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Skalarprodukt/K/Einführung/Textabschnitt

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Im n kann man nicht nur Vektoren addieren und skalieren, sondern ein Vektor hat auch eine Länge, und die Lagebeziehung von zwei Vektoren zueinander wird durch den Winkel zwischen ihnen ausgedrückt. Länge und Winkel werden beide durch den Begriff des Skalarprodukts präzisiert. Dafür muss ein reeller Vektorraum oder ein komplexer Vektorraum vorliegen. Wir diskutieren die beiden Fälle parallel und verwenden als gemeinsame Bezeichnung für bzw. das Symbol 𝕂. Zu  z  bezeichnet z die konjugiert-komplexe Zahl, bei  z  einfach die Zahl selbst.


Es sei V ein 𝕂-Vektorraum. Ein Skalarprodukt auf V ist eine Abbildung

V×V𝕂,(v,w)v,w,

mit folgenden Eigenschaften:

  1. Es ist
    λ1x1+λ2x2,y=λ1x1,y+λ2x2,y

    für alle  λ1,λ2𝕂,   x1,x2,yV  und

    x,λ1y1+λ2y2=λ1x,y1+λ2x,y2

    für alle  λ1,λ2𝕂,   x,y1,y2V

  2. Es ist
    v,w=w,v

    für alle  v,wV

  3. Es ist  v,v0  für alle  vV  und  v,v=0  genau dann, wenn  v=0  ist.

Die dabei auftretenden Eigenschaften heißen im reellen Fall Bilinearität (das ist nur eine andere Bezeichnung für multilinear, wenn der Definitionsbereich das Produkt von zwei Vektorräumen ist), Symmetrie und positive Definitheit. Im komplexen Fall spricht man von sesquilinear und von hermitesch. Diese auf den ersten Blick unschöne Abweichung muss gemacht werden, um die positive Definitheit zu erhalten, was wiederum die Voraussetzung für einen sinnvollen Abstandsbegriff im Komplexen ist.


Auf dem n ist die Abbildung

n×n,(v,w)=((v1,,vn),(w1,,wn))i=1nviwi,

ein Skalarprodukt, das man das Standardskalarprodukt nennt. Einfache Rechnungen zeigen, dass dies in der Tat ein Skalarprodukt ist.


Beispielsweise ist im 3 mit dem Standardskalarprodukt

(352),(146)=3(1)54+26=11.


Ein reeller, endlichdimensionaler Vektorraum, der mit einem Skalarprodukt versehen ist, heißt euklidischer Vektorraum.

Zu einem Vektorraum V mit einem Skalarprodukt besitzt jeder Untervektorraum  UV  selbst wieder durch Einschränkung ein Skalarprodukt. Insbesondere ist zu einem euklidischen Vektorraum jeder Untervektorraum  UV  selbst wieder ein euklidischer Vektorraum. Jeder Untervektorraum  Un  trägt somit das eingeschränkte Standardskalarprodukt. Da es stets eine Isomorphie  Um  gibt, kann man auch das Standardskalarprodukt des m nach U übertragen, doch hängt dies von der gewählten Isomorphie ab und hat im Allgemeinen nichts mit dem eingeschränkten Standardskalarprodukt zu tun.


Das auf dem n durch

u,v:=i=1nuivi

gegebene Skalarprodukt heißt (komplexes) Standardskalarprodukt.

Beispielsweise ist

(43i2+7i),(2+5i36i)=(43i)2+5i+(2+7i)36i=(43i)(25i)+(2+7i)(3+6i)=2314i36+33i=59+19i.

Wenn man einen komplexen Vektorraum V mit einem Skalarprodukt , als reellen Vektorraum auffasst, so ist durch den Realteil

Re(v,w)

ein reelles Skalarprodukt gegeben, siehe Aufgabe. Wegen

v,w=Re(v,w)+iIm(v,w)=Re(v,w)iRe(iv,w)=Re(v,w)iRe(iv,w)

kann man aus dem Realteil das ursprüngliche Skalarprodukt rekonstruieren.



Es sei [a,b] ein abgeschlossenes reelles Intervall mit  a<b  und sei

V={f:[a,b]f stetig},

versehen mit der punktweisen Addition und Skalarmultiplikation. Wir setzen

f,g:=abf(t)g(t)dt

und erhalten damit ein Skalarprodukt auf V. Die Additivität folgt beispielsweise aus

f1+f2,g=ab(f1(t)+f2(t))g(t)dt=abf1(t)g(t)dt+abf2(t)g(t)dt=f1,g+f2,g.

Die positive Definitheit folgt so: Wenn f nicht die Nullfunktion ist, so sei  s[a,b]  ein Punkt mit  f(s)0.  Dann ist  |f(s)|>0  und wegen der Stetigkeit von f gibt es dann auch eine Umgebung [sϵ,s+ϵ][a,b] der Länge ϵ, auf der überall

|f(t)|c>0

für ein gewisses  c+  ist (man kann c=|f(s)|2 nehmen). Somit ist

f,f=ab|f(t)|2dtmax(a,sϵ)min(b,s+ϵ)|f(t)|2dtϵc2>0

positiv.