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Kurs:Diskrete Mathematik/7/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Punkte 3 3 3 3 4 2 8 2 2 2 3 4 7 4 1 3 5 5 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine endliche Menge mit Elementen.
  2. Ein größtes Element in einer geordneten Menge .
  3. Zwei teilerfremde natürliche Zahlen und .
  4. Rechtsisomorphe Abbildungen und zu Mengen .
  5. Ein kantenfreier Graph  
  6. Das chromatische Polynom eines Graphen .


Lösung

  1. Eine Menge heißt endlich mit Elementen, wenn es eine Bijektion

    gibt.

  2. Ein Element heißt größtes Element von , wenn    für jedes gilt.
  3. Die beiden natürlichen Zahlen und heißen teilerfremd, wenn sie keinen gemeinsamen Teiler besitzen.
  4. Die Abbildungen und heißen rechtsisomorph, wenn es eine bijektive Abbildung mit

    gibt.

  5. Der Graph heißt kantenfrei, wenn die Kantenmenge leer ist.
  6. Unter dem chromatischen Polynom versteht man die Funktion, die durch

    gegeben ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Teilmengenanzahl einer endlichen Menge.
  2. Der Satz über die Äquivalenzrelation zu einer Abbildung .
  3. Der Satz von Ore.


Lösung

  1. Die Anzahl der -elementigen Teilmengen in einer -elementigen Menge ist der Binomialkoeffizient
  2. Durch die Festlegung

    wenn

    wird eine Äquivalenzrelation auf definiert.
  3. Es sei    ein Graph mit mindestens drei Elementen, der die Bedingung

    für je zwei nicht adjazente Knoten erfüllt. Dann ist

    hamiltonsch.


Aufgabe (3 Punkte)

Auf wie viele Arten kann man mit den üblichen Münzen einen Betrag von Cent begleichen?


Lösung

Wir zählen zunächst die Möglichkeiten, mit den -, - und -Centmünzen die folgenden Beträge darzustellen:

Dann betrachten wir in jedem Fall, mit wie vielen -Centmünzen man jeweils noch unterhalb von Cent bleibt, der verbleibende Rest wird mit -Centmünzen aufgefüllt. Hierfür gibt es der Reihe nach

Diese Möglichkeiten für die Zweier muss man mit den obigen Möglichkeiten multiplizieren, das ergibt insgesamt

Möglichkeiten.


Aufgabe (3 Punkte)

Die Puzzleteile für ein Puzzle haben eine grob rechteckige Form, wobei die eine Seite erkennbar länger als die andere ist, und auf jeder Seite gibt es entweder eine Einbuchtung oder eine Ausbuchtung. Wie viele Typen von Puzzelteilen gibt es?


Lösung

Wir betrachten die Puzzleteile je nachdem, ob sie oder Ausbuchtungen haben (was die Anzahl der Einbuchtungen festlegt). Bei keiner Ausbuchtung gibt es keine weitere Unterscheidung. Bei einer Ausbuchtung kann die Ausbuchtung an einer kurzen oder an einer langen Seite sein. Bei zwei Ausbuchtungen gibt es vier Möglichkeiten: Die beiden Ausbuchtungen können gegenüber an den kurzen Seiten, oder gegenüber an den langen Seiten, oder nebeneinander an einer kurzen und an einer langen Seite sein. Im letzteren Fall macht es aber noch einen Unterschied, ob, wenn man die Ausbuchtung an der kurzen Seite nach oben dreht, die Ausbuchtung an der langen Seite links oder rechts liegt. Für drei Ausbuchtungen gibt es wieder zwei und bei vier Ausbuchtungen wieder eine Möglichkeit. Insgesamt gibt es also

Typen.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Anzahl von bijektiven Abbildungen.


Lösung

Wir führen Induktion über , wobei der Fall    klar ist. Die Aussage sei nun für schon bewiesen und es liegen zwei -elementige Mengen und vor. Es sei    ein fixiertes Element. Dann gibt es für die Werte genau Möglichkeiten, nämlich die Anzahl der Menge . Wenn dies festgelegt ist, so entsprechen die bijektiven Abbildungen von nach mit

den bijektiven Abbildungen von nach . Nach Induktionsvoraussetzung gibt es solche bijektiven Abbildungen. Daher ist die Anzahl der bijektiven Abbildungen zwischen und gleich


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise den Satz über die Lösbarkeit von Gleichungen in einer Gruppe .


Lösung

Wir betrachten die linke Gleichung. Aus beidseitiger Multiplikation mit von links folgt, dass nur

als Lösung in Frage kommt. Wenn man dies einsetzt, so sieht man, dass es sich in der Tat um eine Lösung handelt.


Aufgabe (8 (1+2+3+2) Punkte)

Wir betrachten eine (einfachere, aber langsamere) Variante des euklidischen Algorithmus zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers zu zwei gegebenen natürlichen Zahlen .

Der Algorithmus geht folgendermaßen. Wenn    ist, so ersetze das Paar durch das Paar, das aus der kleineren Zahl und der Differenz zwischen der kleineren und der größeren Zahl besteht. Wiederhole dies rekursiv. Wenn    ist, so ist man fertig und es wird das Ergebnis ausgegeben.

  1. Führe diesen Algorithmus für das Paar durch.
  2. Zeige, dass dieser Algorithmus nach endlich vielen Schritten aufhört.
  3. Zeige, dass dieser Algorithmus korrekt ist, also wirklich den größten gemeinsamen Teiler ausgibt.
  4. Man gebe für jedes ein Beispiel, wo der euklidische Algorithmus nach einem Schritt fertig ist, wo aber die Variante Schritte benötigt.


Lösung

  1. Der Algorithmus ersetzt sukzessive

    der größte gemeinsame Teiler ist also .

  2. Wenn    ist, so hört der Algorithmus auf. Wenn genau eine Zahl ist, so ist das Folgepaar und dann hört der Algorithmus auf. Es sei also ohne Einschränkung

    Das Folgepaar ist dann und beide Zahlen sind kleiner als . D.h. unter dieser Voraussetzung wird das Maximum mit jedem Rechenschritt kleiner. Da sich alles innerhalb der natürlichen Zahlen abspielt, bricht das Verfahren irgendwann ab.

  3. Bei    ist diese Zahl auch der größte gemeinsame Teiler. Wir zeigen, dass sich bei jedem Rekursionsschritt, bei dem (es sei wieder ) durch ersetzt wird, der größte gemeinsame Teiler der beiden Paare übereinstimmt. Dazu muss man nur zeigen, dass und einerseits und und andererseits die gleichen gemeinsamen Teiler haben. Es sei also und    und  .  Dann ist

    ebenfalls ein Vielfaches von . Wenn umgekehrt    und    ist, so ist

    ebenfalls ein Vielfaches von .

  4. Wir betrachten das Paar . Der euklidische Algorithmus liefert

    und ist fertig. Die Variante ersetzt durch , sie braucht also Schritte, um die Abbruchbedingung zu erreichen.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine natürliche Zahl. Wann ist die Zahl eine Primzahl?


Lösung

Es gilt generell die Zerlegung

Bei sind beide Faktoren und daher kann nicht prim sein. Bei ist

eine Primzahl. Bei liegt keine Primzahl vor.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine ganze Zahl, von der die folgenden Eigenschaften bekannt sind:

  1. ist negativ.
  2. ist ein Vielfaches von , aber nicht von .
  3. ist kein Vielfaches von .
  4. ist ein Vielfaches von , aber nicht von .
  5. In der Primfaktorzerlegung von gibt es keine Primzahl, die größer als ist.

Was ist ?


Lösung

Wir müssen nur für die Primzahlen bestimmen, mit welcher Potenz sie in vorkommen. Wegen (2) kommt mit der dritten Potenz vor, aber nicht mit der vierten. Wegen (3) ist kein Teiler von , da ja ein Teiler ist, und wegen (4) ist ein Teiler von . Wegen (4) kommt mit der zweiten Potenz vor, aber nicht mit der dritten. Daher ist


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die auf durch

festgelegte Relation eine Äquivalenzrelation ist.


Lösung

Die Reflexivität und die Symmetrie ergeben sich unmittelbar aus der Definition. Zum Nachweis der Transitivität seien    und  .  Dies bedeutet    bzw.  .  Somit ist

Wegen    ergibt die Kürzungsregel in die Gleichheit

also  


Aufgabe (3 (1+1+0.5+0.5) Punkte)

Wir betrachten in der Gruppe    die Untergruppe

und die zugehörige Äquivalenzrelation.

a) Skizziere die Punkte (eine sinnvolle Auswahl) aus (als Punkte in ) mit einer Farbe.

b) Skizziere mit verschiedenen Farben die verschiedenen Äquivalenzklassen (Nebenklassen).

c) Wie viele Äquivalenzklassen gibt es? Beschreibe ein Repräsentantensystem.

d) Erstelle eine Verknüpfungstabelle für die Farben. Welche Farben sind zueinander invers?


Lösung erstellen


Aufgabe (4 Punkte)

Es seien ganze Zahlen. Zeige, dass genau dann ein Teiler von ist, wenn es einen Ringhomomorphismus

gibt. Zeige durch ein Beispiel, dass es einen injektiven Gruppenhomomorphismus

geben kann, ohne dass ein Teiler von ist.


Lösung

Wenn ein Teiler von ist, so ist und daher ist und somit gilt die Idealinklusion . Unter dem kanonischen Ringhomomorphismus

wird also auf null abgebildet und daher gibt es nach dem Satz vom induzierten Homomorphismus einen Ringhomomorphismus

Wenn es umgekehrt einen solchen Ringhomomorphismus gibt, so betrachten wir insgesamt den Ringhomomorphismus

Die Gesamtabbildung muss also auf null schicken, d.h. , und ist ein Vielfaches von .

Für das Beispiel betrachten wir und . In bildet die Menge eine Untergruppe, die zu isomorph ist, sodass ein injektiver Gruppenhomomorphismus vorliegt.


Aufgabe (7 (2+2+2+1) Punkte)

Wir betrachten die Multiplikationsabbildung auf vierelementigen kommutativen Ringen.

  1. Bestimme das Faseranzahltupel zur Multiplikationsabbildung

    für  

  2. Bestimme das Faseranzahltupel zur Multiplikationsabbildung

    für den Körper mit vier Elementen.

  3. Bestimme das Faseranzahltupel zur Multiplikationsabbildung

    für den Ring

  4. Sind die Multplikationsabbildungen auf zueinander isomorph?


Lösung

  1. Die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    das Faseranzahltupel ist also .

  2. Die Elemente seien . Die Faser der Multiplikationsabbidung über ist

    die Fasern der Multiplikationsabbildung über den drei anderen Elementen, die ja Einheiten sind, sind von der Bauart (Faser zu )

    sie besitzen also jeweils drei Elemente. Das Faseranzahltupel ist somit .

  3. Die vier Elemente sind , wobei die Restklasse von bezeichnet. Es gilt  .  Die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    die Faser der Multiplikationsabbildung über ist

    das Faseranzahltupel ist also .

  4. Nach Satz 15.5 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) sind die Multiplikationsabbildungen von und von zueinander isomorph, aber nicht zur Multiplikationsabbidung auf .


Aufgabe (4 Punkte)

Berechne das Cauchy-Produkt bis zur vierten Potenz der geometrischen Reihe mit der Exponentialreihe.


Lösung

Die geometrische Reihe ist und die Exponentialreihe ist . Das Cauchy-Produkt von zwei Reihen ergibt sich einfach dadurch, dass man jeden Summanden mit jedem Summanden multipliziert und gleiche Potenzen aufsummiert. Daher können die Potenzen etc. ignoriert werden und es ist

Das Cauchy-Produkt bis zur vierten Potenz der beiden Reihen ist also


Aufgabe (1 Punkt)

Bei einem vollständigen ungerichteten Graphen mit Ecken ist jede Ecke mit jeder (anderen) Ecke verbunden. Zeichne einen solchen Graphen in der Ebene ohne Überschneidungen.


Lösung


Aufgabe (3 Punkte)

Wir betrachten die Felder eines Schachbrettes als Knotenpunktmenge und verbinden zwei Felder, wenn sie durch einen direkten Turmzug miteinander verbunden sind. Bestimme den Grad der Punkte, den Abstand zwischen zwei Punkten und den Durchmesser dieses Graphen.


Lösung

Wir bezeichnen den Knoten in der -ten Zeile und -ten Spalte mit . Dann ist

da von jedem Feld aus mit dem Turm in einem Zug verschiedene Felder in der gleichen Zeile und verschiedene Felder in der gleichen Spalte erreicht werden können. Zwei nicht identische Felder in der gleichen Zeile bzw. Spalte lassen sich also in einem Zug erreichen, andernfalls benötigt man zwei Züge. Der Abstand zweier Punkte lautet daher

Der Durchmesser beträgt somit .


Aufgabe (5 (1+1+1+1+1) Punkte)

Es seien endliche kommutative Ringe, es sei ein Ringhomomorphismus und es sei der Nullteilergraph zu und der Nullteilergraph zu .

  1. Zeige, dass einen schwachen Graphhomomorphismus von nach induziert.
  2. Es sei injektiv. Zeige, dass einen (echten) Graphhomomorphismus von nach induziert, wodurch zu einem vollen Untergraphen von wird.
  3. Man gebe ein Beispiel, dass keinen (echten) Graphhomomorphismus induziert.
  4. Es sei nun    und ein Ringautomorphismus. Zeige, dass dadurch ein Graphautomorphismus induziert wird.
  5. Man gebe ein Beispiel für einen endlichen kommutativen Ring und einen Graphautomorphismus des Nullteilergraphen, der nicht von einem Ringautomorphismus herrührt.


Lösung

  1. Es seien  .  Aus    folgt direkt

    Deshalb werden im Nullteilergraphen verbundene Knotenpunkte auf einem gemeinsamen Punkt abgebildet oder aber auf ein Punktepaar, das ebenfalls verbunden ist. Dies bedeutet schwacher Homomorphismus.

  2. In injektiven Fall ist der Fall, dass zwei Punkte zusammenfallen, ausgeschlossen. Nach (1) liegt also ein injektiver Graphhomomorphismus vor, mit dem wir direkt als einen Untergraphen von auffassen können. Wenn in eine Kante zwishen    vorliegt, so ist    in , aber dann auch in . Deshalb ist ein voller Untergraph.
  3. Es sei    der Nullring und nicht der Nullring mit der Nullabbildung . Dabei wird die Nullteilerkante zwischen und nicht auf eine Kante abgebildet, da die beiden Endpunkte vereinigt werden.
  4. Dies folgt direkt aus (2).
  5. Es sei  ,  im zugehörigen Nullteilergraphen ist mit und mit verbunden. Die Vertauschung von und ist ein nichttrivialer Graphautomorphismus. Dagegen muss ein Ringautomorphismus die auf die abbilden und muss in diesem Fall bereits die Identität sein.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei ein vollständiger Graph. Zeige, dass es zu einer Kante eines Graphen stets eine natürliche Identifizierung

gibt.


Lösung

Es sei    und  ,   .  Wir beschreiben eine explizite Bijektion

Es sei

ein Graphhomomorphismus von nach . Wir unterscheiden die beiden Fälle, ob    ist oder nicht. Im ersten Fall kann man direkt als einen Graphhomomorphismus von nach auffassen, da ja die einzige zusätzliche Kantenbedingung erfüllt ist, weil vollständig ist. Bei    erhält man eine wohldefinierte Abbildung von (der Quotientenmenge, bei der und identifiziert werden) nach , die ein Graphhomomorphismus von nach ist. Diese Gesamtabbildung ist offenbar injektiv. Zur Surjektivität. Wenn ein Homomorphismus von nach ist, so ist es direkt auch ein Homomorphismus von nach . Wenn ein Homomorphismus von nach ist, so kann man es als eine Abbildung

mit    auffassen. Dies ist dannn wiederum ein Homomorphismus von nach .