Zum Inhalt springen

Kurs:Maßtheorie auf topologischen Räumen/Semi-Skalarprodukt

Aus Wikiversity

Einführung

[Bearbeiten]

In Mathematik gibt es zwei verschiedene Begriffe von Semi-Skalarproduktes bzw. eines Semi-inneren Produktes. Die erste und häufigere ist die eines inneren Produktes, das nicht unbedingt positiv sein muss. Eine zweite Definition befasst sich mit dem zweiten, sogenannten L-semi-inneren Produkt oder L-Semi-Skalarprodukt, das ein Skalarprodukt darstellt, das nicht unbedingt symmetrisch bzw. hermitisch sein muss.

L-Semi-Skalarprodukt

[Bearbeiten]

Das L-Semi-Skalarprodukt wurde durch Günter Lumer formuliert, um Hilbertraum-Argumente auf Banachräume in der Funktionalanalysis zu erweitern.[1] Wichtige Eigenschaften wurden später von Giles untersucht[2].

Semi-Skalarprodukt

[Bearbeiten]

Im weiteren Verlauf werden wir uns mit der in der Funktionalanalysis häufigeren Form von Semi-Skalarprodukten befassen, die einfach innere Produkte darstellen, die nicht unbedingt positiv sein müssen, d.h. aus x,x=0 folgt bei Semi-Skalarprodukten nicht unbedingt x=0V.

Lokalkonvexe Räume und Systeme von Semi-Skalarprodukten

[Bearbeiten]

Lokalkonvexe Räume (V,𝒜) sind topologische Vektorräume, die von einem System von Halbnormen α mit α𝒜 topologisiert werden (siehe auch Topologisierungslemma für Algebren). Wir betrachten nun Systeme von Semi-Skalarprodukten ,α, die wie bei Hilberträumen (V,,) durch die induzierte Norm x:=x,x durch die von den Semi-Skalarprodukten ,α induzierten Halbnormen xα:=x,xα den Vektorraum (V,,𝒜) zu einem lokalkonvexen Vektorraum machen.

Definition: Semi-Skalarprodukt

[Bearbeiten]

Sei V ein Vektorraum über dem Körper 𝕂 der reellen oder komplexen Zahlen. Ein Semi-Skalarprodukt[2] oder semi-inneres Produkt ist allgemein eine nicht-negativ hermitesche Sesquilinearform, wobei im reellen Fall das Semi-Skalarprodukt eine symmetrische Bilinearform ist.

Semi-Skalarprodukt: Abbildung

[Bearbeiten]

Bzgl. des gewählten Körpers 𝕂=, heißt eine Abbildung

,α:V×V𝕂

Semi-Skalarprodukt, wenn diese für alle x, y, z aus V und für alle λ𝕂 die folgenden Bedingungen erfüllt. Die Unterschiede zwischen - und -Vektoräumen wird in der Nummerierung der Axiome durch (R) (C) angegeben.

Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 1,2 - Nicht-Negativität

[Bearbeiten]

Das Semi-Skalarprodukt mit 𝕂=, ist nicht-negativ , d.h. x,xα0 mit 𝕂=, für alle xV.

Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 3 - symmetrisch/hermitesch

[Bearbeiten]

Bei Vertauschung der Argumente ist das Semi-Skalarprodukt im komplexen Fall nicht mehr symmetrisch

  • (3-R)    x,yα=y,xα   (symmetrisch) 𝕂=
  • (3-C)    x,yα=y,xα   (hermitesch) 𝕂=

Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 4-R - Linearität 1. Komponente

[Bearbeiten]

Das Semi-Skalarprodukt im reellen Fall 𝕂= in der 1. Komponente linear.

  • (4.1-R)  λx,yα=λx,yα   und
  • (4.2-R)  x+y,zα=x,zα+y,zα   (linear im ersten Argument).

Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 4-C - Semilinearität 1. Komponente

[Bearbeiten]

Das Semi-Skalarprodukt ist im komplexen Fall 𝕂= in der 1. Komponente semilinear, d.h.

  • (4.1-C)  λx,yα=λx,yα   und
  • (4.2-C)  x+y,zα=x,zα+y,zα

Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 5 - Linearität in 2. Komponente

[Bearbeiten]

Bezüglich der 2. Komponente ist das Semi-Skalarprodukt linear

  • (5.1) x,λyα=λx,yα   und
  • (5.2) x,y+zα=x,yα+x,zα

Bemerkung 1

[Bearbeiten]

Der Überstrich im dritten Axiom bedeutet komplexe Konjugation. In einem reellen Vektorraum (also wenn 𝕂= ist) hat die komplexe Konjugation keine Auswirkung, da der Imaginärteil von reellen Zahl in immer 0 ist. Damit kann man den reellen Fall durch die Beweisführung in ebenfalls nachweisen.

Bemerkung 2: Konvention - Linearität/Semilineartät

[Bearbeiten]

Bei der Definition einer Sesquilinearform wurde hier für das Skalarprodukt die Semilinearität im ersten Argument und die Linearität im zweiten festgelegt. Die Definition herrscht in der theoretischen Physik vor. Häufig wird jedoch Bedingung (4a) für das erste statt für das zweite Argument gewählt. Entscheidend ist, dass in einem der Argumente konjugiert wird.

Prä-Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Analog zu einem Prähilbertraum als Vektorraum mit Skalarprodukt definiert man einen Prä-Semi-Hilbertraum als Vektorraum V mit einem System ,𝒜 von Semi-Skalarprodukten ,α mit α𝒜, dessen induzierte Topologie aus Halbnormen die Punkte trennt.


Definition - Punktetrennung - Hausdorffeigenschaft

[Bearbeiten]

Sei (V,,𝒜) ein Vektorraum mit einem System ,𝒜 von Semi-Skalarprodukten ,α mit α𝒜. ,𝒜 trennt die Punkte von V, wenn folgende Implikation gilt:

(α𝒜:v,vα=0)v=0V

Aufgabe - Semi-Skalarprodukt und Halbnormen

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass die durch ,α definierten Funktionen α:V𝕂 mit xα:=x,xα Halbnormen sind!


Aufgabe - Hausdorffeigenschaft

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass das ein (Prä-)Semi-Hilbertraum (V,,𝒜) die Hausdorffeigenschaft besitzt, also zu v1,v2V gibt es eine Umgebung U1 von v1 und eine eine Umgebung U2 von v2 mit U1U2=.

Definition: Prä-Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Ein Prä-Semihilbertraum ist ein reeller oder komplexer Vektorraum V mit einem punktetrennenden System ,𝒜 von Semi-Skalarprodukten ,α mit α𝒜, für die gilt:

  • (euklidisch ) Über dem Körper der reellen Zahlen sind alle Semi-Skalarprodukte ,α symmetrische Bilinearformen und
  • (unitär ) Über dem Körper der komplexen Zahlen sind alle Semi-Skalarprodukte ,α hermitesche Sesquilinearformen.


Beispiel - Euklidischer Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Der Vektorraum der reellen Zahlenfolgen

,α:V×V mit v,wα:=k=0αvkwk

Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen v,w und alle α definiert.

Beispiel - Unitärer Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Der Vektorraum V= der komplexen Zahlenfolgen

,α:V×V mit v,wα:=k=0αvkwk

Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen v,w und alle α definiert.

Beispiel - Euklidischen Semihilbertraum als Funktionenraum

[Bearbeiten]

Sei V=(,) die Mengen aller Funktionen von nach . Dann definiert

,α:V×V𝕂 mit f,gα:=f(α)g(α)

ein Semi-Skalarprodukt auf dem Funktionenraum V.

Beispiel - Unitärer Semihilbertraum auf einem Funktionenraum

[Bearbeiten]

Sei X eine beliebige Menge und VX:=(X,) die Mengen aller Abbildungen von X in die komplexen Zahlen . Dann definiert

,α:VX×VX mit f,gα:=f(α)g(α)

ein Semi-Skalarprodukt auf dem Funktionenraum VX. Die induzierte lokalkonvexe Topologie liefert eine punktweise Konvergenz für Argumente xX.

Aufgabe - Unitärer Semihilbertraum auf einem Funktionenraum

[Bearbeiten]
  • Weisen Sie in dem obigen Funktionenraum VX:=(X,) nach, dass ein konvergentes Funktionennetz (fi)iI punktweise für alle xX konvergiert!
  • Weisen Sie nach, dass die durch die Halbnormen fα:=f,fα eine Hausdorff-Raum auf VX erzeugt wird. Wählen Sie dazu beliebige f1,f2VX mit f1f2 und geben Sie dann die disjunkten Umgebungen U1:=Bεα(f1) von f1 und U2:=Bεα(f2) von f2 an, für die U1U2= gilt.

Aufgabe - Punktetrennung

[Bearbeiten]

Zeigen Sie für (,,α𝒜) mit dem zugehörigen System ,𝒜:=(,α)α𝒜 von Semi-Skalarprodukten ,α die Punkte von trennt!

Semiskalarprodukt im unitärer Folgenraum

[Bearbeiten]

Das Semiskalarprodukt im Vektorraum V= der komplexen Zahlenfolgen wird wie folgt definiert

,α:V×V mit v,wα:=k=0αvkwk

Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen v,w und alle α definiert.

Hinweis zur Aufgabe - Folgenraum

[Bearbeiten]

Erzeugen Sie ε-Umgebungen von a und b bzgl. einer Halbnorm mit dem Index α, bei der ε:=13abα>0 ist. Dabei sind a=(ak) und b=(bk) zwei beliebige komplexe Zahlenfolgen.

Definition: Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Ein Semihilbertraum ist ein euklischer oder unitärer Prä-Semihilbertraum ist ein reeller oder komplexer Vektorraum (V,,𝒜) mit Semi-Skalarprodukten ,α mit α𝒜, wenn V bzgl. der durch ,α definierten Halbnormen α mit xα:=x,xα vollständig ist.

Beispiel für einen Prä-Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Sei V1:=𝒞(,) der Vektorraum der stetigen Funktionen von v nach . Man definiert zunächst für alle n Abbildungen von V1×V1 nach wie folgt:

f,gn=n+nf(x)g(x)dx

Aufgabe - Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes

[Bearbeiten]

Weisen Sie die Gültigkeit der geforderten Eigenschaften für ein Semiskalarprodukt nach!

Aufgabe - Punktetrennung - Hausdorffeigenschaft

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass das System von Semiskalarprodukten , die Punkte von V1 trennt.


Halbnormen auf dem Prä-Semihilbertraum

[Bearbeiten]

Die Halbnorm für den Index α ergibt sich unmittelbar aus der Definition des Semiskalarproduktes

fα:=f,fα=α+αf(x)2dx

Aufgabe - Halbnorm einer Funktion

[Bearbeiten]

Berechnen Sie allgemein für α und fV mit f(x):=x2 die Halbnorm fα der Funktion f!

Beispiel - Cauchy-Folge im Funktionenraum

[Bearbeiten]

Betrachten Sie zunächst die Konvexkombination von zwei Funktionen

Als erste Funktion f: wird ein Polynom definiert.

f(x):=310x22

Als zweite Funktion wird eine trigonometrische Funktion g: gewählt.

g(x):=2cos(x)+1

Die folgende Funktionenfolge (fn)nV1 entsteht als Konvexkombination fn:=(11n)f+1ng von f und g.

Fragen zu Cauchyfolge

[Bearbeiten]
  • konvergiert (fn)n gleichmäßig auf [a,b] gegen f?
  • konvergiert (fn)n gleichmäßig auf gegen f?

Aufgaben - Cauchy-Folgeneigenschaft

[Bearbeiten]
  • Weisen Sie nach, dass (fn)n eine Cauchy-Folge ist!
  • Weisen Sie nach, dass (fn)n gegen f0 in der durch die Semi-Skalarprodukte definierten Topologie! Zeigen Sie diese Eigenschaft über die durch ,α definierten Halbnormen α mit
fα=f,fα

Funktionenraum - nicht vollständig

[Bearbeiten]

Jede konvergente Folge in einem topologischen Vektorraum ist auch eine Cauchy-Folge. In dem folgenden Beispiel wird der Funktionenraum V1:=𝒞(,) der stetigen Funktionen auf . Dabei wird eine Funktionefolge (fn)nV1 betrachtet, die keinen Grenzwert in V1, weil die die Grenzfunktion f0 nicht mehr stetig ist.

Visualisierung der Cauchy-Folge im Funktionenraum

[Bearbeiten]

Definieren Sie eine Cauchy-Folge in V1:=𝒞(,) definiert, die nicht in V1 konvergiert. Die folgende Animation zeigt zunächst die konstruierte Funktionenfolge für die ersten Folgenglieder f1,...,f20

Definition einer Cauchy-Folge im Funktionenraum

Definition einer Cauchy-Folge im Funktionenraum

[Bearbeiten]

Die Punkte Pk2 werden über die folgende Koordinaten in Abhängigkeit von n festgelegt:

P1=(1,4),P2=(4,4),P3=(13n,0),P4=(4+3n,0),P5=(4,0),P6=(7,0)

Die stetigen Funktionen fn werden durch die Interpolation der Punkte generiert.

Aufgabe - Bestimmung der Funktionsterme

[Bearbeiten]

Bestimmen Sie die beiden fehlenden Funktionsterme für die Funktionsterme g1 und g2 in der folgenden abschnittsweise definierten Funktion fn! Dabei ist in diesem Fall [a,b]:=[4,7] gewählt worden.

fn:[a,b]x{4 für x[1,4]0 für x[4,13n][4+3n,7]g1(x) für x]13n,1[g2(x) für x]4,4+3n[

Bestimmen Sie die Funktionsgleichung von g1(x)=m1x+b1 und g2(x)=m2x+b2!

Aufgabe - Cauchy-Folgeneigenschaft

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass die oben definierte Funktionenfolge (fn)n eine Cauchy-Folge in V1:=𝒞([a,b],) ist!

Grenzfunktion nicht im Funktionenraum

[Bearbeiten]

Die folgende Funktion fo:[a,b] ist nicht stetig und daher f0V1:=𝒞([a,b],) mit [a,b]:=[4,7].

fn:[a,b]x{4 für x[1,4]0 sonst 

Vervollständigung des Funktionenraumen

[Bearbeiten]

Die folgende Funktion fo:[a,b] ist ein Element der Vervollständigung V1 von V1:=𝒞([a,b],) bzgl. der durch das Skalarprodukt definierten Norm auf V1. Zeigen Sie, dass die oben definierte Cauchy-Folge (fn)n in der Norm f:=abf(x)2dx gegen f0V1 konvergiert!

Aufgabe - Halbnorm auf der Vervollständigung

[Bearbeiten]

Sei (fn)n eine Folge in V1, die gegen foV1 konvergiert. Man definiert nun fo:=limnfn.

  • Zeigen Sie, dass eine Halbnorm auf V1 ist!
  • Zeigen Sie, dass allerdings keine Norm auf V1 ist.

Hinweis: Approximieren Sie eine Treppenfunktion fo durch stetige Funktionen und definieren Sie eine weitere von fo verschiedene Funktion fo~ mit fofo~=0.

Prä-Semihilbertraum über den komplexen Zahlen

[Bearbeiten]

Analog kann mit dieses obige Beispiel auf einen einen -Vektorraum von komplexwertigen Funktionen übertragen. Dann erhält man Prähilbertraum für einen gegebenen -Vektorraum V2:=𝒞(,) über die Definition des Skalarproduktes:

f,gα=α+αf(x)g(x)dx

Aufgabe 1 - Halbnorm einer Funktion

[Bearbeiten]

Berechnen Sie von f(x)=x+ix2 mit fV2 allgemein den Wert der Halbnorm fα für alle α.

Aufgabe 2 - Semiskalarprodukt von zwei Funktionen

[Bearbeiten]

Berechnen Sie von f(x)=x+ix2 und g(x)=ix+1 mit f,gV2 den Wert der Semiskalarproduktes f,gα für alle α.

Semiorthogonalität in Semihilberträumen

[Bearbeiten]

Sei (V,,𝒜) (Prä-)Semihilbertraum mit den Semi-Skalarprodukten ,α mit α𝒜. Zwei Vektoren x,yV heißen

  • α-orthogonal bzw. semiorthogornal bzgl. ,α in V (Bezeichnung: xαy), wenn x,yα=0 und heißen
  • orthogonal (xy), wenn die Bedingung x,yα=0 für alle für α𝒜 gilt.

Beispiel - Orthogonalität

[Bearbeiten]

Sei V1:=𝒞(,) der Vektorraum der stetigen Funktionen von v nach . Man definiert zunächst für alle α Abbildungen von V1×V1 nach wie folgt:

f,gα=α+αf(x)g(x)dx.

Seien f(x)=x2+1 und g(x):=x3 als Beispielfunktion aus V1 gegeben.

Aufgabe 1 - Orthogonalität

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass die beiden Funktionen f(x)=x2+1 und g(x):=x3 bzgl. des Systems von Semiskalarprodukten , orthogonal zueinander sind. Wählen Sie dazu ein beliebiges Semiskalarprodukt ,α mit α und weisen Sie die folgende Gleichung nach:

f,gα=α+αf(x)g(x)dx=0

Semihilbert-Stetigkeitssatz für Maße auf Funktionenräumen

[Bearbeiten]

Seien V1 ein topologischer Vektorraum und V2 ein Semihilberträume gegeben. Sei ferner V:=𝒞(V1,V2) die Menge der stetigen Funktionen von V1 nach V2, dann ist für gV die Abbildung μg,α:V𝕂 mit

μg,α(f):=g,fα

ein Maß auf V.

Beweis - Semihilbert-Stetigkeitssatz

[Bearbeiten]

Die Cauchy-Schwarz-Ungleichung benötigt im Beweis die Eigenschaft der Positivität nicht. Daher kann man die Aussage analog für Semi-Skalarprodukte und die induzierten Halbnormen fα:=f,fα übertragen werden.

|g,fα|gαfα

Beweisschritt 1 - Abschätzung

[Bearbeiten]

Man nutzt die Definition des Maßes und schätzt dann diese dann mit der Cauchy-Schwarz-Ungleichung nach oben ab.

|μg,α(f)|=|g,fα|gα=:Mαfα

Die Stetigkeitskonstante aus dem Stetigkeitssatz für lineare Abbildungen wird nun unmittelbar über die Halbnorm Mα:=gα geliefert.

Beweisschritt 2 - Linearität

[Bearbeiten]

Da das Semi-Skalarprodukt positiv-semidefinite hermitesche Sequilinearform ist, ist diese in der zweiten Komponente linear und es gilt die Homogenität

μg,α(λf)=g,λfα=λg,fα=λμg,α(f)

und die Additivität

μg,α(f1+f2)=g,f1+f2α=g,f1α+g,f2α=μg,α(f1)+μg,α(f2)

q.e.d.

Aufgabe 4

[Bearbeiten]

Begründen Sie, warum die Abbildung

μ~g,α(f):=f,gα

im Allgemeinen kein Maß auf V für Vektorräume über ist!

Aufgabe 5 - Buchstabenerkennung

[Bearbeiten]

Experimentieren Sie mit Skalarprodukten zur Buchstabenerkennung. Dafür wurde für Sie eine LibreOffice-Datei vorbereitet, die Skalarprodukte nutzt um die Übereinstimmung mit Buchstabenmuster zu überprüfen.

Handschrifterkennung mit Skalarprodukten

LibreOffice-Datei: handschrifterkennung_semiskalarprodukt.ods

Nachhaltigkeit und Semi-Skalarprodukte

[Bearbeiten]

In diesem Beispiel wird ein Teilaspekt von Nachhaltigkeit im Kontext von Semiskalarprodukten betrachtet. Man betrachtet wieder den Funktionenraum der stetigen Funktionen von V1:=𝒞(,), wobei der Definitionsbereich der Funktion die Zeitachse darstellt.

Semantik der Funktionen

[Bearbeiten]

Um den Bezug zu den 17 Nachhaltigkeitszielen herzustellen, wird nun die Semantik von zwei Funktionen g und f zunächst betrachtet, die unterschiedlich sind:

  • r(t) Verfügbarkeit von regenerativer Energie zum Zeitpunkt t
  • a(t) Anteil der Versorgungsbilanz in Bezug zur verfügbaren Leistung r(t) an regenerativer Energie zum Zeitpunkt t

Verfügbarkeit von regenerativer Energie

[Bearbeiten]

Die Funktion r:, die verfügbare regenerativer Energie (z.B. aus elektrischer Energie durch Windkraft und Solarenergie). Das Argument t der Funktionen ist der Zeitpunkt und r(t) liefert den zugehörige Leistung zum Zeitpunkt t. Die Funktion r(t) verändert den Wert über die Zeit (z.B. Dunkelheit, Wolken, Flaute,...)

Keine regenerative Energieversorgung

[Bearbeiten]

𝐫(𝐭)=𝟎: Wenn r(t)=0 deckt die notwendige Leistung über regenerative Energie zum Zeitpunkt t exakt ab.

Regenerative Energieversorgung

[Bearbeiten]

𝐫(𝐭)>𝟎: Die Funktion r(t) gibt die Leistung an regenerativer Energie zum Zeitpunkt t an.

Energiebedarf der regenerativen Infrastruktur

[Bearbeiten]

𝐫(𝐭)<𝟎: Ist die Funktion r: negativ, dann braucht die Infrastruktur der regenerative Energieversorgung mehr Strom als diese (z.B. durch Wind und Sonne) produziert. Dies kann der Fall sein, wenn z.B. Steuerungssystem für Windkraftanalagen und deren Positionslichter für den Flugverkehr weiter mit Strom versorgt werden müssen, obwohl totale Windstille ist. In solchen Fällen kann r(t)<0 sein. Für die weitere Berechnung werden diese Verbraucher zum allgemeinen Energiebedarf gerechnet und es wird r(t)0 angenommen:

Anteil - notwendiger Energieversorgung

[Bearbeiten]

Die Funktion a: beschreibt anteilig die Versorgungsbilanz im Vergleich zur verfügbaren elektrische Energie durch Windkraft und Solarenergie. Das Argument t der Funktionen ist wieder der Zeitpunkt t. Dabei werden z.B. auch die Steuerungssystem für Windkraftanalagen und deren Positionslichter mit in diesen Anteil eingerechnet und verändert so den notwendig Anteil der Energieversorgung. Daber betrachtet man die folgenden Fälle.

Ausgeglichene Energiebilanz

[Bearbeiten]

a(t)=0: Wenn a(t)=0 deckt die notwendige Leistung über regenerative Energie zum Zeitpunkt t exakt ab.

Versorgungsüberschuss

[Bearbeiten]

a(t)> 0: Die Funktion a (z.B. a(t)=0,50>0) besagt, dass mehr regenerative Energie erzeugt wurde, als benötigt wurde (z.B. 50% mehr Leistung als erforderlich)

Versorgungsdefizit

[Bearbeiten]

a(t)< 0: Die Funktion a: (z.B. a(t)=2<0) besagt, dass bezogen auf die verfügbare regenerative Energie ein Versorgungsdefizit vorhanden ist (z.B. mit a(t)=2 wird doppelt so viel Energie benötigt wie verfügbar ist).

Produkt der Funktionen

[Bearbeiten]

Das Produkt ar zeigt mit a(t)r(t) zum Zeitpunkt t die Energiebilanz zwischen verfügbarer regenerativer Energie und notwendiger Leistung für eine bedarfsdeckende Energieversorgung an (z.B. zum Betrieb von elektrischen Endgeräten).

Veranschaulichung der Funktionsgraphen

[Bearbeiten]

Der folgende Graph zeigt den Plot der Graphen von 3 Beispielfunktionen (keine echte Daten als Grundlage):

  • 𝐫(𝐭) (blau) Leistung der der regenerativen Energieversorgung (y-Achse) zum Zeitpunkt t auf der x-Achse.
  • 𝐚(𝐭) (rot) Anteil der der regenerativen Energieversorgung in Bezug auf die Energiebilanz zwischen verfügbarer regenerativer Energie und notwendiger Energie zum Zeitpunkt t.
  • 𝐛(𝐭)=r(t)a(t) (grün) die Energiebilanz zwischen verfügbaren regenerativer Leistung und notwendiger bedarfsdeckender Leistung.

2D-Plot der Graphen

[Bearbeiten]

Der folgende Plot wurde mit Maxima CAS erstellt:

Semi scalar product application on sustainability - created with Open Source CAS - wxMaxima and exported to PNG
Semi scalar product application on sustainability - created with Open Source CAS - wxMaxima and exported to PNG

Bemerkung zu Wahl der Funktionen

[Bearbeiten]

Da die Funktionen keine echte Daten als Grundlage haben, würden diese algebraisch definiert:

  • 𝐫(𝐭)=t310+t2t (blau) ist als Polynom gewählt worden, damit die Funktion im Plotbereich i.d.R. positiv ist und bei Flaute und Dunkelheit zwischen für t[10,12] mehr Strom verbraucht als geliefert wird.
  • 𝐚(𝐭)=cos(t)+13 (rot) wurde als Anteil der regenerativen Energieversorgung in Bezug auf die Energiebilanz so gewählt, dass diese sowohl positiv als auch negativ wird und zum Zeitpunkt t so Phasen vorliegen, in denen mehr Energie zur Verfügung steht als gebraucht wird und auch Phasen mit Versorgungslücken entstehen.
  • 𝐛(𝐭)=r(t)a(t) (grün). Wenn die Energiebilanz negativ ist, gibt dies an, wie viel Leistung mehr benötigt wird, um zusätzlich zur regenerativen Energieversorgung eine Bedarfsdeckung der Versorgung zu haben. An den Nullstellen von r(t)a(t) ist die regenerative Energieversorgung bedarfsdeckend.

Singularitäten bei Versorgungsnullstellen

[Bearbeiten]

Wenn man davon ausgeht, dass es einen Zeitpunkt t0 geben kann, an dem in Dunkelheit und Windstille weder Sonnenenergie noch Windenergie zur Verfügung steht r(t0)=0 und immer ein Energiebedarf 0 vorliegt, dann hat die Funktion a(t0)=+ zu dem Zeitpunkt t0 eine Singularität (siehe meromorphe Funktion).

Semiskalarprodukt als Versorgungsbilanz im Zeitfenster

[Bearbeiten]

In den obigen abstrakten Beispielen wurde das Skalarprodukt wie folgt definiert.

f,gα=α+αf(x)g(x)dx

Für die Anpassung an das Beispiel Nachhaltigkeit passt man nun die Semiskalarprodukt von der Notation wie folgt an:

r,a(t1,t2)=t1t2r(t)a(t)dt

Orthogonale Funktionen - Bedarfsdeckung

[Bearbeiten]

Mit der obigen Semantik für die Funktionen erhält man mit r(t)0 und t[t1,t2] für

r,a(t1,t2)=t1t2r(t)a(t)dt=0,

dass in den Zeitfenster [t1,t2] , die Energiebilanz insgesamt ausgeglichen ist. D.h., dass in Zeiten einer Überversorgung mit b(t):=r(t)a(t)>0 so viel Energie zur Verfügung stand, wie in den Zeiten der Unterversorgung b(t):=r(t)a(t)<0 zusätzlich benötigt wurde.

Orthogonale Funktion - Speicherung

[Bearbeiten]

Die obige Energiebilanz setzt in dieser vereinfachten Darstellung voraus, dass eine verlustfreier Speicherung elektrischer Energie möglich ist. Dieses ist in der Praxis nicht der Fall, denn ein Teil der Energie wird bei der Speicherung in Wärme umgewandelt. Daher wird in den folgenden Schritten die Speicherung der Energie mit in die algebraische Darstellung einbezogen.

Zerlegung in zwei Funktion

[Bearbeiten]

Zerlegen Sie die Bilanzfunktion b(t) in zwei Funktionen b+,b, die beide nicht negativ sind und für die die Eigenschaft b(t)=b+(t)b(t) erfüllt. Da unter den Voraussetzungen r(t)0 für alle [t1,t2] gilt, führt diese Zerlegung auch zu einer Zerlegung der Funktion a(t) in zwei Funktionen a+,a, für die dann gilt:

b(t)=b+(t)b(t)=r(t)(a+(t)a(t))

Energiebilanz und Integrale

[Bearbeiten]

Für das Semiskalarprodukt gilt:

r,a(t1,t2)=t1t2r(t)a(t)=b(t)dt=0,

mit:

t1t2b(t)dt=t1t2b+(t)0dtt1t2b(t)0dt

Speichereffizienz

[Bearbeiten]

Angenommen, dass nur 40% der eingesetzten elektrischen Energie gespeichert werden können. Nun wird man das Integral und die Anwendung des Semiskalarproduktes so verändern, damit das Integral genau dann 0 ist, wenn die auch die gespeicherte elektrische Energie in Zeiten der Unterversorgung bedarfsdeckend ist.

Speichereffizienz und Skalierung von Funktionen

[Bearbeiten]

Diese Bedarfsdeckung unter Berücksichtigung der Speichereffizienz wird wie folgt über Integrale darstellen:

0=t1t240100=λb+(t)0dt=r,40100a+(t1,t2)t1t2b(t)0dt=r,a(t1,t2)

Da in dem Beispiel nur 40% der eingesetzten elektrischen Energie gespeichert werden können, wird die Funktion b+ mit dem Faktor λ=40100 zu λb+ skaliert, um die gespeicherte Energie darzustellen.

Speichereffizienz und Semiskalarprodukt 1

[Bearbeiten]

Nun kann man die Orthogonalität wieder funktional als Bedarfsdeckung darstellen und man berücksichtigt die Verluste bei der Speicherung von elektrische Energie:

r,40100a+a(t1,t2)=40100r,a+(t1,t2)r,a(t1,t2)

Speichereffizienz und Semiskalarprodukt 2

[Bearbeiten]

Durch elementare Umformung beschreibt die folgende Gleichung, dass bei 40% Effizienz elektrischer Speicher zwischen dem Zeitpunkt t1 und t2 die Energiebilanz ausgeglichen ist.

40100r,a+(t1,t2)=  r,a(t1,t2)

Aufgabe 1 - Nachhaltigkeit

[Bearbeiten]

Wenn die obige Gleichung zeigt, das eine Energiebilanz zwischen dem Zeitpunkten t1 und t2 ausgeglichen ist, aber die Energie in dem ersten Teilintervall benötigt wird und in dem zweiten Teilintervall regenerative Energie benötigt wird, kann ein Batteriespeicher in der ersten Phase die benötigte Energie nicht liefern, da der Batteriespeicher noch nicht geladen ist. Integrieren Sie den Ladezustand und die Ladekapazität in Ihre Überlegungen und stellen Sie die Bedarfsdeckung wieder über Funktionen dar!

Beschreibung der Akkuladung

[Bearbeiten]

Sei t0 der Zeitpunkt, an dem ein Energiespeicher leer ist. Zunächst sollte die Speicherkapazität als unbeschränkt gelten. Die folgende Funktion L(t), die über Semiskalarprodukte definiert ist, beschreibt den Ladezustand zum Zeitpunkt t:

L(t):=40100r,a+(t0,t)=40100t0tr(ζ)a+(ζ)dζ

Nutzung des Energiespeichers

[Bearbeiten]

Wenn die Energieversorgung mit regenerativer Energie den Bedarf nicht abdeckt, wird auf den Energiespeicher zugegriffen. Auch hier sei zunächst formal der Energiespeicher unbeschränkt und damit bedarfsdeckend. Die Leistung aus dem Speicher S(t) bis zum Zeitpunkt t und Startzeitpunkt t0 wird ebenfalls durch ein Semiskalarprodukt beschrieben.

S(t)=r,a(t0,t)=t0tr(ζ)a(ζ)dζ

Aufgabe 2 - Nachhaltigkeit - Kritische Versorgung

[Bearbeiten]

Wie kann man durch Funktionen S und L über die Semiskalarprodukte kritische Versorgungssituationen identifizieren?

Aufgabe 3 - Beschränkte Speicherkapazität

[Bearbeiten]

Wie kann man eine in Praxis gegebene beschränkte Versorgungskapazität in die Darstellung über Semiskalarprodukte einbauen? Welche Aussagen macht die folgende Funktion F, die zum Zeitpunkt t wie folgt definert ist:

F(t)=r,a+a(t0,t)=t0tr(ζ)(a+(ζ)a(ζ))dζ

Träger von Semi-Skalarprodukten

[Bearbeiten]

Für Skalarprodukte , ist gibt es nur einen Vektoren aus V der die Bedingung x,x=0 erfüllt - nämlich nur den Nullvektor 0VV. Im Allgemeinen ist die Menge Nα:={xV:x,xα=0} ein Untervektorraum von V. Die abgeschlossene Menge Tα:=VNα nennt man Trägermenge des Semiskalarprodukte ,α

Beispiel - Überweisungsformular

[Bearbeiten]
Überweisungsträger mit Buchstabenfeldern

Ein Überweisungsträger ist ein Formular, in das auf vordefinierten Buchstabenfeldern einzelne Zeichen handschriftlich eingetragen werden können. Die Schrifterkennung für ein Zeichen kann durch ein Semi-Skalarprodukt umgesetzt werden, das nur auf einem Buchstabenfeld operiert.

Aufgabe - Zahlungsempfänger mit 3 Buchstaben

[Bearbeiten]

Alle möglichen Zahlungsempfänger sollen durch eine Kürzel über 3 Buchstaben gekennzeichnet werden (z.B. KHW = Kinderhilfswerk). Die handschriftlichen Eintragungen der Nutzer:innen sind dabei unterschiedlich gut lesbar.

  • Vergeben Sie für jeden Buchstaben und der Berechnung eines Skalarproduktes eine Kennzahl zwischen 0 und 1, wie gut ein bestimmter Buchstabe erkannt wurde.
  • Vergeben Sie dann eine Gesamtbewertung zwischen 0 und 1 wie gut eine Zahlungsempfänger erkannt wurde. Möglichkeiten als Zahlungsempfänger sind KHW, KKW, AHA, XYZ. Die Bewertung soll für jedes der 4 Buchstabenkürzel für einen Empfänger erfolgen.

Siehe auch

[Bearbeiten]

Kurse

[Bearbeiten]

Quellennachweise

[Bearbeiten]
  1. Lumer, G. (1961), "Semi-inner-product spaces", Transactions of the American Mathematical Society, 100: 29–43, doi:10.2307/1993352, MR 0133024.
  2. a b J. R. Giles (1967), Classes of semi-inner-product spaces, Transactions of the American Mathematical Society 129 , 436–446.


Seiteninformation

[Bearbeiten]

Diese Lernresource können Sie als Wiki2Reveal-Foliensatz darstellen.

Wiki2Reveal

[Bearbeiten]

Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Maßtheorie auf topologischen Räumen' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.