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Momente

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(Weitergeleitet von Erwartungswert)

Einleitung

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Diese Seite zum Thema Momente kann als Wiki2Reveal Folien angezeigt werden. Einzelne Abschnitte werden als Folien betrachtet und Änderungen an den Folien wirken sich sofort auf den Inhalt der Folien aus. Dabei werden die folgenden Teilaspekte im Detail behandelt:

  • (1) Definition von Momenten
  • (2) Erwartungswert
  • (3) Varianz

Motivation - Erwartungswert

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Vorbemerkung: Zwei Personen A und B vereinbaren ein Würfelspiel.

  • Ausgang '1': A zahlt an B 5€
  • Ausgang '2', ..., '6': B zahlt an A 1€

Die Gewinnerwartung für die beiden Spieler beträgt hier Null: Erwarteter Gewinn von B:

516116...116=0

("faires Spiel").

Bemerkung - Wahrscheinlichkeit und Wert der Zufallsgröße

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In der obigen Gleichung

516116...116=0

setzen sich die einzelnen Terme (z.B. 516) aus dem Wert der Zufallsgröße X(1)=5 und der Wahrscheinlichkeit 16 für das Eintretens des Ereignisse ("1 gewürfelt") zusammen.

Definition - Erwartungswert

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Die Definition des Erwartungswertes wird in folgende Fälle unterteilt:

  • diskrete Zufallsgröße und
  • absolute stetige Zufallsgröße.

Definition - Erwartungswert - diskreter Fall

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Sei X:Ω eine auf einem diskreten Wahrscheinlichkeitsraum (Ω,𝒮,P) definierte Zufallsvariable, dann heißt

E(X)=xX(Ω)xP(X=x)=xX(Ω)xPX({x})

Erwartungswert von X, vorausgesetzt, dass xX(Ω)|x|P(X=x)<.

Bemerkung - Anzahl Summanden - diskreter Fall

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Die Zufallsgröße X:Ω nimmt nur zwei Werte an, nämlich X(ω)=5 für ω=1 und X(ω)=1 für ω=2,3,4,5,6. Dabei besteht der Erwartungswert in der obigen Notation nur aus zwei Summanden, da X(Ω)={1,5}.

Bemerkung 1 - Notation zum diskreten Beispiel

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Möchte man den Erwartungswert analog zur obigen Notation mit 6 Summand definieren:

E(X)=ωΩX(ω)P({ω})=516+(1)16+...+(1)16=(1)56=516+156=xX(Ω)={5,1}xPX({x})=0

Bemerkung 2 - diskret verteilte Zufallsgröße

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Die Reihe x|x|P(X=x)< hat nur abzählbar viele Elemente x mit P(X=x)0, weil X:Ω eine diskrete Zufallsgröße ist.

Bemerkung 3 - Erwartungswert - absolute Konvergenz

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Mit x|x|P(X=x)0 ist die Reihe in der Definition zum Erwartungswert absolut konvergent. Die Fälle E(x)=+ und E(x)= werden also ausgeschlossen. In solchen Fällen existiert der Erwartungswert nicht.

Definition - Erwartungswert - absolut stetig

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Sei X:Ω eine auf einem diskreten Wahrscheinlichkeitsraum (Ω,𝒮,P) bei die Wahrscheinlichkeitsverteilung durch eine Dichtefunktion p:Ω0+ bzw. die induzierte Dichte pX:0+ gegeben ist. Dann heißt

E(X):=ΩX(ω)p(ω)d(ω):=xpX(x)dx

Erwartungswert der absolut stetigen Verteilung, wenn die Bedingung

E(|X|)=Ω|X(ω)|p(ω)d(ω)=|x|pX(x)dx<

erfüllt ist.

Bemerkung - induzierte Dichtefunktion

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Für die induzierte Dichtefunktion gilt alle B aus der Borelschen σ-Algebra ():

X1(B)X(ω)p(ω)d(ω):=BxpX(x)dx

Satz - Erwartungswert für diskrete Zufallsvariablen

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Bezeichnet pω=P({ω}) die Wahrscheinlichkeitsfunktion von P auf Ω, so gilt für eine auf (Ω,𝒮,P) definierte Zufallsvariable X:Ω:

E(X)=ωΩX(ω)pω

(sofern |X(ω)|pω<).

Beweis

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Es ist

ωΩX(ω)pω=xX(Ω)ω:X(ω)=xX(ω)pω=xX(Ω)xω:X(ω)=xpw=xX(Ω)xPX({x})=E(X)

Bemerkung zum Beweis

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In den Beweis geht der große Umordnungssatz für konvergente Reihen aus der Analysis ein. Die Anwendung Umordnungssatzes ist möglich, da E(|X|)< gilt und damit die Reihe absolut konvergent ist.

Bemerkungen - Existenz Erwartungeswertes

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Im Fall absoluter Konvergenz der Reihen (Beispiele oben) sagt man:

  • X besitzt einen Erwartungswert, oder
  • der Erwartungswert von X existiert.

X besitzt genau dann einen Erwartungswert, falls E|X|=w|X(w)|pw<.

Endlicher Ergebnisraum

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Dies ist bei endlichen Ω immer der Fall.


Schreibweise

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Statt E(X) auch EX oder EPX, wenn man kenntlich machen möchte, bzgl. welchem Wahrscheinlichkeitsmaß P der Erwartungswert berechnet wurde.

Elementare Folgerungen

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Aus dem obigen Satz zum Erwartungswert folgt: E(1)=1,E(X)E(Y), falls X(w)Y(w) für alle wΩ gilt.

Beispiel

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Ist X(w)={w1,...,wm}, und ist PX die Gleichverteilung auf X(Ω), so lautet der Erwartungswert

E(X)=1mi=1mxi ("arithmetisches Mittel").

(Der Erwartungswert der Augenzahl beim Würfeln ist 3,5.)

Beispiel

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Für die Indikatorvariable X=1A eines Ereignisses AΩ gilt:

E(1A)=0P(1A=0)+1P(1A=1)=P(A)

Eine direkte Folgerung aus der Behauptung ist der folgende Satz.

Satz - Linearität des Erwartungswertes

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Besitzen die Zufallsvariablen X1,X2 Erwartungswerte, so auch die Zufallsvariablen aX1,bX2,a,b, und es gilt:

E(aX1+bX2)=aE(X1)+bE(X2) ("Linearität")

Bemerkung - Aufgabe - Beweis

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Der Beweis der Linearität wird über das Einsetzen der Definition und der Anwendung elementaren Umformungen geführt. Versuchen Sie diesen Beweis zunächst ohne Hilfen selbst durchzuführen und sich erst danach den in Wikiversity angegebenen Beweis zu Linearität des Erwartungswertes anzusehen

Anwendungsbeispiel für die Linearität des Erwartungswertes

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Alle n Zufallsgrößen Xk mit k{1,,n} seinen B(1,p)-verteilt. Dann ist X:=X1++Xn ein B(n,p)-verteilt und für den Erwartungswert erhält man mit der Linearität des Erwartungswertes X gilt:

E(X)=np


Beweismöglichkeiten
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1. E(X)=k=knk(nk)pk(1p)nk=...=np

2. Für die Binominalverteilung gilt X=X1+..+Xn mit EXi=p. Dann ist

E(X)=E(X1)+...+E(Xn)=np (wg. Linearität).

Der Erwartungswert von Funktionen ϕX einer Zufallsgröße berechnet sich wie folgt.

Satz - Verkettung von messbaren Abbildungen

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Ist X:ΩΩ Zufallsgröße auf (Ω,P) und ϕ:Ω eine Abbildung, dann gilt

E(ϕX)=xX(Ω)ϕ(x)PX({x})

(Falls die Reihe absolut konvergiert).

Beweis

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EP(ϕX)=wΩϕ(X(w))pw=xX(w)w:X(w)=xϕ(X(w))pw
=xX(w)ϕ(x)w:X(w)=xpw=xX(w)ϕ(x)PX({x}).

(Großer Umordnungssatz für absolut konvergente Reihen)

Beispiele

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Gemäß der Behauptung gilt z.B.

Mit ϕ1(x):=x2 erhält man E(ϕ1)=xx2PX({x})
Mit ϕ2(x):=ex erhält man E(ϕ2)=xexPX({x})

usw.

Bemerkung

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Die rechte Seite der Behauptung kann man auch als EPX(ϕ) schreiben.
In der Tat, PX({x}) ist Wahrscheinlichkeitsfunktion auf Ω und ϕ wird als Zufallsvariable auf (Ω,PX) aufgefasst:

EP(ϕX)=EPX(ϕ)

Satz - Multipkikation von unabhängigen Zufallsgrößen

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Die Zufallsvariablen X,Y mögen unabhängig sein und Erwartungswerte besitzen. Dann besitzt auch XY einen Erwartungswert und es gilt

E(XY)=E(X)E(Y)

Beweis (i.1)

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Zur Existenz von E(XY):

E(|XY|)=wΩ|X(w)Y(w)|pw
=xX(Ω)yY(Ω)w:X(ω)=x,Y(ω)=y|X(w)Y(w)|pw
=xX(Ω)yY(Ω)|xy|P(X=x,Y=y)

Beweis (i.2)

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=xX(Ω)|x|P(X=x)yY(Ω)|y|P(Y=y)
=E|X|E|Y|<

(Reihe links oben also absolut konvergent.)

Beweis (ii)

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Die gleiche Rechnung wie in (i) ohne Betragsstriche liefert:

E(XY)=wΩX(w)Y(w)pw
=...=xX(Ω)xP(X=x)yY(Ω)yP(Y=y)
=E(X)E(Y)

Es wurde angewandt: Doppelreihensatz und Umordnungssatz für Reihen mit nicht negativen Gliedern (in (i)) und für absolut konvergente Reihen (in (ii)).

Bemerkung

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1. Allgemein gilt für unabhängige Zufallsvariablen X1,...,Xn mit existierenden Erwartungswerten:

E(X1...Xn)=E(X1)...E(Xn)

2. Bei fehlender Unabhängigkeit folgt aus P|X|<,P|Y|< nicht notwendigerweise P|XY|<.

Definition - Bedingter Erwartungswert

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Sei (Ω,𝒮,P) diskreter Wahrscheinlichkeitsraum, X Zufallsvariable mit existierendem Erwartungswert und AΩ mit P(A)>0. Dann heißt

E(X|A)=EP(|A)(X)

der bedingte Erwartungswert von X unter (der Bedingung) A.
[ P(|A) ist die bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung auf Ω unter A.]

Formeln zu Berechnung

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E(X|A)=wΩX(w)P({w}|A)=X(w)P({w}A)P(A)
=1P(A)wAX(w)pw=1P(A)wΩ1A(w)X(w)pw=1P(A)E(1AX)

Bemerkungen

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  • Da ωΩX(ω)pω absolut konvergiert, so konvergiert auch ωAX(ω)pω. Damit existiert der bedingte Erwartungswert E(X|A).
  • Spezialfälle: E(1A|A)=1,E(X|Ω)=E(X)
  • Der hier eingeführte Begriff des bedingten Erwartungswertes spielt eine untergeordnete Rolle. In der allgemeinen Wahrscheinlichkeitstheorie definiert man bedingte Erwartungswerte der Art E(X|Y), Y Zufallsvariable, welche von großer Wichtigkeit sind (jedoch hier in der Einführung nicht gebraucht werden).

Momente

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In dem obigen Beispiel wurde der Erwartungswert E(X) als Spezialfall von Momenten E(Xk) betrachtet, die im Folgenden definiert werden.

Definition - Momente

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Es sei X eine Zufallsvariable und k eine natürliche Zahl. Dann bezeichnet man als Moment der Ordnung k von X oder kürzer als k-tes Moment von X den Erwartungswert der k‑ten Potenz von X (unter der Voraussetzung, dass dieser existiert):

mk:=E(Xk),

und als k-tes absolutes Moment von X wird der Erwartungswert der k-ten Potenz des Absolutbetrages |X| von X bezeichnet:

Mk:=E(|X|k).

Bemerkung - nichtganzzahlige Momente

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In theoretischen Untersuchungen werden mitunter auch Momente nichtganzzahliger Ordnung κ betrachtet.

Bemerkung - Existenz von Momenten

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Die Existenz von Momenten einer bestimmten Ordnung liefert allgemein Aussagen über die Verteilung der Wahrscheinlichkeitsmasse.


Bemerkung - Erwartungswert als Moment 1. Ordnung

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Das erste Moment ist der Erwartungswert. Er wird meist mit μ bezeichnet und kann als Mittelwert angesehen werden.

Siehe auch

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Seiteninformation

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Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Stochastik' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.