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Kurs:Diskrete Mathematik/25/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 3 4 3 2 4 3 3 8 6 4 3 2 7 6 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Reflexivität einer Relation auf einer Menge .
  2. Das kleinste gemeinsame Vielfache von natürlichen Zahlen
  3. Die kanonische Projektion zu einer Äquivalenzrelation auf einer Menge .
  4. Der Restgraph eines Graphen    zu einer Teilmenge    der Kantenmenge.
  5. Die Zusammenhangskomponente zu einem Punkt    in einem Graphen  
  6. Eine Knotenüberdeckung in einem Graphen  


Lösung

  1. Die Relation heißt reflexiv, wenn für alle gilt.
  2. Eine natürliche Zahl ist das kleinste gemeinsame Vielfache dieser Zahlen, wenn ein gemeinsames Vielfaches der ist und wenn jedes gemeinsame Vielfache der Zahlen ein Vielfaches von ist.
  3. Man nennt die Abbildung

    die kanonische Projektion.

  4. Der Restgraph ist derjenige Graph, dessen Punktemenge ist und dessen Kantenmenge aus besteht.
  5. Die Zusammenhangskomponente von ist
  6. Eine Knotenüberdeckung ist eine Teilmenge    mit der Eigenschaft, dass jede Kante mindestens einen Knoten aus trifft.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Multinomialsatz für einen kommutativen Halbring.
  2. Der Satz über die Anzahl der surjektiven Abbildungen mit Potenzprodukten.
  3. Der Vier-Farben-Satz.


Lösung

  1. Es sei ein kommutativer Halbring und seien    Elemente und  .  Dann ist
  2. Es sei eine -elementige Menge und eine -elementige Menge. Dann ist die Anzahl der surjektiven Abbildungen von nach gleich
  3. Für jeden ebenen Graphen besteht eine zulässige Färbung mit höchstens vier Farben.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Bei einer Fußballweltmeisterschaft werden in der Runde der letzten vier die Plätze nach folgendem Modus bestimmt: Es gibt zwei Halbfinals, deren Gewinner das Finale und deren Verlierer das Spiel um Platz bestreiten. Von einer solchen Runde seien die Mannschaften und die Ergebnisse der insgesamt vier Spiele bekannt, aber nicht die Rolle der Spiele.

  1. Welche Information über die Platzierung kann man stets aus den Daten erschließen?
  2. Unter welcher Bedingung kann man die Rolle aller Spiele erschließen,
  3. unter welcher nicht?


Lösung

  1. Es gibt genau eine Mannschaft, die zweimal gewinnt, diese ist Weltmeister, und genau eine Mannschaft, die zweimal verliert, diese ist Vierter. Die beiden anderen Mannschaften gewinnen einmal und verlieren einmal und sind Zweiter oder Dritter.
  2. Wenn der Erste gegen den Vierten (die ja beide bekannt sind) spielt, so muss dieses Spiel ein Hauptfinale sein. Das komplementäre Spiel ist ebenfalls ein Halbfinale, das andere Spiel des Ersten muss das Finale und das andere Spiel des Vierten muss das Spiel um Platz drei sein. Somit sind alle Platzierungen bekannt.
  3. Wenn der Erste nicht gegen den Vierten spielt, so kann man den Zweiten nicht vom Dritten unterscheiden.


Aufgabe (4 (0.5+0.5+1+1+1) Punkte)

Wir betrachten die Verknüpfung

die einem Paar diejenige Zahl zuordnet, die entsteht, wenn man im Zehnersystem die Zahl -fach hintereinander schreibt.

  1. Bestimme .
  2. Bestimme .
  3. Ist die Verknüpfung kommutativ?
  4. Ist die Verknüpfung assoziativ?
  5. Besitzt die Verknüpfung ein neutrales Element?


Lösung

  1. Es ist
  2. Es ist
  3. Die Verknüpfung ist nicht kommutativ, es ist  ,  aber  
  4. Die Verknüpfung ist nicht assoziativ, es ist  ,  aber    besteht aus Zweien.
  5. Die Verknüpfung besitzt kein neutrales Element. Von links ist zwar  ,  daher ist der einzige Kandidat, von rechts ist aber im Allgemeinen (beispielsweise für )


Aufgabe (3 (1+2) Punkte)

Es sei eine Gruppe. Es seien    Elemente mit

  1. Zeige, dass das Inverse von gleich ist.
  2. Zeige, dass das Inverse von im Allgemeinen nicht gleich ist.


Lösung

  1. Wegen

    sind und invers zueinander, daher ist auch

    also ist das Inverse von .

  2. Es seien zwei Elemente einer Gruppe mit    und sei

    so dass also

    ist. Es ist dann

    da aus

    durch Multiplikation mit von rechts und dann mit von rechts

    gelten müsste.


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise, dass der Polynomring über einem Körper selbst kein Körper ist.


Lösung

In einem Körper besitzt jedes Element ein multiplikatives Inverses. Dies ist beim Polynomring nicht der Fall, beispielsweise besitzt die Variable kein Inverses, da das Produkt von mit jedem Polynom    einen Grad besitzt.


Aufgabe (4 (0.5+0.5+1+1+1) Punkte)

Wir betrachten die Relation im nebenstehenden Diagramm, wobei eine Pfeil bedeutet, dass von gefressen wird.

  1. Was frisst ein Polarbear?
  2. Von wem wird ein Capelin gefressen?
  3. Welche Tiere stehen an der Spitze der Nahrungskette?
  4. Ist die Relation transitiv?
  5. Ist die Relation antisymmetrisch?


Lösung

  1. Ein Polarbear frisst Arctic cod, Ringed seal und Harbour seal.
  2. Capelin wird von Harbour seal und Harp seal gefressen.
  3. Polar bear, Killer whale und Arctic birds stehen an der Spitze der Nahrungskette, da von ihnen kein Pfeil ausgeht.
  4. Die Relation ist nicht transitiv, da beispielsweise ein Pfeil von Arctic cod nach Ringed seal und ein Pfeil von Ringed seal nach Killer whale geht, aber kein direkter Pfeil von Arctic cod nach Killer whale.
  5. Die Relation ist antisymmetrisch, da die Voraussetzung, dass zwei Objekte durch Pfeil und gegenläufigen Pfeil verbunden sind, überhaupt nicht vorkommt, und damit die in der Antisymmetrie geforderte Implikation automatisch erfüllt ist, da der Vordersatz stets falsch ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass für natürliche Zahlen die folgenden Teilbarkeitsbeziehungen gelten.

  1. Für jede natürliche Zahl gilt und .
  2. Für jede natürliche Zahl gilt .
  3. Gilt und , so gilt auch .
  4. Gilt und , so gilt auch .
  5. Gilt , so gilt auch für jede natürliche Zahl .
  6. Gilt und , so gilt auch für beliebige natürliche Zahlen .


Lösung

  1. Ist klar wegen
  2. Ist klar wegen
  3. Die beiden Voraussetzungen bedeuten die Existenz von    mit    und  .  Somit ist

    und ist auch ein Teiler von .

  4. Aus den Voraussetzungen    und    ergibt sich direkt

    also ist ein Teiler von .

  5. Aus der Voraussetzung    ergibt sich direkt

    also ist ein Teiler von .

  6. Aus den Voraussetzungen    und    ergibt sich direkt mit dem Distributivgesetz

    also ist ein Teiler von .


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von und und schreibe die beiden Zahlen als Vielfache des größten gemeinsamen Teilers.


Lösung

Es ist

Der größte gemeinsame Teiler ist also . Aus den Rechnungen erhält man

und


Aufgabe (8 (3+2+3) Punkte)

Wir betrachten auf der Menge aller stetigen Funktionen von nach die folgende Relation: Es ist , falls es eine nullstellenfreie stetige Funktion mit

gibt.

  1. Zeige, dass eine Äquivalenzrelation ist.
  2. Zeige, dass aus folgt, dass die Nullstellenmenge von und von übereinstimmen.
  3. Zeige, dass die beiden Funktionen

    und

    nicht zueinander äquivalent sind.


Lösung

  1. Es ist , da

    ist, man also für die konstante Funktion mit dem Wert nehmen kann, die stetig ist und keine Nullstelle besitzt. Zum Nachweis der Symmetrie sei

    mit einer stetigen nullstellenfreien Funktion . Dann ist auch die Funktion

    wohldefiniert, nullstellenfrei und nach Lemma 10.6 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)) auch stetig. Damit gilt

    Zum Nachweis der Transitivität gelte

    und

    mit stetigen nullstellenfreien Funktionen . Dann ist

    und ist ebenfalls nach Lemma 10.6 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)) eine stetige nullstellenfreie Funktion.

  2. Es sei

    mit stetig und nullstellenfrei. Dann ist für jedes

    Wegen

    gilt

    genau dann, wenn

    ist. Dies bedeutet, dass und die gleichen Nullstellen besitzen.

  3. Nehmen wir an, dass und im beschriebenen Sinne äquivalent sind. Dann gibt es eine stetige nullstellenfreie Funktion mit

    für alle . Für    bedeutet dies

    Wegen der vorausgesetzten Stetigkeit von bedeutet dies nach Lemma 51.7 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2022-2023))  (2), dass auch

    sein muss. Dies widerspricht aber der vorausgesetzten Nullstellenfreiheit von .


Aufgabe (6 (4+2) Punkte)

  1. Finde den kleinsten Exponenten    derart, dass die Potenzierung

    die Identität ist.

  2. Was bedeutet dies für die Endziffer im Zehnersystem beim Potenzieren von natürlichen Zahlen?


Lösung

  1. Wir gehen die Exponenten

    durch und schauen, ob die Abbildung

    die Identität ist oder nicht. Alle Rechnungen werden in durchgeführt.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Es ist

    Für zwischen und gehört zum bereits untersuchten Bereich und es ist

    Daher ist die fünfte Potenzierung die Identität. Der minimale Exponent ist somit .

  2. Die Endziffer im Zehnersystem ist einfach der Rest modulo . Daher bedeutet das Ergebnis, dass die Endziffer der fünften Potenz einer natürlichen Zahl stets mit deren Endziffer übereinstimmt, und dass dies nicht für die zweite, dritte oder vierte Potenz gilt.


Aufgabe (4 Punkte)

Es seien und endliche Mengen. Zeige, dass eine Äquivalenzrelation auf genau dann konjugiert-isomorph zu einer Äquivalenzrelation auf ist, wenn beide Äquivalenzrelationen das gleiche Klassenanzahltupel besitzen.


Lösung

Es sei eine bijektive Abbildung, die eine Isomorphie zwischen und und induziert. Dann werden unter direkt Äquivalenzklassen zu auf Äquivalenzklassen zu abgebildet und daher stimmen die Klassenanzahltupel überein.

Wenn umgekehrt die beiden Klassenanzahltupel übereinstimmen, so erhält man zunächst eine Bijektion zwischen den beiden Quotientenmengen derart, dass die Anzahlen in den jeweiligen Äquivalenzklassen gleich sind. Auf jeder Äquivalenzklasse zu kann man eine bijektie Abbildung in die entsprechende Äquivalenzklasse zu definieren. Diese setzen sich zu einer bijektiven Abbildung zusammen, die die Äquivalenzklassen in Äquivalenzklassen überführen und daher eine Isomorphie der Äquivalenzrelationen bewirken.


Aufgabe (3 Punkte)

Man erläutere die wesentlichen Konzepte und Objekte in Satz 17.13 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) für den Fall  


Lösung

Es sei  .  Die Rekursionsbedingung aus Teil (1) ist

Ein Anfangsglied legt direkt die Folge    fest. Die relevanten Polynome aus Teil (2) sind

und (das konstante Polynom)

Es ist ja

gemäß Beispiel 17.8 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)). In (3) liegt das Polynom unmittelbar faktorisiert vor, es ist also    die einzige Nullstelle (mit Vielfachheit ). Hier ist wieder konstant und


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein Matroid auf einer Menge und    Basen. Zeige


Lösung

Angenommen, es wäre  ,  ohne Einschränkung sei  .  Dann existiert nach der Austauscheigenschaft ein    mit  ,  was der Maximalität von widerspricht.


Aufgabe (7 (3+2+2) Punkte)

  1. Bestimme die linearen Rekursionen mit der Eigenschaft, dass ihre zugehörige Matrix gleich der Adjazenzmatrix eines Graphen ist. Wie sieht in diesen Fällen die Matrix, wie der Graph, wie die lineare Rekursion aus?
  2. Bestimme das charakteristische Polynom, die Eigenwerte und die Eigenvektoren in diesen Fällen.
  3. Wie sieht die Lösung der linearen Rekursion zu einem beliebigen Startwerttupel in diesen Fällen aus?


Lösung

  1. Eine lineare Rekursion besitzt die Form

    mit  ,  die zugehörige Matrix ist

    Die Adjazenzmatrix eines Graphen ist symmetrisch und in der Diagonalen stehen nur Nullen. Dies gilt für die Matrix zu einer linearen Rekursion genau dann, wenn  ,     und    ist. Das ist der lineare Graph der Länge mit der Matrix

    Die lineare Rekursion ist dann

  2. Das charakteristische Polynom ist

    die Eigenwerte sind und . Ein Eigenvektor zum Eigenwert ist , ein Eigenvektor zum Eigenwert ist .

  3. Der Startvektor sei

    Es ist

    die Beschreibung dieses Vektors als Linearkombination mit den Eigenvektoren. Nach Satz 16.6 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) ist

    die Lösungsfolge ist also abwechselnd

    Dieses Ergebnis ist auch vom Graphen her klar.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz über nichtgeschlossene Eulerzüge.


Lösung

Ein nicht geschlossener Eulerzug besitzt einen Anfangspunkt und einen davon verschiedenen Endpunkt . Wenn man den Eulerzug durchläuft und dabei für jeden Punkt die Grade zählt, so erhöht sich bei jedem Durchlauf durch einen Punkt (egal ob oder oder sonst ein Punkt) der Grad um . Am Anfang und am Ende kommt für bzw. nochmal dazu.

Es seien und die beiden Punkte mit ungeradem Grad. Wenn nicht zu gehört, so nimmt man diese Kante hinzu und erhält einen neuen Graphen , bei dem nun alle Knotenpunkte einen geraden Grad besitzen. Nach Satz 25.7 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) gibt es in einen geschlossenen Eulerzug. Dieser ist ohne die Kante ein nichtgeschlossener Eulerzug von . Wenn hingegen zu gehört, so nimmt man einen neuen Punkt zur Knotenmenge und die Kanten und zur Kantenmenge hinzu. Im neuen Graphen besitzt wieder jeder Knoten einen geraden Grad. Ein geschlossener Eulerzug von enthält den Kantenzug . Da in sonst keiner Kante auftritt, erhält man, indem man dieses Teilstück und weglässt, einen nichtgeschlossenen Eulerzug von .