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Reelle Zahlen/Anordnungsaxiome/Archimedes/Intervalle/Einführung/2/Textabschnitt

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Ein Körper heißt angeordneter Körper, wenn es zwischen den Elementen von eine Beziehung („größer als“) gibt, die die folgenden Eigenschaften erfüllt (   bedeutet    oder   ).

  1. Für je zwei Elemente    gilt entweder    oder    oder  
  2. Aus    und    folgt    (für beliebige ).
  3. Aus    folgt    (für beliebige ).
  4. Aus    und    folgt    (für beliebige ).

Die rationalen Zahlen als auch die reellen Zahlen bilden mit den natürlichen Vergleichsordnungen einen angeordneten Körper. Im Zahlenstrahl bedeutet

dass mindestens so weit rechts wie liegt. Die ersten beiden Eigenschaften drücken aus, dass auf eine totale (oder lineare) Ordnung vorliegt; die in (2) beschriebene Eigenschaft heißt Transitivität.

Statt    schreibt man auch    („kleiner als“) und statt    schreibt man auch  .  Ein Element    in einem angeordneten Körper nennt man positiv, wenn    ist, und negativ, wenn    ist. Die ist demnach weder positiv noch negativ, und jedes Element ist entweder positiv oder negativ oder gleich . Die Elemente  mit nennt man dann einfach nichtnegativ und die Elemente  mit nichtpositiv.



In einem angeordneten Körper gelten die folgenden Eigenschaften.

  1.  
  2. Es ist    genau dann, wenn    ist.
  3. Es ist    genau dann, wenn    ist.
  4. Es ist    genau dann, wenn    ist.
  5. Aus    und    folgt  
  6. Aus    und    folgt  
  7. Aus    und    folgt  
  8. Aus    und    folgt  
  9. Aus    und    folgt  
  10. Aus    und    folgt  

Beweis

Siehe Aufgabe.



In einem angeordneten Körper gelten die folgenden Eigenschaften.

  1. Aus    folgt auch  
  2. Aus    folgt auch  
  3. Für    ist    genau dann, wenn    ist.
  4. Aus    folgt  
  5. Für positive Elemente ist    äquivalent zu  


Wir besprechen nun eine weitere Anordungseigenschaft der reellen Zahlen, das sogenannte Archimedes-Axiom. Um dieses formulieren zu können, müssen wir uns zunächst klar machen, dass in jedem Körper jede natürliche Zahl eine sinnvolle und eindeutige Interpretation hat. Dies ist nicht selbstverständlich, da ja in der Axiomatik eines Körpers zwar eine und eine vorkommt, aber keine . Wir legen daher einfach über die Addition im Körper die Bedeutung dieser Zahlen fest, also

 ,  u.s.w. Dabei kann passieren, dass eine positive natürliche Zahl in einem Körper gleich ist, im Körper mit zwei Elementen ist beispielsweise    und  .  Eine negative ganze Zahlen kann man in jedem Körper als das Negative (im Körper) von interpretieren. Bei einem angeordneten Körper ist aber die natürliche Abbildung injektiv. Damit können wir das noch ausstehende Axiom formulieren.


Es sei ein angeordneter Körper. Dann heißt archimedisch angeordnet, wenn das folgende Archimedische Axiom gilt, d.h. wenn es zu jedem    eine natürliche Zahl mit

gibt.

Die reellen Zahlen (ebenso die rationalen Zahlen) erfüllen das Archimedische Axiom, sie bilden also einen archimedisch angeordneten Körper. Die folgenden Folgerungen aus dem Archimedes-Axiom gelten also für die reellen Zahlen. Wir werden sie direkt nur für die reellen Zahlen selbst formulieren, da man sogar jeden archimedisch angeordneten Körper als Unterkörper der reellen Zahlen erhalten kann. In Aufgabe wird ein angeordneter Körper beschrieben, der nicht archimedisch angeordnet ist. Aufgrund von Aufgabe enthält ein angeordneter Körper nicht nur die ganzen Zahlen, sondern auch die rationalen Zahlen.



  1. Zu    mit    gibt es ein    mit  
  2. Zu    gibt es eine natürliche Zahl mit  
  3. Zu zwei reellen Zahlen    gibt es auch eine rationale Zahl (mit , ) mit

(1). Wir betrachten . Aufgrund des Archimedes-Axioms gibt es ein mit  .  Da positiv ist, gilt nach Fakt  (6) auch  .  Für (2) und (3) siehe Aufgabe.



Für reelle Zahlen , , nennt man

    •   

    das abgeschlossene Intervall.

    •   

    das offene Intervall.

    •   

    das linksseitig offene Intervall.

    •   

    das rechtsseitig offene Intervall.

    Für das offene Intervall wird häufig auch geschrieben. Die Zahlen und heißen die Grenzen des Intervalls (oder Randpunkte des Intervalls), genauer spricht man von unterer und oberer Grenze. Die Bezeichnung linksseitig und rechtsseitig bei den beiden letzten Intervallen (die man auch als halboffen bezeichnet) rühren von der üblichen Repräsentierung der reellen Zahlen als Zahlengerade her, bei der rechts die positiven Zahlen stehen. Manchmal werden auch Schreibweisen wie verwendet. Dies bedeutet nicht, dass es in ein Element gibt, sondern ist lediglich eine kurze Schreibweise für . Ferner verwendet man Schreibweisen wie

    oder Ähnliches.