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Kurs:Diskrete Mathematik/8/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Punkte 3 3 5 8 6 2 1 7 6 6 1 3 5 1 7 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein inverses Element zu einem Element bezüglich einer Verknüpfung

    mit einem neutralen Element .

  2. Eine lineare (oder totale) Ordnung auf einer Menge .
  3. Ein distributiver Verband .
  4. Ein ungerichteter Graph auf einer Menge .
  5. Eine Basis in einem Matroid .
  6. Ein alternierender Weg bezüglich einer Paarung eines Graphen  


Lösung

  1. Zu heißt inverses Element, wenn die Gleichheit

    gilt.

  2. Eine Ordnungsrelation auf heißt lineare Ordnung, wenn zu je zwei Elementen die Beziehung oder gilt.
  3. Ein Verband heißt distributiv, wenn in ihm die Distributivgesetze

    und

    gelten.

  4. Ein ungerichteter Graph auf ist eine Auswahl an zweielementigen Teilmengen von .
  5. Eine Basis ist eine maximale Menge in .
  6. Man nennt einen Weg in alternierend bezüglich der gegebenen Paarung, wenn er abwechselnd Kanten aus und aus besitzt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Anzahl von Abbildungen zwischen endlichen Mengen.
  2. Der Satz über die Nichtnullteilereigenschaft in einem Körper .
  3. Der Charakterisierungssatz für eulersche Graphen.


Lösung

  1. Es seien und endliche Mengen mit bzw. Elementen. Dann gibt es Abbildungen von nach .
  2. Aus mit folgt oder .
  3. Für einen zusammenhängenden Graphen    sind folgende Aussagen äquivalent.
    1. ist eulersch.
    2. Jeder Knotenpunkt von hat einen geraden Grad.
    3. ist die Vereinigung von kantendisjunkten Kreisen (wobei ein einzelner Punkt hier als Kreis gelte).


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei eine Menge, die als disjunkte Vereinigung

gegeben ist. Definiere eine Bijektion zwischen der Potenzmenge und der Produktmenge .


Lösung

Wir betrachten die Abbildungen

und

und behaupten, dass diese beiden Abbildungen zueinander invers sind. Die Verknüpfung sendet insgesamt eine Teilmenge auf

Die Inklusion

ist dabei klar. Wenn umgekehrt liegt, so ist aufgrund der Voraussetzung oder und damit ist auch . Daher ist die Identität.

Die Verknüpfung sendet insgesamt ein Paar bestehend aus Teilmengen und auf

Wir behaupten

(und entsprechend für die zweite Komponente). Dabei ist die Inklusion klar. Wenn umgekehrt ist, so ist und . Wegen und der Disjunktheit von und kann nicht zu gehören, also ist . Daher ist auch die Identität.


Aufgabe (8 (1+1+1+3+2) Punkte)

Zur großen Pause fährt der Eiswagen „Largo Maggiore“ auf den Pausenhof. Eisverkäufer Lorenzo di Napoli bietet Eissorten an. Lucy Sonnenschein hat heute Lust auf ein Eis mit drei Kugeln, die in der Eistüte übereinander gestapelt werden.

  1. Wie viele Möglichkeiten gibt es für diesen Eiskauf, wenn Lucy drei verschiedene Sorten möchte und die Schleckreihenfolge mitberücksichtigt wird?
  2. Wie viele Möglichkeiten gibt es für diesen Eiskauf, wenn Lucy drei verschiedene Sorten möchte und die Schleckreihenfolge nicht mitberücksichtigt wird?
  3. Wie viele Möglichkeiten gibt es für diesen Eiskauf, wenn Sorten mehrfach auftreten dürfen und die Schleckreihenfolge mitberücksichtigt wird?
  4. Wie viele Möglichkeiten gibt es für diesen Eiskauf, wenn Sorten mehrfach auftreten dürfen und die Schleckreihenfolge nicht mitberücksichtigt wird?
  5. Wie kann man mit den Schritten mit denen man (4) beantwortet hat die Antworten zu (1) und zu (3) herleiten?


Lösung

  1. Es gibt Möglichkeiten, da es für die erste Kugel , für die nächste , da diese von einer anderen Sorte als die erste sein muss, und für die dritte Möglichkeiten.
  2. Es geht um die Anzahl der dreielementigen Teilmengen aus der zehnelementigen Eissortenmenge, also gibt es

    Möglichkeiten.

  3. Für jede Kugel gibt es zehn Möglichkeiten, die Gesamtzahl ist also
  4. Wenn sie drei verschiedene Kugeln kauft, so sind das, wie unter (2) berechnet, Möglichkeiten. Wenn sie zwei verschiedene Kugeln kauft, so gibt es für die Auswahl der Sorten

    Möglichkeiten. Sodann muss man dabei aber noch festlegen, welche Sorte einmal und welche zweimal genommen wird. Daher gibt es hier Möglichkeiten. Wenn sie von einer Sorte drei Kugeln kauft, so gibt es dafür Möglichkeiten. Insgesamt gibt es also

    Möglichkeiten.

  5. Für die Möglichkeiten aus dem ersten Typ von (4) gibt es jeweils sechs Möglichkeiten, in welcher Reihenfolge sie aufgetürmt werden können, das macht die aus Teil (1). Für die Möglichkeiten aus dem zweiten Typ von (4) gibt es jeweils drei Möglichkeiten, in welcher Reihenfolge sie aufgetürmt werden können (an welcher Stelle kommen die einzelnen Kugeln?), das macht Möglichkeiten. Für den dritten Typ aus (4) ist die Reihenfolge unerheblich, es bleibt also bei den Möglichkeiten. Insgesamt ergeben sich so gerechnet

    was dem Ergebnis aus Teil (3) entspricht.


Aufgabe (6 (1+1+4) Punkte)

  1. Skizziere vier Geraden im Raum mit der Eigenschaft, dass es insgesamt zwei Schnittpunkte gibt.
  2. Skizziere vier Geraden in der Ebene mit der Eigenschaft, dass es insgesamt drei Schnittpunkte gibt.
  3. Zeige, dass es in der Ebene nicht vier Geraden geben kann, die insgesamt zwei Schnittpunkte besitzen.


Lösung

  1. Es sei angenommen, dass es eine solche Geradenkonfiguration gibt. Wir behandeln die beiden Fälle, dass die beiden Schnittpunkte auf einer der Geraden liegen oder nicht. Im ersten Fall müssen die Geraden, die mit die Schnittpunkte definieren, zueinander parallel sein. Die vierte Gerade kann weder zu noch zu den beiden anderen Geraden parallel sein, sonst würde es neue Schnittpunkte geben. Damit schneidet die vierte Gerade die ersten drei Geraden, und dabei kann zwar ein Schnittpunkt mit den beiden Schnittpunkten zusammenfallen, aber nicht mit beiden. Im zweiten Fall gibt es zwei Geradenpaare, die jeweils die beiden Schnittpunkte definieren. Doch dann trifft jede Gerade zumindest eine Gerade des anderen Geradenpaares in einem neuen Schnittpunkt, da sie nicht zu beiden parallel sein kann und nicht durch deren Schnittpunkt verläuft (sonst wären wir im ersten Fall).


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise den Satz über das inverse Element in einer Gruppe .


Lösung

Es sei

und

Dann ist


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme die Primfaktorzerlegung von


Lösung

Es ist


Aufgabe (7 Punkte)

Es stehen zwei Eimer ohne Markierungen zur Verfügung, ferner eine Wasserquelle. Der eine Eimer hat ein Fassungsvermögen von und der andere ein Fassungsvermögen von Litern, wobei und teilerfremd seien. Zeige, dass man allein durch Auffüllungen, Ausleerungen und Umschüttungen erreichen kann, dass in einem Eimer genau ein Liter Wasser enthalten ist.


Lösung

Ohne Einschränkung sei  .  Wir bezeichnen die Inhalte in den Eimern zu einem bestimmten Zeitpunkt in Paarschreibweise mit , wobei zwischen und und zwischen und liegt. Es sei der Rest von bei Division durch . Wir behaupten, dass wenn man die Belegung durch die erlaubten Schritte erzielen kann, dass man dann auch erzielen kann, wobei den Rest von modulo bezeichnet. Wir starten also mit

Durch Umschüttung kann man

erreichen. Durch Auffüllen des kleinen Eimers und anschließende Umfüllung in den großen kann man

erreichen, und ebenso der Reihe nach

wobei so gewählt sei, dass

und

sei. Von hier aus erreichen wir

Wir füllen nun den Inhalt des ersten Eimers in den zweiten, bis dieser voll ist. Es sei die umgefüllte Menge. Diese erfüllt

Die im ersten Eimer verbleibende Wassermenge ist somit

Diese Menge ist also der Rest von    modulo , wie behauptet.

Aufgrund von dieser Beobachtung können wir der Reihe nach folgende Belegungen erzielen (bzw. die Reste davon modulo a).

Da teilerfremd zu ist, gibt es nach dem Lemma von Bézout positive ganze Zahlen mit

(Falls negativ sind, betrachtet man einfach für ein ausreichend großes ).

Somit ist modulo

sodass bei Division durch für ein gewisses der Rest von gleich ist.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz über die atomare Darstellung in einem booleschen Verband.


Lösung

Jedes Element    ist nur größergleich endlich vielen Atomen, wir führen zum Nachweis der Existenz Induktion über diese Anzahl. Bei    nimmt man die leere Vereinigung. Ein Atom wird durch sich selbst dargestellt. Es sei    ein beliebiges Element. Nach Lemma 9.20 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026))  (3) gibt es ein Atom  .  Wir betrachten

Wegen

liegt nicht unterhalb von . Somit liegen unterhalb von weniger Atome als unterhalb von und nach Induktionsvoraussetzung gibt es eine Darstellung

und damit

Zur Eindeutigkeit. Sei

Nehmen wir an, dass nicht in der ersten Darstellung vorkommt. Dann ist

nach Lemma 9.20 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026))  (2). Wenn man aber auf die rechte Seite anwendet, so ergibt sich , ein Widerspruch. Also kommen links und rechts die gleichen Atome vor.


Aufgabe (6 (3+2+1) Punkte)

Es sei eine Ordnungsrelation auf einer Menge und eine Ordnungsrelation auf einer Menge , die zueinander mittels der beiden bijektiven Abbildungen

isomorph seien. Es gilt also (in ) genau dann, wenn (in ) gilt.

  1. Zeige, dass ordnungstreu ist.
  2. Zeige, dass ordnungsvolltreu ist.
  3. Zeige, dass und zueinander konjugiert-isomorph sind.


Lösung

  1. Es sei  .  Da bijektiv ist, gibt es ein    mit  .  Insbesondere gilt

    und daher gilt auch  .  Aufgrund der Transitivität von gilt    und daher

  2. Es seien    mit    gegeben. Aus    folgt    und somit haben wir aufgrund der Transitivität von auch  ,  was    bedeutet.
  3. Dies folgt unmittelbar aus (1) und (2), da eine bijektive ordnungsvolltreue Abbildung ist.


Aufgabe (1 Punkt)

Es sei der lineare Graph mit Knoten. Skizziere für die möglichen Wurzeln den Graphen derart, dass die Wurzel oben platziert ist und dass der Abstand eines Punktes zur Wurzel direkt über die Höhe der Platzierung erkennbar ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Es sei ein zusammenhängender Graph mit Durchmesser .

  1. Zeige, dass es in einen Unterbaum gibt, dessen Durchmesser ebenfalls ist.
  2. Zeige, dass in jeder aufspannende Baum einen Durchmesser besitzt.
  3. Man gebe ein Beispiel für einen zusammenhängenden Graphen derart, dass jeder aufspannende Baum einen Durchmesser besitzt.


Lösung

  1. Es sei

    ein verbindender Weg zwischen und ohne (Knoten)-Wiederholung, der den Durchmesser von realisiert. Der entsprechende lineare Graph ist direkt ein Baum mit Durchmesser .

  2. Beim Übergang zu einem (zusammenhängenden) Untergraphen kann sich der Abstand zwischen zwei Punkten allenfalls erhöhen, da ja Kanten herausgenommen werden. Dies überträgt sich auf den Durchmesser.
  3. Wir betrachten den vollständigen Graphen mit Knotenpunkten. Sein Durchmesser ist . Die aufspannenden Bäume sind lineare Graphen der Länge mit Durchmesser .


Aufgabe (5 (3+2) Punkte)

Es sei ein Graph mit Knotenpunkten.

  1. Zeige, dass das charakteristische Polynom die Form

    besitzt.

  2. Zeige, dass die Summe der Eigenwerte der Adjazenzmatrix (mit ihren algebraischen Vielfachheiten gezählt) gleich ist.


Lösung

  1. Da die Adjazenzmatrix in der Hauptdiagonalen nur Nullen hat, ist das charakteristische Polynom gleich der Determinante der -Matrix

    wobei die gleich oder gleich sind. Nach dem Entwicklungssatz kommt der Faktor vor. Die anderen Summanden ergeben sich durch Multipikation von mit der Streichungsmatrix. In deren Determinante kommt höchstens die -te Potenz von vor. Deshalb ist der Koeffizient vor gleich .

  2. Es sei

    die Faktorzerlegung des charakteristischen Polynoms, wobei die die Eigenwerte (mit Wiederholungen) sind. Wenn man dies ausmultipliziert, so ergibt sich

    Nach Teil (1) muss also die Summe der Eigenwerte gleich sein.


Aufgabe (1 Punkt)

Skizziere einen Graphen, der nicht bipartit ist und in dem es keinen Kreis der Länge gibt.


Lösung


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise die eulersche Polyederformel.


Lösung

Wir führen Induktion über die Anzahl der Gebiete. Bei    liegt ein Baum vor und nach Satz 20.22 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) ist

Es sei die Aussage nun für einen jeden planaren Graphen mit Gebieten bewiesen und sei ein zusammenhängender planarer Graph mit Gebieten. Es ist dann kein Baum und besitzt daher einen Zyklus und damit auch einen Kreis, sagen wir  .  Bei der Herausnahme der Kante bleibt der Graph zusammenhängend und planar. Die Anzahl der Knoten bleibt gleich, die Anzahl der Kanten reduziert sich um und die beiden durch die Kante begrenzten Gebiete werden zu einem Gebiet vereinigt, die anderen Gebiete ändern sich nicht. Insgesamt reduziert sich also die Anzahl der Gebiete um . Da die Anzahl der Kanten und der Gebiete mit unterschiedlichem Vorzeichen in die Wechselsumme eingeht, ändert sich diese bei Herausnahme der Kante nicht. Nach Induktionsvoraussetzung ist die Wechselsumme des reduzierten Graphen gleich , deshalb ist die Wechselsumme von ebenfalls gleich .