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Operation der allgemeinen linearen Gruppe/Typische Beispiele/Einführung/Textabschnitt

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Es sei ein Körper und ein endlichdimensionaler -Vektorraum. Die natürliche Operation der allgemeinen linearen Gruppe    auf besitzt nur zwei Bahnen, nämlich den Nullpunkt und . Je zwei von verschiedene Vektoren können ja mit einem geeigneten    ineinander überführt werden. Hier sind also keine interessanten Invarianten zu erwarten.

Ein    transformiert aber nicht nur einen einzigen Punkt    (einen Vektor), sondern beliebige Teilmengen  .  Die Frage, ob zwei Teilmengen    mittels einem    ineinander überführt werden können, wird schnell kompliziert (die Menge der betrachteten Objekte muss im Allgemeinen kein Vektorraum mehr sein). Hier betrachten wir endliche geordnete Punktmengen. Wir fixieren eine Zahl    und betrachten Punkttupel

die wir uns als eine geordnete Punktkonfiguration in vorstellen. Die Punkte sind also durchnummeriert, und es ist auch der Fall erlaubt, dass    ist. Die Operation der allgemeinen linearen Gruppe dehnt sich sofort auf diese Situation aus, und zwar ist die Operation durch

gegeben.

Im einfachsten Fall, bei  ,  geht es um die Operation der Einheitengruppe auf durch skalare komponentenweise Multiplikation. Die Bahnen sind neben dem Nullpunkt die punktierten Geraden durch den Nullpunkt. Außer den konstanten Funktionen gibt es keine invarianten Polynome. Die auf eingeschränkte Operation besitzt den -dimensionalen projektiven Raum als Quotienten.



Es sei ein Körper und ein -dimensionaler -Vektorraum. Es sei    (man denke an ), wir betrachten die Wirkungsweise von auf dem -fachen Produkt von mit sich selbst, bei der ein -Tupel von Vektoren aus auf ein anderes, durch die Matrix    bestimmtes -Tupel abgebildet wird. Mit    interessieren wir uns also für die Abbildung

Ein Tupel von Vektoren wird also stets auf ein Tupel aus Linearkombinationen dieser Vektoren abgebildet. Daher ist der von erzeugte -Untervektorraum gleich dem vom Bildtupel erzeugten Untervektorraum. Wenn die linear unabhängig sind, so gilt dies auch für das Bildtupel. Für einen -dimensionalen Untervektorraum    und zwei Basen von gibt es stets einen Automorphismus von , der die eine Basis in die andere Basis überführt. Wenn man also die Operation von auf die (offene und dichte) Teilmenge    einschränkt, die aus allen linear unabhängigen -Tupeln besteht, so entsprechen die Bahnen der Operation den -dimensionalen Untervektorräumen von , und die Elemente der einzelnen Bahnen durchlaufen sämtliche Basen des zugehörigen Untervektorraumes. Die Bahnen der Operation auf ganz sind schwieriger zu charakterisieren.

Wir beschreiben die algebraische Version dieser Operation. Die linearen Funktionen auf dem der Operation zugrunde liegenden Vektorraum    sind die Linearformen    mit

Dabei sind die Linearformen auf , die wir direkt als Linearformen auf über die -ten Projektionen auffassen. Zu    und

ist die verknüpfte Abbildung gleich

Daher ist

Es sei nun  ,  sodass wir die Gesamtsituation mit Variablen schreiben können. Zum Vektorraum gehört der Polynomring

Dabei repräsentieren die , , die Koordinatenfunktionen der -ten Kopie des Vektorraums . Die Variable ist die -te Projektion von auf    gefolgt von der -ten Projektion von auf . Somit ist (es steht an der -ten Stelle)

Wenn eine Linearform auf (also eine Linearkombination aller ) in Matrixform als

gegeben ist, wobei die die Koeffizienten zu bezeichnen, so erhält man die durch transformierte Linearform, indem man diese Matrix von rechts mit der transponierten Matrix zu multipliziert, also

Damit liegt eine Operation der auf dem Polynomring in Variablen vor. Um invariante Polynome zu bekommen, schränken wir die Operation auf die spezielle lineare Gruppe    ein. Dann sind sämtliche -Minoren der Variablenmatrix

invariant unter der Gruppenoperation. Dazu betrachten wir die universelle alternierende Abbildung

Diese Abbildung ist nach Fakt invariant unter der Gruppenoperation (dafür braucht man, dass die Determinanten von gleich sind). Die -Minoren sind Linearformen auf dem -ten Dachprodukt.



Zu einem -Vektorraum und einer natürlichen Zahl nennt man die Menge der -dimensionalen Untervektorräume    die -te Graßmann-Varietät. Sie wird mit und bei    mit bezeichnet.

Nach Beispiel ist der Bahnenraum zur dort beschriebenen Operation der auf  ,  wobei aus den linear unabhängigen -Tupeln besteht. Dieses ist in der Zariski-Topologie eine offene Teilmenge und bei    oder auch in der metrischen Topologie offen. Man kann mit der Quotiententopologie unter der Quotientenabbildung versehen. Im metrischen Fall erhält man sogar eine Mannigfaltigkeitsstruktur auf , man spricht dann von der Graßmann-Mannigfaltigkeit.


Es sei ein Körper. Wir betrachten Paare von Matrizen

wobei eine -Matrix und eine -Matrix ist. Es gibt also insgesamt Koordinaten. Die allgemeine lineare Gruppe    operiert auf der Menge dieser Matrizenpaare in folgender Weise: Zu    setzen wir

Dass eine Operation vorliegt, folgt aus

woraus auch die Wahl der Reihenfolge und der Grund der Invertierung klar wird. DIe Situation kann man sich auch gut anhand des folgenden Diagramms klarmachen.

Die Gesamtabbildung stimmt mit der Abbildung überein, die invertierbare Matrix beschreibt einen Basiswechsel für den mittleren Raum. Aus dieser Interpretation ergibt sich direkt, dass die Produktabbildung

mit der Operation der Gruppe verträglich (hinten liegt die triviale Operation vor) ist, was rechnerisch auch aus

folgt.

Mit Hilfe der Variablenmatrizen

kann man einfach invariante Polynome aus    angeben, nämlich die Einträge der Produktmatrix , also die Ausdrücke der Form

Die Invarianz dieser Formen folgt direkt aus der Invarianz der obigen Produktabbildung. Darüber hinaus kann man zeigen, dass der Invariantenring von den erzeugt wird und auch eine explizite Restklassendarstellung ist bekannt: Wenn man den Polynomring    heranzieht und die surjektive Abbildung

betrachtet, so wird der Kern von durch sämtliche -Minoren der Variablenmatrix erzeugt. Dieser Invariantenring ist daher ein sogenannter Minorenring (oder Determinantenring), und insbesondere lassen sich Minorenringe als Invariantenringe realisieren.

Wenn beispielsweise    ist, so gibt es die Variablen und und es ist

Zwischen den bestehen die Relationen

d.h.

Diese Relationen sind die -Minoren der Matrix . In diesem Fall ist der Invariantenring sogar ein Monoidring.