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Integralformel von Cauchy

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Einführung

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Die Cauchysche Integralformel ist neben dem Integralsatz von Cauchy eine der zentralen Aussagen der Funktionentheorie. Wir werden hier zwei Varianten vorstellen, einmal die 'klassiche' Formel für Kreisscheiben und einmal eine relativ allgemeine Variante für nullhomologe Zyklen. Beim Beweis ist zu beachten, dass wir die Kreisscheiben-Variante aus dem Integralsatz von Cauchy folgern werden, bei der allgemeinen Variante jedoch umgekehrt vorgehen.

Cauchy-Integralformel für Kreisschreiben

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Es sei eine offene Menge, eine Kreisscheibe mit und holomorph. Dann gilt

für jedes .

Beweis - CIF für Kreisscheiben

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Der Beweis für den CIF für Kreisscheiben erfolgt in den folgenden Schritten:

  • Es wird für eine beliebigen (aber festen) Punkt eine Funktion definiert, die in der Ableitung von entspricht und sonst dem Differenzenquotient von .
  • Damit ist als Quotient von holomorphen Funktionen selbst holomorph und mit der Differenzierbarkeit von zumindest noch stetig.
  • Nun wendet man das Lemma von Goursat mit Ausnahme eines Punktes an.

Cauchyintegralformel für nullhomologe Zyklen

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Es sei eine offene Menge, ein nullhomologer Zyklus in und holomorph. Dann gilt

für jedes , dabei bezeichnet die Umlaufzahl.

Beweis - CIF für nullhomologe Zyklen

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Analog zum Beweis für den CIS für Kreisscheiben erfolgt das Vorgehen für nullhomologe Zyklen in den folgenden Schritten:

  • Es wird für eine beliebigen (aber festen) Punkt eine Funktion definiert, die in der Ableitung von entspricht und sonst dem Differenzenquotient von .
  • Damit ist als Quotient von holomorphen Funktionen selbst holomorph und mit der Differenzierbarkeit von zumindest noch stetig.
  • Nun wendet man das Lemma von Goursat mit Ausnahme eines Punktes an.

Beweis 1 - Definition von g

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Definiere eine Funktion durch

definiert.

Beweis 2 - g stetig

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Man muss nun die Stetigkeit in beiden Variablen zeigen, wobei gilt. Es erfolgt eine Fallunterscheidung .

Beweis 2.1 - g stetig - Fall 1

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Fall 1 : Ist mit , so gibt es eine Umgebung , sodass für alle gilt, dass erfüllt. Damit durch den Differenzenquotient dargestellt und ist damit in damit an der Stelle trivialerweise stetig, da der Differenzenquotient eine stetige Abbildung auf ist. Es sei .

Beweis 2.2 - g stetig - Fall 2

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Fall 2 : Man wählt nun wieder eine -Umgebung und untersucht die Differenz auf . Für die Stetigkeit in muss man die Konvergenz der Differenz gegen nachweisen, wenn konvergiert.

Beweis 2.3 - g stetig - Fall 2a - w und z gleich

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Fall 2a und : Im ersten Fall betrachtet man die Stetigkeit von für :

Da stetig ist, konvergiert gegen für .

Beweis 2.4 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Fall 2b und : Durch Einsetzen im Fall erhält man:

Nun werden die Funktionen im Zähler als Stammfunktion interpretiert und Stammfunktionen als Wegintegrale dargestellt.

Beweis 2.5 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Sei eine eine holomorphe Funktion auf einem konvexen Gebiet . Dann besitzt eine Stammfunktion auf , die als Wegintegral von einem festen Punkt nach definiert ist.

Dabei ist die Konvexkombination mit

Beweis 2.6 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Man wendet nun die Aussage von 2.5 auf und . Als konvexes Teilgebiet verwendet man die Kreisscheibe in . Man erhält damit die Integraldarstellung:

Die Stammfunktion als Integral wird auf das geschlossene Wegintegral über eine Dreiecksrand angewendet.

Beweis 2.7 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Mit dem Lemma von Goursat gilt für das Integral über den Dreiecksrand folgende Gleichung:

Damit kann man die Differenz als Wegintegral darstellen.

Beweis 2.8 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Analog wendet nun die Aussage von 2.5 auf und als konstante Funktion an. Als konvexes Teilgebiet wird wieder verwendet man. Man erhält damit die Integraldarstellung für mit:

Insgesamt lässt sich der Zähler aus Beweisschritt 2.4 damit als folgendes Integral darstellen:

Beweis 2.9 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Durch Einsetzen in den berechneten Ausdruck aus 2.2

Durch die Darstellung von Funktionen als Wegintegrale kann man nun die Stetigkeit der Ableitung in nutzen.

Beweis 2.10 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Die Stetigkeit einer holomorphen Funktion wird nun über das --Kriterium wird auf die Stelle genutzt. Damit gibt es zu jedem gegebenem also so wählen, dass

für alle erfüllt ist. Ohne Einschränkung sei .

Beweis 2.11 - g stetig - Fall 2b - w und z verschieden

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Wendet man den Betrag auf die Gleichung in 2.9 an, erhält man:

Dabei wurden Ungleichungen und entsteht als Länge des Integration als Konvexkombination.

Beweis 3 - Integral über Zyklus

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Man definiert nun eine Funktion , die das Wegintegral über die Funktion definiert, wobei man fest lässt und die Integrationsvariable in der 1. Komponente von verwendet.

ist eine auf ganz stetige Funktion; wir zeigen, dass sie sogar holomorph ist. Dazu verwenden wir den Satz von Morera.

Beweis 5

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Es sei also der positiv orientierte Rand eines Dreiecks, das ganz in liegt, wir müssen

nachweisen. Es ist

da wegen der Stetigkeit des Integranden auf die Integrationen vertauschbar sind. Für festes ist die Funktion in der Variable stetig und holomorph für , also überhaupt holomorph.

Beweis 6

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Nach dem Satz von Goursat folgt

Damit ist natürlich auch

Bisher haben wir die Voraussetzungen über noch nicht ausgenutzt. Das tun wir jetzt. Sei

.

Beweis 7

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Da auf die Funktion sich einfacher schreibt, nämlich

da die Funktion aber offenbar auf ganz holomorph ist, können wir durch

zu einer auf ganz erklärten holomorphen Funktion fortsetzen. Nun ist nullhomolog in und damit

d.h. ist eine ganze Funktion.

Beweis 8

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Für haben wir auf die Bezeichnung

dabei ist , wenn ist.

Beweis 9

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enthält das Komplement eines hinreichend großen Kreises um . Dort gilt also die obige Ungleichung für alle : es folgt, dass beschränkt, also nach dem Satz von Liouville konstant ist. Wählt man eien Folge mit , so ergibt sich wieder aus der Ungleichung (*)

insgesamt also , insbesondere ; das wollten wir zeigen.

Folgerungen

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Aus dem Integralformel von Cauchy folgt, dass jede holomorphe Funktion unendlich oft differenzierbar ist, da der Integrand in unendlich oft differenzierbar ist. Wir erhalten

Folgerungen für Kreisscheiben

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Es sei eine offene Menge, eine Kreisscheibe mit und holomorph. Dann ist unendlich oft differenzierbar und für jedes gilt

für jedes .

Für Zyklen

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Es sei eine offene Menge, ein nullhomologer Zyklus und holomorph. Dann gilt

für jedes und jedes .

Analytizität

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Allgemeiner ergibt sich noch, dass jede holomorphe Funktion an jeder Stelle analytisch, d.h. in eine Potenzreihe entwickelbar ist:

Aussage - Analytizität

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Sei offen und holomorph. Sei und so, dass gilt. Dann ist auf durch eine konvergente Potenzreihe

darstellbar und die Koeffizienten sind durch

gegeben.

Beweis 1 - Analytizität

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Für , kann man mit dem Cauchy-Kern als Potenzreihe darstellen:

Beweis 2 - Analytizität

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Die Reihe konvergiert wegen absolut und wir erhalten

Siehe auch

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Seiten-Information

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Der Foliensatz wurde für den Kurs:Funktionentheorie erstellt.