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Lineare Abbildungen/K/Nur Zahlenraum/Einführung/Textabschnitt

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Eine lineare Funktion über einem Körper K ist einfach eine Abbildung der Form

K⟶K,x⟼cx,

mit einer Konstanten c (einem Proportionalitätsfaktor), die bei einem angeordneten Körper den Anstieg des Graphen beschreibt. Ein einzelnes Element c kann man als eine 1×1-Matrix auffassen. Wir dehnen das lineare Konzept auf Abbildungen zwischen Standardräumen aus und wir werden sehen, dass diese durch Matrizen beschrieben werden können.


Es sei K ein Körper und  m,n∈ℕ.  Eine Abbildung

φ:Kn⟶Km

heißt lineare Abbildung, wenn die beiden folgenden Eigenschaften erfüllt sind.

  1.  φ(u+v)=φ(u)+φ(v)  für alle  u,v∈Kn. 
  2.  φ(sv)=sφ(v)  für alle s∈K und v∈Kn.


Es stehen n verschiedene Produkte zum Verkauf, wobei das i-te Produkt (pro Einheit) ai kostet. Ein Einkauf wird durch das n-Tupel

(x1,x2,…,xn)

repräsentiert, wobei xi die vom i-ten Produkt gekaufte Menge angibt. Der Preis des Einkaufs wird dann durch ∑i=1naixi beschrieben. Die Preisabbildung

φ:ℚn⟶ℚ,(x1,x2,…,xn)⟼∑i=1naixi.

ist linear. Dies beruht auf

φ(x+y)=∑i=1nai(xi+yi)=∑i=1naixi+∑i=1naiyi=φ(x)+φ(y)

und

φ(sx)=∑i=1naisxi=s∑i=1naixi=sφ(x).

Inhaltlich bedeutet dies beispielsweise, dass, wenn man zuerst den Einkauf (x1,x2,…,xn) tätigt und eine Woche später den Einkauf (y1,y2,…,yn), dann der Preis der beiden Einkäufe zusammen dem Preis entspricht, den man bezahlt hätte, wenn man auf einen Schlag (x1+y1,x2+y2,…,xn+yn) gekauft hätte.



Es sei K ein Körper und sei Kn der n-dimensionale Standardraum. Dann ist die i-te Projektion, also die Abbildung

Kn⟶K,(x1,…,xi−1,xi,xi+1,…,xn)⟼xi,

eine K-lineare Abbildung. Dies folgt unmittelbar aus der komponentenweisen Addition und Skalarmultiplikation auf dem Standardraum. Die i-te Projektion heißt auch die i-te Koordinatenfunktion.


Die beiden folgenden Beispiele entstammen der elementaren Geometrie.

Eine Achsenspiegelung an einer Achse.


Die Abbildung

K2⟶K2,(x,y)⟼(−x,y),

ist linear und beschreibt die Achsenspiegelung an der y-Achse.



Die Abbildung

K2⟶K2,(x,y)⟼(−x,−y),

ist linear und beschreibt die Punktspiegelung am Nullpunkt.




Es sei K ein Körper und sei φ:Kn→Km eine lineare Abbildung. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Es ist  φ(0)=0. 
  2. Für jede Linearkombination ∑i=1ksivi in Kn gilt
    φ(∑i=1ksivi)=∑i=1ksiφ(vi).

Beweis

Siehe Aufgabe.
◻



Es sei K ein Körper und seien ψ:Kp→Kn und φ:Kn→Km lineare Abbildungen. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Die Hintereinanderschaltung
    φ∘ψ:Kp⟶Km

    ist ebenfalls linear.

  2. Wenn φ bijektiv ist, so ist auch die Umkehrabbildung
    φ−1:Km⟶Kn

    linear.

Beweis

Siehe Aufgabe.
◻


Nach Fakt wird unter einer linearen Abbildung die 0 auf die 0 abgebildet. Die Menge aller Vektoren, die unter einer linearen Abbildung auf 0 abgebildet werden, ist für die Abbildung charakteristisch und bekommt einen eigenen Namen.


Zu einer linearen Abbildung φ:Kn→Km heißt

kern⁡φ={x∈Kn∣φ(x)=0}

der Kern von φ.

Der Kern ist einfach das Urbild des Nullvektors und wird auch mit φ−1(0) bezeichnet. Er ist ein Untervektorraum des Kn, siehe Aufgabe.



Lemma  

Es sei K ein Körper und sei

φ:Kn⟶Km

eine lineare Abbildung.

Dann ist φ genau dann injektiv, wenn  kern⁡φ=0  ist.

Beweis  

Wenn die Abbildung injektiv ist, so kann es neben  0∈Kn  keinen anderen Vektor  v∈Kn  mit  φ(v)=0  geben. Also ist  φ−1(0)=0. 
Es sei umgekehrt  kern⁡φ=0  und seien  v1,v2∈Kn  gegeben mit  φ(v1)=φ(v2).  Dann ist wegen der Linearität

φ(v1−v2)=φ(v1)−φ(v2)=0.

Daher ist  v1−v2∈kern⁡φ  und damit  v1=v2. 

◻


So, wie eine lineare Funktion φ:K→K durch den Wert an einer einzigen Stelle ≠0 festgelegt ist, was die Grundlage für Dreisatzaufgaben ist, sind lineare Abbildungen φ:Kn→Km durch die Werte auf einer Basis des Kn festgelegt. Der folgende Satz beweist dies für die Standardbasis, siehe Aufgabe für den allgemeinen Fall. Für entsprechende „Mehrsatzaufgaben“ siehe u. A. Aufgabe, Aufgabe und Aufgabe.


Satz  

Es sei K ein Körper und  m,n∈ℕ.  Es seien wi, i=1,…,n, Elemente in Km.

Dann gibt es genau eine lineare Abbildung

φ:Kn⟶Km

mit

φ(ei)=wi für alle i=1,…,n,

wobei ei den i-ten Standardvektor bezeichnet.

Beweis  

Da  φ(ei)=wi  sein soll und eine lineare Abbildung nach Fakt  (2) für jede Linearkombination die Eigenschaft

φ(∑i=1nsiei)=∑i=1nsiφ(ei)

erfüllt, und jeder Vektor  v∈Kn  sich als eine solche Linearkombination schreiben lässt, kann es maximal nur eine solche lineare Abbildung geben.
Wir definieren nun umgekehrt eine Abbildung

φ:Kn⟶Km,

indem wir jeden Vektor  v∈Kn  mit der gegebenen Standardbasis als

v=∑i=1nsiei

schreiben und

φ(v):=∑i=1nsiwi

ansetzen. Da die Darstellung von v als eine solche Linearkombination eindeutig ist, ist diese Abbildung wohldefiniert.
Zur Linearität. Für zwei Vektoren u=∑i=1nsiei und v=∑i=1ntiei gilt

φ(u+v)=φ((∑i=1nsiei)+(∑i=1ntiei))=φ(∑i=1n(si+ti)ei)=∑i=1n(si+ti)φ(ei)=∑i=1nsiφ(ei)+∑i=1ntiφ(ei)=φ(∑i=1nsiei)+φ(∑i=1ntiei)=φ(u)+φ(v).

Die Verträglichkeit mit der skalaren Multiplikation ergibt sich ähnlich, siehe Aufgabe.

◻