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Kongruente geordnete Dreiecke/Sukzessive Berechnung der Fixringe/Textabschnitt

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Wir betrachten die Menge der Dreiecke, aufgefasst mit der Operation der Kongruenzabbildungen, siehe Beispiel. Die Vektoren  v2  fasst man als Verschiebungen Tv und damit als Kongruenzabbildungen auf. Mit einer beliebigen Kongruenz φ besteht die Beziehung  φTv=Tφ(v)φ.  Daher bilden die Verschiebungen einen Normalteiler in der Kongruenzgruppe G (der uneigentlichen affinen Isometriegruppe). Nach Fakt kann man den Invariantenring [X1,Y1,X2,Y2,X3,Y3]G sukzessive berechnen. Unter der Untergruppe V der Verschiebungen ist der Invariantenring offenbar gleich

[X1,Y1,X2,Y2,X3,Y3]V=[X1X3,Y1Y3,X2X3,Y2Y3].

Dieser Übergang entspricht geometrisch der Verschiebung des dritten Eckpunktes in den Nullpunkt. Die Operation der Restklassengruppe, die ja die uneigentliche Drehgruppe O2() ist, auf diesem Polynomring in vier Variablen (die wir jetzt U1,V1,U2,V2 nennen) rührt von der natürlichen (und linearen) Operation der uneigentlichen Drehgruppe auf dem 2 her. Die Determinante induziert einen surjektiven Gruppenhomomorphismus

O2(){1,1},

deren Kern die eigentliche Drehgruppe SO2() ist (das Urbild von 1 bilden die Drehspiegelungen). Daher gibt es nach Fakt  (3) eine natürliche Operation der Gruppe /(2) auf

[U1,V1,U2,V2]SO2(),

und man sollte zuerst diesen Invariantenring ausrechnen. Aufgrund der geometrischen Interpretation (die drei Quadrate der Längen des Dreiecks, das Skalarprodukt der Seiten am Nullpunkt, der orientierte Flächeninhalt) müssen

U12+V12,U22+V22,(U1U2)2+(V1V2)2,U1U2+V1V2,U1V2U2V1

invariante Polynome sein, was man auch direkt durch Rechnungen bestätigen kann. Das Skalarprodukt ist dabei unmittelbar (dies ist ein Spezialfall der Polarisationsformel) mit den ersten drei Längenquadraten polynomial ausdrückbar. Da die drei Längen zwar die unorientierte Kongruenzklasse des Dreiecks bestimmen, es zu einem (nicht entarteten) Längentripel aber zwei entgegengesetzt orientierte Dreiecke gibt, muss es ein weiteres SO2()-invariantes Polynom geben, das aber nicht O2()-invariant ist, sondern Orientierungswechsel respektiert. Die Orientierung ist am fünften Polynom, der Determinante, ablesbar. Die drei Längenquadrate und die Determinante bestimmen die orientierte Kongruenzklasse des Dreiecks eindeutig, somit repräsentieren diese vier Funktionen die Quotientenabbildung. Das Quadrat der Determinante kann man als Polynom in den Längenquadraten ausdrücken (beispielsweise ausgehend von der Heronschen Flächenformel).




Lemma  

Die Drehgruppe

SO2()={(cosαsinαsinαcosα)α[0,2π)}

operiere linear und simultan auf dem  4=2×2

Dann ist der Invariantenring der zugehörigen Operation auf dem Polynomring [U1,V1,U2,V2] gleich

[U1,V1,U2,V2]SO2()=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2,U1V2U2V1].

Dabei sind die ersten drei Erzeuger algebraisch unabhängig, und das Quadrat von U1V2U2V1 lässt sich durch die ersten drei Erzeuger ausdrücken.

Beweis  

Die Invarianz der angegebenen Polynome sowie ihre inhaltliche Bedeutung wurden schon in Beispiel bemerkt. Wir betrachten die Erweiterung

[U1,V1,U2,V2][U1,V1,U2,V2].

Die angegebene Operation der SO2() auf dem reellen Polynomring lässt sich direkt auf den komplexen Polynomring fortsetzen, da das Gruppenelement

σ=(cosαsinαsinαcosα)

durch UicosαUisinαVi etc. wirkt, und diese Ringhomomorphismen reell oder komplex aufgefasst werden können. Ein Polynom  F[U1,V1,U2,V2]  ist genau dann invariant, wenn es aufgefasst in [U1,V1,U2,V2] invariant ist. Wir führen neue komplexe Variablen ein, nämlich

W1=U1+iV1,Z1=U1iV1,W2=U2+iV2,Z2=U2iV2.

Es bestehen die Beziehung

W1Z1=(U1+iV1)(U1iV1)=U12+V12,
W2Z2=(U2+V2)(U2iV2)=U22+V22,
W1Z2=(U1+iV1)(U2iV2)=U1U2+V1V2i(U1V2U2V1)

und

W2Z1=(U2+iV2)(U1iV1)=U1U2+V1V2+i(U1V2U2V1).

Die beiden letzten Gleichungen zeigen, dass sich umgekehrt auch U1U2+V1V2 und U1V2U2V1 durch W1Z2 und W2Z1 ausdrücken lassen. Die beiden Systeme erzeugen also die gleiche -Unteralgebra von

[U1,V1,U2,V2][W1,Z1,W2,Z2].

Wir schreiben die Elemente der operierenden Gruppe als

σ=(cosαsinαsinαcosα)=cosα+isinα,

wobei wir die Drehgruppe mit den komplexen Zahlen vom Betrag 1 (zusammen mit der komplexen Multiplikation) identifizieren. Die Operation wird dann zu ( bezeichne die aus dem Reellen fortgesetzte Operation und die komplexe Multiplikation)

W1σ=(U1+iV1)σ=(cosα)U1(sinα)V1+i((sinα)U1+(cosα)V1)=(U1+iV1)(cosα+isinα)=W1σ

(ebenso für W2) und

Z1σ=(U1iV1)σ=(cosα)U1(sinα)V1i((sinα)U1+(cosα)V1)=(U1iV1)(cosαisinα)=Z1σ1

(ebenso für Z2). Wir betrachten auf [W1,Z1,W2,Z2] die -Graduierung, bei der W1,W2 den Grad 1 und Z1,Z2 den Grad 1 bekommen. Die Operation der Gruppe ist homogen bezüglich dieser Graduierung. Daher ist der Invariantenring ein graduierter Unterring. Auf der d-ten Stufe des Ringes ist die Operation für  tS1×  durch HtdH gegeben. Für  d=0  ist dies die Identität, sodass die 0-te Stufe invariant ist. Für  d0  gibt es  tS1  mit  td1,  sodass es außer 0 keine weiteren invarianten Polynome in der d-ten Stufe gibt. Der Invariantenring ist also die 0-te Stufe. Diese besteht aus Linearkombinationen von Monomen der 0-ten Stufe, und ein Monom vom nullten Grad muss ein Produkt der Elemente WiZj sein. Der Invariantenring ist also

[W1,Z1,W2,Z2]SO2()=[W1Z1,W1Z2,W2Z1,W2Z2]=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2,U1V2U2V1].

Wir kehren zur reellen Situation zurück. Es sei  F[U1,V1,U2,V2]  ein invariantes Polynom. Dann gibt es ein komplexes Polynom P in vier Variablen mit

F=P(U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2,U1V2U2V1).

Mit Hilfe der komplexen Konjugation sieht man, dass es auch ein reelles Polynom mit dieser Eigenschaft geben muss. Daher gilt für den reellen Invariantenring

[U1,V1,U2,V2]SO2()=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2,U1V2U2V1].

Für den Zusatz siehe Aufgabe.




Satz  

Die orthogonale Gruppe O2() (der Drehungen und der Drehspiegelungen) operiere linear und simultan auf dem

4=2×2.

Dann ist der Invariantenring der zugehörigen Operation auf dem Polynomring [U1,V1,U2,V2] gleich

[U1,V1,U2,V2]O2()=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2].

Die drei Erzeuger sind dabei algebraisch unabhängig.

Jede polynomiale Invariante eines (nummerierten) Dreieckes lässt sich polynomial in den drei Seitenquadraten ausdrücken.

Beweis  

Wie in Beispiel erwähnt, gibt es eine kurze exakte Sequenz

1SO2()O2(){1,1}1.

Wir können daher aufgrund von Fakt den Invariantenring

[U1,V1,U2,V2]O2()

aus dem Invariantenring zu

[U1,V1,U2,V2]SO2()

ausrechnen, der in Fakt zu

B=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2,U1V2U2V1]

bestimmt wurde. Das nichttriviale Element der Restklassengruppe {1,1} wirkt auf B durch einen beliebigen Repräsentanten, beispielsweise durch die Spiegelung (1001). Der zugehörige Ringautomorphismus lässt U1,U2 unverändert und schickt V1,V2 auf ihr Negatives. Unter dieser Abbildung sind die drei vorderen Erzeuger invariant und der hintere Erzeuger wird auf sein Negatives abgebildet. Da das Quadrat des vierten Erzeugers zu  A=[U12+V12,U22+V22,U1U2+V1V2]  gehört, liegt eine Operation auf einem Ring der Form A[X]/(X2a) durch XX vor. In einem solchen Fall ist A der Invariantenring.