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Strahlensätze/Lineare Algebra/Textabschnitt

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Wir formulieren in der Sprache der linearen Algebra die Strahlensätze. Dabei legen wir einen zweidimensionalen euklidischen Vektorraum zugrunde, der die Längenmessung von Strecken erlaubt. Zwei affine Geraden heißen parallel, wenn sie von dem gleichen Vektor aufgespannt werden. Wir formulieren die Strahlensätze so, dass der Schnittpunkt der Strahlen der Nullpunkt ist. Dies kann man stets erreichen, indem man den Schnittpunkt in den Nullpunkt verschiebt, wobei sich die Längen nicht verändern.



Satz  

Es sei V ein zweidimensionaler euklidischer Vektorraum und es seien  s1,s2,vV  Vektoren und v sei sowohl zu s1 als auch zu s2 linear unabhängig sei. Es seien  S1=s1  und  S2=s2  die durch s1 und s2 definierten Geraden (die Strahlen) und es seien P und Q Punkte in V mit den zugehörigen parallelen Geraden  G=P+v  und  H=Q+v.  Die Schnittpunkte der Geraden (die aufgrund der Voraussetzungen eindeutig existieren) seien

A1=S1G,A2=S2G,B1=S1H,B2=S2H,

und es seien  A1,B10

Dann ist

d(B1,B2)B1=d(A1,A2)A1.

Beweis  

Ohne Einschränkung sei  s1=A1,   s2=A2  und  v=A2A1,  da dies die beteiligten Geraden nicht ändert. Wir schreiben  B1=tA1.  Es ist  A2=A1+v  und somit ist

tA2=tA1+tv=B1+tv.

Dieser Punkt gehört sowohl zu S2 als auch zu H, was bedeutet, dass es sich um den Punkt B2 handelt. Es ist also  B2=tA2  und daher

B1B2B1=tA1tA2tA1=A1A2A1.


Der vorstehende Satz besagt insbesondere, dass sich in der beschriebenen Situation entsprechende Seitenlängen der beiden Dreiecke 0,A1,A2 und 0,B1,B2 zueinander in der gleichen Weise verhalten. Die Dreiecke sind ähnlich, und zwar geht das Dreieck 0,B1,B2 aus dem Dreieck 0,A1,A2 durch eine Streckung mit dem Streckungsfaktor t hervor. Dieser Streckungsfaktor tritt bei sämtlichen Streckenverhältnissen wieder auf.

Eine Anwendung des Strahlensatzes. Man kann den Abstand über den Fluss berechnen, ohne ihn zu überqueren.


Auch der Daumensprung beruht auf dem Strahlensatz.



Korollar  

Es sei V ein zweidimensionaler euklidischer Vektorraum und es seien  s1,s2,vV  Vektoren und v sei sowohl zu s1 als auch zu s2 linear unabhängig sei. Es seien  S1=s1  und  S2=s2  die durch s1 und s2 definierten Geraden (die Strahlen) und es seien P und Q Punkte in V mit den zugehörigen parallelen Geraden  G=P+v  und  H=Q+v.  Die Schnittpunkte der Geraden seien

A1=S1G,A2=S2G,B1=S1H,B2=S2H,

und es seien  A1,A2,A1A20

Dann ist

d(B1,B2)d(A1,A2)=B1A1=B2A2.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Fakt.


Die in der vorstehenden Aussage mitbewiesene Gleichung

B1A1=B2A2

heißt auch Erster Strahlensatz. Er nimmt nur Bezug auf Längenverhältnisse auf den Strahlen.


In der letzten Varianten des Strahlensatzes gibt es drei Strahlen, wir sprechen vom Dreistrahlensatz.


Satz  

Es sei V ein zweidimensionaler euklidischer Vektorraum und es seien  s1,s2,s3V  Vektoren und es sei  vV  linear unabhängig zu jedem dieser Vektoren. Es seien Si=si, i=1,2,3, die durch die si definierten Geraden (die Strahlen) und es seien P und Q Punkte in V mit den zugehörigen parallelen Geraden  G=P+v  und  H=Q+v.  Die Schnittpunkte der Geraden (die aufgrund der Voraussetzungen eindeutig bestimmt sind) seien

A1=S1G,A2=S2G,A3=S3G,B1=S1H,B2=S2H,B3=S3H,

und es seien  B1B2

Dann ist

d(B2,B3)d(A2,A3)=d(B1,B2)d(A1,A2).

Beweis  

Durch doppelte Anwendung von Fakt auf die beiden durch s1,s2 bzw. s2,s3 gegebenen zweistrahligen Situationen erhält man

d(B1,B2)d(A1,A2)=B2A2=d(B2,B3)d(A2,A3).