Kurs:Maßtheorie auf topologischen Räumen/Semi-Skalarprodukt
Einführung
[Bearbeiten]In Mathematik gibt es zwei verschiedene Begriffe von Semi-Skalarproduktes bzw. eines Semi-inneren Produktes. Die erste und häufigere ist die eines inneren Produktes, das nicht unbedingt positiv sein muss. Eine zweite Definition befasst sich mit dem zweiten, sogenannten -semi-inneren Produkt oder -Semi-Skalarprodukt, das ein Skalarprodukt darstellt, das nicht unbedingt symmetrisch bzw. hermitisch sein muss.
L-Semi-Skalarprodukt
[Bearbeiten]Das -Semi-Skalarprodukt wurde durch Günter Lumer formuliert, um Hilbertraum-Argumente auf Banachräume in der Funktionalanalysis zu erweitern.[1] Wichtige Eigenschaften wurden später von Giles untersucht[2].
Semi-Skalarprodukt
[Bearbeiten]Im weiteren Verlauf werden wir uns mit der in der Funktionalanalysis häufigeren Form von Semi-Skalarprodukten befassen, die einfach innere Produkte darstellen, die nicht unbedingt positiv sein müssen, d.h. aus folgt bei Semi-Skalarprodukten nicht unbedingt .
Lokalkonvexe Räume und Systeme von Semi-Skalarprodukten
[Bearbeiten]Lokalkonvexe Räume sind topologische Vektorräume, die von einem System von Halbnormen mit topologisiert werden (siehe auch Topologisierungslemma für Algebren). Wir betrachten nun Systeme von Semi-Skalarprodukten , die wie bei Hilberträumen durch die induzierte Norm durch die von den Semi-Skalarprodukten induzierten Halbnormen den Vektorraum zu einem lokalkonvexen Vektorraum machen.
Definition: Semi-Skalarprodukt
[Bearbeiten]Sei ein Vektorraum über dem Körper der reellen oder komplexen Zahlen. Ein Semi-Skalarprodukt[2] oder semi-inneres Produkt ist allgemein eine nicht-negativ hermitesche Sesquilinearform, wobei im reellen Fall das Semi-Skalarprodukt eine symmetrische Bilinearform ist.
Semi-Skalarprodukt: Abbildung
[Bearbeiten]Bzgl. des gewählten Körpers heißt eine Abbildung
Semi-Skalarprodukt, wenn diese für alle , , aus und für alle die folgenden Bedingungen erfüllt. Die Unterschiede zwischen - und -Vektoräumen wird in der Nummerierung der Axiome durch (R) (C) angegeben.
Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 1,2 - Nicht-Negativität
[Bearbeiten]Das Semi-Skalarprodukt mit ist nicht-negativ , d.h. mit für alle .
Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 3 - symmetrisch/hermitesch
[Bearbeiten]Bei Vertauschung der Argumente ist das Semi-Skalarprodukt im komplexen Fall nicht mehr symmetrisch
- (3-R) (symmetrisch)
- (3-C) (hermitesch)
Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 4-R - Linearität 1. Komponente
[Bearbeiten]Das Semi-Skalarprodukt im reellen Fall in der 1. Komponente linear.
- (4.1-R) und
- (4.2-R) (linear im ersten Argument).
Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 4-C - Semilinearität 1. Komponente
[Bearbeiten]Das Semi-Skalarprodukt ist im komplexen Fall in der 1. Komponente semilinear, d.h.
- (4.1-C) und
- (4.2-C)
Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes 5 - Linearität in 2. Komponente
[Bearbeiten]Bezüglich der 2. Komponente ist das Semi-Skalarprodukt linear
- (5.1) und
- (5.2)
Bemerkung 1
[Bearbeiten]Der Überstrich im dritten Axiom bedeutet komplexe Konjugation. In einem reellen Vektorraum (also wenn ist) hat die komplexe Konjugation keine Auswirkung, da der Imaginärteil von reellen Zahl in immer 0 ist. Damit kann man den reellen Fall durch die Beweisführung in ebenfalls nachweisen.
Bemerkung 2: Konvention - Linearität/Semilineartät
[Bearbeiten]Bei der Definition einer Sesquilinearform wurde hier für das Skalarprodukt die Semilinearität im ersten Argument und die Linearität im zweiten festgelegt. Die Definition herrscht in der theoretischen Physik vor. Häufig wird jedoch Bedingung (4a) für das erste statt für das zweite Argument gewählt. Entscheidend ist, dass in einem der Argumente konjugiert wird.
Prä-Semihilbertraum
[Bearbeiten]Analog zu einem Prähilbertraum als Vektorraum mit Skalarprodukt definiert man einen Prä-Semi-Hilbertraum als Vektorraum mit einem System von Semi-Skalarprodukten mit , dessen induzierte Topologie aus Halbnormen die Punkte trennt.
Definition - Punktetrennung - Hausdorffeigenschaft
[Bearbeiten]Sei ein Vektorraum mit einem System von Semi-Skalarprodukten mit . trennt die Punkte von , wenn folgende Implikation gilt:
Aufgabe - Semi-Skalarprodukt und Halbnormen
[Bearbeiten]Zeigen Sie, dass die durch definierten Funktionen mit Halbnormen sind!
Aufgabe - Hausdorffeigenschaft
[Bearbeiten]Zeigen Sie, dass das ein (Prä-)Semi-Hilbertraum die Hausdorffeigenschaft besitzt, also zu gibt es eine Umgebung von und eine eine Umgebung von mit .
Definition: Prä-Semihilbertraum
[Bearbeiten]Ein Prä-Semihilbertraum ist ein reeller oder komplexer Vektorraum mit einem punktetrennenden System von Semi-Skalarprodukten mit , für die gilt:
- (euklidisch ) Über dem Körper der reellen Zahlen sind alle Semi-Skalarprodukte symmetrische Bilinearformen und
- (unitär ) Über dem Körper der komplexen Zahlen sind alle Semi-Skalarprodukte hermitesche Sesquilinearformen.
Beispiel - Euklidischer Semihilbertraum
[Bearbeiten]Der Vektorraum der reellen Zahlenfolgen
Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen und alle definiert.
Beispiel - Unitärer Semihilbertraum
[Bearbeiten]Der Vektorraum der komplexen Zahlenfolgen
Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen und alle definiert.
Beispiel - Euklidischen Semihilbertraum als Funktionenraum
[Bearbeiten]Sei die Mengen aller Funktionen von nach . Dann definiert
ein Semi-Skalarprodukt auf dem Funktionenraum .
Beispiel - Unitärer Semihilbertraum auf einem Funktionenraum
[Bearbeiten]Sei eine beliebige Menge und die Mengen aller Abbildungen von in die komplexen Zahlen . Dann definiert
ein Semi-Skalarprodukt auf dem Funktionenraum . Die induzierte lokalkonvexe Topologie liefert eine punktweise Konvergenz für Argumente .
Aufgabe - Unitärer Semihilbertraum auf einem Funktionenraum
[Bearbeiten]- Weisen Sie in dem obigen Funktionenraum nach, dass ein konvergentes Funktionennetz punktweise für alle konvergiert!
- Weisen Sie nach, dass die durch die Halbnormen eine Hausdorff-Raum auf erzeugt wird. Wählen Sie dazu beliebige mit und geben Sie dann die disjunkten Umgebungen von und von an, für die gilt.
Aufgabe - Punktetrennung
[Bearbeiten]Zeigen Sie für mit dem zugehörigen System von Semi-Skalarprodukten die Punkte von trennt!
Semiskalarprodukt im unitärer Folgenraum
[Bearbeiten]Das Semiskalarprodukt im Vektorraum der komplexen Zahlenfolgen wird wie folgt definiert
Das Semi-Skalarprodukt ist für alle Folgen und alle definiert.
Hinweis zur Aufgabe - Folgenraum
[Bearbeiten]Erzeugen Sie -Umgebungen von und bzgl. einer Halbnorm mit dem Index , bei der ist. Dabei sind und zwei beliebige komplexe Zahlenfolgen.
Definition: Semihilbertraum
[Bearbeiten]Ein Semihilbertraum ist ein euklischer oder unitärer Prä-Semihilbertraum ist ein reeller oder komplexer Vektorraum mit Semi-Skalarprodukten mit , wenn bzgl. der durch definierten Halbnormen mit vollständig ist.
Beispiel für einen Prä-Semihilbertraum
[Bearbeiten]Sei der Vektorraum der stetigen Funktionen von nach . Man definiert zunächst für alle Abbildungen von nach wie folgt:
Aufgabe - Eigenschaften des Semi-Skalarproduktes
[Bearbeiten]Weisen Sie die Gültigkeit der geforderten Eigenschaften für ein Semiskalarprodukt nach!
Aufgabe - Punktetrennung - Hausdorffeigenschaft
[Bearbeiten]Zeigen Sie, dass das System von Semiskalarprodukten die Punkte von trennt.
Halbnormen auf dem Prä-Semihilbertraum
[Bearbeiten]Die Halbnorm für den Index ergibt sich unmittelbar aus der Definition des Semiskalarproduktes
Aufgabe - Halbnorm einer Funktion
[Bearbeiten]Berechnen Sie allgemein für und mit die Halbnorm der Funktion !
Beispiel - Cauchy-Folge im Funktionenraum
[Bearbeiten]Betrachten Sie zunächst die Konvexkombination von zwei Funktionen
Als erste Funktion wird ein Polynom definiert.
Als zweite Funktion wird eine trigonometrische Funktion gewählt.
Die folgende Funktionenfolge entsteht als Konvexkombination von und .
Fragen zu Cauchyfolge
[Bearbeiten]- konvergiert gleichmäßig auf gegen ?
- konvergiert gleichmäßig auf gegen ?
Aufgaben - Cauchy-Folgeneigenschaft
[Bearbeiten]- Weisen Sie nach, dass eine Cauchy-Folge ist!
- Weisen Sie nach, dass gegen in der durch die Semi-Skalarprodukte definierten Topologie! Zeigen Sie diese Eigenschaft über die durch definierten Halbnormen mit
Funktionenraum - nicht vollständig
[Bearbeiten]Jede konvergente Folge in einem topologischen Vektorraum ist auch eine Cauchy-Folge. In dem folgenden Beispiel wird der Funktionenraum der stetigen Funktionen auf . Dabei wird eine Funktionefolge betrachtet, die keinen Grenzwert in , weil die die Grenzfunktion nicht mehr stetig ist.
Visualisierung der Cauchy-Folge im Funktionenraum
[Bearbeiten]Definieren Sie eine Cauchy-Folge in definiert, die nicht in konvergiert. Die folgende Animation zeigt zunächst die konstruierte Funktionenfolge für die ersten Folgenglieder
Definition einer Cauchy-Folge im Funktionenraum
[Bearbeiten]Die Punkte werden über die folgende Koordinaten in Abhängigkeit von festgelegt:
Die stetigen Funktionen werden durch die Interpolation der Punkte generiert.
Aufgabe - Bestimmung der Funktionsterme
[Bearbeiten]Bestimmen Sie die beiden fehlenden Funktionsterme für die Funktionsterme und in der folgenden abschnittsweise definierten Funktion ! Dabei ist in diesem Fall gewählt worden.
Bestimmen Sie die Funktionsgleichung von und !
Aufgabe - Cauchy-Folgeneigenschaft
[Bearbeiten]Zeigen Sie, dass die oben definierte Funktionenfolge eine Cauchy-Folge in ist!
Grenzfunktion nicht im Funktionenraum
[Bearbeiten]Die folgende Funktion ist nicht stetig und daher mit .
Vervollständigung des Funktionenraumen
[Bearbeiten]Die folgende Funktion ist ein Element der Vervollständigung von bzgl. der durch das Skalarprodukt definierten Norm auf . Zeigen Sie, dass die oben definierte Cauchy-Folge in der Norm gegen konvergiert!
Aufgabe - Halbnorm auf der Vervollständigung
[Bearbeiten]Sei eine Folge in , die gegen konvergiert. Man definiert nun .
- Zeigen Sie, dass eine Halbnorm auf ist!
- Zeigen Sie, dass allerdings keine Norm auf ist.
Hinweis: Approximieren Sie eine Treppenfunktion durch stetige Funktionen und definieren Sie eine weitere von verschiedene Funktion mit .
Prä-Semihilbertraum über den komplexen Zahlen
[Bearbeiten]Analog kann mit dieses obige Beispiel auf einen einen -Vektorraum von komplexwertigen Funktionen übertragen. Dann erhält man Prähilbertraum für einen gegebenen -Vektorraum über die Definition des Skalarproduktes:
Aufgabe 1 - Halbnorm einer Funktion
[Bearbeiten]Berechnen Sie von mit allgemein den Wert der Halbnorm für alle .
Aufgabe 2 - Semiskalarprodukt von zwei Funktionen
[Bearbeiten]Berechnen Sie von und mit den Wert der Semiskalarproduktes für alle .
Semiorthogonalität in Semihilberträumen
[Bearbeiten]Sei (Prä-)Semihilbertraum mit den Semi-Skalarprodukten mit . Zwei Vektoren heißen
- -orthogonal bzw. semiorthogornal bzgl. in (Bezeichnung: ), wenn und heißen
- orthogonal (), wenn die Bedingung für alle für gilt.
Beispiel - Orthogonalität
[Bearbeiten]Sei der Vektorraum der stetigen Funktionen von nach . Man definiert zunächst für alle Abbildungen von nach wie folgt:
Seien und als Beispielfunktion aus gegeben.
Aufgabe 1 - Orthogonalität
[Bearbeiten]Zeigen Sie, dass die beiden Funktionen und bzgl. des Systems von Semiskalarprodukten orthogonal zueinander sind. Wählen Sie dazu ein beliebiges Semiskalarprodukt mit und weisen Sie die folgende Gleichung nach:
Semihilbert-Stetigkeitssatz für Maße auf Funktionenräumen
[Bearbeiten]Seien ein topologischer Vektorraum und ein Semihilberträume gegeben. Sei ferner die Menge der stetigen Funktionen von nach , dann ist für die Abbildung mit
ein Maß auf .
Beweis - Semihilbert-Stetigkeitssatz
[Bearbeiten]Die Cauchy-Schwarz-Ungleichung benötigt im Beweis die Eigenschaft der Positivität nicht. Daher kann man die Aussage analog für Semi-Skalarprodukte und die induzierten Halbnormen übertragen werden.
Beweisschritt 1 - Abschätzung
[Bearbeiten]Man nutzt die Definition des Maßes und schätzt dann diese dann mit der Cauchy-Schwarz-Ungleichung nach oben ab.
Die Stetigkeitskonstante aus dem Stetigkeitssatz für lineare Abbildungen wird nun unmittelbar über die Halbnorm geliefert.
Beweisschritt 2 - Linearität
[Bearbeiten]Da das Semi-Skalarprodukt positiv-semidefinite hermitesche Sequilinearform ist, ist diese in der zweiten Komponente linear und es gilt die Homogenität
und die Additivität
q.e.d.
Aufgabe 4
[Bearbeiten]Begründen Sie, warum die Abbildung
im Allgemeinen kein Maß auf für Vektorräume über ist!
Aufgabe 5 - Buchstabenerkennung
[Bearbeiten]Experimentieren Sie mit Skalarprodukten zur Buchstabenerkennung. Dafür wurde für Sie eine LibreOffice-Datei vorbereitet, die Skalarprodukte nutzt um die Übereinstimmung mit Buchstabenmuster zu überprüfen.
LibreOffice-Datei: handschrifterkennung_semiskalarprodukt.ods
Nachhaltigkeit und Semi-Skalarprodukte
[Bearbeiten]In diesem Beispiel wird ein Teilaspekt von Nachhaltigkeit im Kontext von Semiskalarprodukten betrachtet. Man betrachtet wieder den Funktionenraum der stetigen Funktionen von , wobei der Definitionsbereich der Funktion die Zeitachse darstellt.
Semantik der Funktionen
[Bearbeiten]Um den Bezug zu den 17 Nachhaltigkeitszielen herzustellen, wird nun die Semantik von zwei Funktionen und zunächst betrachtet, die unterschiedlich sind:
- r(t) Verfügbarkeit von regenerativer Energie zum Zeitpunkt
- a(t) Anteil der Versorgungsbilanz in Bezug zur verfügbaren Leistung an regenerativer Energie zum Zeitpunkt
Verfügbarkeit von regenerativer Energie
[Bearbeiten]Die Funktion , die verfügbare regenerativer Energie (z.B. aus elektrischer Energie durch Windkraft und Solarenergie). Das Argument der Funktionen ist der Zeitpunkt und liefert den zugehörige Leistung zum Zeitpunkt . Die Funktion verändert den Wert über die Zeit (z.B. Dunkelheit, Wolken, Flaute,...)
Keine regenerative Energieversorgung
[Bearbeiten]: Wenn deckt die notwendige Leistung über regenerative Energie zum Zeitpunkt exakt ab.
Regenerative Energieversorgung
[Bearbeiten]: Die Funktion gibt die Leistung an regenerativer Energie zum Zeitpunkt an.
Energiebedarf der regenerativen Infrastruktur
[Bearbeiten]: Ist die Funktion negativ, dann braucht die Infrastruktur der regenerative Energieversorgung mehr Strom als diese (z.B. durch Wind und Sonne) produziert. Dies kann der Fall sein, wenn z.B. Steuerungssystem für Windkraftanalagen und deren Positionslichter für den Flugverkehr weiter mit Strom versorgt werden müssen, obwohl totale Windstille ist. In solchen Fällen kann sein. Für die weitere Berechnung werden diese Verbraucher zum allgemeinen Energiebedarf gerechnet und es wird angenommen:
Anteil - notwendiger Energieversorgung
[Bearbeiten]Die Funktion beschreibt anteilig die Versorgungsbilanz im Vergleich zur verfügbaren elektrische Energie durch Windkraft und Solarenergie. Das Argument der Funktionen ist wieder der Zeitpunkt . Dabei werden z.B. auch die Steuerungssystem für Windkraftanalagen und deren Positionslichter mit in diesen Anteil eingerechnet und verändert so den notwendig Anteil der Energieversorgung. Daber betrachtet man die folgenden Fälle.
Ausgeglichene Energiebilanz
[Bearbeiten]a(t)=0: Wenn deckt die notwendige Leistung über regenerative Energie zum Zeitpunkt exakt ab.
Versorgungsüberschuss
[Bearbeiten]a(t)> 0: Die Funktion (z.B. ) besagt, dass mehr regenerative Energie erzeugt wurde, als benötigt wurde (z.B. 50% mehr Leistung als erforderlich)
Versorgungsdefizit
[Bearbeiten]a(t)< 0: Die Funktion (z.B. ) besagt, dass bezogen auf die verfügbare regenerative Energie ein Versorgungsdefizit vorhanden ist (z.B. mit wird doppelt so viel Energie benötigt wie verfügbar ist).
Produkt der Funktionen
[Bearbeiten]Das Produkt zeigt mit zum Zeitpunkt die Energiebilanz zwischen verfügbarer regenerativer Energie und notwendiger Leistung für eine bedarfsdeckende Energieversorgung an (z.B. zum Betrieb von elektrischen Endgeräten).
Veranschaulichung der Funktionsgraphen
[Bearbeiten]Der folgende Graph zeigt den Plot der Graphen von 3 Beispielfunktionen (keine echte Daten als Grundlage):
- (blau) Leistung der der regenerativen Energieversorgung (-Achse) zum Zeitpunkt auf der -Achse.
- (rot) Anteil der der regenerativen Energieversorgung in Bezug auf die Energiebilanz zwischen verfügbarer regenerativer Energie und notwendiger Energie zum Zeitpunkt .
- (grün) die Energiebilanz zwischen verfügbaren regenerativer Leistung und notwendiger bedarfsdeckender Leistung.
2D-Plot der Graphen
[Bearbeiten]Der folgende Plot wurde mit Maxima CAS erstellt:

Bemerkung zu Wahl der Funktionen
[Bearbeiten]Da die Funktionen keine echte Daten als Grundlage haben, würden diese algebraisch definiert:
- (blau) ist als Polynom gewählt worden, damit die Funktion im Plotbereich i.d.R. positiv ist und bei Flaute und Dunkelheit zwischen für mehr Strom verbraucht als geliefert wird.
- (rot) wurde als Anteil der regenerativen Energieversorgung in Bezug auf die Energiebilanz so gewählt, dass diese sowohl positiv als auch negativ wird und zum Zeitpunkt so Phasen vorliegen, in denen mehr Energie zur Verfügung steht als gebraucht wird und auch Phasen mit Versorgungslücken entstehen.
- (grün). Wenn die Energiebilanz negativ ist, gibt dies an, wie viel Leistung mehr benötigt wird, um zusätzlich zur regenerativen Energieversorgung eine Bedarfsdeckung der Versorgung zu haben. An den Nullstellen von ist die regenerative Energieversorgung bedarfsdeckend.
Singularitäten bei Versorgungsnullstellen
[Bearbeiten]Wenn man davon ausgeht, dass es einen Zeitpunkt geben kann, an dem in Dunkelheit und Windstille weder Sonnenenergie noch Windenergie zur Verfügung steht und immer ein Energiebedarf vorliegt, dann hat die Funktion zu dem Zeitpunkt eine Singularität (siehe meromorphe Funktion).
Semiskalarprodukt als Versorgungsbilanz im Zeitfenster
[Bearbeiten]In den obigen abstrakten Beispielen wurde das Skalarprodukt wie folgt definiert.
Für die Anpassung an das Beispiel Nachhaltigkeit passt man nun die Semiskalarprodukt von der Notation wie folgt an:
Orthogonale Funktionen - Bedarfsdeckung
[Bearbeiten]Mit der obigen Semantik für die Funktionen erhält man mit und für
dass in den Zeitfenster , die Energiebilanz insgesamt ausgeglichen ist. D.h., dass in Zeiten einer Überversorgung mit so viel Energie zur Verfügung stand, wie in den Zeiten der Unterversorgung zusätzlich benötigt wurde.
Orthogonale Funktion - Speicherung
[Bearbeiten]Die obige Energiebilanz setzt in dieser vereinfachten Darstellung voraus, dass eine verlustfreier Speicherung elektrischer Energie möglich ist. Dieses ist in der Praxis nicht der Fall, denn ein Teil der Energie wird bei der Speicherung in Wärme umgewandelt. Daher wird in den folgenden Schritten die Speicherung der Energie mit in die algebraische Darstellung einbezogen.
Zerlegung in zwei Funktion
[Bearbeiten]Zerlegen Sie die Bilanzfunktion in zwei Funktionen , die beide nicht negativ sind und für die die Eigenschaft erfüllt. Da unter den Voraussetzungen für alle gilt, führt diese Zerlegung auch zu einer Zerlegung der Funktion in zwei Funktionen , für die dann gilt:
Energiebilanz und Integrale
[Bearbeiten]Für das Semiskalarprodukt gilt:
mit:
Speichereffizienz
[Bearbeiten]Angenommen, dass nur 40% der eingesetzten elektrischen Energie gespeichert werden können. Nun wird man das Integral und die Anwendung des Semiskalarproduktes so verändern, damit das Integral genau dann 0 ist, wenn die auch die gespeicherte elektrische Energie in Zeiten der Unterversorgung bedarfsdeckend ist.
Speichereffizienz und Skalierung von Funktionen
[Bearbeiten]Diese Bedarfsdeckung unter Berücksichtigung der Speichereffizienz wird wie folgt über Integrale darstellen:
Da in dem Beispiel nur 40% der eingesetzten elektrischen Energie gespeichert werden können, wird die Funktion mit dem Faktor zu skaliert, um die gespeicherte Energie darzustellen.
Speichereffizienz und Semiskalarprodukt 1
[Bearbeiten]Nun kann man die Orthogonalität wieder funktional als Bedarfsdeckung darstellen und man berücksichtigt die Verluste bei der Speicherung von elektrische Energie:
Speichereffizienz und Semiskalarprodukt 2
[Bearbeiten]Durch elementare Umformung beschreibt die folgende Gleichung, dass bei 40% Effizienz elektrischer Speicher zwischen dem Zeitpunkt und die Energiebilanz ausgeglichen ist.
Aufgabe 1 - Nachhaltigkeit
[Bearbeiten]Wenn die obige Gleichung zeigt, das eine Energiebilanz zwischen dem Zeitpunkten und ausgeglichen ist, aber die Energie in dem ersten Teilintervall benötigt wird und in dem zweiten Teilintervall regenerative Energie benötigt wird, kann ein Batteriespeicher in der ersten Phase die benötigte Energie nicht liefern, da der Batteriespeicher noch nicht geladen ist. Integrieren Sie den Ladezustand und die Ladekapazität in Ihre Überlegungen und stellen Sie die Bedarfsdeckung wieder über Funktionen dar!
Beschreibung der Akkuladung
[Bearbeiten]Sei der Zeitpunkt, an dem ein Energiespeicher leer ist. Zunächst sollte die Speicherkapazität als unbeschränkt gelten. Die folgende Funktion , die über Semiskalarprodukte definiert ist, beschreibt den Ladezustand zum Zeitpunkt :
Nutzung des Energiespeichers
[Bearbeiten]Wenn die Energieversorgung mit regenerativer Energie den Bedarf nicht abdeckt, wird auf den Energiespeicher zugegriffen. Auch hier sei zunächst formal der Energiespeicher unbeschränkt und damit bedarfsdeckend. Die Leistung aus dem Speicher bis zum Zeitpunkt und Startzeitpunkt wird ebenfalls durch ein Semiskalarprodukt beschrieben.
Aufgabe 2 - Nachhaltigkeit - Kritische Versorgung
[Bearbeiten]Wie kann man durch Funktionen und über die Semiskalarprodukte kritische Versorgungssituationen identifizieren?
Aufgabe 3 - Beschränkte Speicherkapazität
[Bearbeiten]Wie kann man eine in Praxis gegebene beschränkte Versorgungskapazität in die Darstellung über Semiskalarprodukte einbauen? Welche Aussagen macht die folgende Funktion , die zum Zeitpunkt wie folgt definert ist:
Träger von Semi-Skalarprodukten
[Bearbeiten]Für Skalarprodukte ist gibt es nur einen Vektoren aus der die Bedingung erfüllt - nämlich nur den Nullvektor . Im Allgemeinen ist die Menge ein Untervektorraum von . Die abgeschlossene Menge nennt man Trägermenge des Semiskalarprodukte
Beispiel - Überweisungsformular
[Bearbeiten]
Ein Überweisungsträger ist ein Formular, in das auf vordefinierten Buchstabenfeldern einzelne Zeichen handschriftlich eingetragen werden können. Die Schrifterkennung für ein Zeichen kann durch ein Semi-Skalarprodukt umgesetzt werden, das nur auf einem Buchstabenfeld operiert.
Aufgabe - Zahlungsempfänger mit 3 Buchstaben
[Bearbeiten]Alle möglichen Zahlungsempfänger sollen durch eine Kürzel über 3 Buchstaben gekennzeichnet werden (z.B. KHW = Kinderhilfswerk). Die handschriftlichen Eintragungen der Nutzer:innen sind dabei unterschiedlich gut lesbar.
- Vergeben Sie für jeden Buchstaben und der Berechnung eines Skalarproduktes eine Kennzahl zwischen 0 und 1, wie gut ein bestimmter Buchstabe erkannt wurde.
- Vergeben Sie dann eine Gesamtbewertung zwischen 0 und 1 wie gut eine Zahlungsempfänger erkannt wurde. Möglichkeiten als Zahlungsempfänger sind KHW, KKW, AHA, XYZ. Die Bewertung soll für jedes der 4 Buchstabenkürzel für einen Empfänger erfolgen.
Siehe auch
[Bearbeiten]- Cauchy-Folge
- Gram-Schmidtsches Orthonormalisierungsverfahren
- Hilbertraum
- Kurs:Maschinelles Lernen
- Hausdorff-Raum
- meromorphe Funktion
- Skalarprodukt
Kurse
[Bearbeiten]Quellennachweise
[Bearbeiten]- ↑ Lumer, G. (1961), "Semi-inner-product spaces", Transactions of the American Mathematical Society, 100: 29–43, doi:10.2307/1993352, MR 0133024.
- ↑ a b J. R. Giles (1967), Classes of semi-inner-product spaces, Transactions of the American Mathematical Society 129 , 436–446.
Seiteninformation
[Bearbeiten]Diese Lernresource können Sie als Wiki2Reveal-Foliensatz darstellen.
Wiki2Reveal
[Bearbeiten]Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Maßtheorie auf topologischen Räumen' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.
- Die Seite wurde als Dokumententyp PanDocElectron-SLIDE erstellt.
- Link zur Quelle in Wikiversity: https://de.wikiversity.org/wiki/Kurs:Ma%C3%9Ftheorie%20auf%20topologischen%20R%C3%A4umen/Semi-Skalarprodukt
- siehe auch weitere Informationen zu Wiki2Reveal und unter Wiki2Reveal-Linkgenerator.