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Kurs:Diskrete Mathematik/11/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Punkte 3 3 2 3 4 3 2 4 4 10 4 3 3 5 4 2 3 2 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein kommutativer Ring .
  2. Eine Relation auf einer Menge .
  3. Die Folge der euklidischen Reste zu ganzen Zahlen mit  
  4. Die Automorphismengruppe eines ungerichteten Graphen .
  5. Der Umfang eines zyklischen Graphen .
  6. Eine zulässige Färbung eines Graphen  


Lösung

  1. Ein Ring heißt kommutativ, wenn die Multiplikation kommutativ ist.
  2. Eine Relation auf einer Menge ist eine Teilmenge der Produktmenge , also  
  3. Man nennt die durch die Anfangsbedingungen und und die mittels der Division mit Rest

    rekursiv bestimmte Folge die Folge der euklidischen Reste.

  4. Zu einem Graphen nennt man die Gruppe aller Automorphismen

    die Automorphismengruppe von .

  5. Der Umfang eines zyklischen Graphen ist die längste Länge eines Kreises in .
  6. Eine Färbung

    heißt zulässig, wenn benachbarte Knotenpunkte stets eine verschiedene Farbe bekommen.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Beziehung zwischen der Addition und endlichen Mengen.
  2. Der Satz über die Restklassenkörper von .
  3. Der Rekursionssatz für aufspannende Bäume.


Lösung

  1. Es seien und disjunkte endliche Mengen mit bzw. Elementen. Dann besitzt ihre Vereinigung gerade Elemente.
  2. Es sei . Der Restklassenring ist genau dann ein Körper, wenn eine Primzahl ist.
  3. Es sei ein schleifenfreier Multigraph und eine Kante von . Dann besteht für die Anzahl der aufspannenden Bäume der Zusammenhang


Aufgabe (2 Punkte)

Anna kann sich nicht zwischen Heinrich und Konrad entscheiden, deshalb lässt sie sich vom Zufall leiten. Sie wohnt an einer U-Bahn-Station der Linie , die von Heinsheim nach Konsau fährt. Heinrich wohnt in Heinsheim und Konrad in Konsau. Wenn Anna Lust auf ein Date hat, geht sie einfach zu ihrer Station und nimmt die erstbeste U-Bahn, die gerade kommt. Die U-Bahnen fahren in beide Richtungen im Zehn-Minuten-Takt und die U-Bahnen nach Heinsheim fahren etc. Nach einiger Zeit stellt Anna fest, dass sie Konrad viermal so häufig besucht wie Heinrich. Wann fahren die U-Bahnen nach Konsau ab?


Lösung

Die Wahrscheinlichkeit, dass als erstes eine U-Bahn nach Konsau kommt, muss viermal so groß sein wie die Wahrscheinlichkeit, dass zuerst eine U-Bahn nach Heinsheim kommt. Deshalb muss in einem Zehn-Minuten-Intervall acht Minuten lang eine U-Bahn nach Konsau die nächste sein (und zwei Minuten lang eine U-Bahn nach Heinsheim). Die U-Bahnen nach Konsau fahren also etc. ab.


Aufgabe (3 Punkte)

Heinz-Peter schaut am Morgen in den Spiegel und entdeckt fünf Pickel auf seiner Stirn. Diese müssen alle ausgedrückt werden, wobei zwei Pickel so nah beieinander liegen, dass sie unmittelbar hintereinander behandelt werden müssen. Wie viele Reihenfolgen gibt es, die Pickel auszudrücken?


Lösung

Das Pickelpaar und die drei übrigen einzelnen Pickel können als vier Pickelfelder betrachtet werden, die in beliebiger Reihenfolge beackert werden können. Dafür gibt es Möglichkeiten. Bei jeder dieser Reihenfolge hat man beim Pickelpaar die freie Wahlmöglichkeit, welcher zuerst drankommt. Daher gibt es insgesamt

Möglichkeiten.


Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)

Wir betrachten den Binomialkoeffizienten als eine Verknüpfung

wobei bei    der Binomialkoeffizient als zu interpretieren ist. Diese Verknüpfung ist offenbar nicht kommutativ.

a) Bestimme und .

b) Besitzt diese Verknüpfung ein neutrales Element von links?

c) Besitzt diese Verknüpfung ein neutrales Element von rechts?

d) Ist diese Verknüpfung assoziativ?


Lösung


a) Es ist

und


b) Es kann kein neutrales Element von links geben, da für    gilt


c) ist das neutrale Element von rechts. Für    ist

und dies gilt auch für  


d) Die Verknüpfung ist nicht assoziativ, beispielsweise ist

aber


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei ein Monoid,    und  .  Zeige die folgenden Potenzgesetze.

  1. Wenn kommutativ ist, so ist


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme für das Polynom

den Grad, den Leitkoeffizienten, den Leitterm und den Koeffizienten zu .


Lösung

Der Grad ist , der Leitkoeffizient ist , der Leitterm ist und der Koeffizient zu ist .


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von und .


Lösung

Es ist offenbar ein gemeinsamer Teiler der beiden Zahlen, deshalb bestimmen wir den größten gemeinsamen Teiler von und . Der Euklidische Algorithmus liefert:

Daher sind die beiden um gekürzten Zahlen teilerfremd und der größte gemeinsame Teiler der beiden Ausgangszahlen ist .


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei eine Menge und eine Ordnung auf . Zeige durch Induktion über die Aussage: Wenn für Elemente die Beziehungen

und

gelten, dann sind alle gleich.


Lösung

Der Induktionsanfang    folgt unmittelbar aus der Antisymmetrie. Es sei also die Aussage für ein gewisses schon bewiesen und es liegen Elemente mit den Abschätzungen

und

vor. Wegen der Transitivität der Ordnung gilt dann auch

und damit gelten auch die Bedingungen in der Induktionsvoraussetzung. Somit ist also

Wegen

und

stimmt auch mit diesem Element überein.


Aufgabe (10 (3+3+4) Punkte)

Wir betrachten die Menge der natürlichen Zahlen mit den beiden Verknüpfungen

und

  1. Zeige, dass der größte gemeinsame Teiler eine kommutative und assoziative Verknüpfung ist, die ein neutrales Element besitzt (der größte gemeinsame Teiler von und sei als festgelegt).
  2. Zeige, dass das kleinste gemeinsame Vielfache eine kommutative und assoziative Verknüpfung ist, die ein neutrales Element besitzt (das kleinste gemeinsame Vielfache von und sei als festgelegt).
  3. Zeige, dass mit diesen Verknüpfungen (mit dem GgT als Addition) ein kommutativer Halbring vorliegt.


Lösung

  1. Die Kommutativität ist klar. Die ist das neutrale Element, da stets

    da ja jede Zahl die teilt und somit der größte Teiler von entscheidend ist, und bei der Wert des GgT nach Definition ist. Zum Nachweis der Assoziativität ist

    zu zeigen. Wenn eine der beteiligten Zahlen ist, so kommt links und rechts das gleiche heraus. Wir können also annehmen, dass alle Zahlen ungleich sind. Wenn die Zahlen durch ihre Primfaktorzerlegung gegeben sind, so ist der größte gemeinsame Teiler durch das Minimum der Exponenten gegeben. Da sich das Minimum assoziativ verhält, gilt auch für den GgT die Assoziativität.

  2. Die Kommutativität ist klar. Die ist das neutrale Element, da stets

    da ja jede Zahl ein Vielfaches der ist. Zum Nachweis der Assoziativität ist

    zu zeigen. Wenn eine der beteiligten Zahlen ist, so kommt links und rechts heraus, da das einzige Vielfache der ist. Wir können also annehmen, dass alle Zahlen ungleich sind. Wenn die Zahlen durch ihre Primfaktorzerlegung gegeben sind, so ist das kleinste gemeinsame Vielfache durch das Maximum der Exponenten gegeben. Da sich das Maximum assoziativ verhält, gilt auch für das KgV die Assoziativität.

  3. Es ist

    zu zeigen. Bei steht beidseitig , da das KgV der mit einer beliebigen Zahl stets ist. Bei (analog ) ergibt sich beidseitig . Wir können also annehmen, dass alle Zahlen ungleich sind. Da sowohl das GgT als auch das KgV aus der Primfaktorzerlegung ablesbar sind, können wir uns auf einen einzigen Primfaktor beschränken. Sei

    und

    Dann ist

    zu zeigen. Da die Aussage symmetrisch in und ist, können wir

    annehmen. Dann steht links das Maximum von und und rechts ist jedenfalls

    sodass das Minimum davon ebenfalls das Maximum von und ist.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei eine Gruppe. Betrachte die Relation auf , die durch

erklärt ist. Zeige, dass eine Äquivalenzrelation ist.


Lösung

Die Relation ist offenbar reflexiv. Zum Nachweis der Symmetrie sei . Im Fall ist natürlich auch und somit . Im Fall

ergibt sich durch Invertieren der Gleichung

also ebenfalls . Zum Nachweis der Transitivität sei und . Hier gibt es insgesamt vier Fälle. Bei und ist natürlich . Bei und ist , also . Bei und ist , also wieder . Bei und ist

also .


Aufgabe (3 (2+1) Punkte)

Es sei eine endliche Gruppe mit Elementen, wir betrachten die Verknüpfungsabbildung

  1. Bestimme das Faseranzahltupel von .
  2. Sind die Verknüpfungsabbildungen zu zwei endlichen Gruppen mit der gleichen Anzahl isomorph?


Lösung

  1. Zu jedem    besteht die Faser über zur Verknüpfungsabbildung aus den Elementen . Das sind also Elemente und deshalb ist das Faseranzahltupel gleich .
  2. Dies folgt unmittelbar aus (1) und Satz 15.5 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)).


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Satz über die explizite Lösung einer Matrixrekursion im diagonalisierbaren Fall.


Lösung

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über , der Fall    ist die Startsituation. Der Induktionsschritt ergibt sich direkt aus


Aufgabe (5 (1+2+1+1) Punkte)

Es sei eine endliche Menge mit Elementen und sei  .  Es sei    die Menge aller -elementigen Teilmengen von . Zu dieser Knotenmenge machen wir einen Graphen, indem wir zwei solche Teilmengen miteinander durch eine Kante verbinden, wenn die Teilmengen einen nichtleeren Durchschnitt besitzen.

  1. Bestimme die Anzahl von .
  2. Bestimme den Grad von in jedem Punkt.
  3. Bestimme die Anzahl der Kanten in diesem Graphen.
  4. Zeige, dass der Graph regulär ist.


Lösung

  1. Das ist einfach .
  2. Es sei eine -elementige Teilmenge    fixiert. Diese ist genau dann mit einer weiteren -elementigen Teilmenge    nicht durch eine Kante verbunden, wenn    ist. Davon gibt es Stück. Somit ist mit

    Knotenpunkten durch eine Kante verbunden, und dies ist der Grad.

  3. Die Anzahl der Kanten ist nach Lemma 18.16 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) gleich
  4. Dies folgt unmittelbar aus Teil (2).


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass es in einem Graphen    mit    stets zwei Punkte gibt, deren Grad übereinstimmt.


Lösung

Es sei

wir betrachten die Gradabbildung

Der Zielbereich ist dabei richtig gewählt, da ja jeder Punkt höchstens mit jedem anderen Punkt in Verbindung steht. Wir machen eine Fallunterscheidung.

Fall 1. Im Graphen gibt es einen isolierten Punkt. Dann kommt der Wert in der Gradabbildung nicht vor, jeder Punkt ist höchstens mit Punkten verbunden. Dann kann man die Zielmenge durch ersetzen, die Elemente besitzt, und die Aussage folgt aus dem Schubfachprinzip.

Fall 2. Im Graphen gibt es keinen isolierten Punkt. Dann kann man die Zielmenge durch ersetzen, die wieder Elemente besitzt, und die Aussage folgt aus dem Schubfachprinzip.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme für einen linearen Graphen mit Knotenpunkten den Radius und den Durchmesser.


Lösung

Sei der lineare Graph gegeben als

Dann ist die Exzentrizität eines Knotens gegeben durch

also ist der Radius gegeben als

und der Durchmesser ist


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Satz über Blätter an einem Baum.


Lösung

Wir betrachten die Menge aller Wege ohne Kantenwiederholungen. Da es in keine Kreise gibt, gibt es in einem solchen Weg auch keine Knotenwiederholung. Somit haben alle diese Wege eine (durch ) beschränkte Länge. Wir betrachten einen Weg, der unter diesen Wegen in maximale Länge besitzt. Dann sind die Endpunkte Blätter, da man andernfalls den Weg verlängern könnte.


Aufgabe (2 (1+1) Punkte)

Es seien    und    Graphen mit der disjunkten Vereinigung  

  1. In welcher Beziehung steht die Adjazenzmatrix zu zu den Adjazenzmatrizen und zu und ?
  2. In welcher Beziehung steht das charakteristische Polynom zu zu den charakteristischen Polynomen zu und ?


Lösung

  1. Die Adjazenzmatrix ist die Blockmatrix aus den Blöcken und , die in der Diagonalen stehen, ergänzt um Nullblöcke.
  2. Das charakteristische Polynom zu ist aufgrund von Teil (1) das Produkt der beiden charakteristischen Polynome.