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Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 16

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Lineare Unabhängigkeit

Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Eine Familie , , heißt linear unabhängig, wenn für jede endliche Summe

mit    und    endlich gilt, dass alle  

Wenn eine Familie nicht linear unabhängig ist, so nennt man sie linear abhängig. Man nennt übrigens eine Linearkombination    eine Darstellung des Nullvektors. Sie heißt die triviale Darstellung, wenn alle Koeffizienten gleich sind, andernfalls, wenn also mindestens ein Koeffizient nicht ist, spricht man von einer nichttrivialen Darstellung der Null. Eine Familie von Vektoren ist genau dann linear unabhängig, wenn man mit ihnen nur auf die triviale Art den Nullvektor darstellen kann.


Dineare Unabhängigkeit einer beliebigen Familie wird also auf den endlichen Fall zurückgeführt. Man beachte, dass es in einem Modul keine unendlichen Summen gibt, ein Ausdruck wie    kann also von vornherein bei Untersuchungen zur linearen Unabhängigkeit keine Rolle spielen.


Die Standardvektoren im sind linear unabhängig. Eine Darstellung

bedeutet ja einfach

woraus sich aus der -ten Zeile direkt    ergibt.


Die Vektoren sind genau dann linear abhängig, wenn das homogene lineare Gleichungssystem

eine nichttriviale (d.h. von verschiedene) Lösung besitzt.




Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul,  .  Es sei , , eine Familie von Vektoren in . Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Wenn die Familie linear unabhängig ist, so ist auch zu jeder Teilmenge    die Familie  , , linear unabhängig.
  2. Die leere Familie ist linear unabhängig.
  3. Wenn die Familie den Nullvektor enthält, so ist sie nicht linear unabhängig.
  4. Wenn in der Familie ein Vektor mehrfach vorkommt, so ist sie nicht linear unabhängig.

Beweis

Siehe Aufgabe 16.1.



Es sei    ein kommutativer Ring. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Ein Element    ist genau dann linear unabhängig, wenn es ein Nichtnullteiler ist.
  2. Zwei Elemente    stets linear abhängig.
  1. Dies ist unmittelbar klar.
  2. Dies folgt bei    direkt aus



Es sei ein Körper, ein - Vektorraum und , , eine Familie von Vektoren in . Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Die Familie ist genau dann linear abhängig, wenn man einen Vektor darin als Linearkombination der anderen ausdrücken kann.
  2. Ein einzelner Vektor ist genau dann linear unabhängig, wenn    ist.
  3. Zwei Vektoren und sind genau dann linear unabhängig, wenn weder ein skalares Vielfaches von ist noch umgekehrt.

Beweis

Siehe Aufgabe 16.2.



Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Es sei die direkte Summe der Untermoduln , , und es sei in jedem eine Familie , von linear unabhängigen Vektoren gegeben.

Dann ist auch die Gesamtfamilie , , , linear unabhängig in .




Basen

Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Ein linear unabhängiges Erzeugendensystem heißt eine Basis (oder genauer: eine -Basis) von .


Die Standardvektoren im bilden eine Basis. Die lineare Unabhängigkeit wurde in Beispiel 16.2 gezeigt. Um zu zeigen, dass auch ein Erzeugendensystem vorliegt, sei

ein beliebiger Vektor. Dann ist aber direkt

Also liegt eine Basis vor, die man die Standardbasis des nennt.



Wir betrachten den - Untermodul  ,  der durch

gegeben ist. Eine Basis ist durch die Vektoren

gegeben. Diese Vektoren gehören offenbar zu . Die lineare Unabhängigkeit kann man in überprüfen. Aus einer Gleichung

folgt schrittweise  ,   ,  u.s.w. Dass ein Erzeugendensystem vorliegt, ergibt sich aus

wobei die Gültigkeit in der letzten Zeile auf der Bedingung

beruht.


Für die komplexen Zahlen bilden eine reelle Basis. Im Modul aller - Matrizen bilden diejenigen Matrizen, die an genau einer Stelle eine und sonst überall stehen haben, eine Basis, siehe Aufgabe 16.3.


Im Polynomring über einem kommutativen Ring sind die Potenzen , , eine Basis. Nach Definition kann man jedes Polynom

als Linearkombination der Potenzen schreiben. Ferner sind diese Potenzen linear unabhängig. Wenn nämlich

ist, so müssen alle Koeffizienten gleich sein (dies gehört zum Begriff eines Polynoms).




Es sei ein kommutativer Ring und ein - Modul. Es sei , , eine Familie von Elementen in . Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. Die Familie ist eine Basis von .
  2. Für jeden Vektor    gibt es genau eine Darstellung

    mit einer endlichen Teilmenge  


Es sei eine Basis    eines endlich erzeugten freien Moduls über gegeben. Aufgrund von Lemma 16.12 bedeutet dies, dass es für jeden Vektor    eine eindeutig bestimmte Darstellung (eine Linearkombination)

gibt. Die dabei eindeutig bestimmten Elemente    (Skalare) heißen die Koordinaten von bezüglich der gegebenen Basis. Bei einer gegebenen Basis entsprechen sich also die Vektoren und die Koordinatentupel  .  Man sagt, dass eine Basis ein lineares Koordinatensystem festlegt. Durch eine Basis hat man also insbesondere eine bijektive Abbildung

Die Umkehrabbildung

nennt man auch die Koordinatenabbildung.




Basen in einem Vektorraum

Der folgende Satz gibt eine wichtige Charakterisierung dafür, wann eine Basis in einem Vektorraum vorliegt.


Es sei ein Körper und ein - Vektorraum. Es sei    eine Familie von Vektoren. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. Die Familie ist eine Basis von .
  2. Die Familie ist ein minimales Erzeugendensystem, d.h. sobald man einen Vektor weglässt, liegt kein Erzeugendensystem mehr vor.
  3. Für jeden Vektor    gibt es genau eine Darstellung
  4. Die Familie ist maximal linear unabhängig, d.h. sobald man irgendeinen Vektor dazunimmt, ist die Familie nicht mehr linear unabhängig.

Wir führen einen Ringschluss durch. . Die Familie ist ein Erzeugendensystem. Nehmen wir einen Vektor, sagen wir , aus der Familie heraus. Wir müssen zeigen, dass dann die verbleibende Familie, also kein Erzeugendensystem mehr ist.  Wenn sie ein Erzeugendensystem wäre, so wäre insbesondere als Linearkombination der Vektoren darstellbar, d.h. man hätte

Dann ist aber

eine nichttriviale Darstellung der , im Widerspruch zur linearen Unabhängigkeit der Familie. . Nach Voraussetzung ist die Familie ein Erzeugendensystem, sodass sich jeder Vektor als Linearkombination darstellen lässt.  Angenommen, es gibt für ein    eine mehrfache Darstellung, d.h.

wobei mindestens ein Koeffizient verschieden sei. Ohne Einschränkung sei  .  Dann erhält man die Beziehung

Wegen    kann man durch diese Zahl dividieren und erhält eine Darstellung von durch die anderen Vektoren. Nach Aufgabe 16.4 ist auch die Familie ohne ein Erzeugendensystem von , im Widerspruch zur Minimalität. . Wegen der eindeutigen Darstellbarkeit besitzt insbesondere der Nullvektor nur die triviale Darstellung, d.h. die Vektoren sind linear unabhängig. Nimmt man einen Vektor hinzu, so besitzt dieser eine Darstellung

und daher ist

eine nichttriviale Darstellung der , sodass die verlängerte Familie nicht linear unabhängig ist. . Die Familie ist linear unabhängig, wir müssen zeigen, dass sie auch ein Erzeugendensystem bildet. Es sei dazu  .  Nach Voraussetzung ist die Familie nicht linear unabhängig, d.h. es gibt eine nichttriviale Darstellung

Dabei ist  ,  da andernfalls dies eine nichttriviale Darstellung der allein mit den linear unabhängigen Vektoren wäre. Daher können wir

schreiben, sodass eine Darstellung von möglich ist.


Satz 16.14 lässt sich nicht verallgemeinern, wie schon einfache Beispiele zeigen.


In einem Integritätsbereich ist jedes Element    maximal linear unabhängig, was auf Lemma 16.5 beruht. Ein Basisvektor liegt aber nur dann vor, wenn eine Einheit ist. Dagegen sind beispielsweise in die beiden Elemente und ein minimales Erzeugendensystem, da sie zusammen erzeugen, einzeln aber nicht.




Es sei ein Körper und ein - Vektorraum mit einem endlichen Erzeugendensystem.

Dann besitzt eine endliche Basis.

Es sei , , ein Erzeugendensystem von mit einer endlichen Indexmenge . Wir wollen mit der Charakterisierung aus Satz 16.14  (2) argumentieren. Falls die Familie schon minimal ist, so liegt eine Basis vor. Andernfalls gibt es ein    derart, dass die um reduzierte Familie, also , , ebenfalls ein Erzeugendensystem ist. In diesem Fall kann man mit der kleineren Indexmenge weiterargumentieren.
Mit diesem Verfahren gelangt man letztlich zu einer Teilmenge    derart, dass , , ein minimales Erzeugendensystem, also eine Basis ist.



Jeder Vektorraum

besitzt eine Basis.

Es sei ein Vektorraum über einem Körper . Es sei

Die leere Menge gehört zu , also ist nicht leer. Es sei    eine total geordnete Teilmenge. Wir behaupten, dass

ebenfalls linear unabhängig ist und daher eine obere Schranke von in bildet. Andernfalls gäbe es nämlich eine endliche Teilmenge  ,  deren Elemente linear abhängig sind, und es gäbe auch ein  ,  das umfasst und daher selbst linear abhängig wäre. Nach dem Lemma von Zorn besitzt also maximale Elemente, d.h. es gibt eine Teilmenge  ,  die linear unabhängig ist und derart, dass es keine echt größere linear unabhängige Teilmenge von gibt. Wir behaupten, dass auch ein Erzeugendensystem von ist. Es sei dazu  .  Bei    sind wir fertig. Bei    ist linear abhängig, d.h. es gibt eine Linearkombination

mit Elementen    und Koeffizienten  ,  die nicht alle sind. Dabei kann nicht sein, da sonst eine lineare Abhängigkeit zwischen Elementen aus vorliegen würde. Also kann man als Linearkombination der ausdrücken.



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