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Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 18

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Annullatoren

Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Zu einem Element    heißt

der Annullator von .


Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Der Annullator von ist



Torsion

Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Ein Element    heißt Torsionselement, wenn es einen Nichtnullteiler    mit

gibt.

Wenn ein Torsionselement gegeben ist, so ist für alle    auch ein Torsionselement, wegen der Assoziativität der Skalarmultiplikation. Auch die Summe von Torsionselementen ist wieder ein Torsionselement, da das Produkt jener Ringelemente, die die jeweiligen Summanden annullieren, die Summe annulliert. Deshalb verwendet man folgende Bezeichnung.


Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Die Menge aller Torsionselemente von bildet den Torsionsuntermodul von .


Ein Modul, der nur aus Torsionselementen besteht heißt Torsionsmodul.


Ein Modul, der außer keine Torsionselemente enthält, heißt torsionsfrei.

Über einem Integritätsbereich ist daher trivialerweise jeder torsionsfreie Modul treu. Die Umkehrung gilt jedoch nicht.



Produkt von Ideal und Untermodul

Es sei ein kommutativer Ring und    ein Ideal. Zu einem Untermodul    eines - Moduls bezeichnet man mit den von allen Produkten

erzeugten Untermodul.



Es sei ein kommutativer Ring, ein - Modul und    ein Ideal mit  

Dann ist in natürlicher Weise ein -Modul.

Beweis

Siehe Aufgabe 15.2.




Freie Moduln

Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. heißt frei (über ), wenn er eine - Basis besitzt.

Es sei    und  .  Dann ist    ein - Modul und wird von der   

erzeugt. Allerdings gilt  ,  die Familie ist also bei    nicht linear unabhängig und keine Basis. Da auch für jeden anderen Erzeuger    gilt, dass    ist, ist als -Modul nicht frei. Wenn man als kommutativen Ring auffasst, so ist als Modul über sich selbst frei. Bei    mit einer Primzahl liegt ein - Vektorraum vor.



Es sei ein vom Nullring verschiedener kommutativer Ring und ein freier -Modul. Man nennt dann die Kardinalität einer Basis von M den Rang von .



Ein Ideal    in einem kommutativen Ring

ist genau dann frei, wenn es das Nullideal oder ein von einem Nichtnullteiler erzeugtes Hauptideal ist.

Wenn    frei ist, so folgt aus Lemma 16.5  (2), dass es ein Hauptideal sein muss, und aus Lemma 16.5  (1), dass der Erzeuger ein Nichtnullteiler sein muss. Daraus folgt auch die Umkehrung.



Es sei , , eine Familie von freien - Moduln über einem kommutativen Ring .

Dann ist auch die direkte Summe frei.

Dies folgt aus Lemma 15.23 und aus Lemma 16.7.



Es sei ein kommutativer Ring. Das Produkt ist ein endlicher, freier Modul mit Rang . Er besteht aus den -Tupeln von Elementen aus :

Addition und Skalarmultiplikation werden komponentenweise definiert, es ist also

und

Eine Basis

von bilden die Elemente
wobei ) so definiert ist, dass an der -ten Stelle des Tupels eine steht und alle anderen Koordinaten sind.

Den folgenden Satz nennt man die Wohldefiniertheit des Ranges eines freien Moduls.


Es sei    ein kommutativer Ring und ein endlich erzeugter freier - Modul.

Dann gilt für zwei - Basen und von , dass    ist.

Da ein kommutativer Ring ist, gibt es nach Lemma 10.3 ein maximales Ideal in . Dementsprechend ist der Restklassenring nach Lemma 10.2 ein Körper. Der Untermodul wird dann zu einem -Vektorraum.

hat als -Modul die Basis , also  .  Dementsprechend ist  

Hieraus folgt die Isomorphie

Somit hat als -Vektorraum eine Basis der Mächtigkeit von .

Da wir für Vektorräume nach Satz 17.4 wissen, dass je zwei Basen die gleiche Kardinalität haben, folgt die Aussage.



Es sei ein Ring und ein freier - Modul. Man sagt, dass den Rang besitzt, wenn alle Basen von die gleiche Kardinalität besitzen.



Basiswechsel

Wir wissen nach Satz 18.15, dass in einem endlich erzeugten freien - Modul je zwei Basen die gleiche Länge haben, also die gleiche Anzahl von Basisvektoren besitzen. Jeder Vektor    besitzt bezüglich einer jeden Basis eindeutig bestimmte Koordinaten (oder Koeffizienten). Wie verhalten sich diese Koordinaten zu zwei Basen untereinander? Dies beantwortet die folgende Aussage.


Es sei ein kommutativer Ring und ein endlich erzeugter freier

- Modul vom Rang . Es seien und zwei Basen von . Es sei

mit den Koeffizienten  ,  die wir zur - Matrix

zusammenfassen.

Dann hat ein Vektor , der bezüglich der Basis die Koordinaten besitzt, bezüglich der Basis die Koordinaten

Dies folgt direkt aus

und der Definition der Matrizenmultiplikation.


Wenn wir die zu einer Basis gehörende bijektive Abbildung (siehe Bemerkung 16.13)

betrachten, so kann man die vorstehende Aussage auch so ausdrücken, dass das Dreieck

kommutiert.[1]

Es sei ein kommutativer Ring und ein endlich erzeugter freier

- Modul vom Rang . Es seien und zwei Basen von . Es sei

mit den Koeffizienten  .  Dann nennt man die - Matrix

die Übergangsmatrix zum Basiswechsel von nach .

Statt Übergangsmatrix sagt man auch Transformationsmatrix oder Basiswechselmatrix.

Es sei ein endlich erzeugter freier Modul. In der -ten Spalte der Transformationsmatrix stehen die Koordinaten von bezüglich der Basis . Der Vektor hat bezüglich der Basis die Koordinaten , und wenn man die Matrix auf anwendet, erhält man die -te Spalte der Matrix, und diese ist eben das Koordinatentupel von in der Basis . Bei einem eindimensionalen Raum mit

ist  ,  wobei der Bruch in der Tat wohldefiniert ist und wodurch man sich die Reihenfolge der Basen in dieser Schreibweise merken kann. Eine weitere Beziehung ist

wobei hier die Matrix aber nicht auf ein -Tupel aus , sondern auf ein -Tupel aus angewendet wird und sich ein neues -Tupel aus ergibt. Dies könnte man als Argument dafür ansehen, die Übergangsmatrix direkt als ihre Transponierte anzusetzen, doch betrachtet man das in Lemma 18.17 beschriebene Transformationsverhalten als ausschlaggebend.

Wenn

und die Standardbasis davon ist und eine weitere Basis, so erhält man die Übergangsmatrix von nach , indem man als Linearkombination der Basisvektoren ausdrückt und die entsprechenden Tupel als Spalten nimmt. Dagegen besteht einfach aus den als Spalten geschrieben.



Wir betrachten im die Standardbasis

und die Basis

Die Basisvektoren von lassen sich direkt mit der Standardbasis ausdrücken, nämlich

Daher erhält man sofort

Zum Beispiel hat der Vektor, der bezüglich die Koordinaten besitzt, bezüglich der Standardbasis die Koordinaten

Die Übergangsmatrix ist schwieriger zu bestimmen: Dazu müssen wir die Standardvektoren als Linearkombinationen von und ausdrücken. Eine direkte Rechnung (dahinter steckt das simultane Lösen von zwei linearen Gleichungssystemen) ergibt

und

Somit ist




Es sei ein kommutativer Ring und ein endlich erzeugter freier

- Modul vom Rang . Es seien und Basen von .

Dann stehen die Übergangsmatrizen zueinander in der Beziehung

Insbesondere ist

Beweis

Siehe Aufgabe 18.3.



Freie Algebren

Eine -Algebra heißt frei, wenn sie als -Modul frei ist.


Es sei ein kommutativer Ring und es sei    ein normiertes Polynom vom Grad und    der zugehörige Restklassenring. Dann gelten folgende Rechenregeln (wir bezeichnen die Restklasse von in mit ).

  1. In ist  
  2. Höhere Potenzen , , kann man mit den Potenzen , , ausdrücken, indem man mittels Vielfachen von (2) sukzessive den Grad um eins reduziert.
  3. Die Potenzen bilden eine - Basis von .
  4. ist eine freier - Modul vom Rang .
  5. In werden zwei Elemente und komponentenweise addiert, und multipliziert, indem sie als Polynome multipliziert werden und dann die Restklasse berechnet wird.
  1. Dies folgt direkt durch Umstellung der definierenden Gleichung  
  2. Dies folgt durch Multiplikation der Gleichung in (1) mit Potenzen von .
  3. Dass die Potenzen , , ein Erzeugendensystem bilden, folgt aus Teil (1) und (2). Zum Beweis der linearen Unabhängigkeit sei  angenommen, es gebe eine lineare Abhängigkeit, sagen wir  .  D.h., dass das Polynom    unter der Restklassenabbildung auf geht, also zum Kern gehört. Dann muss es aber ein Vielfaches von sein, was aber aus Gradgründen und wegen der Normiertheit von erzwingt, dass das Nullpolynom sein muss. Also sind alle  
  4. Dies folgt direkt aus (3).
  5. Dies ist klar.


Die Ergebnisse von Lemma 18.22 gelten auch dann, wenn der Leitkoeffizient von eine Einheit in ist, da man dann das Polynom durch diesen dividieren kann, ohne das Ideal und den Restklassenring zu ändern. Dies findet insbesondere Anwendung, wenn ein Körper ist. Wenn der Leitkoeffizient keine Einheit ist, so ist die Restklassenalgebra nicht frei; einfache Beispiele sind oder .




Es seien    und    endliche freie Algebren.

Dann ist auch    eine freie endliche Ringerweiterung und es gilt

Wir setzen und . Es sei    eine - Basis von und    eine -Basis von . Wir behaupten, dass die Produkte

eine -Basis von bilden. Wir zeigen zuerst, dass diese Produkte den Vektorraum über erzeugen. Es sei dazu  .  Wir schreiben

Wir können jedes als  mit Koeffizienten ausdrücken. Das ergibt

Daher ist eine -Linearkombination der Produkte .
Um zu zeigen, dass diese Produkte linear unabhängig sind, sei

mit    angenommen. Wir schreiben dies als  .  Da die linear unabhängig über sind und die Koeffizienten der zu gehören, folgt, dass    ist für jedes . Da die linear unabhängig über sind und    ist, folgt, dass    für alle ist.



Es seien und endliche Körpererweiterungen.

Dann ist auch    eine endliche Körpererweiterung und es gilt

Dies ist ein Spezialfall von Satz 18.24.




Fußnoten
  1. Die Kommutativität eines solchen Pfeil- bzw. Abbildungsdiagramms besagt einfach, dass die zusammengesetzten Abbildungen übereinstimmen, wenn ihre Definitionsmengen und ihre Wertemengen übereinstimmen. In diesem Fall heißt es einfach nur   .


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