Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 27
- Gebrochene Ideale
Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann nennt man einen endlich erzeugten - Untermodul des - Moduls ein gebrochenes Ideal.
Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper und sei eine Teilmenge. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.
- ist ein gebrochenes Ideal.
- Es gibt ein
endlich erzeugtes
Ideal
in und ein Element
, ,
derart, dass
gilt.
Es sei zunächst ein gebrochenes Ideal. Dann ist
Nach Übergang zu einem Hauptnenner kann man annehmen, dass ist. Dann hat man mit dem Ideal eine Beschreibung der gewünschten Art. Ist umgekehrt , so ist dies natürlich ein endlich erzeugter - Untermodul von .
Wie für Ideale spielen diejenigen gebrochenen Ideale, die von einem Element erzeugt sind, eine besondere Rolle.
Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann nennt man ein gebrochenes Ideal der Form mit ein gebrochenes Hauptideal.
Aus Lemma 27.2 ergibt sich sofort, dass für einen Hauptidealbereich jedes gebrochene Ideal ein gebrochenes Hauptideal ist.
Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Dann definiert man für gebrochene Ideale und das Produkt als den von allen Produkten erzeugten - Untermodul von , also
wobei die Produkte in zu nehmen sind.
Wird das gebrochene Ideal als -Modul von erzeugt und wird das gebrochene Ideal von erzeugt, so wird das Produkt von den Produkten , , , erzeugt. Also ist das Produkt in der Tat wieder endlich erzeugt und damit ein gebrochenes Ideal. Für Ideale stimmt natürlich das Idealprodukt mit dem hier definierten Produkt von gebrochenen Idealen überein. Das Produkt von gebrochenen Hauptidealen ist wieder ein gebrochenes Hauptideal.
- Lokal freie Moduln
Ein - Modul über einem kommutativen Ring heißt lokal frei, wenn für jedes Primideal von die Lokalisierung ein freier -Modul ist.
Es sei ein kommutativer noetherscher Ring und sei ein endlich erzeugter - Modul. Es sei . Dann sind die folgenden Eigenschaften äquivalent.
- Die Lokalisierungen sind frei vom Rang für jedes Primideal .
- Die Lokalisierungen sind frei vom Rang für jedes maximale Ideal von .
- Es gibt Elemente , die das Einheitsideal erzeugen derart, dass die Nenneraufnahmen für jedes frei vom Rang sind.
. Dies ist eine Spezialisierung.
. Wir fixieren ein maximales Ideal . Nach Voraussetzung gibt es einen
-
Modulisomorphismus
Wir schreiben das Bild des -ten Standardvektors als
mit und . Es sei das Produkt der Nenner. Wir betrachten die Situation über der Nenneraufnahme . Der Isomorphismus ist auf definiert, d.h. wir haben einen -Modulhomomorphismus
der in der Lokalisierung an den Isomorphismus induziert. Allerdings ist im Allgemeinen kein Isomorphismus. Es sei ein Erzeugendensystem für den Modul . Da auf eine Surjektion induziert, gibt es Elemente , die nach abbilden. Die Nenner gehören nicht zu , daher können wir durch ersetzen und erhalten
mit Elementen derart, dass die in auf die Erzeuger einschränken. Dies bedeutet, dass es Elemente mit in gibt. Wenn man durch ersetzt, erhält man, dass ebenfalls surjektiv ist. Es sei der Kern von (diesem neuen) . Da injektiv ist, gilt . Da noethersch ist, ist nach Lemma 23.2 endlich erzeugt und so gibt es wiederum ein Element , , mit . Indem wir zu einem weiteren Nenner übergehen erhalten wir einen Isomorphismus für ein , .
Wir wissen also, dass es zu jedem maximalen Ideal ein
derart gibt, dass frei vom Rang ist. Das Ideal
muss das
Einheitsideal
sein, da es in keinem maximalen Ideal enthalten ist. Dieses wird bereits von endlich vielen der erzeugt.
. Es sei
ein Primideal. Wegen
gibt es ein mit
.
Die Freiheit von und die Rangeigenschaft überträgt sich auf .
Es sei ein lokal freier Modul über dem kommutativen Ring .
Dann ist torsionsfrei.
Es sei ein noetherscher Ring und ein endlich erzeugter lokal freier - Modul vom Rang .
Dann ist der duale Modul ebenfalls lokal frei vom Rang .
Nach Lemma 26.9 ist
für jedes Primideal von . Da frei vom Rang ist, überträgt sich dies auf den Dualmodul.
Es sei ein noetherscher Ring und ein endlich erzeugter lokal freier - Modul.
Dann ist reflexiv.
Wir betrachten die natürliche Abbildung
Nach Lemma 26.9 und Lemma 25.14 liegt lokal ein Isomorphismus vor, also auch global.
- Invertierbare Moduln
Ein - Modul über einem kommutativen Ring heißt invertierbar, wenn für jedes Primideal von die Lokalisierung isomorph zu ist.
Es sei ein kommutativer noetherscher Ring und sei ein endlich erzeugter - Modul. Dann sind die folgenden Eigenschaften äquivalent.
- ist invertierbar.
- Die Lokalisierungen sind frei vom Rang für jedes maximale Ideal von .
- Es gibt Elemente , die das Einheitsideal erzeugen derart, dass die Nenneraufnahmen für jedes frei vom Rang sind.
Dies ist ein Spezialfall von Satz 27.6.
Es sei ein Integritätsbereich und sei ein endlich erzeugter invertierbarer - Modul.
Dann lässt sich realisieren als ein - Untermodul des Quotientenkörpers .
Wir gehen von Korollar 27.11 (3) aus, es sei ein Element derart, dass
ist, wobei wir einen solchen -Modulhomomorphismus fixieren. Es ergibt sich dann die Verkettung von -Modulhomomorphismen
Die erste Abbildung ist injektiv aufgrund von Lemma 27.7 und Lemma 26.6 (3)
Ein endlich erzeugter invertierbarer Modul ist also isomorph zu einem
(gebrochenen)
Ideal.
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