. Wir zeigen explizit, dass in der Tat Lösungen vorliegen. Es ist

a(±b2−4ac−b2a)2+b(±b2−4ac−b2a)+c=ab2−4ac+∓2bb2−4ac+b24a2+±bb2−4ac−b22a+c=b2−4ac+∓2bb2−4ac+b2±2bb2−4ac−2b2+4ac4a=0.

Da eine quadratische Gleichung nur maximal zwei Lösungen besitzt, sind wir im dritten Fall fertig.

Im Allgemeinen schreiben wir

aX2+bX+c=a(X2+baX+ca)=a((X+b2a)2−b24a2+ca)=a((X+b2a)2−b2−4ac4a2).

Der rechte Term ist bei

b2−4ac<0

stets positiv und so hat das Polynom in diesem Fall keine Nullstelle, bei

b2−4ac=0

hat es genau die eine angegebene Nullstelle.

◻


Diese Lösungsformel heißt auch Mitternachtsformel. Wenn man zuerst durch a durchdividiert und die quadratische Gleichung in der Form

X2+pX+q=0

vorliegt, so vereinfachen sich die Lösungen zu

x1,2=±p2−4q−p2.

Dazu sagt man auch p-q-Formel. Diese Formeln gelten in jedem Körper, in dem  2≠0  ist. Die Lösbarkeit hängt dann allein davon ab, ob die Diskriminante b2−4ac eine Quadratwurzel besitzt oder nicht.


Wir betrachten die quadratische Gleichung

x2+4x−3=0.

Nach Fakt sind

x1=16+12−42=28−42=27−42=7−2

und

x2=−16+12−42=−28−42=−27−42=−7−2

die Lösungen.



Bauer Ernst möchte ein neues quadratisches Beet für Melonen anlegen. Die Anlage des Beetes kostet pro Quadratmeter 20 Euro. Das Beet muss mit einem Schneckenzaun rundum versehen werden, der pro Meter 8 Euro koste. Ernst möchte 300 Euro insgesamt investieren. Wie groß wird das Beet?

Es sei x die Seitenlänge des Beetes. Die Kosten sind dann 20x2+4⋅8x, was zur Gleichung

20x2+32x=300

bzw.

20x2+32x−300=0

führt. Nach Fakt führt dies auf

x=1024+24000−3240=25024−3240∼158,19−3240∼3,155.

Die Seitenlänge des Beetes ist also ungefähr 3,155 Meter.


Der folgende Satz von Vieta ermöglicht eine sinnvolle Probe für das Ergebnis. Wenn man weiß, dass es ganzzahlige Lösungen geben muss, kann man damit auch häufig die Lösungen der quadratischen Gleichung erraten.


Lemma  

Es sei eine quadratische Gleichung in der Form

x2+px+q=0

gegeben und es seien x1 und x2 die Lösungen.

Dann gilt

x1+x2=−p

und

x1⋅x2=q.

Beweis  

Aufgrund von Fakt ist

x1=p2−4q−p2

und

x2=−p2−4q−p2.

Daher ist

x1+x2=p2−4q−p2+−p2−4q−p2=p2−4q−p−p2−4q−p2=−2p2=−p

und

x1⋅x2=p2−4q−p2⋅−p2−4q−p2=(p2−4q−p)(−p2−4q−p)4=−p2+4q+p24=4q4=q.
◻


Von dieser Aussage gilt auch die Umkehrung, siehe Aufgabe. Wenn man beispielsweise die Zusatzinformation kennt, dass

X2−7X+6=0

ganzzahlige Lösungen besitzt, so kommen dafür nur die Teiler von 6 in Frage, und in der Tat sind 1 und 6 die beiden Lösungen.