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Monomiale Kurve/z^a ist w^b/C/Link/Topologie/Textabschnitt

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Das reelle Bild der Neilschen Parabel


Wir betrachten die Nullstellenmenge

V=V(ZaWb)2,

die bei  a,b2  eine isolierte Singularität im Nullpunkt besitzt. Wenn a und b teilerfremd sind, so ist das Polynom

ZaWb[Z,W]

irreduzibel und damit ist auch V irreduzibel. Diese Eigenschaft werden wir im Folgenden voraussetzen, das einfachste singuläre Beispiel ist die Neilsche Parabel. Eine andere wichtige Beschreibung von V ergibt sich als Bild der polynomialen Abbildung

φ:V2,t(tb,ta).

Jeder Bildpunkt φ(t) erfüllt offenbar die beschreibende Gleichung. Bei vorausgesetzter Teilerfremdheit der Exponenten kann man einfach zeigen, dass die Abbildung φ sogar bijektiv ist. Es gibt also eine polynomiale Bijektion φ:V, wobei glatt und V singulär ist. Von daher könnte man meinen, dass die Singularität von V topologisch keine besondere Relevanz haben sollte. In der Tat liegt ein Homöomorphismus zwischen  2  und V vor. Wir werden aber zeigen, dass die Singularität sehr wohl eine topologische Relevanz besitzt, und zwar in der Art, wie sie im umgebenden Raum

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eingebettet ist. Ein erster wichtiger Hinweis in diese Richtung ergibt sich, wenn man die Abbildung φ mit dem Standarddurchlauf des Einheitskreises verknüpft. Dieser ist durch

[0,1]S1,se2πis,

gegeben. Verknüpft mit φ erhält man die Abbildung

[0,1]V2,s(e2bπis,e2aπis).

Da eine Homöomorphie vorliegt, ist dieser Weg ein Erzeuger der Fundamentalgruppe von V{(0,0)}, ebenso wie der Standarddurchlauf des Einheitskreises ein Erzeuger der Fundamentalgruppe von {0} ist. Ein Unterschied besteht aber in der Verschlingung dieses Weges im 4.

Wir identifizieren den 2 mit dem 4 und schreiben  z=x1+x2i  und  w=y1+y2i.  Im 4 arbeiten wir also mit den reellen Koordinaten x1,x2,y1,y2. Eine komplexe Zahl ist genau dann 0, wenn sowohl ihr Realteil als auch ihr Imaginärteil 0 ist. Die definierende Gleichung

zawb=0

für ein komplexes Zahlenpaar (z,w) bedeutet daher ins Reelle übersetzt, wegen

za=(x1+x2i)a=j=0a(aj)ijx1ajx2j=(j gerade (1)j/2(aj)x1ajx2j)+i(j ungerade(1)(j1)/2(aj)x1ajx2j)

(und entsprechend für wb), dass die beiden reellen Gleichungen

j gerade (1)j/2(aj)x1ajx2j=j gerade (1)j/2(bj)y1bjy2j

und

j ungerade(1)(j1)/2(aj)x1ajx2j=j ungerade(1)(j1)/2(bj)y1bjy2j

simultan erfüllt sein müssen. Für die Neilsche Parabel bedeutet das, dass die beiden Gleichungen

x12x22y13+3y1y22=0

und

2x1x23y12y2+y23=0

erfüllt sein müssen.

Auf V wirkt die multiplikative Gruppe × durch die Operation

××VV,(u,z,w)(ubz,uaw).

Diese Gruppenwirkung hängt mit der -Graduierung des Restklassenringes [Z,W]/(ZaWb) durch  Grad(Z)=b  und  Grad(W)=a  zusammen. Wir schränken die Operation auf positive reelle Zahlen ein. Diese Operation setzt sich auf dem gesamten 4 fort, durch

u(x1,x2,y1,y2)=(ubx1,ubx2,uay1,uay2).

Die Bahnen dieser Operation zu einem Punkt  (x1,x2,y1,y2)0  sind selbst wieder reelle mit Koeffizienten versehene monomiale Kurven im Vierdimensionalen. Für u0 streben diese Bahnen gegen den Nullpunkt und für u+ gegen Unendlich. Diese Bahnen sollte man in Analogie zu den Strahlen (Halbgeraden) im n sehen, die vom Nullpunkt ausgehen. Jeder Strahl durchstößt die Sphäre in genau einem Punkt. Eine entsprechende Aussage gilt auch für die gegenwärtigen Bahnen.

Es sei

S3={(x1,x2,y1,y2)x12+x22+y12+y22=1}42

die reell dreidimensionale Sphäre im reell vierdimensionalen Raum. Wir betrachten den Durchschnitt

L=VS3.

Da V reell zweidimensional ist, erwartet man (reelle Kodimensionen zählen) einen reell eindimensionalen Schnitt. L steht hier für Link, auf Deutsch Umgebungsrand. Es ist generell ein wichtiges topologisches Hilfsmittel, zu einer affin-algebraischen Varietät

Vn

mit einer Singularität im Nullpunkt den Durchschnitt mit der reell 2n1-dimensionalen Sphäre zu betrachten, also  L=VS2n1S2n1.  Dabei ist für geeignete Sphärenradien der Durchschnitt L eine reelle Mannigfaltigkeit, deren Dimension um 1 kleiner als die reelle Dimension von V ist.

In unserer Situation liegt insgesamt das kommutative Diagramm

+×S1×+×LV{0}

von Homöomorphismen vor. Dabei steht oben die Polarkoordinantenabbildung, rechts steht t(tb,ta) mit der Umkehrabbildung (z,w)zβwα, wobei  αa+βb=1  gelte (siehe Fakt), und unten (u,x1,x2,y1,y2)(ubx1,ubx2,uay1,uay2), was wir gleich als bijektiv nachweisen werden.



Lemma  

Es sei

V=V(ZaWb)24

mit a,b teilerfremd. Es sei  L=VS3

Dann ist die Abbildung

φ:+×LV{0},(u,x1,x2,y1,y2)(ubx1,ubx2,uay1,uay2),

eine Homöomorphie. Die Verknüpfung von

γ:S1V{0},s(e2bπis,e2aπis),

mit φ1 und der Projektion auf L ergibt eine Homöomorphie zwischen S1 und L.

Beweis  

Die Abbildung φ ist wohldefiniert und stetig. Zu einem fixierten, von 0 verschiedenen Punkt

(x~1,x~2,y~1,y~2)V

zeigen wir, dass es ein eindeutiges Urbild gibt. Wir behaupten, dass die reelle Bahn (ubx~1,ubx~2,uay~1,uay~2), u+ durch diesen Punkt die dreidimensionale Sphäre in genau einem Punkt schneidet. Die Schnittbedingung ist

(ubx~1)2+(ubx~2)2+(uay~1)2+(uay~2)2=u2b(x~12+x~22)+u2a(y~12+y~22)=1.

Wegen der monomialen Bedingung sind sowohl (x~1,x~2) als auch (y~1,y~2) von 0 verschieden und daher sind  c=x~12+x~22  und  d=y~12+y~22  positive reelle Zahlen. Es liegt also eine Gleichung der Form

c(ub)2+d(ua)2=1

vor. Die Gleichung

cv2+dw2=1

beschreibt eine Ellipse und es muss wegen der Positivität von u,v,w

v=ub

und

w=ua

gelten. Dafür gibt es nur eine Lösung in u. (dies sieht man auch, wenn man c(ub)2+d(ua)2 nach u ableitet und das asymptotische Verhalten dieser Funktion betrachtet). Das legt über  x1:=ubx~1  etc. auch die anderen Koordinaten im Urbild fest.

Die Norm von γ(s) ist wegen

γ(s)=(e2bπis,e2aπis)=(cos2bs,sin2bs,cos2as,sin2as)=(x~1,x~2,y~1,y~2)

gleich 2. Es sei u0 die eindeutig bestimmte positive reelle Zahl mit

u02b+u02a=1.

Die beschriebene Hintereinanderschaltung ist dann

S1L,s(u0be2bπis,u0ae2aπis)=(u0bcos2bs,u0bsin2bs,u0acos2as,u0asin2as).


Wir betrachten nun das Paar bestehend aus der Sphäre S3 und L, das homöomorph zu S1 ist. Wenn man aus S3 einen Punkt herausnimmt, der nicht auf dem eingebetteten S1 liegt, so erhält man eine 1-Sphäre im 3. Ein solches Gebilde nennt man einen Knoten.

Links ein Schnürsenkelknoten, rechts ein mathematischer Knoten. Durch die Verbindung der Schnürsenkelenden merkt man sich die eigentliche Verknotung besser.


Unter einem Knoten versteht man eine topologische Einbettung der 1-Sphäre in den Raum 3

Manchmal beschränkt man sich auf stetig differenzierbar eingebettete Kreise.


Zwei Knoten K1 und K2 heißen äquivalent, wenn es eine stetige Abbildung

Ψ:[0,1]×33

derart gibt, dass für jedes t die Abbildung Ψt ein Homöomorphismus des 3 ist, dass Ψ0 die Identität ist und dass

Ψ1(K1)=K2

ist.

Die Bildknoten Ψt(K1) beschreiben dabei eine stetige Deformation des ersten Knotens in den zweiten Knoten mit dem Zeitparameter t.

Ein trivialer Knoten, der ziemlich, aber nicht völlig trivial aussieht.


Ein Knoten K, der zum Knoten

{(x,y,0)x2+y2=1}3

äquivalent ist, heißt trivial.

Streng genommen meint man die Standardeinbettung dieses Knotens, also die Abbildung

[0,1]3,s(cos2πs,sin2πs,0),

doch ist jeder andere Durchlauf dazu äquivalent.

Zur Orientierung der im Folgenden zu besprechenden Knoten ist der Begriff des Torus und des Torusknotens hilfreich.


Die Produktmannigfaltigkeit S1×S1 heißt Torus.

Der Torus ist in natürlicher Weise eine abgeschlossene zweidimensionale Untermannigfaltigkeit des 4. Ein Torus lässt sich aber auch einfach als abgeschlossene Untermannigfaltigkeit des 3 realisieren, beispielsweise, indem man einen Kreis um eine Gerade außerhalb des Kreises rotieren lässt. Ein Torus ist somit einfach ein Fahrradschlauch.


Ein Knoten, der auf einem Torus  T3  liegt, heißt Torusknoten.

Wir arbeiten nun mit Polarkoordinaten für die beiden , und zwar sei

z=ρ1e2πiθ1

und

w=ρ2e2πiθ2.

Auf V{(0,0)} sind beiden Koordinaten nicht 0, und daher kann man mit diesen Koordinaten alles erfassen. In diesen Koordinaten ist

×××=+×S1×+×S1.

In der Polarkoordinatenbeschreibung wird V(0,0) durch

{(ρ1,θ1,ρ2,θ2)ρ1a=ρ2b,aθ1=bθ2}

beschrieben. Dabei ist die zweite Gleichung  aθ1=bθ2  als Winkelgleichung, also modulo zu verstehen. In dieser Darstellung erkennt man den positiven Quadranten der reellen monomialen Kurve, wenn man die Winkelgleichung vergisst. Die Lösungsmenge der Winkelgleichung, also

{(θ1,θ2)aθ1=bθ2 modulo },

ist innerhalb von [0,1[×[0,1[ der „Funktionsgraph“ zu

θ2=abθ1,

der allerdings aus verschiedenen parallelen Strecken besteht. Sie ist homöomorph zum S1.

Wenn man auch auf der Normalisierung der Kurve Polarkoordinaten (ρ,θ) einführt, so ist die Normalisierungsabbildung durch

(ρ,θ)(ρb,bθ,ρa,aθ)

gegeben.

Der erzeugende Weg γ der Fundamentalgruppe von V{0} hat in beiden komplexen Koordinaten den Radius 1 und ist daher ein Weg auf dem Torus S1×S1. Er dreht sich um den ersten Kreis b-fach und um den zweiten a-fach. Um einen Weg auf dem Link L zu erreichen, muss man den Weg

S1L,θ(u0b,bθ,u0a,aθ),

mit u0 wie im Beweis zu Fakt nehmen. Dies ändert nichts daran, dass der Weg auf einem Torus verläuft (wobei die beiden Kreise jetzt unterschiedliche Radien haben) und wie oft sich der Weg in den beiden Richtungen dreht.

Wenn man den S3 ohne einen Punkt N auf den 3 homöomorph abbildet (etwa durch die stereographische Projektion,) und der Projektionspunkt N nicht auf diesem Torus und damit auch nicht auf L liegt, so wird der Torus homöomorph auf einen Torus im 3 abgebildet. Daraus ist ersichtlich, dass es sich bei (L,S3) um einen Torusknoten handelt. Bei  a=2  und  b=3  ist dieser Knoten die sogenannte Kleeblattschlinge.

Bei  a=1  oder  b=1  ergibt sich ein Torusknoten, der einmal längs des einen Kreises und beliebig oft längs des anderen Kreises läuft. Das ist dann aber ein trivialer Knoten, man denke an die homöomorphe Projektion dieses Knotens auf die Ebene, die einen geschlängelten Kreis ergibt. Wir halten die folgende topologische Auswirkung einer Singularität fest: Die ebene monomiale Kurve ist genau dann regulär, wenn der zu ihr gehörende Link trivial ist.

Wir behandeln abschließend noch den Fall, wo die Exponenten der Variablen nicht teilerfremd sind. Der Link besteht dann aus mehreren eindimensionalen Sphären, die im S3 in einer bestimmten charakteristischen Weise miteinander verschlungen sind.


Lemma  

Es sei

V=V(ZcaWcb)2

mit a,b teilerfremd.

Dann gibt es eine Faktorzerlegung

ZcaWcb=j=0c1(ZaζjWb),

wobei ζ eine c-te primitive Einheitswurzel ist. Die Komponenten V(ZaζjWb) sind untereinander isomorph und schneiden sich paarweise im Nullpunkt.

Beweis  

Es gilt

XcYc=j=0c1(XζjY).

Wenn man  X=Za  und  Y=Wb  einsetzt, so erhält man das Resultat. Es sei ξ eine b-te Wurzel von 1/ζj. Dann ist

V(ZaWb)V(ZaζjWb),(z,w)(z,ξw),

ein Isomorphismus. Ferner ist bei  jk 

(ZaζjWb,ZaζkWb)=(Za,Wb),

die Nullstellenmenge davon ist allein der Nullpunkt.


Dies bedeutet insbesondere, dass der Durchschnitt S3V(ZcaWcb) aus c disjunkten S1 bestehen.


Wir betrachten die monomiale Gleichung

z2=w2

in 2, wo also die beiden Exponenten nicht teilerfremd sind. Diese Kurve kann auch durch die Gleichung  zw=0  beschrieben werden, es handelt sich also um das komplexe Achsenkreuz  V=V(zw)=V(z)V(w).  In diesem Fall besteht der Durchschnitt

L=VS3

aus zwei disjunkten Kreisen. Diese beiden Kreise sind einfach ineinander verschlungen. Man spricht von der Hopfverschlingung.



Wir betrachten die monomiale Gleichung

Z2=W4

in , die beiden Exponenten sind also nicht teilerfremd. Das beschreibende Polynom zerfällt  Z2W4=(ZW2)(Z+W2),  die Nullstellenmenge V ist also die Vereinigung von zwei Parablen. Der Durchschnitt V(ZW2)V(Z+W2) besteht allein aus dem Nullpunkt. Daher besteht

L=VS3=(V(ZW2)S3)(V(Z+W2)S3)

aus zwei disjunkten Kreisen. Diese beiden Kreise sind doppelt ineinander verschlungen.