Zum Inhalt springen

Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 10

Aus Wikiversity



Maximale Ideale

Ein Ideal in einem kommutativen Ring heißt maximales Ideal, wenn    ist und wenn es zwischen und kein weiteres Ideal gibt.



Es sei ein kommutativer Ring und ein Ideal in .

Dann ist genau dann ein maximales Ideal, wenn der Restklassenring ein Körper ist.

Nach Aufgabe 7.2 entsprechen die Ideale im Restklassenring eindeutig den Idealen in zwischen und . Nun ist ein Körper genau dann, wenn es genau nur zwei Ideale gibt, und dies ist genau dann der Fall, wenn    ist und es dazwischen kein weiteres Ideal gibt. Dies bedeutet, dass maximal ist.




In einem kommutativen Ring   

gibt es maximale Ideale.

Wir betrachten die Menge

Diese Menge enthält das Nullideal und ist somit nicht leer. Wir wollen das Lemma von Zorn auf (mit der Inklusion als Ordnungsrelation) anwenden. Dazu sei    eine total geordnete Teilmenge. Wir setzen

Man zeigt nun, dass ein Ideal ist, das nicht die enthält. Also gehört es zu und es bildet eine obere Schranke für . Das Lemma von Zorn liefert dann maximale Elemente in , und dies sind maximale Ideale.



Es sei ein Körper und der Polynomring über .

Dann wird jedes maximale Ideal in von Elementen erzeugt.

Wir führen Induktion über , dabei ist der Induktionsanfang    und auch    klar, da ein Hauptidealbereich ist. Es sei die Aussage also für bewiesen und sei ein maximales Ideal

gegeben. Es ist

ein maximales Ideal in . Nach Induktionsvoraussetzung wird von Elementen erzeugt, sagen wir

Wir betrachten den injektiven Ringhomomorphismus

der die Faktorisierung

wobei die Abbildung rechts surjektiv ist. Da in der Mitte ein Hauptidealbereich steht, wird der Kern dieser Abbildung durch ein Element erzeugt. Somit ist



Wir betrachten die Menge

Diese Menge ist mit komponentenweiser Addition und Multiplikation ein kommutativer Ring (mit der konstanten Nullfolge bzw. Einsfolge als und ). Zu jedem festen    ist die Menge

ein maximales Ideal. Die Idealeigenschaft kann man unmittelbar nachprüfen, die Maximalität ergibt sich daraus, dass ein größeres Ideal

ein Element    mit    enthält. Dann ist

mit    und daher ist  .  Mit dieser Konstruktion bekommt man also direkt maximale Ideale. Die Restklassenkörper zu diesen maximalen Idealen sind (isomorph zu) , der Restklassenhomomorphismus ist einfach die Projektion auf die -te Komponente.

Wir betrachten nun das Ideal

das ist also die Menge aller Folgen, die bis auf endlich viele Glieder mit der Nullfolge übereinstimmen. Es gibt daher nach (einer Variante von) Lemma 10.3 maximale Ideale mit

Es ist

da die Folge, die an der -ten Stelle eine und sonst überall eine stehen hat, links dazu gehört, aber nicht rechts. Ein solches maximales Ideal kann man nicht explizit beschreiben. Selbst wenn man sich auf Folgen beschränkt, die lediglich die beiden Werte oder annehmen, so ist kein explizites Verfahren bekannt, zu bestimmen, ob die Folge zu gehören soll oder nicht. Für jede Folge mit unendlich vielen Nullen und mit unendlich vielen Einsen gibt es ein solches maximales Ideal , das diese Folge enthält, und auch eines, das sie nicht enthält.

Die Restklassenkörper zu einem solchen maximalen Ideal sind nicht isomorph zu . Die dabei auftretenden Körper sind vielmehr der Gegenstand der sogenannten Nichtstandardanalysis.




Primideale

Ein Element eines kommutativen Ringes heißt nilpotent, wenn    für eine natürliche Zahl ist.


Ein kommutativer Ring heißt reduziert, wenn das einzige nilpotente Element von ist.


Ein Ideal in einem kommutativen Ring heißt Primideal, wenn    ist und wenn für    mit    folgt:    oder  



Es sei ein Integritätsbereich und , .

Dann ist genau dann ein Primelement, wenn das von erzeugte Hauptideal ein Primideal ist.

Beweis

Siehe Aufgabe 10.2.



Es sei ein kommutativer Ring und ein Ideal in .

Dann ist genau dann ein Primideal, wenn der Restklassenring ein Integritätsbereich ist.

Es sei zunächst ein Primideal. Dann ist insbesondere    und somit ist der Restklassenring nicht der Nullring. Es sei    in wobei durch Elemente in repräsentiert seien. Dann ist    und damit    oder  .  was in gerade    oder    bedeutet.

Ist umgekehrt ein Integritätsbereich, so handelt es sich nicht um den Nullring und daher ist  .  Es sei  .  Dann ist    in und daher    in , also ist  



Es sei ein kommutativer Ring und ein maximales Ideal in .

Dann ist ein Primideal.

Dies folgt sofort aus den Charakterisierungen für Lemma 10.10 und für Lemma 10.2 mit den Restklassenringen.



Es sei ein kommutativer Ring und sei    nicht nilpotent.

Dann gibt es ein Primideal in mit  

Wir betrachten die Menge der Ideale

Diese Menge ist nicht leer, da sie das Nullideal enthält. Ferner ist sie induktiv geordnet (bezüglich der Inklusion). Ist nämlich , , eine total geordnete Teilmenge von , so ist deren Vereinigung ebenfalls ein Ideal, das keine Potenz von enthält. Nach dem Lemma von Zorn gibt es daher maximale Elemente in .

Wir behaupten, dass ein solches maximales Element ein Primideal ist. Es sei dazu    und  ,  und sei    angenommen. Dann hat man echte Inklusionen

Wegen der Maximalität können die beiden Ideale rechts nicht zu gehören, und das bedeutet, dass es Exponenten    mit

gibt. Dann ergibt sich der Widerspruch



Es sei ein kommutativer Ring und sei    ein Ideal in .

Dann ist genau dann ein Primideal, wenn für alle Ideale aus

folgt, dass    oder    gilt.

Beweis

Siehe Aufgabe *****.




Primvermeidung



Es sei ein kommutativer Ring, ein Ideal und eine endliche Familie von Primidealen. Es gelte  

Dann ist    für ein .

Wir führen Induktion über . Bei    ist die Aussage trivial. Es sei die Aussage für Primideale bewiesen, und seien Primideale gegeben. Für jedes können wir annehmen, dass    ist, da andernfalls die Aussage nach Induktionsvoraussetzung bewiesen ist. Demnach gibt es jeweils ein    mit  .  Dann muss insbesondere    sein. Das Element gehört zu und damit ist auch    für ein . Dies ist aber sowohl bei    als auch bei    ein Widerspruch.



Es sei ein kommutativer Ring, Ideale und eine endliche Familie von Primidealen. Es gelte  

Dann ist    oder    für ein .

Wir führen Induktion über , bei    ist die Aussage trivialerweise richtig. Es sei die Aussage für Primideale bewiesen, und seien Primideale gegeben. Nach Induktionsvoraussetzung ist

sei    und  .  Bei

sind wir fertig, sei also  .  Wäre

so würde nach Aufgabe 10.4    oder    oder    für ein    gelten. In diesen Fällen wären wir aufgrund der Induktionsvoraussetzung fertig. Also ist

sei    und  .  Dann ist    und  



Radikale

Ein Ideal in einem kommutativen Ring heißt Radikal (oder Radikalideal), wenn folgendes gilt: Falls    ist für ein  ,  so ist bereits  


Es sei ein kommutativer Ring und    ein Ideal. Dann nennt man die Menge

das Radikal zu . Es wird mit bezeichnet.

Das Radikal zu einem Ideal ist selbst ein Radikal und insbesondere ein Ideal.


Es sei ein kommutativer Ring und    ein Ideal.

Dann ist das Radikal zu ein Radikalideal.

Wir zeigen zunächst, dass ein Ideal vorliegt. gehört offenbar zum Radikal und mit  ,  sagen wir  ,  ist auch  ,  also gehört zum Radikal. Zur Summeneigenschaft seien    mit    und  .  Dann ist

Es sei nun  .  Dann ist  ,  also  



Ein Primideal in einem kommutativen Ring heißt minimales Primideal, wenn es kein Primideal mit    gibt.


<< | Kurs:Kommutative Algebra/Teil I | >>

PDF-Version dieser Vorlesung

Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)