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Kurs:Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2016-2017)/Teil I/Vorlesung 16/kontrolle

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Schriftliches Multiplizieren

Die Grundidee für das schriftliche Multiplizieren liegt im allgemeinen Distributivgesetz. Für zwei natürliche Zahlen der Form

m=a0+a110+a2102++ak10k und n=b0+b110+b2102++b10

ist

mn=(a0+a110+a2102++ak10k)(b0+b110+b2102++b10)=0ik,0jaibj10i10j=0ik,0jaibj10i+j=s=0k+(i=0kaibsi)10s.

Hierbei ist im Allgemeinen der Vorfaktor i=0kaibsi nicht kleiner als 10, aus diesem Ausdruck ist also nicht unmittelbar die Ziffernentwicklung des Produktes ablesbar. In einer solchen Situation ist Bemerkung 14.5 anwendbar. Dies ist aber nicht das Verfahren zum schriftlichen Multiplizieren.


Beim schriftlichen Multiplizieren mn zweier natürlicher Zahlen, die im Dezimalsystem als

m=a0+a110+a2102++ak10k und n=b0+b110+b2102++b10

gegeben sind, geht man folgendermaßen vor.

  1. Man berechnet für jedes  j=0,1,,  einzeln die Dezimalziffern ci des Teilproduktes mbj und die Überträge di+1 (mit dem Startwert d0=0) sukzessive über die Gleichungen
    aibj+di=di+110+ci

    mit

    0ci9.
  2. Die zu den j (bzw. bj) gehörenden Ziffernfolgen schreibt man untereinander, wobei jeweils c0 unterhalb von bj steht.
  3. Man summiert die verschiedenen verschobenen Teilprodukte im Sinne des schriftlichen Addierens.

Das Ergebnis (im Dezimalsystem) dieser Addition ist die Ausgabe des Multiplikationsalgorithmus.

Das Problem, dass bei der distributiven Multiplikation von zwei natürlichen Zahlen im Dezimalsystem die Vorfaktoren zu groß sind, tritt schon dann auf, wenn die zweite Zahl  n=b0  einstellig ist (sogar wenn beide Zahlen einstellig sind; dies wird durch das kleine Einmaleins erledigt). Diesen Fall betrachten wir zuerst.


Lemma  Lemma 16.2 ändern

Das schriftliche Multiplizieren mit einem einstelligen zweiten Faktor im Zehnersystem ist korrekt.

Beweis  

Die linke Faktor sei

m=a0+a110+a2102++ak10k

und der rechte Faktor sei b0, wir haben also die schriftliche Multiplikation der Form

aka2a1a0b0

im Sinne von Verfahren 16.1 durchzuführen. Das Ergebnis ist die Zahl ck+1ckc2c1c0. Wir müssen zeigen, dass dies das wahre Produkt ist. Dies zeigen wir durch das folgende Invarianzprinzip des Multiplikationsalgorithmus, dass nämlich nach dem i-ten Schritt (i=1,0,1,,k+1) der Ausdruck

Pi=(ak10k++ai+110i+1)b0+di+110i+1+ci10i++c110+c0

konstant ist. Wegen

mb0=P1

und da für

i>k

das Produkt vollständig abgebaut ist, folgt daraus, dass die ci die Ziffern des Produktes sind. Die Konstanz ergibt sich unter Verwendung von

aib0+di=di+110+ci

aus (das beschreibt den i-ten Rechenschritt)

Pi1=(ak10k++ai10i)b0+di10i+ci110i1++c110+c0=(ak10k++ai+110i+1)b0+aib010i+di10i+ci110i1++c110+c0=(ak10k++ai+110i+1)b0+(aib0+di)10i+ci110i1++c110+c0=(ak10k++ai+110i+1)b0+(di+110+ci)10i+ci110i1++c110+c0=(ak10k++ai+110i+1)b0+di+110i+1+ci10i+ci110i1++c110+c0=Pi.


Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf die Überträge bei der Multiplikation mit einer einstelligen Zahl.


Lemma Lemma 16.3 ändern

Beim schriftlichen Multiplizieren mit einer einstelligen Zahl b

sind die Überträge stets <b.

Beweis


Der Übertrag b1 tritt in der Tat auf, wie die Multiplikation der 9 mit b zeigt.


Der Übertrag bei der Multiplikation mit einer einstelligen Zahl b wirkt sich im Allgemeinen auf jede Ziffer des Ergebnisses aus, d.h. Überträge setzen sich fort. Daher muss man die einzelnen Ziffern von hinten nach vorne mit b multiplizieren. Beispielsweise ist bei  b=3  und m=333333333 bzw. n=333333334 einerseits

3333333333=999999999

und andererseits

3333333343=1000000002.

Im Gegensatz zur Multiplikation mit der 3 ist die Multiplikation mit den beiden echten Teilern der 10, also mit 2 und 5, besonders einfach, da hier die Überträge nicht fortgesetzt werden können. Um die i-te Ziffer des Produktes einer Zahl m mit der 2 (oder der 5) auszurechnen, muss man nur die i-te und die (i1)-te Ziffer der Zahl m kennen.

Bemerkung   Bemerkung 16.5 ändern

Bei der Multiplikation mit  b=2  und mit  b=5  vereinfacht sich das in Verfahren 16.1 beschriebene Verfahren zur Multiplikation einer Zahl

m=i=0kai10i

mit einer einstelligen Zahl b. Gemäß diesem Verfahren sind die Berechnungen (Division mit Rest)

aib+di=di+110+ci

mit

0ci9

durchzuführen, wobei dadurch die ci und die di rekursiv mit dem Startwert  d0=0  festgelegt sind und wobei die ci die Ziffern des Ergebnisses beschreiben. Wir behaupten, dass man in den beiden Fällen stattdessen nur

aib=di+110+ri

berechnen muss und die Ergebnisziffern

ci=di+ri

erhält. Insbesondere hängt ci nur von ai und ai1 ab. Kurz gesagt: Die i-te Ziffer eines Produktes akaiai1a2a1a0 mit 2 (oder mit 5) ergibt sich, wenn man die zweistellige Zahl aiai1 mit 2 bzw. mit 5 multipliziert und von diesem Ergebnis die vordere Ziffer nimmt.

Zunächst sind nach Lemma 16.3 bei der Multiplikation mit einer jeden einstelligen Zahl b die Überträge echt kleiner als b. Bei  b=2  kommen also nur die Überträge 0 oder 1 in Frage. Somit stimmen die ganzzahligen Anteile bei der Division mit Rest von ai2+di bzw. ai2 durch 10 überein (wenn man zu einer geraden Zahl eine 1 addiert, ändert sich die Zehnerziffer nicht), die Beziehung  ci=ri+di  folgt direkt.

Bei  b=5  kommen nur die Überträge 0,1,2,3,4 in Frage. Somit stimmen die ganzzahligen Anteile bei der Division mit Rest von ai5+di bzw. ai5 durch 10 überein (wenn man zu einer durch 5 teilbaren Zahl eine Zahl 4 addiert, ändert sich die Zehnerziffer nicht). Die Beziehung  ci=ri+di  folgt wieder direkt.


Als nächstes Hilfsmittel betrachten wir die extreme Situation, wo der rechte Faktor eine Zehnerpotenz ist. Das Dezimalsystem verhält sich bei einer solchen Multiplikation besonders einfach.


Lemma  Lemma 16.6 ändern

Die Dezimaldarstellung eines Produktes aus einer im Dezimalsystem gegebenen natürlichen Zahl

m=akak1a2a1a0

und einer Zehnerpotenz 10 erhält man, indem man an diese Ziffernfolge Nullen anhängt.

Beweis  

Es ist

m10=(ak10k++a2102+a110+a0)10=ak10k+++a2102++a1101++a010=ak10k+++a2102++a1101++a010+0101++0101+0100,

woraus unmittelbar die Dezimaldarstellung des Produktes ablesbar ist.



Satz  Referenznummer erstellen

Das schriftliche Multiplizieren im Zehnersystem ist korrekt.

Beweis  

Die beiden Zahlen seien

m=a0+a110+a2102++ak10k und n=b0+b110+b2102++b10.

Beim schriftlichen Multiplizieren berechnet man unabhängig voneinander

aka2a1a0bj

für  j=0,1,,  und notiert das Ergebnis so, dass die Einerziffer unterhalb von bj steht. So entstehen +1 Zahlen, die versetzt übereinander stehen. Diese Zahlen werden nach hinten mit Nullen aufgefüllt (wobei man dies nur gedanklich machen muss). Die Summe dieser Zahlen im Sinne des schriftlichen Addierens ist das Endergebnis

mn=m(b10+b1101++b2102+b110+b0)=mb10+mb1101++mb2102+mb110+mb0.

Nach Lemma 16.2 werden die mbj im schriftlichen Multiplizieren korrekt ausgerechnet. Dadurch, dass die Einzelergebnisse unterhalb von bj stehen und nach hinten mit Nullen aufgefüllt werden, stehen im Algorithmus wegen Lemma 16.6 die Zahlen mbj10j korrekt übereinander, sodass das schriftliche Addieren nach Satz 15.5 das korrekte Ergebnis liefert.



Schriftliches Subtrahieren

Beim schriftlichen Subtrahieren mn zweier natürlicher Zahlen mit

mn,

die im Dezimalsystem als

m=a0+a110+a2102++ak10k und n=b0+b110+b2102++bk10k

gegeben sind, geht man folgendermaßen vor. Man berechnet die Dezimalziffern ci des Ergebnisses und die Überträge di+1 (mit dem Startwert d0=0) sukzessive durch

ci={ai(bi+di), falls aibi+di,ai+10(bi+di), falls ai<bi+di,

und

di+1={0, falls aibi+di,1, falls ai<bi+di.

Die Dezimaldarstellung der Differenz mn ist ckc2c1c0.



Satz  Referenznummer erstellen

Das schriftliche Subtrahieren von natürlichen Zahlen ist korrekt.

Beweis  

Es sei

m=a0+a110+a2102++ak10k und n=b0+b110+b2102++bk10k

und

mn.

Wir behaupten, dass für jedes  i=1,0,1,,k  der Ausdruck

Si=ak10k++ai+110i+1di+110i+1+bi10i++b110+b0+ci10i++c110+c0

konstant gleich m ist. Für

i=1

fehlen die b-, die c- und die d-Ausdrücke, sodass dies richtig ist. Wir betrachten den Übergang von Si1 nach Si, was dem i-ten Rechenschritt entspricht. Im Fall

aibi+di

ist  di+1=0,   aidi=bi+ci  und somit

Si1=ak10k++ai10idi10i+bi110i1++b110+b0+ci110i1++c110+c0=ak10k++ai+110i+1+(bi+ci)10i+bi110i1++b110+b0+ci110i1++c110+c0=ak10k++ai+110i+1di+110i+1+bi10i++b110+b0ci10i++c110+c0=Si.

Im Fall

ai<bi+di

ist  di+1=1,   ai=bi+ci+di10  und somit

Si1=ak10k++ai10idi10i+bi110i1++b110+b0+ci110i1++c110+c0=ak10k++ai+110i+1+(bi+ci+di10)10idi10i+bi110i1++b110+b0+ci110i1++c110+c0=ak10k++ai+110i+11010i+bi10i+bi110i1++b110+b0+ci10i+ci110i1++c110+c0=ak10k++ai+110i+1di+110i+1+bi10i+bi110i1++b110+b0+ci10i+ci110i1++c110+c0=Si.

Für  i=k  sind die a- und die d-Ausdrücke vollständig abgebaut (dk+1=0) und es bleiben die vollständigen b- und c-Ausdrücke übrig. Damit ist gezeigt, dass

m=bk10k++b110+b0+ck10k++c110+c0=n+ck10k++c110+c0

ist und somit ist ck10k++c110+c0 gleich der Differenz mn.


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