Kurs:Diskrete Mathematik/23/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 3 | 4 | 3 | 3 | 3 | 2 | 4 | 5 | 4 | 3 | 4 | 3 | 2 | 2 | 6 | 7 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die
Abbildung
heißt antimonoton, wenn für alle mit stets gilt.
- Der
Multinomialkoeffizient
ist
- Die
Abbildungen
und
heißen
linksisomorph,
wenn es eine
bijektive
Abbildung
mit
gibt.
- Der Grad eines Punktes in einem ungerichteten Graphen ist die Anzahl seiner Nachbarn.
- Ein Graph heißt zusammenhängend, wenn es zu je zwei Punkten einen Weg gibt, der und verbindet.
- Die Paarung deckt ab, wenn es eine Kante aus gibt, zu der gehört.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Äquivalenzrelation zu einer Untergruppe in einer kommutativen Gruppe .
- Der Satz über die Charakterisierung von isomorphen Abbildungen zwischen endlichen Mengen.
- Der Paarungssatz (Heiratssatz)
- Es sei eine kommutative Gruppe, eine Untergruppe und die durch auf definierte Relation. Dann liegt eine Äquivalenzrelation vor, und die Äquivalenzklasse zu ist gerade .
- Es seien und Abbildungen zwischen endlichen Mengen. Dann sind und genau dann zueinander isomorph, wenn ihre Faseranzahltupel übereinstimmen.
- Es sei eine Menge, es sei eine endliche Indexmenge und zu jedem
sei eine Teilmenge
gegeben. Zu einer Teilmenge
setzen wir
Für jede Teilmenge gelte
Dann gibt es eine injektive Abbildung
mit
.
Aufgabe (3 Punkte)
Es seien Mengen. Zeige, dass die folgenden Aussagen zueinander äquivalent sind.
- .
- .
- .
Von (1) nach (2). Es gelte also und es ist zu zeigen. Es sei also . Das bedeutet und . Nach Voraussetzung (1) gilt wegen auch und wegen gilt .
Von (2) nach (1). Es gelte also und es ist zu zeigen. Es sei also . Wir machen eine Fallunterscheidung. Bei ist auch . Bei gilt wegen zunächst und daher wegen der Voraussetzung auch , also wieder .
Die Äquivalenz von (1) und (3) ergibt sich genauso mit vertauschten Rollen von und .
Aufgabe (4 Punkte)
Hanny, Nanny, Fanny und Sanny leben auf dem Ponyhof. Heute machen sie einen Ausflug mit den Ponies Pona, Pone, Pono und Ponu. Jedes der Mädchen sitzt dabei genau auf einem Pony, und sie reiten hintereinander. Folgende Fakten sind bekannt.
- Fanny sitzt nicht auf Pona.
- Pone und Ponu vertragen sich nicht so gut und laufen daher nicht direkt hintereinander.
- Nanny sitzt auf Pone oder auf Pono.
- Sanny reitet auf Pona oder auf Pone.
- Nanny reitet direkt hinter Sanny.
- Auf Ponu sitzt nicht Sanny.
- Pona läuft direkt zwischen Pone und Pono.
- Auf Pono sitzt weder Fanny noch Hanny.
- Sanny reitet weiter vorne als Hanny.
Wer sitzt auf welchem Pony und in welcher Reihenfolge laufen sie?
Nach (7) liegt der Ponyabschnitt Pone-Pona-Pono oder Pono-Pona-Pone vor. Nach (2) sind somit nur die Ponyreihenfolgen Pone-Pona-Pono-Ponu oder Ponu-Pono-Pona-Pone möglich. Nach (8) sitzt auf Pono Nanny oder Sanny, nach (4) sitzt aber Sanny auf Pona oder Pone. Deshalb sitzt Nanny auf Pono. Nach (5) reitet Nanny direkt hinter Sanny. Bei der Reihenfolge Ponu-Pono-Pona-Pone müsste also Sanny auf Ponu reiten, was nach (4) ausgeschlossen ist. Also ist die Reihenfolge Pone-Pona-Pono-Ponu und Sanny reitet auf Pona. Nach (9) reitet Hanny auf Ponu und folglich reitet Fanny auf Pone.
| Reihenfolge | Pony | Reiterin |
|---|---|---|
| 1 | Pone | Fanny |
| 2 | Pona | Sanny |
| 3 | Pono | Nanny |
| 4 | Ponu | Hanny |
Aufgabe (3 Punkte)
Es soll Holz unterschiedlicher Länge (ohne Abfall) in Stücke zerlegt werden, die zwischen und cm lang sein sollen (jeweils einschließlich). Für welche Holzlängen ist dies möglich?
Es sei die Länge des Holzes, das zerlegt werden soll. Für ist eine Zerlegung offenbar nicht möglich. Für kann man das Stück so lassen, wie es ist, eine Zerlegung ist also möglich. Für ist eine Zerlegung nicht möglich, da das Stück zu lang ist, um es direkt zu übernehmen, aber zu kurz, um es in zwei oder mehr Teile zu zerlegen. Für kann man das Stück in zwei (beispielsweise gleichgroße) Teile unterteilen, eine Zerlegung ist also möglich. Für ist keine Zerlegung möglich. Für zwei Teile ist das Stück nämlich zu lang und für drei oder mehr Teile ist es zu kurz. Ab
ist eine Zerlegung stets möglich. Die Länge erfüllt dann nämlich
mit einer natürlichen Zahl . Wenn man durch dividiert, erhält man
was als Länge eines Teilstücks erlaubt ist.
Aufgabe (3 Punkte)
Es ist
Aufgabe (3 Punkte)
Erstelle eine Liste von sämtlichen Permutationen auf der Menge und bestimme, welche von ihnen fixpunktfrei sind.
Eine Durchsicht der Liste zeigt, dass es fixpunktfreie Permutationen gibt.
Aufgabe (2 Punkte)
Beweise den Satz über die Lösbarkeit von Gleichungen in einer Gruppe .
Wir betrachten die linke Gleichung. Aus beidseitiger Multiplikation mit von links folgt, dass nur
als Lösung in Frage kommt. Wenn man dies einsetzt, so sieht man, dass es sich in der Tat um eine Lösung handelt.
Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)
Welche der folgenden Abbildungen sind Gruppenhomomorphismen?
- Dies ist ein Gruppenhomomorphismus. Die positiven reellen Zahlen bilden mit der Multiplikation eine Gruppe und es gilt
da die Quadrate davon übereinstimmen.
- Dies ist kein Gruppenhomomorphismus, allein schon deshalb, weil die Wurzel für negative Zahlen gar nicht definiert ist.
- Dies ist kein Gruppenhomomorphismus, da keine Gruppe ist, da kein inverses Element besitzt.
- Dies ist kein Gruppenhomomorphismus, da das neutrale Element links nicht auf das neutrale Element rechts abgebildet wird.
Aufgabe (5 Punkte)
Zeige, dass der Polynomring über einem kommutativen Ring wieder ein kommutativer Ring ist.
Lediglich die Gültigkeit des Assoziativgesetzes für die Multiplikation und des Distributivgesetzes sind nicht unmittelbar klar. Zum Nachweis dieser Eigenschaften schreiben wir abkürzend die beteiligten Polynome als
Mit diesen Bezeichnungen ist
woraus wegen der Symmetrie des Ausdrucks die Assoziativität ablesbar ist. Ferner ist
was die Distributivität bedeutet.
Aufgabe (4 Punkte)
Zeige, dass für jede ungerade Zahl die Zahl ein Vielfaches von ist.
Eine ungerade Zahl besitzt die Form mit einer ganzen Zahl . Somit ist
Die hinten ist ein Vielfaches von . Genau eine der beiden Zahlen und ist gerade, also von der Form . Daher ist ein Vielfaches von und somit ist die gesamte Zahl ein Vielfaches von .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von und .
Der Euklidische Algorithmus liefert:
Die Zahlen und sind also teilerfremd.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei und der zugehörige Restklassenring. Zeige, dass genau dann eine Einheit modulo ist, wenn und teilerfremd sind.
Sind und teilerfremd, so gibt es nach Satz 8.2 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) eine Darstellung der , es gibt also ganze Zahlen mit
Betrachtet man diese Gleichung modulo , so ergibt sich in . Damit ist eine Einheit mit dem inversen Element .
Ist umgekehrt eine Einheit in , so gibt es ein mit in . Das bedeutet aber, dass ein Vielfaches von ist, sodass also
gilt. Dann ist aber wieder und und sind teilerfremd.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein endlicher kommutativer Ring mit Elementen, . Zeige, dass die Addition und die Multiplikation nicht zueinander isomorph sind.
Es ist eine endliche Gruppe, die Faser zu unter der Additionsabbildung besteht aus den Elementen . Das Faseranzahltupel der Addition ist also . Die Faser der Multiplikationsabbildung umfasst jedenfalls gemäß Lemma 5.11 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) (1) die Elemente und , also zumindest Elemente. Da vorausgesetzt wird, ist und das Faseranzahltupel der Multiplikation ist vom Faseranzahltupel der Addition verschieden. Nach Satz 15.5 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) können die beiden Verknüpfungen nicht isomorph sein.
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei eine -Matrix über dem Körper und sei ein Eigenvektor von mit dem Eigenwert . Zeige, dass
die Lösung der Matrixrekursion
zum Startvektor ist.
Wir beweisen die Aussage durch Induktion über , der Fall ist direkt die Startsituation. Der Induktionsschritt ergibt sich direkt aus
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei ein Graphhomomorphismus. Ist die gleiche Abbildung (auf den Vertexmengen) auch ein Graphhomomorphismus von den Komplementärgraphen ?
Dies ist nicht der Fall. Es sei der zweipunktige kantenfreie Graph und der zweipunktige lineare Graph. Die Bijektion
ist ein Graphhomomorphismus, da es ja links keine Kanten gibt. Bei den Komplementären Graphen vertauschen sich die Rollen. Die einzige Kante in wird dann auf eine Nichtkante in abgebildet, das ist also kein Graphhomomorphismus.
Aufgabe weiter
Wir sind mitten in der WM, das Viertelfinale steht fest und beginnt morgen. Die Zeitung druckt den folgenden Restspielplan (ohne Spiel um Platz 3) ab.
Viertelfinale
Halbfinale
Finale
Wir interpretieren die Begegnungsstriche als Kanten in einem Graphen .
- Was ist die Knotenmenge in ? Skizziere den Graphen allein mit Punkten und Kanten (ohne jede Bennenung)!
- Was sind die Zusammenhangskomponenten von ? Ist der Graph bipartit?
- Einige Tage später steht das Finale an. Der Spielplan wurde zwischenzeitlich ergänzt, die unteren Zeilen sehen jetzt so aus
(die oberen Zeilen aus dem Viertefinale sind unverändert da).
Halbfinale
Finale
Hat sich der Graph verändert?
- Es sei nun die Äquivalenzrelation auf , bei der Knotenpunkte zueinander äquivalent sind, wenn sie durch die gleiche Mannschaft besetzt sind. Skizziere den Quotientengraphen überschneidungsfrei!
- Ist der Graph zusammenhängend? Ist er bipartit?
- Bestimme die Automorphismengruppe von !
Aufgabe (7 (6+1) Punkte)
Wir betrachten die Ebene, die durch eine Menge von Geraden in Teilgebiete („Länder“) zerschnitten wird. Die Grenze zwischen zwei solchen Gebieten ist also ein Geradenstück.
- Zeige, dass man die Gebiete mit zwei Farben so färben kann, dass zwei benachbarte Gebiete (die ein echtes Geradenstück gemeinsam haben, ein einzelner gemeinsamer Punkt gilt nicht) eine verschiedene Farbe haben.
- Skizziere eine solche Färbung in der abgebildeten Situation.
- Wir beweisen die Aussage durch Induktion über die Anzahl der Geraden. Bei
gibt es nur eine Gerade und damit zwei Hälften, denen wir unterschiedliche Farben geben. Zum Induktionsschluss setzen wir voraus, dass es zu je Geraden eine erlaubte Färbung der Gebiete gibt. Es seien Geraden gegeben. Es sei eine erlaubte Färbung der Gebiete gegeben, die durch die Geraden festgelegt werden
(alte Gebiete),
was es nach Induktionsvoraussetzung gibt. Die hinzukommende Gerade
verändert natürlich einen Großteil der Gebiete, und zwar zerlegt sie diejenigen Gebiete, die durch echt zerschnitten werden, in zwei neue Gebiete. Ferner zerlegt die Gesamtebene in zwei Hälften, die wir und nennen. Ein Gebiet zur größeren Geradenkonfiguration liegt somit ganz in oder in . Wir definieren eine neue Färbung der neuen Gebietsaufteilung durch folgende Vorschrift: Ein (neues) Gebiet, das in liegt, behält seine Farbe, ein Gebiet, das in liegt, ändert seine Farbe. Wir behaupten, dass diese neue Färbung die Bedingung erfüllt. Es seien dazu und benachbarte Gebiete, es sei die Gerade, die eine Grenze zwischen und bildet. Bei liegen beide Gebiete in oder in und die beiden Gebiete waren in der alten Situation schon Teile von benachbarten Gebieten. Wenn beide in liegen, so hatten sie in der alten Färbung verschiedene Farben, und dies wurde übernommen. Wenn beide in liegen, so hatten sie in der alten Färbung verschiedene Farben, und diese wurden jeweils verändert, die Farben sind also auch in der neuen Färbung verschieden. Bei entstanden die Gebiete aus einem alten Gebiet durch die Trennung mit der neuen Geraden. In der alten Färbung hatten sie (als Teil eines gemeinsamen Gebietes) die gleiche Farbe. Eines der Gebiete liegt in und eines in , d.h., eines behält seine Farbe und eines wird umgefärbt, die Farben in der neuen Färbung sind also verschieden.
