Quellen und Darstellungen der Zeitgeschichte/Tonquellen und -darstellungen

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Bei Tonquellen handelt es sich um eine Quellengattung, die hauptsächlich für die Zeitgeschichte verfügbar ist. Eine der ältesten Tonaufnahmen stammt aus dem Jahr 1860, die Qualität der Tonaufzeichnung war allerdings schlecht. Erst seit 1890, also 30 Jahre später, konnten Tonaufzeichnungen verwendet werden, da es zu diesem Zeitpunkt Geräte gab, die die Aufnahme von Tönen, Musik und Gesprochenem gut wiedergeben konnten. Qualitativ hochwertige und bedeutsame Aufnahmen zählen daher zu den jüngsten Quellenarten.

Entstehungsgeschichte der Tonquellen[Bearbeiten]

Die Tonaufzeichnung startete mit dem Erfinden des Phonographen 1877, als der Erfinder Thomas Alva Edison (1847–1931) eine Maschine entwickelte, um Geräusche und Töne aufzuzeichnen und wiederzugeben. Edison verwendete damals einen trichterförmigen Zylinder, der den Schall verstärkte und ihn zu einer Nadel weiterleitete. Diese geriet in Schwingung und ritzte eine kleine Einkerbung in die aus Ton hergestellte Walze. Als Edison den Phonographen einem Publikum vorführte, war es begeistert. Eine Maschine, die die eigene Stimme aufzeichnen und wiedergeben konnte, war bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar. Allerdings war die Qualität der Aufnahmen sehr schlecht. Die Aufnahmen waren leise und um etwas zu verstehen, musste man genau hinhören, da man im Hintergrund das Rauschen der rotierenden Walze hörte. Für diejenigen, die sich die Maschine leisten konnten, war es zu dieser Zeit eine kleine Spielerei.

Erst als 1887 der Erfinder Emil Berliner (1851–1929) auf die Idee kam, die Tonwalze durch eine Schallplatte (eine runde Metallplatte mit Ruß versetzt) zu ersetzen, wurde die Qualität der Aufnahme verbessert. Die Maschine von Berliner, das Grammophon, war vom Aufbau her identisch, jedoch unterschied sich die Art des Aufnahmeverfahrens. Beim Phonographen wurde der Ton auf und ab in die Tonwalze geritzt und beim Grammophon wurde sie seitlich ausschlagend in die Rille geritzt. Die Laufzeit der Schallplatte wurde aber kaum verbessert und jede Aufnahme musste noch einzeln besprochen werden.

Einen ganz anderen Weg schlug Valdemar Poulsen ein, der 1898 eine Methode entwickelte, den Ton mithilfe elektromagnetischer Induktion aufzuzeichnen. Diese Methode kam aber erst einige Jahre später zum Einsatz. Bis 1925 wurde die akustisch-mechanische Aufzeichnung verwendet – erst ein Team der Bell Telephone Laboratories entwickelte das Mikrofon. Damit wurden akustisch aufgenommene Schwingungen in Strom umgewandelt, an einen Verstärker an dem Plattenschneider weitergeleitet und in mechanische Energie umgewandelt.

1936 übernahm die AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) und die I. G. Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie) die Idee von Poulsen und entwickelten zusammen die erste magnetische Bandmaschine und das dazugehörige Tonband. 1948 entwickelte Columbia Rekords die erste Vinyl-Langspielplatte. Sie hat einen Durchmesser von 30 cm, womit man einige Stunden aufnehmen konnte. Die Vinylplatte ist die bekannteste Schallplatte und wird bis heute hergestellt, sie hat für Musikliebhaber einen großen Sammlerwert. 1963 stellte Philips ihre Compact Cassette vor, die der Schallplatte Konkurrenz machen sollte. Aber erst als 1979 Sony den Walkman (eine mobile Variante des Kassettenrecorders) auf dem Markt brachte, konnte man Musik überall hören. Zusammen haben Sony und Philips 1981 die Compact Disc auf dem Markt gebracht. In den Jahren darauf kamen immer mehr Produkte auf den Markt, die aber nur kleine Veränderungen mit sich brachten, wie die MiniDisc von Sony und die Digital Compact Cassette von Philips. Die größte Veränderung erfolgte aber als 1998 das MP3 Format und der MP3-Player vorgestellt wurden. Das Format gilt bis heute als meist verwendetes Medienformat der Welt und funktioniert auf allen digitalen Geräten, die es bis heute gibt.

Tonquellen[Bearbeiten]

Bei Tonquellen handelt es sich um historische Tonaufzeichnungen von vergangenen Ereignissen. Bei Tonquellen ist vor allem zu beachten, dass manche Tonträger in der heutigen Zeit eventuell nicht mehr reproduzierbar sind bzw. gibt es Aufnahmen, welche sehr schlecht verständlich sind. Beispiele wären:

Als Beispiele werden in der Folge zwei verschiedene Tonquellen angeführt: Einmal die Rücktrittsrede von Kurt Schuschnigg und anschließend eine historische Radiosendung über die Entscheidung, Kurt Waldheim auf die Watchlist zu setzen.

Rücktrittsrede Schuschnigg[1][Bearbeiten]

Diese Tonquelle wurde am Abend des 11. März 1938 im Radio (RAVAG = Radio Verkehrs AG) ausgestrahlt und richtet sich an das österreichische Volk.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Adolf Hitler erhöhte seit Anfang 1938 den Druck auf Österreich mit dem Ziel Österreich in das Deutsche Reich einzugliedern. Am 12. Februar 1938 wurde Schuschnigg von Hitler auf den Berghof zitiert. Bei diesem Treffen zwang Hitler Schuschnigg, den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart als Innenminister in sein Kabinett aufzunehmen (Berchtesgadener Abkommen). Am 24. Februar 1938 beschwor Schuschnigg in einer Rede im Parlament die Unabhängigkeit Österreichs: „Bis in den Tod! Rot-Weiß-Rot! Österreich!“ Darauf folgten weitere turbulente Tage, in welchen Schuschnigg am 9. März 1938 bekanntgab, bereits am folgenden Sonntag, dem 13. März 1938, eine Volksabstimmung zur Unabhängigkeit Österreichs abhalten zu wollen. Zu dieser kam es aber nie, da die Nationalsozialisten am 11. März 1938 den Rücktritt Schuschniggs und die Ernennung Seyß-Inquarts zum Bundeskanzler forderten und schließlich durchsetzten. Schuschnigg erklärte seinen Rücktritt im Rundfunk und wies das österreichische Bundesheer an, sich beim Einmarsch deutscher Truppen ohne Gegenwehr zurückzuziehen.

Analyse der Quelle[Bearbeiten]

Die Rede wurde am Vorabend des Einmarsches der Wehrmacht im österreichischen Rundfunk ausgestrahlt und war an das österreichische Volk gerichtet. Der Redner ist Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, welcher bei dieser Rede seinen Rücktritt bekannt gab, aufgrund von Forderungen der Nationalsozialisten. Schuschnigg wirkt bei der Rede sehr müde und niedergeschlagen, seine Stimme ist etwas zittrig. Schuschnigg stellt in der Rede klar, dass beim Einmarsch der deutschen Truppen kein Widerstand geleistet werden solle und kein deutsches Blut fließen solle. Zum Abschluss sagt Schuschnigg: „Gott schütze Österreich“. Es zeigt sich deutlich, dass Schuschnigg wohl bewusst war, welche Schritte Hitler als nächstes setzen würde.

Waldheim auf Watchlist [2][Bearbeiten]

Diese Tonquelle ist ein Ausschnitt aus einem Radiobeitrag vom 27. April 1987 vom Ö1-Abendjournal, welcher davon berichtet, dass der österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim auf die Watchlist der USA gesetzt wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Kurt Waldheim wurde am 8. Juni 1986 zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt. Im Zuge des Wahlkampfes kam es aber zu Anschuldigungen bezüglich seiner Vergangenheit während der NS-Zeit. Diese Anschuldigungen sorgte lange Zeit für Diskussionen, in österreichischen Medien aber auch auf internationaler Ebene. Waldheim stritt jegliche Anschuldigungen ab und war in seiner Autobiografie nicht darauf eingegangen. Die Argumentation rund um Waldheim sorgte auch dafür, dass sich Österreich mit seiner Rolle (Opferthese) nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen musste. Waldheim wurde am 27. April 1987 auf die Watchlist gesetzt. Dies verbot den US-Behörden ihm ein Einreisevisum als Privatperson auszustellen. Das Verbot verwehrte Waldheim USA-Besuche auch nach Ende seiner Amtszeit und bestand lebenslang.

Analyse der Quelle[Bearbeiten]

Bei der Quelle handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Radiobeitrag, des Ö1-Abendjournals. Anfangs hört man eine englischsprachige Meldung des amerikanischen Fernsehprogramms CNN, welche davon berichtet, dass Waldheim auf die Watchlist der USA gesetzt wurde und er dadurch kein Einreisevisum bekommen kann. Anschließend erklärt der Radiosprecher, weshalb Waldheim auf die Watchlist gekommen ist: Er wird beschuldigt an nationalsozialistischen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs teilgenommen zu haben. Während des Beitrags hört man auch noch den Beginn einer Telefonschaltung nach Washington zu einem anderen Reporter, welcher die Lage als dramatisch und traurig für Österreich beschreibt und sich direkt von einer Pressekonferenz des Bundespräsidenten Reagan meldet. Der Reporter fasst die zentralen Aussagen des US-Präsidenten zusammen.

Tondarstellungen[Bearbeiten]

Handelt es sich bei der Tonaufnahme um eine Zusammenfassung oder Aufbereitung von Informationen, so gilt sie als Darstellung. Tonaufnahmen, die Informationen aus schriftlichen, bildlichen und anderen Quellen beziehen, sind jedoch nicht immer Darstellungen. Der Unterschied zwischen einer Tonquelle und Tondarstellung, hängt grundsätzlich davon ab, welcher Fragestellung nachgegangen wird. Die verwendeten Quellen werden allerdings oft nicht angegeben, weshalb Tondarstellungen (wie alle anderen Formen von Geschichtsdarstellungen) kritisch zu analysieren sind. Beispiele sind:

Interview mit Heidemarie Uhl[3][Bearbeiten]

Diese Darstellung wurde am 12. März 2018 im Radiosender Bayern 2 ausgestrahlt. Es handelt sich dabei um ein acht minütiges Interview mit der Historikerin Heidemarie Uhl. Im Radiobericht werden die Ereignisse beschrieben, die zum Anschluss führten. Es werden zwei Reden eingespielt: eine vom letzten österreichischen Bundeskanzler der Ersten Republik, Arthur Seyß-Inquart, und die von Adolf Hitler. Anschließend erzählen zwei Zeitzeugen über ihre Erfahrungen vor 80 Jahren. Im Interview erklärt Uhl, dass Österreich den Anschluss nicht wollte. Sie behauptet, dass wenn es zu einer Abstimmung gekommen wäre, Österreich für seine Unabhängigkeit gestimmt hätte. Aus diesem Interview konnte man entnehmen, dass das österreichische Volk mit dem Anschluss nicht einverstanden war, jedoch keine Wahlmöglichkeit bestand.

Darüber hinaus wurde der Umgang Österreichs mit der NS-Zeit thematisiert: Nach Kriegsende sah sich Österreich selbst als Opfer; erst mit der Waldheim-Debatte änderte sich diese Grundhaltung. In dem Interview wurde darüber hinaus die Gefährdung der Demokratie durch den Rechtspopulismus angesprochen.

Ö1 Abendjournal mit Vranitzky[4][Bearbeiten]

Bei dieser Darstellung handelt es sich um einen Radioausschnitt, der am 09. Juni 1993 im ORF Radiosender Österreich 1 ausgestrahlt wurde. Das Hauptthema dieses Abendjournals war der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Franz Vranitzky in Israel. Als erster österreichischer Bundeskanzler besuche Vranitzky am 9. Juni 1993 die Holocaust Gedenkstätte in Yad Vashem auf und trug sich dort ins Gedenkbuch ein. Dieser Beitrag zeigt den ersten österreichischen Politiker, der sich öffentlich am jüdischen Volk für die grausamen Taten wären der NS Zeit entschuldigte. Im Abendjournal sprachen Werner Löw und Armin Wolf, der vor Ort war, über die Geschehnisse in Israel. Vranitzky selbst hörte man hingegen nicht.

Didaktische Aufarbeitung[Bearbeiten]

Aufgrund der modernen Technologien sind aber auch Tondokumente im Unterricht leicht einsetzbar. Hierbei helfen die verbesserte Ausstattungssituation an den Schulen (Computer mit Internetzugang in den Klassenzimmern und Lautsprecher) und die Smartphones der Schüler. Tondokumente spielen auch in der Vermittlung einer umfangreichen Medienbildung eine wichtige Rolle.

Vorwissen & Vorbereitung[Bearbeiten]

Vor der Beschäftigung mit konkreten Tönen sollten medienspezifische Vor- & Nachteile thematisiert werden: Was können Tondokumente leisten, das andere Quellen nicht leisten können? Welche Nachteile bringt die Arbeit mit Tondokumenten mit sich?

Vorteile:

  • Ton und Stimme konkretisieren den Sachverhalt
  • Abwechslung im Unterricht
  • Stimmung und Atmosphäre können wahrgenommen werden

Nachteile:

  • Verkürzung, Verfälschung, Verzerrung, Manipulation (wie bei allen Medien)
  • ältere Dokumente sind schwer verständlich oder von schlechter Qualität, eventuell nicht mehr reproduzierbar
  • keine Bilder, was die Vorstellung der Situation erschwert

Beispiel Rede Schuschnigg[Bearbeiten]

  • wichtig sind Hintergrundwissen und Kenntnisse über die Quelle (also eher geeignet für die Oberstufe)
  • kurzes Gespräch vor dem Hören über den Kontext der Rede
  • Anhören der Tonquelle mit Leitfragen: Analyse der Rede

Literatur[Bearbeiten]

  • Fischer, Martin: Faszination Schellack, Battenberg, Regenstauf 2006.
  • Gauß, Stefan: Nadel, Rille, Trichter. Kulturgeschichte des Phonographen und des Grammophons in Deutschland (1900-1940). Wien 2009.
  • Kannonier-Finster, Waldraud, Ziegler, Meinrad: Österreichischers Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit (Transblick 12), Bozen-Innsbruck-Wien 2016.
  • Uhl, Heidemarie: Das „erste Opfer“. Der österreichische Opfermythos und seine Transformationen in der Zweiten Republik, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (2001), Heft 1, S. 93–108.
  • Wunderer, Hartmann: Tondokumente. In: Hans-Jürgen Pandel, Gerhard Schneider (Hrsg.): Hand­buch Medien im Ge­schichts­unter­richt. Wochen­schau Verlag 2005, S. 468–482.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Histoproblog, Woher wissen wir etwas über die Vergangenheit? (6. Klasse), 25.01.2014, [1], eingesehen 22.11.2018
  • Österreichische Mediathek, Eine kleine Geschichte der Schallaufzeichnung, [2], eingesehen 22.11.2018

Links[Bearbeiten]

  1. https://www.mediathek.at/akustische-chronik/suche/detail/atom/136CD96C-255-000ED-00000518-136C4C37/pool/BWEB/
  2. https://www.mediathek.at/akustische-chronik/suche/detail/atom/136E34BD-334-001E0-000007B8-136D9DB6/pool/BWEB/
  3. https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/heidemarie-uhl-oesterr-historikerin-zur-ns-vergangenheit-der-oesterreicher-100.html
  4. https://www.mediathek.at/akustische-chronik/suche/detail/atom/1374D51A-2F6-001C0-00000508-13743536/pool/BWEB/